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Alle haben weggeschaut

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Alle haben weggeschaut

Beitrag  Andy am Di Sep 24, 2013 6:06 pm

Er lieferte die ersten Hinweise auf Kindesmisshandlungen bei der Sekte Zwölf Stämme. Das war vor über einem Jahr. Doch die Behörden reagierten kaum. Jetzt wagt er sein erstes Interview und berichtet von grausamen Erziehungsritualen der selbst ernannten Ur-Christen.



Herr Bayer, Sie waren 20 Jahre Mitglied der Sekte Zwölf Stämme, zehn davon als Lehrer in Klosterzimmern. Nun konnte ein RTL-Reporter versteckte Aufnahmen von Prügelszenen machen. Anhand dieses Dokuments hat das Amtsgericht 40 Sektenkinder der Obhut von Pflegefamilien übergeben. Was haben Sie gefühlt, als Sie die TV-Bilder sahen?

Ich bekam einen heftigen Weinkrampf. Als Lehrer und Mitglied habe ich wie alle dort damals selber geschlagen – meine eigenen und die Kinder anderer Familien. Als ich diese Bilder sah, habe ich mich geschämt. Es war ein Schock, die kalte Brutalität der ehemaligen Mitstreiter zu sehen und damit konfrontiert zu werden, dass ich da bis zu meinem Ausstieg vor zwei Jahren selber mitgemacht habe.

Die TV-Bilder dokumentieren, wie innerhalb von zwei Tagen sechs Frauen ebenso viele kleine Kinder mit insgesamt 85 Stockschlägen traktieren. Tatort dieser Züchtigungen sind ein Kellerraum im Versammlungshaus und ein Heizungsraum im Schulgebäude.

Anfangs hat die Sekte ihre Kinder noch öffentlich geschlagen, dann hat der Ältestenrat bestimmt, sie in diese schalldichten Räume oder auf die privaten Zimmer zu führen. Die Mitglieder besitzen ein hohes kriminelles Potenzial beim Vertuschen. Die TV-Bilder sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Denn was in den Familienzimmern passiert, ist viel, viel grausamer. Jedes Kind wird mehrfach jeden Tag geschlagen und gedemütigt. Jedes Gebot der Eltern oder des Betreuers muss unmittelbar befolgt werden. Wehrt sich das Kind, bekommt es Hiebe, bis es endlich aufgibt. Das kann schon mal länger als eine Stunde dauern.

Haben Sie die Täterinnen auf den TV-Bildern erkannt?

Ich konnte alle identifizieren. Zum Teil schlugen die eigenen Mütter zu, zum Teil andere Mitglieder. Jedes Kind gehört der ganzen Sekte. Jeder darf jedes Kind züchtigen. Zugleich bedeutet „sanktionieren“ dort, das Kind wirklich zu lieben. Körperliche Strafen gelten nicht als Vergehen, weil sie die Werte umdeuten: Süßigkeiten, Kinderspiele, Fernsehschauen sind Misshandlungen. Stockhiebe auf Po, Füße, Hände sind hingegen wahre Liebe, weil sie den Kindern auf diese Art beibringen, dass kindliches Verlangen nach Spaß, Ablenkung und überhaupt jeglicher Eigenwille Sünde sind. Die Sekte glaubt das wirklich.

Haben die Erwachsenen ihr Unrechtsbewusstsein verlernt?

Wer in diesem Kosmos lebt, lernt auf täglichen Versammlungen und in Lehrstunden, die Welt neu zu sehen. Das Sektenmitglied wird Teil eines engen Systems. Die Vorgaben – etwa das Erziehungskonzept – stammen vom amerikanischen Gründer Elbert Spriggs. Der Ältestenrat setzt sie um, die Eltern gehorchen. Wer sich weigert, muss sich vor der Gruppe verantworten, darf das weiße Kopfband auf Versammlungen nicht tragen, das die Verbundenheit mit Gott symbolisiert, und wird von seiner Familie getrennt oder ganz aus Klosterzimmern verstoßen. Er verliert alles, hat weder Wohnung noch Geld und große Angst, dass ihn draußen der Teufel heimsucht, wie die Sekte zweimal am Tag in Gottesdiensten suggeriert. Ich selbst musste, weil ich Missstände kritisiert hatte, monatelang ohne meine Kinder und meine Frau außerhalb der Gemeinschaft leben.
HILFLOSE KINDER

2000
Rund 100 Sektenanhänger beziehen das ehemalige Zisterzienserinnenkloster im bayerischen Klosterzimmern.

21.5.2012
FOCUS berichtet von Kindesmisshandlungen. Doch Ermittlungen werden später aus Mangel an Beweisen eingestellt.

5.9.2013

Ein RTL-Reporter filmt prügelnde Sektenmitglieder. Die Ermittlungen werden wieder aufgenommen. 40 Kinder kommen in die Obhut von Pflegefamilien.

Sind die Ältestenräte die Hauptschuldigen?

Das ist komplizierter. Das Personal im Rat wechselt. Es sind fünf bis zehn Personen, die sich gegenseitig kontrollieren. Als jüngst ein Rat bei der Behörde zugab, dass Kinder geschlagen werden, wurde er in eine Sekteneinrichtung nach Tschechien verfrachtet. Das läuft wie in einem totalitären Regime. Alle machen loyal mit, und niemand merkt, dass Werte wie Freiheit, Liebe, wahrhaftiges Leben, die wir dort alle zu finden glaubten, über Bord gehen.



