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Winston Churchill

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Winston Churchill

Beitrag  Andy am Di Okt 21, 2014 7:33 pm

Sir Winston Leonard Spencer-Churchill[1] (* 30. November 1874 in Woodstock (England); † 24. Januar 1965 in London) gilt als bedeutendster britischer Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Er war von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 Premierminister und führte Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg. Zuvor hatte er bereits mehrere Regierungsämter bekleidet, unter anderem das des Ersten Lords der Admiralität, des Innen- und des Finanzministers. Darüber hinaus trat er als Autor politischer und historischer Werke hervor und erhielt 1953 den Nobelpreis für Literatur.




Leben
Herkunft, Schule, Militär


Churchill als Siebenjähriger (1881)


Nach Churchills Flucht aus einem Kriegsgefangenenlager in Pretoria setzte die südafrikanische Regierung 1899 auf einem Steckbrief ein Kopfgeld von 25 Pfund auf ihn aus.

Winston Churchill kam in Blenheim Palace, dem Schloss seines Großvaters John Winston Spencer-Churchill, des 7. Herzogs von Marlborough zur Welt. Seine Eltern waren der britische Politiker Lord Randolph Churchill und die amerikanische Millionärstochter Jennie Jerome. Für die Familienlegende, Churchill stamme über seine Mutter auch von Irokesen ab, gibt es keinen Beleg, auch wenn er selbst daran glaubte.[2]

Churchills Großvater väterlicherseits gehörte als Duke of Marlborough dem britischen Hochadel an. Als dritter Sohn des Herzogs erbte Churchills Vater Randolph jedoch nicht dessen Titel. Winston Churchill selbst sollte in den 1950er Jahren das Angebot ablehnen, ihm die erbliche Peerswürde zu verleihen. Er wurde jedoch 1953 zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen und damit geadelt. Seine Herkunft aus der britischen Hocharistokratie sicherte ihm in seiner Jugend die Aufnahme in renommierte Internate und eine Laufbahn als Armeeoffizier, obwohl seine Leistungen als Schüler eher mangelhaft waren.

Von 1881 bis 1892 besuchte Churchill Eliteschulen in Ascot, Brighton und Harrow. Das autoritäre Erziehungssystem dort widerstrebte ihm und er blieb mehrfach sitzen. Nach der Schulzeit bewarb er sich beim Militär, fiel jedoch zweimal durch die Aufnahmeprüfung. 1893 aber kam er doch noch als Kadett nach Sandhurst und mit 21 Jahren als Kavallerie-Leutnant zum 4. Husarenregiment. Auf der Militärakademie und in der Armee fühlte sich Churchill zum ersten Mal am richtigen Platz. Ohne schulischen Druck erwarb er sich nun auch eine profunde literarische Bildung und begann kurz darauf, selbst zu schreiben. Bis zu seinem Lebensende sollte er als Journalist und Buchautor einen geschliffenen Stil pflegen, der ihm den Nobelpreis für Literatur einbrachte.

Zwischen 1895 und 1901 nahm Churchill als aktiver Soldat und Kriegsberichterstatter an fünf verschiedenen Kolonialkriegen teil, unter anderem in Kuba auf Seiten der Spanier während des dortigen Unabhängigkeitskrieges und verschiedenen Teilen des Empire, etwa in Malakand in der Nordwestlichen Grenzprovinz Britisch-Indiens. 1898 nahm er als Leutnant freiwillig am Feldzug zur Niederschlagung des Mahdi-Aufstandes im Sudan teil.[3] Dabei ritt er in der Schlacht von Omdurman eine der letzten großen Kavallerieattacken der britischen Militärgeschichte mit.

