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Ein-Euro-Jobs bringen weniger als erhofft

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Ein-Euro-Jobs bringen weniger als erhofft Empty Ein-Euro-Jobs bringen weniger als erhofft

Beitrag  checker am Do Dez 01, 2011 1:13 am

München - Ein-Euro-Jobs haben den Geförderten in München oft mehr geschadet als genützt. Das zeigt eine Studie im Auftrag des Jobcenters. In Zukunft soll diese Art der Förderung zielgenauer eingesetzt werden.

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Die „Arbeitsgelegenheiten in der Mehraufwandsvariante“ (AGH) – so der Fachbegriff für Ein-Euro-Jobs –, sollen Langzeit-Arbeitslose, die Arbeitslosengeld II beziehen, sozial stabilisieren und ihre Beschäftigungsfähigkeit verbessern. Das fange bei grundlegenden Fähigkeiten an, erläutert die Geschäftsführerin des Jobcenters München, Martina Musati: Manch einer müsse lernen, seinen Tag zu strukturieren und pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Freie und städtische Träger sowie Soziale Betriebe bieten dazu eine Vielzahl von Jobs – vom Energiespar-Berater über Alltagsbetreuung von Senioren, Verkaufs- und Küchenhilfen bis zur Arbeit in der Radl-Werkstatt. Voraussetzung: Die Jobs dürfen keinen regulären Arbeitsplatz verdrängen.

Der Teilnehmer bekommt zusätzlich zu seinen ALG-II-Bezügen 1,50 Euro pro Stunde und sozialpädagogische Betreuung am Arbeitsplatz. Dafür zahlen Jobcenter und Stadt dem Träger maximal 200 Euro im Monat. Im Haushalt des Jobcenters schlägt jede Stelle im Schnitt mit 330 Euro monatlich zu Buche – Geld, das gut angelegt ist, wenn es den Geförderten hilft, eine dauerhafte Anstellung zu finden.

Doch das, so zeigt die Studie, mit der sich am 6. Dezember der Stadtrat beschäftigen wird, war in den Jahren 2007 bis 2009 zu selten der Fall. AGH sind für Menschen gedacht, die noch nie eine reguläre Erwerbsarbeit hatten oder sich aufgrund vielfältiger Probleme so weit von den Erfordernissen des Arbeitsmarktes entfernt haben, dass ihre Job-Aussichten minimal sind. Die ARGE habe jedoch „überwiegend“ andere Personen gefördert, heißt es in einer Zusammenfassung der Studie. Der Vergleich sogenannter „statistischer Zwillinge“ – Menschen, die in 45 Merkmalen übereinstimmen – ergab: AGH-Absolventen hatten weniger Chancen, eine feste Anstellung zu finden, als Personen, die nicht oder mit anderen Maßnahmen, etwa Qualifizierung, gefördert wurden.

Sind Ein-Euro-Jobs also überflüssig? Keineswegs, sagt Musati: „Wenn wir die Richtigen zuweisen, hat AGH auch bessere Effekte.“ Das will sie durch bessere Abstimmung mit Vermittlern und Trägern sicherstellen. Und die Maßnahmen sollen kürzer werden. Durchschnittlich neun Monate dauerten sie in München – der Landesdurchschnitt liegt bei fünf. Musati plant, Ein-Euro-Jobs künftig generell für sechs Monate zuzuweisen. „Dann prüfen wir, ob eine Verlängerung nötig ist.“

Die Jobcenter-Chefin wehrt sich gegen den Vorwurf, die Studie solle einen Vorwand liefern, um den AGH-Etat zu kürzen. Gekürzt werden müsse der gesamte Etat des Jobcenters, weil der Bund die Mittel kürzt, betont sie: Von 105,7 auf 92,6 Millionen Euro soll das Budget in München sinken, ein Minus von 12,4 Prozent, nachdem schon 2011 um 7,4 Prozent gekürzt werden musste. Zudem fährt auch die Stadt ihren Anteil um 3,9 Millionen auf den gesetzlichen Pflichtanteil herunter. 5,2 Millionen Euro spart Musati im Personalhaushalt ein, um 7,9 Millionen Euro muss das Eingliederungsbudget gekürzt werden. Unangetastet bleiben lediglich Mittel für Schwerbehinderte und Maßnahmen für Jugendliche. Die Ein-Euro-Jobs bekommen die Kürzungen anteilig ebenso zu spüren wie andere Fördermaßnahmen. Statt 1600 AGH-Stellen wird es 2012 nur noch knapp 1300 geben. „Noch gibt es keine Streichliste“, sagt Musati. Welche AGH-Förderstellen eingespart werden, soll aber noch in diesem Jahr festgelegt werden. Wirtschaftsreferent Dieter Reiter will im Dezember Vertreter von Jobcenter, Trägern und Politik an einen Tisch holen um einen objektiven Kriterienkatalog zu erarbeiten.

Peter T. Schmidt

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