Bereits im Mai 2012 hatte FOCUS auf Grund Ihres Tipps über das systematische Strafregime bei den Zwölf Stämmen berichtet. Zehn Aussteiger beschrieben ihr jahrelanges Martyrium. Die anschließenden Ermittlungen stellte die Augsburger Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich ein. Warum haben die Behörden ein Jahr lang so wenig erreicht?

Nach dem FOCUS-Bericht waren Leute vom Schul- und Jugendamt aus Donauwörth hier und warnten, dass ich selbst strafrechtlich belangt werden könnte. Tatsächlich erhielt ich eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung von der Augsburger Staatsanwaltschaft. Das Verfahren ist aber jetzt eingestellt. Ich glaube, die Behörden wollten das Thema lieber in der Schublade verschwinden lassen, weil sonst deren eigene Versäumnisse sichtbar geworden wären. Alle haben weggeschaut.

Wie meinen Sie das?

Die Besuche des Gesundheitsamts und der Schulaufsicht wurden immer viele Tage vorher bei der Sekte angekündigt, und die Testaufgaben für die halbjährliche Schülerüberprüfung bekamen wir Lehrer immer vorab bei Besprechungen mit dem Schulamt. Die wollten einfach keine öffentliche Debatte über unsere Schule, um die es ja jahrelang Streit gab. Ich selbst hatte damals das Schulkonzept der Sekte erarbeitet, das die kleinen Schulgruppen lobte und fortschrittliche pädagogische Erkenntnisse beinhaltete. Diese Augenwischerei hat die Schulaufsicht allzu gerne abgenickt – ohne das zu prüfen. Um der Gesundheitsbehörde ärztliche Versorgung vorzugaukeln, ging jemand mit den Kindern zum Zahnarzt. Wir legten dann Rechnungen vor, aber tatsächlich wurde die Zahnbehandlung bei den meisten von einem Ratsmitglied durchgeführt.

Muss sich das Bayerische Kultusministerium nicht vorwerfen lassen, dass es mit der Genehmigung der bundesweit einmaligen Ergänzungsschule zur Totalisolation der Kinder auf dem Sektenhof beigetragen hat?

Denen ging es nie um die Sache, sondern um Politik. Die Sekte hat das perfekt ausgenutzt. Aber es stimmt: Hätten die Kinder auf eine Regelschule gehen können und andere Eindrücke gesammelt, wären sie von der Sekte schwerer zu kontrollieren gewesen. Vielleicht hätten die Kinder aufbegehrt, und die Zukunft der Sekte wäre zumindest in Deutschland
schnell beendet gewesen.

Als die Polizei die Minderjährigen vom Sektenhof holte, soll nach Behördenauskunft keines der 40 Kinder geweint haben. Wundert Sie diese Teilnahmslosigkeit?

Gar nicht. Die Kinder haben gelernt, bei Krisen und Schmerzen mental abzutauchen. Wer bei täglichen Schlägen und fortwährender Manipulation gesund bleiben will, muss sich in seine Seele verkriechen können. Die innere Abkehr ist antrainiertes Verhalten.

Sie leben mit Ihren vier Kindern seit zwei Jahren anonym in Deutschland. Wie lange wird es wohl dauern, bis sich die 40 Kinder in der fremden Welt wohlfühlen?



Das geht schnell. Sobald das Strafregime beendet ist, blühen die Kinder auf. Rasch merken sie, dass Prügel nichts mit Liebe zu tun haben, und freuen sich über Schokolade, Spielzeug, kleine Dinge. Nur bei der Kontaktaufnahme mit fremden Kindern wird es schwer, weil sie nie ohne ihre Eltern auf andere zugegangen sind. Bei der Sekte regeln die Erwachsenen alles Zwischenmenschliche. Meine Kinder sind tolle glückliche Menschen geworden. Sie lachen viel und haben nun echte Freunde. Das Schönste aber ist, dass sie nun nach einem Gutenachtkuss zufrieden einschlafen und nicht unter Tränen nach der pflichtgemäßen Tracht Prügel, weil sie nicht sofort still sind.

Was passiert, wenn auch diesmal die Ermittlungen im Sand verlaufen und die Sekte die Fürsorge für ihre Kinder zurückbekommt?

Ich bin mir sicher, dass die Sekte dann mit ihren Kindern nach Tschechien abwandert. Nachdem der Antrag für die Ergänzungsschule nicht mehr verlängert wurde, hat ein Ältestenrat dort bereits Vorkehrungen getroffen. Die Sekte wird sich kein weiteres Mal der deutschen Justiz aussetzen.

Sie gelten bei der Sekte als Verräter. Haben Sie Angst, dass Ihnen Rache droht?

Ja, aber nicht um mich, sondern um meine Kinder. Die Zwölf Stämme haben eine verquere Sichtweise. Sie glauben, dass Gott sie mit der Wegnahme ihrer Kinder strafen wollte, weil sie mir meine Gott geweihten Kinder bei meinem Auszug ließen. In einem Brief haben sie mir gedroht, dass Gott sich seine Kinder zurückholen wird. Ich achte inzwischen auf jedes Autokennzeichen und habe auch mit den Kindern besprochen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie von fremden Menschen angesprochen werden.


Quelle

Wieder mal die drei Affen.
40 Kinder, die zu 40 Familien werden und Psychisch angeschlagen sind.
Kranker Samen, kranke Ernte !

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Andy
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