Den Zweiten Burenkrieg erlebte er als Kriegsberichterstatter der Morning Post. Seinem Biographen Martin Gilbert zufolge war der Vertrag, den Churchill mit der Zeitung aushandelte, „wahrscheinlich der günstigste Vertrag, den überhaupt ein Kriegsberichterstatter bis dahin abgeschlossen hatte.“ Außerdem habe er „allgemein dazu […] geführt, die Bezahlung von Journalisten zu verbessern“[4] Nachdem Churchill bei einem Eisenbahnüberfall der Buren gefangen genommen worden war, gelang ihm eine spektakuläre Flucht von Pretoria zur fast 500 Kilometer entfernten Delagoa-Bucht in der portugiesischen Kolonie Mosambik. Zwei Bücher[5] über seine südafrikanischen Abenteuer, seine Kriegsberichte und seine abenteuerliche Flucht machten ihn in bekannt und in den Augen vieler Landsleute zu einem Nationalhelden.[6] Dies kam ihm bei der Unterhauswahl des Jahres 1900 zustatten.
Politischer Aufstieg

Bereits 1899 hatte sich Churchill bei einer Nachwahl vergeblich um einen Sitz im britischen Unterhaus bemüht. Nach seiner Rückkehr aus dem Burenkrieg kandidierte er erfolgreich bei den Unterhauswahlen des Jahres 1900 und zog im März 1901 als frisch gewählter Konservativer (Tory) für den Wahlkreis Oldham ins Parlament ein.

Seinen ersten spektakulären Auftritt im Parlament hatte er am 31. Mai 1904 mit dem demonstrativen Übertritt zu den Liberalen. Der Grund dafür war, dass er in der Frage „Freihandel oder Schutzzoll“ der Haltung der Whigs, die für den Freihandel eintraten, näher stand. Auch in der liberalen Partei wanderte er auf der politischen Skala immer weiter nach links. Er gehörte dem sozialreformerischen Parteiflügel an und galt schließlich in der Öffentlichkeit wie sein Förderer David Lloyd George als draufgängerischer, aber auch bewunderter Radikaler. Schon damals zeigte sich sein Ehrgeiz, einmal Premierminister zu werden. So äußerte er sich 1907 selbstbewusst, er werde zum Zeitpunkt seines 43. Geburtstages Regierungschef sein.[7]


Churchill und der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1906 bei Herbstmanövern nahe Breslau

Bei den Konservativen wegen seines Parteiwechsels regelrecht verhasst,[8] überraschte er Freund und Feind durch seine Fähigkeiten als Unterstaatssekretär für die Kolonien (1905–1908) unter Lord Elgin sowie als Handels- (1908–1910) und Innenminister (1910–1911). Insbesondere wegen seiner armenfreundlichen Sozialpolitik stieß er bei den Tories auf heftige Ablehnung. Als skandalös, weil seiner Stellung nicht angemessen, bewerteten sie auch sein persönliches Eingreifen in eine Schießerei der Londoner Polizei mit Anarchisten, die als Belagerung der Sidney Street bekannt wurde. Das Misstrauen vieler Arbeiter dagegen weckte im November 1910 die Entscheidung des Innenministers Churchill, Soldaten nach Südwales zu entsenden, um die Lage nach dem niedergeschlagenen Tonypandy-Aufstand zu beruhigen. Diese politische Hypothek sollte ihn auf Jahrzehnte belasten.

Genau zu dem Zeitpunkt, als sich der deutsch-britische Flottenkonflikt zuspitzte, machte Premierminister Herbert Henry Asquith Churchill 1911 zum Ersten Lord der Admiralität (Marineminister). Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Umrüstung der britischen Kriegsflotte von Kohle- auf Ölfeuerung, was ihren Aktionsradius deutlich erhöhte.
Familiengründung

Churchills rascher politischer Aufstieg fiel mit Veränderungen in seinem Privatleben zusammen: Im September 1908 heiratete er in der Londoner St. Margaret’s Church Clementine Hozier, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebte. Dem Ehepaar wurden später vier Töchter und ein Sohn geboren: Diana (1909–1963), Randolph (1911–1968), der später ebenfalls Parlamentarier wurde, Sarah (1914–1982), Marigold (1918–1921), die noch im Kindesalter starb, sowie Mary (1922–2014), die seit 2005 Trägerin des Hosenbandordens ist. Auch zwei Enkel des Ehepaars Churchill errangen später Sitze im britischen Unterhaus.

