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Die Pogromnacht in Braunschweig

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Die Pogromnacht in Braunschweig

Beitrag  Andy am So Nov 10, 2013 7:50 pm

Der Braunschweiger Historiker Dietrich Kuessner dokumentierte die Aufarbeitung des NS-Terrors.



Die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 und die Erinnerung daran. Die Täter, die Mitläufer, die Nazi-Begeisterten erinnerten sich nach 1945 in beschämender Weise anders als die Opfer. Oder sie taten so, als ob es den Terror jener Tage gar nicht gegeben hätte: wie Karlwalther Rohmann.

„Die Täter stellten sich unwissend oder entlasteten sich gegenseitig.“
Dietrich Kuessner, Braunschweiger Historiker.

Sein Beispiel ist dokumentiert in den Aufsätzen des Historikers Dietrich Kuessner. Rohmann verfasste vom 12. bis zum 20. März 1938 die Artikelserie „700 Jahre Juden in Braunschweig“. Die Serie erschien in der „Braunschweiger Tageszeitung“.

Schon im Mittelalter, schrieb Rohmann, sei der deutsche Mensch von den Juden betrogen worden. Juden seien unsauber, schächteten Kinder und reinigten nicht ihre Straße. Und deshalb habe Herzog Heinrich d. J. sie 1557 aus dem Land geworfen. Die Leser sollten das Bild gewinnen: Die Juden gehören nicht zu uns, sie müssen weg. In den weiteren Artikeln steigerte sich Rohmann noch in seinem Hass. Seine Serie: eine einzige vorweggenommene Rechtfertigung für das, was in der Pogromnacht geschehen sollte. Und eine Beruhigungspille für jene, die noch Gewissensbisse hatten.

„Ich sah nach der Pogromnacht die zerstörten Ladenzeilen, die SA patrouillierte.“
Ein Zeitzeuge aus Bad Harzburg.

Ein Zeitsprung: 1976. Karlwalther Rohmann stellte sein neues Buch vor: „Braunschweig so wie es war“. Auf Seite 88, gegen Ende des Buches, ist Rohmann bei der Inflation 1923 angelangt. Und dann heißt es bei ihm: „10, 20 und mehr Jahre gingen dahin; es änderte sich im Grunde nichts an der Art zu leben . . . und dann kam die Nacht des 15. Oktober 1944“ – der entscheidende Bombenangriff auf Braunschweig. Kein Wort zur Pogromnacht und zu den Verhaftungen der jüdischen Bürger, die manchmal beim Abtransport in die stummen Gesichter ihrer christlichen Nachbarn blickten. Kuessner gestern beim Telefonat mit unserer Zeitung: „Rohmann war, als sein Bildband erschien, ein hoch angesehener Bürger.“

Alle haben im Grunde mitbekommen, was in der Pogromnacht passierte. Am Tag danach fuhr, wie bei Kuessner nachzulesen, ein Bad Harzburger nach Braunschweig. Dessen Erinnerung: „Ich sah die Zerstörungen in der Stadt. Ganze Ladenzeilen waren zerstört. Die SA patrouillierte . . .“

Kuessner in einem Aufsatz: „Bei den Zerstörungen und Verhaftungen ist ein weit verzweigter, vielbeiniger Apparat in Bewegung: Hunderte von Polizisten, SS-Männer, Feuerwehrleute, Gestapobeamte und SA-Formationen.“ Ein Apparat, von Nazi-Oberen in Bewegung gesetzt. Ein längst vorbereiteter Plan, angestoßen durch wüste antisemitische Reden von Joseph Goebbels.

Nach dem Krieg wurden von den Schwurgerichten in Braunschweig und Hildesheim die Vorgänge in der Pogromnacht untersucht. Bei der Lektüre der Gerichtsakten fand Kuessner bestätigt, was er ohnehin angenommen hatte: „Einmal stellen sich die Zeugen in den Prozessen unwissend, dann entlasten sich die Täter untereinander, und die Braunschweiger und Hildesheimer Gerichte sind erstaunlich milde im Urteil.“

Und die Braunschweiger Haupttäter? Der sadistische Friedrich Jeckeln, Führer der Gestapo, der Landespolizei und Kommandeur der Schutzpolizei in Braunschweig, hauptverantwortlich für die Rieseberg-Morde 1933, geriet später in sowjetische Gefangenschaft und wurde wegen seiner Verbrechen an Juden in den baltischen Ländern 1946 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Hauptverantwortlich für das Pogrom war ferner Ministerpräsident Dietrich Klagges, der 1926 in seinem Buch „Das Urevangelium“ schrieb: „Der Gegensatz Arier/ Jude ist in Wahrheit der Gegensatz Gott/Satan“. Bei seiner Vernehmung während seiner Internierungszeit erklärte Klagges ungerührt, er habe von der Planung keine Kenntnis gehabt und von der Aktion „erst nachts nachrichtlich eine Meldung vom Offizier vom Dienst der Schutzpolizei erhalten“. Er behauptete ferner, von einem Abtransport der Juden während des Krieges, ihrer Zusammenfassung im Ghetto und ihrer Liquidierung habe er nichts gehört und gewusst.

Jedes Wort war gelogen und wurde allein durch die Aussagen seines persönlichen Adjutanten Peter Behrens widerlegt.

Und Dr. Wilhelm Hesse, bis Kriegsende Oberbürgermeister von Braunschweig? Er höhnte vor Gericht, er wisse nicht einmal, was unter dem Pogrom 1938 zu verstehen sei.

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