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Die Kreuzcousinenheirat

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Die Kreuzcousinenheirat

Beitrag  Andy am Do Aug 21, 2014 9:20 pm

Kreuzcousinenheirat bezeichnet ethnosoziologisch die Cousinenheirat eines Mannes mit seiner kreuzverwandten Cousine: mit der Tochter seiner Tante väterlicherseits (der Vaterschwester), oder mit der Tochter seines Onkels mütterlicherseits (des Mutterbruders, Oheims).[1] Die Kreuz-Verwandtschaft besteht darin, dass eine Mutter und ein Vater der Ehepartner Geschwister unterschiedlichen Geschlechts sind. Demgegenüber sind bei einer Parallelcousinenheirat zwei Elternteile der Ehepartner Geschwister gleichen Geschlechts (Parallelverwandtschaft): meistens zwei verbrüderte Väter (siehe Bint'amm-Heirat), seltener zwei verschwisterte Mütter.

Im folgenden Schaubild sind für den Sohn nur zwei Töchter der insgesamt vier Elterngeschwister kreuzverwandt und deshalb als Ehepartner interessant:

In der Mitte der Anordnung steht die Kernfamilie aus Vater, Mutter und Sohn, daneben die Geschwister der Eltern mit ihren Töchtern, den Cousinen des Sohns; der Sohn ist seinerseits als Kreuzcousin der begehrte Ehepartner für seine beiden Kreuzcousinen, wobei er je nach Kultur die Tochter seiner Vaterschwester oder seines Mutterbruders bevorzugen wird. Die Heirat der Vaterschwester-Tochter ist bei vielen der etwa 160 Ethnien, die sich nach der mütterseitigen Abstammung organisieren (matrilinear),[2] die empfohlene oder sogar vorgeschriebene Heiratsregel; bei den fast 600 patrilinearen, an der Väterlinie orientierte Ethnien gibt es nur wenige, die eine Kreuzcousine bevorzugen, in ihrem Fall die Mutterbruder-Tochter.[3]

Die Cousinenheirat – auch entfernteren Grades – ist weltweit verbreitet, vor allem im arabischen und darüber hinaus im islamischen Kulturraum (siehe Verwandtenheirat), bei vielen der weltweit 1300[2] Ethnien und indigenen Völkern, und wurde auch für viele Stämme und Völker der Vergangenheit belegt. Fast alle Kulturen unterscheiden dabei genau zwischen erlaubten und sogar erwünschten Verbindungen entweder zu Kreuz- oder zu Parallelcousinen – und dem nicht erwünschten Gegenteil (Heiratsverbote und -gebote). Ein Grund für die Bevorzugung von Kreuzcousinen liegt darin, dass viele Ethnien parallele Cousins und Cousinen – also die Kinder des Vaterbruders oder der Mutterschwester – als gleichgestellt zu eigenen Geschwistern sehen und diese deshalb nicht heiraten wollen oder sollen: Sie gehören „zur Familie“ und kommen deshalb nicht als Ehepartner in Betracht (Inzestverbot, exogames Heiratsgebot).[4]

Genetische Beratungsstellen weisen allerdings auch in den betroffenen Ländern darauf hin, dass Kinder von eng blutsverwandten Paaren das größeres Risiko einer Erbkrankheit oder Behinderung haben, als Kinder nicht verwandter Paare. Dieses Risiko ist bei einer Verbindung zwischen Cousin und Cousine 1. Grades mit 6 Prozent doppelt so hoch und steigt durch wiederholtes Heiraten der blutsverwandten Nachkommen untereinander (siehe dazu Erbkrankheitsrisiken).[5][6]

Erforschung

Der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss zeigte 1948 in seiner ethnosoziologischen Theorie der „Allianzbildung“ zwischen Abstammungsgruppen (unilinearen Deszendenzgruppen: einlinigen Familienverbände, Lineages, Clans), dass wechselseitiges Heiraten von Kreuzcousinen der Stärkung des gemeinsamen Bündnisses zwischen zwei oder mehreren Abstammungsgruppen dient.[1][7] Demgegenüber gehören zwei parallelverwandte Elternteile meist dem gleichen Familienverband an, wobei sich dann durch die Verheiratung ihrer Kinder eine Stärkung der eigenen Abstammungsgruppe ergibt, aber keine Verbundenheit zu einer anderen Gruppe. So ist in der arabisch-islamischen Welt die Parallelcousinenheirat mit der Tochter des Vaterbruders (Bint ʿamm) sehr verbreitet, weil es den familiären Zusammenhalt der verbrüderten Väter stärkt und beide Kleinfamilien in derselben Großfamilie hält (ein endogames Heiratsgebot der „Innenheirat“).

Ursprünge

Gruppen von Jägern und Sammlern haben meistens zwischen 20 und 30 Mitglieder. Das Überleben einer Gruppe dieser Größe, wenn sie auf sich allein angewiesen ist, ist in Krisenzeiten eher unwahrscheinlich. Die Überlebenschancen erhöhen sich jedoch, wenn die Gruppe friedliche und kooperative Beziehungen zu anderen Gruppen von Jägern und Sammlern hat. Grundlage für den Aufbau solcher Beziehungen ist in der Regel der Austausch von bestimmten Gütern. Als wirksamste Tauschform zum Aufbau langfristiger Bündnisse hat sich der Austausch von Söhnen und Töchtern, des „wertvollsten Guts“, erwiesen. Die institutionalisierte Form dieses Tauschs sind exogame Heiratsregeln wie die Kreuzcousinenheirat, die eine Heirat außerhalb der eigenen Abstammungsgruppe vorschreiben. Um Exogamie handelt es sich dabei meist, da die Töchter zu ihrem Ehemann ziehen, der in einer anderen Abstammungsgruppe lebt.

Exogame Heiratsregeln stehen in engem Zusammenhang mit Inzestverboten, die sich auch auf die Notwendigkeit langfristiger Bündnisse zwischen Gruppen zurückführen lassen, wie beispielsweise Marvin Harris gezeigt hat.
Beispiele

Die jüdische Bankiersfamilie der Rothschilds pflegte Cousinenheiraten über viele Generationen, wie auch die Nachkommen des hanseatischen Unternehmers Johann Henry Schröder.

Ein bekanntes Beispiel für aufeinanderfolgende Kreuzcousinenheiraten findet sich in dem britischen Erfolgsroman Wuthering Heights (Die Sturmhöhe) von Emily Brontë, den sie 1847 unter dem Pseudonym Ellis Bell veröffentlichte: Darin heiratet die junge Catherine den Linton, er ist der Sohn der Schwester ihres Vaters; aus Lintons Perspektive handelt es sich damit um eine Heirat mit der Tochter des Mutterbruders (über Kreuz). Catherines Tochter heiratet schließlich ihren Kreuzcousin Hareton, den Sohn des Bruders ihrer Mutter.

Bei den afrikanischen Akan-Völkern hat die Kreuzcousinenheirat in ihrem Mutterrecht eine große Bedeutung.

Die Heirat der Parallelcousine wird in der arabischen Welt und darüber hinaus im islamischen Kulturraum bevorzugt: mit der Bint ʿamm, Tochter des Onkels väterlicherseits, des Bruders des Vaters (siehe auch Verwandtenheirat).

Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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