Erster Weltkrieg


David Lloyd George und Churchill, von der konservativen Presse als die „schrecklichen Zwillinge“ beschimpft, schufen von 1908 bis 1911 die Grundlagen der britischen Sozialgesetzgebung. Als Premierminister holte Lloyd George Churchill 1917 zurück in die Regierung.

Als Kabinettsmitglied bestimmte Churchill Großbritanniens Politik und Strategie im Ersten Weltkrieg an entscheidender Stelle mit – zunächst als Erster Lord der Admiralität, später, nach dem vorübergehenden Ausscheiden aus der Regierung, als Munitionsminister.
Im Marineministerium

Mitunter überschritt Churchill seine Kompetenzen als Minister erheblich, etwa als er sich im Spätsommer 1914 in die Operationen der britischen Expeditionsstreitkräfte in Belgien einmischte und auf eigene Faust die Verteidigung Antwerpens zu organisieren versuchte. Im Rahmen des Seekriegs entsandte er im Oktober 1914 einen starken Schiffsverband zu den Falklandinseln, um das deutsche Ostasiengeschwader der Kaiserlichen Marine unter Vizeadmiral Graf Spee im Südatlantik aufzuspüren und zu vernichten.

Nach Meinung einiger Autoren soll Churchill dafür verantwortlich gewesen sein, dass die britische Admiralität im Jahr 1915 den Passagierdampfer RMS Lusitania, der zivile Passagiere und Rüstungsgüter von New York nach Liverpool transportierte, nicht rechtzeitig vor einem deutschen U-Boot gewarnt hat, um dadurch die USA zum Kriegseintritt auf Seiten der Entente zu bewegen.[9] Bis heute konnte dafür allerdings kein dokumentarischer Beleg gefunden werden. Der Historiker István Deák stuft diese Autoren als revisionistisch ein.[10]

Schwerwiegend war das Scheitern von Churchills Plan, die Kriegsgegner Deutschland und Österreich-Ungarn an ihrer vermeintlich schwächsten Stelle mit der Royal Navy von See aus anzugreifen: im Süden über das mit ihnen verbündete Osmanische Reich. Zwei Landeunternehmen britischer, französischer, indischer, australischer und neuseeländischer Truppen auf der türkischen Halbinsel Gallipoli an den Dardanellen am 19. Februar und 18. März 1915 scheiterten unter schweren Verlusten. Sein Flottenchef John Fisher, der Churchills Pläne von Beginn an kritisiert hatte, trat daraufhin zurück.
Ausscheiden und Wiedereintritt in die Regierung

Um eine Vertrauenskrise abzuwenden, wurde nun die Einbeziehung der Konservativen in die Regierung unausweichlich. Unter ihrem Parteichef Andrew Bonar Law knüpften sie daran jedoch die Bedingung, dass Churchill als Verantwortlicher für die sich abzeichnende Niederlage an den Dardanellen als Marineminister zurücktreten müsse. Ein weiterer Grund für diese Forderung war, dass Churchill den Konservativen seit seinem Parteiwechsel als „Verräter“ galt. So legte er am 18. Mai 1915 sein Amt als Erster Lord der Admiralität nieder. Der Truppenrückzug von den Dardanellen dauerte vom 19. Dezember 1915 bis zum 9. Januar 1916. Bei den Kämpfen verloren beide Seiten jeweils über 200.000 Mann.


Churchill mit seinem Bataillon an der Westfront, 1916

Churchill verblieb vom 23. Mai bis zum 16. November 1915 in der unbedeutenden Position des Kanzlers des Herzogtums Lancaster in der erweiterten Regierung. Schließlich aber meldete er sich freiwillig zur Armee und ging am 20. November 1915 als Major an die Front in Nordfrankreich, wo er bis zum 6. Mai 1916 ein Bataillon der Royal Scots Fusiliers befehligte.[11]

