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Die Konkordienformel

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Die Konkordienformel

Beitrag  Andy am Mi Okt 15, 2014 11:10 pm

Die Konkordienformel (lateinisch formula concordiae, Eintrachtsformel, auch das Bergische Buch) ist die letzte Bekenntnisschrift der lutherischen Kirche. Sie entstand 1577 auf Veranlassung des Kurfürsten August von Sachsen.

Geschichte

Die Konkordienformel sollte die Zerwürfnisse beilegen, die nach Luthers Tod 1546 zwischen den schwäbischen und niedersächsischen Lutheranern dadurch entstanden waren, dass insbesondere Kursachsen der milden Melanchthonschen Richtung (Philippismus) folgte, während das ernestinische Sachsen und Württemberg streng lutherisch blieben (Gnesiolutheraner). Die damit zusammenhängenden Streitigkeiten reichten z.T. auch schon bis zu Luthers Lebzeiten zurück. Zunächst wurde auf einem 1576 im ehemaligen sächsischen Regierungssitz Torgau gehaltenen Konvent, an dem Jakob Andreae aus Tübingen, Georg Lysthenius aus Dresden, Martin Chemnitz aus Braunschweig, David Chyträus aus Rostock, Andreas Musculus und Christoph Körner aus Frankfurt (Oder) teilnahmen, aufgrund der von Andreae 1574 entworfenen schwäbisch-sächsischen Konkordie und der sogenannten Maulbronner Formel von 1576 das sogenannte Torgauer Buch vollendet. Nach dem Einlaufen zahlreicher Gutachten wurde dieses 1577 im Kloster Berge bei Magdeburg von den erwähnten Theologen, zu denen statt Georg Lysthenius Nikolaus Selnecker aus Leipzig kam, abermals umgearbeitet und nun das Bergische Buch oder die Konkordienformel genannt.

Durch diese Formel wurde jede Annäherung an die Reformierten unmöglich gemacht. Kirchliche Anerkennung erhielt die Konkordienformel unter anderem in Kursachsen, Kurbrandenburg, der Kurpfalz, 20 Herzogtümern, 24 Grafschaften und 35 Reichsstädten.[1] 8000 bis 9000 lutherische Theologen erkannten sie durch ihre Unterschrift an.[2] Jedoch wurde sie nicht von allen lutherischen Territorien befürwortet; daher gilt sie auch heute nicht in allen evangelisch-lutherischen Kirchen als Bekenntnisschrift. So wurde sie u.a. in Hessen, Zweibrücken, Anhalt, Pommern, Holstein, Dänemark, Schweden, Nürnberg und Straßburg nicht angenommen.

Die Konkordienformel wurde in das 1580 erschienene Konkordienbuch aufgenommen.

Alle Pfarrer in Kursachsen mussten ein Bekenntnis zur Konkordienformel ablegen. Es kursierte ein Vers:

„Schreibt, lieber Herre, schreibt,
dass Ihr bei der Pfarre bleibt.“

Inhalt

Die Konkordienformel wurde auf deutsch abgefasst. Eine spätere Übersetzung ins Lateinische besorgten Chemnitz und Selnecker. Der erste Teil, Epitome genannt, enthält in zwölf Artikeln die Beurteilung und Entscheidung der bisher strittigen Lehrpunkte. Zuerst wird jeweils die Streitfrage (status controversiae) dargelegt, die rechtgläubige Auffassung des strittigen Punktes in den sogenannten Affirmativa bündig zusammengefasst, endlich die ihr entgegenstehende Lehre in der Negativa oder Antithesis ihren Hauptpunkten nach bezeichnet und sofort „verworfen und verdammt“.

Der zweite Teil, solida declaratio (= ausführliche Darlegung) genannt, erörtert dieselben Artikel im Zusammenhang und ist eigentlich das Torgauer Buch nach den Veränderungen, auf die man sich im Kloster Berge geeinigt hatte, weshalb es auch als Bergisches Buch bezeichnet wird.
Artikel der Konkordienformel
Art. 1 Von der Erbsünde De peccato originis Gegen Matthias Flacius, der behauptete, die Erbsünde gehöre zum Wesen des Menschen.
Art. 2 Vom freien Willen De libero arbitrio Eindeutige Ablehnung einer möglichen Hinwendung des Willens zur Gnade Gottes unter Bezug auf Luthers De servo arbitrio im Zusammenhang mit dem Synergistischen Streit.
Art. 3 Von der Gerechtigkeit vor Gott De iustitia fidei coram deo Sowohl gegen Andreas Osiander, der die Rechtfertigung als Einwohnung der göttlichen Natur Christi im Menschen verstand, als auch gegen Franciscus Stancarus, der nur die menschliche Natur Christi wirken sah, im Zuge des Osiandrischen Streits: Festschreibung der forensischen Rechtfertigungsvorstellung Melanchthons.
Art. 4 Von guten Werken De bonis operibus Sowohl gegen Georg Major, der gute Werke als notwendig für die Seligkeit bezeichnete, als auch gegen Nikolaus von Amsdorff, der im Zuge des Majoristischen Streits behauptete, gute Werke seien schädlich für die Seligkeit; stattdessen Pochen auf das sola fide.
Art. 5 Von Gesetz und Evangelium De lege et evangelio Feststellung, dass das Evangelium reine Gnaden-, keine Gesetzes- oder Bußpredigt sei. Die Aussage steht im Zusammenhang mit dem Antinomistischen Streit.
Art. 6 Vom dritten Gebrauch des Gesetzes De tertio usu legis Gegen die Auffassung, dass der wiedergeborene Christ das Gesetz nicht mehr benötige.
Art. 7 Vom heiligen Abendmahl Christi De coena domini Im Zuge des zweiten Abendmahlsstreits Verwerfung der reformierten und der katholischen Abendmahlslehre sowie Betonung der Realpräsenz und Ubiquität Christi.
Art. 8 Von der Person Christi De persona Christi Betonung der „höchsten Gemeinschaft“ von göttlicher und menschlicher Natur in Christus.
Art. 9 Von der Höllenfahrt Christi De descensu Christi ad inferos Christus sei nach dem Begräbnis in menschlicher und göttlicher Natur in die Hölle gefahren, habe den Teufel besiegt und ihm so die Macht der Hölle entrissen.
Art. 10 Von Kirchengebräuchen De ceremoniis ecclesiasticis Auch Belange um Ordnungen und Riten, sogenannte Adiaphora („Nebendinge“) dulden im status confessionis keine Kompromisse.
Art. 11 Von der ewigen Vorsehung und Wahl Gottes De aeterna praedestinatione Dei Prädestination zum Heil gibt Hoffnung, es gibt keine Prädestination zur Verdammnis, wie Calvin und Zwingli behaupten.
Art. 12 Von anderen Rotten und Sekten De aliis haeresibus et sectis Gegen Täufer, Irrungen in Polizei (d.h. Obrigkeit) und Haushaltung, gegen Schwenkfeldianer, Arianer und Antitrinitarier.
Siehe auch

Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche


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