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Probleme einer Alleinerziehenden

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Probleme einer Alleinerziehenden

Beitrag  Andy am Mi Feb 08, 2012 11:13 am

Alleinerziehende sind besonders häufig von Armut bedroht. Wie schwer es ist, Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen, erzählt eine Braunschweigerin.



Juliane Witt hat 70 Bewerbungen geschrieben, vielleicht waren es auch 80; so genau weiß sie das gar nicht mehr. Sie hat sich als Buchhalterin beworben, als Sachbearbeiterin, als Sekretärin – bei Unternehmen, Stadtverwaltungen und auch in der Hotelbranche. Immer bekam sie eine Absage. Und immer, wenn sie nachhakte, bekam sie eine ähnliche Antwort zu hören: überqualifiziert oder keine Berufserfahrung.

Sie schüttelt den Kopf. "Inzwischen glaube ich nicht mehr, dass das der Hauptgrund war", sagt sie. "Vermutlich war es wegen des Kindes." Die 29-Jährige hat eine anderthalbjährige Tochter – und sie ist alleinerziehend. "Wohl ein K.o.-Kriterium." Das hat ihr zwar keiner so direkt gesagt, aber sie meint, die Ablehnung gespürt zu haben: Alleinerziehende gelten als wenig flexibel, als weniger belastbar, weil sie immer pünktlich Feierabend machen müssen. Alleinerziehende können nicht ihre ganze Kraft in die Arbeit stecken, es ist immer noch ein Kind da, das ihren Einsatz braucht.

Juliane Witt widerspricht allen Klischees. Am Ende hat sie doch einen Job bekommen, in der Buchhaltung der Gemeinde Lehre. Dafür ist sie aus Pasewalk in Mecklenburg-Vorpommern nach Braunschweig gezogen; 270 Kilometer westwärts. Ihre Zwei-Zimmer-Wohnung ist noch leer; sie schläft auf einer Matratze auf dem Boden, lebt aus dem Koffer. Ihre Tochter musste sie bei ihren Eltern in Pasewalk lassen. "Ich habe noch keine Betreuungsmöglichkeit für sie gefunden."

Juliane Witt zieht ein Foto aus ihrer Tasche, das sie mit ihrer Tochter zeigt. Sie steht im Tierpark von Germendorf in Brandenburg; es ist Sommer; ihr Kind hält sie fest auf ihrem Arm, es trägt eine rosa Mütze und ein weißes T-Shirt mit pinkfarbenen Blumen, Juliane Witt ein rot-weißes Top mit gezackten Streifen; beide kneifen die Augen zusammen gegen die Sonne – das Bild macht ihr Mut in der Einsamkeit. Im Nachhinein erscheinen die Stunden der Gemeinsamkeit noch kostbarer.

Die junge Mutter ist froh, die Chance auf einen Berufseinstieg bekommen zu haben. Sie hat Buchführung und Management in den USA studiert, im sonnigen Los Angeles. Sie wäre auch gerne dort geblieben, wenn sie nicht schwanger geworden wäre.

Als sie ihre Abschlussprüfung machte, war sie im achten Monat; es war schnell klar, dass es mit dem Vater des Kindes keine gemeinsame Zukunft geben würde. Ihre Tochter wurde in den USA geboren; sie nannte sie Lilia Olive – weil man den Namen auch auf Englisch noch gut aussprechen kann. Kurz nach der Geburt kehrte sie nach Deutschland zurück.

Ohne ihre Eltern in Pasewalk hätte Juliane Witt wohl kaum eine Vollzeit-Stelle in einer anderen Stadt annehmen können. Im Oktober hatte sie das Vorstellungsgespräch in Lehre, im November unterschrieb sie den Vertrag, im Dezember machte sie sich auf die Wohnungssuche – doch auch die entpuppte sich als mühselig. "Paare bekommen meist den Vorzug; zwei Einkommen sind mehr Sicherheit für einen Vermieter", sagt sie. Noch schwerer ist es, einen Betreuungsplatz für ihre Tochter zu bekommen. Sie hätte Lilia Olive gleich in eine Krippe geben können, allerdings nur von 8 bis 15.30 Uhr – gebraucht hätte sie aber einen Platz von 6.30 bis 17 Uhr. Eine Tagesmutter kostet mehr Geld und ein Au Pair darf nur 30 Stunden in der Woche arbeiten, Juliane Witt arbeitet aber 40 Stunden, die An- und Abfahrt noch nicht eingerechnet. Also bleibt Lilia Olive bei ihren Großeltern, 270 Kilometer weit weg, so schwer der Mutter die Trennung auch fällt.

Jeden Abend telefoniert Juliane Witt mit ihrer Tochter – soweit das mit einer Anderthalbjährigen möglich ist. "Hier ist deine Mama", sagt sie, damit Lilia Olive ihre Stimme hört. Wie soll die Kleine auch verstehen, wo ihre Mutter ist?

Zweimal im Monat fährt sie außerdem über das Wochenende nach Hause, nach Pasewalk; sie hat Angst, dass sie dem Kind fremd wird, wenn sie zu lange getrennt voneinander sind. Doch die Pendelei kostet viel Geld. Dazu kommen die Gebühren für den Krippenplatz in ihrer Heimat, 250 Euro im Monat plus Essen. "Manchmal denke ich, man ist besser dran, wenn man zu Hause bleibt, aber ich brauche doch die Berufserfahrung, ich möchte arbeiten und nicht von Hartz-IV leben."

Juliane Witt kennt die Vorbehalte: Kinder sollten bei ihren Eltern sein, hat sie oft zu hören bekommen. Sie hat Angst, als Rabenmutter abgestempelt zu werden. "Von außen sieht es immer so einfach aus", sagt sie. Dabei ist es auch ihr sehnlichster Wunsch, ihre Tochter zu sich zu holen.

Kürzlich bekam sie endlich eine Zusage für einen Krippenplatz. Im September. "Das ist noch so lange hin. Aber auch das werden wir schaffen", sagt sie. "Müssen wir ja."

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