Schon im März 1916 hatte er in einer Rede vor dem Unterhaus kaum verhüllt seine Wiederernennung zum Marineminister gefordert, damit aber nur Spott geerntet. Erst David Lloyd George, der Asquith im Dezember 1916 als Premierminister ablöste, nahm Churchill, den Konservativen zum Trotz, am 16. Juli 1917 als Munitionsminister in sein Kabinett auf. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Entscheidung zum Bau und Einsatz der Tanks beteiligt. Diese ersten Panzer sollten im Sommer 1918 wesentlich zum Zusammenbruch der letzten deutschen Offensive an der Westfront beitragen.
Entwicklung moderner Waffensysteme

Bereits Ende 1914 war Churchill als Marineminister neben Maurice Hankey, dem Sekretär des Committee of Imperial Defense, für den Bau der als „Landschlachtschiff“ bezeichneten neuen Panzerwaffe eingetreten, um die erstarrten Fronten wieder in Bewegung zu setzen. Nach dem Krieg erklärte eine königliche Prüfungskommission, die mit der Aufgabe betraut war, die Verantwortlichkeit für bahnbrechende militärische Neuerungen und bedeutende strategische Initiativen der Kriegszeit zu klären, dass die Möglichkeit, über die Tanks zu verfügen, vor allen Dingen Churchill zu verdanken gewesen sei:

„Die Kommission hat das Bedürfnis zu erklären, dass es vor allem der Aufgeschlossenheit, dem Mut und der Tatkraft des Sehr Ehrenwerten Winston Spencer Churchill zu verdanken ist, wenn die nebelhafte Idee der Verwendung von Panzerwagen für Kampfzwecke verwirklicht werden konnte.“[12]

Churchill gehörte auch zu den ersten, die das militärische Potenzial von Flugzeugen voll erfassten. Ihm war klar, dass die Maschinen, die im Weltkrieg noch vorwiegend zu Aufklärungszwecken und in Einzelkämpfen eingesetzt worden waren, die Kriegführung revolutionieren würden. Mit ihnen ließen sich künftig Angriffe direkt ins Hinterland des Gegners tragen, um dessen militärische und industrielle Ressourcen zu treffen. Auch Großbritannien würde sich nicht länger auf seine Insellage verlassen können. Als Luftfahrtminister förderte er daher seit 1919 den Aufbau einer Luftwaffe, die auch 1920 im Irak zum Abwurf von Bomben gegen Aufständische eingesetzt wurde.

Der Gefahren des modernen Krieges war sich Churchill vollauf bewusst. In seinem Werk The Aftermath[13] blickte er 1928 auf den Ersten Weltkrieg zurück, zog eine Bilanz aus den Erfahrungen der Vergangenheit und beschrieb damit schon den Krieg der Zukunft:

„Es öffneten sich Luftwege, auf denen Tod und Schrecken weit hinter die eigentlichen Frontlinien getragen werden konnten, so dass auch Frauen, Kinder, Greise und Kranke, die in früheren Kriegen natürlicherweise verschont blieben, davon erfasst wurden. […] Nie zuvor war die Menschheit in dieser Lage. Ohne eine wahrnehmbare Zunahme ihrer Tugenden und ohne den Vorteil einer weiseren Führung hält sie zum ersten Mal die Werkzeuge in Händen, die unfehlbar ihre eigene Vernichtung besiegeln können. […] Die Menschen würden gut daran tun, inne zu halten und über ihre neuen Verantwortungen nachzudenken. Der Tod steht bereit, willfährig, erwartungsvoll und diensteifrig, die Völker massenweise niederzumähen; auf einen Ruf bereit, alle Reste der Zivilisation unwiderruflich zu Staub zu zertrümmern.“


Nach- und Zwischenkriegszeit
In der Nachkriegsregierung


Ein Minister zur beliebigen Verwendung. Die Karikatur von 1921 spielt darauf an, dass Churchill seine Ministerien wechselte „wie andere Leute Hüte“.

Nach dem Krieg übernahm Churchill in Lloyd Georges Koalitionskabinett nacheinander die Ämter des Kriegs-, des Luftfahrt- und des Kolonialministers (Secretary of State for the Colonies).

