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Datenschützer warnen vor RFID-Chips in Kleidung

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Datenschützer warnen vor RFID-Chips in Kleidung

Beitrag  checker am Mi Feb 22, 2012 11:43 am

Immer mehr Kleidungsstücke enthalten RFID-Chips. Damit lassen sich Kunden ausspähen und orten. Ein Datenschutzverein protestiert gegen den Einsatz.



Sie gehen shoppen und kaufen einen Anzug. Beim Betreten des nächsten Geschäfts stürzt sich ein Verkäufer auf Sie und teilt Ihnen mit, dass die zu Ihrem neuen Anzug passenden Herrenhemden und Krawatten momentan knallhart reduziert sind. Da staunen Sie nicht schlecht. Denn Sie haben weder gefragt noch Einblick in Ihre Einkaufstasche gewährt.

Der gute Mann ist trotzdem bestens darüber informiert, was in Ihrer Tüte steckt. Er weiß sogar, wo Sie die Waren wann gekauft und was Sie dafür auf den Tresen gelegt haben. Verraten hat Sie ein kleiner Funkchip, der in Ihre Einkäufe eingenäht ist und dessen zunehmende Verbreitung Datenschützer auf die Palme treibt.


Per Lesegerät lässt sich ein RFID-Chip auf eine Entfernung von bis zu zwölf Metern orten. Eine Batterie ist nicht nötig. Die Antenne sendet nicht nur Daten, sondern versorgt den Chip auch mit Strom

Geheimsignale im Stoff

Was klingt wie Zukunftsmusik ist technisch bereits machbar: Reiskorn-kleine Funkchips zum Beispiel in Kleidungsstücken senden beim Passieren des Lesegeräts am Eingang eines Geschäfts eine eindeutige Seriennummer aus. Über eine Online-Datenbankabfrage lassen sich Informationen zum Kleidungsstück blitzschnell ermitteln.

Das könnte sich in absehbarer Zeit zu einem drastischen Datenschutzproblem auswachsen. Denn immer mehr Bekleidungshersteller, darunter Peuterey, Lemmi Fashion, Levi's und Gerry Weber, setzen bereits auf RFID-Chips (radio-frequency identification, auf Deutsch: Identifizierung über elektromagnetische Wellen). Andere, wie s'Oliver, bereiten den Einsatz derzeit vor und rüsten ihre Läden nach und nach mit RFID-Lesegeräten aus.

Die Mitglieder des Bielefelder Datenschutzvereins FoeBuD (FoeBuD ist die Abkürzung für "Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs e.V.") protestieren gegen den Einsatz dieser Technik in Kleidung und machen Kunden durch Aktionen vor Geschäften darauf aufmerksam.

Die Befürchtungen gehen über individuelle Einkaufstipps für ausgespähte Kunden weit hinaus: Menschen können über Funkchips in Kleidung heimlich geortet und Bewegungsprofile erstellt werden. Und tatsächlich haben die meisten Kunden keine "Peilung" davon, dass ihre Kleidung funken könnte.

Kleinster gemeinsamer Helfer

Die RFID-Technik ist unter anderem so beliebt, weil sie das Erfassen der Ware an der Kasse vereinfacht und gleichzeitig als Diebstahlschutz dient. RFID-Funkchips benötigen für das Aussenden ihrer Speicherinformation keine Batterie. Den nötigen Strom liefern die Lesegeräte drahtlos als elektromagnetischen Impuls oder hochfrequente Radiowelle.

Die Antenne, über die der Chip auch den Strom bezieht, ist so klein, dass sie problemlos in einen Waschzettel eingenäht sein kann. Chip und Antenne sind so robust, dass sie Waschgänge überstehen und über Jahre ihre Seriennummer an RFID-Empfänger in der Nähe senden können.

Die Gefahr, auf die FoeBuD hinweist, ist real. Besonders bedenklich: Einige Hersteller, etwa Peuterey, informieren ihre Kunden gar nicht oder nicht ausreichend über eingenähte Funkchips und wollen deren Entfernung sogar verhindern. Computer Bild sah sich in einer Gerry-Weber-Filiale um. Hier sind RFID-Chips in den Waschzettel eingenäht. Anders als andere Hersteller empfiehlt die Firma, den Chip nach dem Kauf herauszuschneiden. Computer Bild meint: Alle Textilanbieter sollten ihre Kunden über RFID-Chips informieren und RFID-Sender gleich an der Kasse ungefragt entfernen.

Quelle

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