Ab 1919 Kriegsminister, befürwortete er die Intervention der Westalliierten im Russischen Bürgerkrieg auf Seiten der Weißen Armee. Die deutsche Reichsleitung hatte 1917 Lenin aus seinem Schweizer Exil nach Russland reisen lassen, um dessen Regierung zu destabilisieren und das Land aus der Kriegskoalition hinauszudrängen. Daher unterstützten britische und französische Truppen seit dem Frühjahr 1918 von Archangelsk und Murmansk aus die anti-bolschewistischen Kräfte. Bereits ab Juli 1919 zogen sich die erfolglosen britischen Truppen jedoch aus Russland zurück. Churchill war zwar der Meinung gewesen, der Bolschewismus müsse „bereits in der Wiege erwürgt werden“, konnte sich aber mit seinen Bestrebungen nach einem weitergehenden militärischen Engagement in der eigenen Partei nicht durchsetzen.

Im September 1922 verließen die Konservativen das Kabinett, und Lloyd George verlor die Unterhauswahlen im darauf folgenden Oktober. Mit ihm stürzte der letzte liberale Premier Großbritanniens. Nach zwei Jahren politischer Abstinenz und zwanzig Jahre nach seinem ersten Parteiwechsel trat Churchill 1924 erneut der Konservativen Partei bei.
Schatzkanzler im konservativen Kabinett

Noch im November jenes Jahres wurde er Schatzkanzler (Finanz- und Wirtschaftsminister) in der konservativen Regierung des neuen Premiers Stanley Baldwin und blieb es bis zu dessen Abwahl 1929. Mit seinem französischen Amtskollegen Joseph Caillaux schloss er 1926 ein Fundierungsabkommen über die Kriegsschulden, die die französische Regierung bis 1918 bei der britischen Regierung aufgenommen hatte. Seine wichtigste Entscheidung in diesem Amt war jedoch die Wiedereinführung des Goldstandards, die er 1924 durchsetzte. Diese konservative Finanzpolitik führte zu steigender Arbeitslosigkeit in Großbritannien. Die Unzufriedenheit der Arbeiter gipfelte im Generalstreik von 1926. Churchill forderte, den Generalstreik gewaltsam zu beenden: Entweder das Land bricht den Generalstreik oder der Generalstreik zerbricht das Land. Dazu kam es nicht, aber 1931, zwei Jahre nach Churchills Ablösung als Finanzminister, wurde der Goldstandard wegen seiner verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen wieder abgeschafft.

Nach seinem Ausscheiden als Schatzkanzler wurde Churchill 1929 Kanzler der Universität Bristol.[14]
Im „inneren Exil“

1930 überwarf sich Churchill mit dem abgewählten Premier und Chef der Konservativen wegen dessen angeblich zu nachgiebiger Haltung gegenüber der indischen Unabhängigkeitsbewegung unter Gandhi, den er einen „halbnackten Fakir“ nannte. Als überzeugter Imperialist trat er im Januar 1931 aus Baldwins Schattenkabinett aus. Ein schwerer Unfall im Dezember 1931 – er wurde in New York von einem Taxi angefahren – zwang ihn zu einer einjährigen Erholungsphase. Während er auf Reisen seine Gesundheit wieder herstellte, verlor er durch seine häufige Abwesenheit von Westminster zunehmend an Einfluss im parteiinternen Richtungsstreit.[15]


Churchill zu Gast im Atelier von Charlie Chaplin in Hollywood (1930). Aus dem Plan des kaltgestellten Politikers, als Drehbuchautor zu arbeiten, wurde jedoch nichts.

Ganz anders als zu Beginn seiner politischen Karriere galt Churchill in den 1930er Jahren nahezu als Reaktionär. Wie die meisten konservativen Politiker dieser Zeit unterschätzte er Adolf Hitler zunächst[16] und glaubte, in dessen und in Mussolinis Politik positive Ansätze erkennen zu können.[17] Seine Einstellung änderte sich aber, als er erkannte, dass Hitlers Politik auf einen neuen Krieg hinauslief. Seine Warnungen und die scharfe Ablehnung der Appeasementpolitik, der Beschwichtigung und des Nachgebens gegenüber der Aggressionspolitik des nationalsozialistischen Deutschland, brachte ihm in weiten Teilen der britischen Bevölkerung den Ruf eines Kriegstreibers ein. Hatte er 1932 bei einem Aufenthalt in München noch vergeblich das Gespräch mit Hitler gesucht, so wies er nun Annäherungsversuche der deutschen Reichsregierung, darunter zwei Einladungen Hitlers nach Berchtesgaden, zurück.[18][19] Langfristig verbesserte er mit dieser Haltung zwar sein Verhältnis zu einigen seiner innenpolitischen Gegner, den antifaschistischen linken Sozialisten und zur Labour Party,[20] der großen Mehrheit der britischen Bevölkerung erschien Churchill in den 30er Jahren jedoch als ein Mann, der seine Zukunft bereits hinter sich hatte. In der konservativen Parlamentsfraktion beschränkte sich seine Anhängerschaft auf zwei, damals noch sehr unbedeutende Abgeordnete: Harold Macmillan und Brendan Bracken.

Er zog sich auf seinen Landsitz Chartwell in Kent zurück, wo er sich seinem Hobby, der Malerei, vor allem aber seinen journalistischen und schriftstellerischen Ambitionen widmete. Damals entstanden unter anderem die großangelegte Biographie seines Ahnherrn Marlborough und die vierbändige Geschichte der englischsprachigen Völker, die er bis spät in der Nacht seinen Schreibkräften diktierte. Seinem Biografen William Manchester zufolge, war Churchill in den 1930er Jahren der bestbezahlte Schriftsteller und Kolumnist der Welt.[21] Aber auch in diesen „Wilderness Years“, wie Churchill die Zeit seines „inneren Exils“ später nannte, pflegte er intensive politische und gesellschaftliche Kontakte, um den Anschluss an die zeitgenössischen Entwicklungen zu behalten. Zu den Gästen seiner berühmten Abendgesellschaften in Chartwell zählten u. a. Heinrich Brüning, Frederick Lindemann und Charlie Chaplin.
Rückkehr in die Regierung

Die Warnungen vor Hitler wurden so lange nicht ernst genommen, bis dessen eigene Politik dem britischen Volk und der politischen Klasse in Großbritannien klarmachte, wie berechtigt Churchills Misstrauen gewesen war. Seit dem Anschluss Österreichs und der Annexion des Sudetenlandes 1938 sowie der Besetzung der so genannten „Rest-Tschechei“ durch das Deutsche Reich im März 1939 erkannten die Verfechter des Appeasement, dass ihre Politik gescheitert war. Am 31. März sahen sich Großbritannien und Frankreich veranlasst, eine Garantieerklärung zugunsten Polens abzugeben.

Churchill, der diese Entwicklung vorausgesagt hatte, fand nun zunehmend Gehör. Sofort nach dem deutschen Überfall auf Polen, mit dem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, berief Premierminister Arthur Neville Chamberlain ihn ins Kabinett. Wie bereits 1911 wurde Churchill am 3. September 1939 mit dem Amt des Ersten Lords der Admiralität (Marineminister) betraut. Die Kriegserklärung an das Deutsche Reich folgte am gleichen Tag, doch die Großmächte vermieden noch ein halbes Jahr lang die direkte Konfrontation im großen Maßstab. Die folgenden Monate bis zum Frühjahr 1940 gingen als „Sitzkrieg“ (franz: „Drôle de guerre“; engl.:„Phoney War“) in die Umgangssprache ein.

Churchill wusste, welche kriegsentscheidende Bedeutung die schwedischen Eisenerzlieferungen über den eisfreien norwegischen Hafen Narvik für das Deutsche Reich hatten. Er drängte daher ab Dezember 1939 darauf, auf der Schifffahrtsroute entlang der Küste des neutralen Norwegen Minen zu verlegen. Diese Operation Wilfred hätte deutsche Erzfrachter zum Ausweichen in internationale Gewässer gezwungen, wo sie dann von der Royal Navy hätten versenkt werden können. Ein weiterer Plan sah vor, im Rahmen der Operation Royal Marine im Rhein an der französisch-deutschen Grenze Treibminen zu verlegen. Beide Pläne wurden jedoch bis April 1940 von der französischen Regierung blockiert, um keinen deutschen Angriff zu provozieren. Zudem wären mit Operation Wilfred britisch-französische Waffenlieferungen an Finnland im Winterkrieg gegen die Sowjetunion behindert worden.[22] Erst im Mai 1940 wurden in Rhein, Mosel und Maas mehrere tausend Treibminen verlegt, die den Schiffsverkehr zwischen Karlsruhe und Mainz behinderten.[23]

Als Alternative zu diesen Vorhaben favorisierte Churchill Plan R 4, die Besetzung der norwegischen Häfen durch britische Truppen.[24] Diesem Plan kamen die Deutschen jedoch um wenige Stunden zuvor. Unter höchster Geheimhaltung hatten sie das Unternehmen Weserübung vorbereitet, das am 7. April 1940 begann und am 9. April zur Besetzung erster Ziele in Dänemark und Norwegen führte. Die Royal Navy konnte Narvik daher nicht mehr kampflos erreichen. In der anschließenden Schlacht um Narvik hätte das unerfahrene britisch-französische Expeditionskorps, das ab dem 24. April durch norwegische Truppen verstärkt worden war,[25] die deutschen Gebirgsjäger beinahe besiegt. Letztlich scheiterte das Unternehmen der Alliierten am fehlenden Nachschub. Nach dem Beginn des deutschen Westfeldzuges zogen sie Anfang Juni 1940 ihre letzten Einheiten aus Norwegen ab.
Der Kriegspremier

Briten und Franzosen hatten die deutsche Besetzung Polens und Dänemarks sowie den Angriff auf Norwegen nicht verhindern können. Mit dem Scheitern des Plans R 4[26] verlor Premier Chamberlain den letzten politischen Rückhalt in Bevölkerung und Parlament. Nach der sogenannten Norwegendebatte sah sich der frühere Verfechter der Appeasement-Politik zum Rücktritt gezwungen.

Im Mai 1940 folgte auf das Chamberlain War Ministry das Churchill War Ministry, so die englischen Bezeichnungen der Kriegsregierungen: Obwohl Churchill von Teilen der Presse für den Fehlschlag in Norwegen verantwortlich gemacht wurde, kamen als Nachfolger nur er und Lord Halifax in Frage; letzterer war als Appeasementpolitiker jedoch weitgehend diskreditiert. So bildete Churchill am 10. Mai 1940 eine Allparteienregierung unter Einschluss der Labour Party. Er selbst übernahm neben dem Amt des Premiers auch das des Ministers für Verteidigung. Am selben Tag begann die deutsche Westoffensive (Fall Gelb) mit dem Angriff auf Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Ab dem 24. Mai wurden die alliierten Truppen von Norwegen nach Frankreich zurückverlegt. Am 8. Juni fiel Narvik in deutsche Hand, und mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Frankreich trat die Westoffensive in ihre entscheidende 2. Phase (Fall Rot).

Sommer 1940


Die territoriale Situation in Europa nach dem deutschen Westfeldzug 1940

Aufgrund des unerwartet schnellen Vormarschs der Wehrmacht im Westfeldzug wurde Churchill schon in den ersten Tagen seiner Amtszeit mit dem völligen Scheitern der alliierten Kriegsstrategie konfrontiert. Am 21. Mai erreichten deutsche Panzerverbände die Kanalküste bei Abbeville, so dass das britische Expeditionskorps bei Dünkirchen eingeschlossen wurde. Als sich bereits in den ersten Juni-Wochen die militärische Niederlage Frankreichs abzeichnete, versuchte Churchill, eine Kapitulation des Verbündeten unter allen Umständen zu verhindern. Aus diesem Grund schlug er der französischen Regierung eine Französisch-britische Union vor, die Vereinigung beider Länder. Dem gemeinsamen Oberkommando hätten damit die französische Flotte und die außerhalb Europas stationierten französischen Truppen weiterhin zur Verfügung gestanden. In Frankreich setzten sich jedoch die Befürworter einer Kapitulation durch, die unter Marschall Philippe Pétain eine neue Regierung bildeten. Diese unterzeichnete am 25. Juni in Compiègne einen Waffenstillstand mit Deutschland. Frankreich schied aus dem Krieg aus.

Die meisten Historiker stimmen darin überein, dass Hitler einem Sieg nie so nahe gekommen war wie im Sommer 1940: Frankreich war geschlagen; Großbritannien stand allein und ohne ausreichend gerüstete Armee der deutschen Kriegsmaschinerie gegenüber, die bereits halb Europa überrannt hatte. Und in Churchills Kabinett gab es noch immer Anhänger der Appeasement-Politik Chamberlains, die für Verhandlungen mit dem Deutschen Reich eintraten. Als ihr Protagonist stand Lord Halifax noch immer bereit, Churchill als Premierminister abzulösen.

Hitlers Sieg hätte nach Churchills eigenen Worten bedeutet, dass „die ganze Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, einschließlich all dessen, was wir gekannt und geliebt haben, im Abgrund eines neuen dunklen Zeitalters versinken“ müsste. Daher verlangte er im Juni gegen teilweise Widerstände in der eigenen Regierung, dass keinerlei Zugeständnisse an Deutschland gemacht und der Krieg notfalls von Übersee aus weitergeführt werden sollte.

Schon am 13. Mai, in seiner ersten Rede als Premierminister, hatte Churchill seinen Landsleuten „nichts als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß“ angekündigt und festgestellt, dass der „Krieg gegen eine monströse Tyrannei, wie sie nie übertroffen worden ist, im finsteren Katalog der Verbrechen der Menschheit“ nur mit einem „Sieg um jeden Preis“[27] beendet werden dürfe. Selbst nach der Niederlage Frankreichs, als viele den Krieg für England verloren gaben, beharrte Churchill auf Zielen, die praktisch damals schon auf die bedingungslose Kapitulation Deutschlands hinausliefen. Am 18. Juni sagte er vor dem Unterhaus:

„Was wir verlangen, ist gerecht, und wir nehmen nichts davon zurück. Kein Jota, keinen i-Punkt lassen wir ab. Tschechen und Polen, Norweger, Holländer und Belgier haben ihre Sache mit der unseren vereint. Sie alle müssen wieder aufgerichtet werden.“[28]

Mit einer weiteren Rede (We Shall Fight on the Beaches) stimmte er am 4. Juni[29] das Parlament und wenig später in einer Rundfunkansprache das britische Volk auf den Widerstand gegen Hitler-Deutschland ein. Er machte – auch an dessen Adresse gerichtet – unmissverständlich klar:

„Wir werden kämpfen bis zum Ende. Wir werden in Frankreich kämpfen, wir werden auf den Meeren und Ozeanen kämpfen. Wir werden mit wachsender Zuversicht und wachsender Stärke am Himmel kämpfen. Wir werden unsere Insel verteidigen, wie hoch auch immer der Preis sein mag. Wir werden an den Stränden kämpfen, wir werden an den Landungsabschnitten kämpfen, wir werden auf den Feldern und auf den Straßen kämpfen, wir werden in den Hügeln kämpfen. Wir werden uns nie ergeben.“[30]

Infolge dieser kompromisslosen Haltung ignorierte Churchill auch das sogenannte „Friedensangebot“, das Hitler Großbritannien in seiner Reichstagsrede vom 19. Juli 1940 machte.[31] Hatte sich die deutsche Führung bis dahin noch Hoffnungen gemacht, dass angesichts der Kriegslage kompromissbereitere britische Politiker Churchill ablösen könnten, so wurden diese am 22. Juli zunichtegemacht. Churchill veranlasste ausgerechnet den als früheren Verfechter des Appeasement bekannten Lord Halifax zu einer Antwort auf Hitlers Rede: „Deutschland wird den Frieden erhalten, wenn es die von ihm besetzten Gebiete geräumt, alle von ihm unterdrückten Freiheiten wiederhergestellt und Garantien für die Zukunft gegeben hat.“[32]

so an der stzelle unterbrechen wir,wer weoterlesen möchte dem sei der Link empfohlen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Winston_Churchill





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