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Die Krankheit zum Tode

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Die Krankheit zum Tode

Beitrag  checker am Do Dez 18, 2014 9:30 am

Die Krankheit zum Tode (Dän.: Sygdommen til Døden), 1849 unter dem Pseudonym Anti-Climacus erschienen, ist eines von Søren Kierkegaards späteren Werken. Es beschäftigt sich aus der Perspektive des Christentums mit dem existenziellen Problem der Verzweiflung. Das Werk ist in zwei Abschnitte unterteilt.

Den Titel Die Krankheit zum Tode hat Søren Kierkegaard Johann Wolfgang Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers (veröffentlicht 1774) entlehnt.[1]

Erster Abschnitt (Die Krankheit zum Tode ist Verzweiflung)

In Abschnitt A beginnt Kierkegaard damit, den Menschen als ein unendliches Selbst zu charakterisieren. Dieses Selbst stellt sich dar als ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält. Demnach gibt es verschiedene Ebenen, in denen sich etwas verhält.

Auf der untersten Ebene stehen 3 Verhältnisse:

zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit
zwischen Möglichkeit (Freiheit) und Notwendigkeit
zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit

Das Selbst zeigt sich darin, wie es sich bewusst zu diesen Verhältnissen verhält, also ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält. Doch diese bewusste Synthese allein reicht nicht aus, um das Selbst zu bestimmen. Dieses ist nach Kierkegaard nicht frei wählbar, sondern es wurde gesetzt. Diese Tätigkeit schreibt er Gott zu. Ist man nun mit diesem Selbst unzufrieden, so gibt es verschiedene Verhaltensweisen, damit zu leben. Diese sind alle für den aufmerksamen Betrachter in den verschiedenen Gesellschaftskreisen beobachtbar, führen jedoch alle zusammen zu demselben fundamentalen Problem: der Verzweiflung. Und die Verzweiflung ist die Krankheit zum Tode.

Am Anfang wird der Begriff der Krankheit im Zusammenhang mit der Verzweiflung näher erläutert. So ist z.B. eine Grippe eine Krankheit des Körpers. Man zieht sie sich einmal zu und leidet dann eine gewisse Zeit unter ihr. Das Ende einer solchen Krankheit ist Heilung oder der Tod des Körpers. Ganz davon verschieden ist das Krankheitsbild der Verzweiflung. So ist man in jedem Moment, in dem man die Möglichkeit hat, sich seiner Unzufriedenheit mit seinem Selbst bewusst zu sein, automatisch verzweifelt. Man zieht sich die Krankheit also immer neu zu. Und da sie eben keine Krankheit des endlichen Körpers, sondern des unendlichen Geistes ist, so ist eben der Tod kein Ende der Krankheit. Es ist das ewige Hinsiechen eines ewigen Geistes, dessen unmöglicher Tod eine erstrebenswerte Rettung wäre. Geheilt werden kann solch eine Krankheit nur dadurch, dass ihre Möglichkeit absolut ausgelöscht wird, nachdem sie durchlebt wurde.

Kierkegaard betrachtet die Arten der Verzweiflung zum einen unter den Momenten der Synthese des Verhältnisses, das sich zu sich selbst verhält, zum anderen unter dem Grad an Bewusstsein, wie sehr sich das Selbst seiner und der Macht bewusst ist, die es setzte.

Diese Stufen sind:

Die Unwissenheit über die Verzweiflung und darüber, ein unendliches Selbst zu haben: Hier ist der Mensch sich nicht bewusst, dass er Geist ist. Ein solcher Mensch lebt ganz in der sinnlichen Welt und versucht dort, sein Glück zu finden. Dieses Glück ist aber nur Schein. Kierkegaard beschreibt dies auf ironische Weise am Beispiel eines Hauses. Dieser Verzweifelte, der sich selbst nicht oder kaum kennt, lebt lieber, anstatt dies zu ändern, wie in dem Erdgeschoss eines Penthouse, da er zu bequem ist, um Aufzug zu fahren. Dieser Mensch will von alleine keine Änderung dieses Zustandes.

Verzweifelt nicht man selbst sein wollen – Schwäche: Darauf lässt sich im Grunde jede Art von Verzweiflung zurückführen. Man ist sich hier der Existenz eines unendlichen Selbst zwar bewusst, aber entweder akzeptiert man seine Existenz oder seine Ausprägung nicht. Jedes Selbst hat Stärken und Schwächen, aber ein so Verzweifelter kann nicht mit seinen Schwächen leben. So denkt er, er müsse nur jemand anderes sein, um von seiner Verzweiflung loszukommen. Das jedoch treibt ihn noch tiefer in die Verzweiflung.

Verzweifelt man selbst sein wollen – Trotz: Dieser Verzweifelte will entweder sein Selbst unabhängig von dem kreieren, das es setzte, wobei meist kein Bewusstsein von dieser Macht vorhanden ist, oder es ist das Bewusstsein vorhanden. Dann versteht sich dieser Mensch als ein Beispiel der Fehlerhaftigkeit der Schöpfung. Sein Leben ist dann eine dämonische Raserei gegen alles Seiende, ein Aufbäumen des Fehlers gegen den Erschaffer, ein Zeichen für Gottes Unvollkommenheit.

Mit dem Grad an Bewusstsein potenziert sich auch der Grad der Verzweiflung. Wenn auch jemand, der sich der Verzweiflung bewusst ist, ihrer Heilung wesentlich näher steht, so ist er doch viel verzweifelter als der, der sich dessen nicht bewusst ist.

Jedoch ist eines für Kierkegaard klar: Heilung ist möglich. Damit man jedoch geheilt werden kann, gibt es einige wesentliche Bedingungen. Zum einen muss man sich der Verzweiflung bewusst sein. Zum anderen muss man sich klarmachen, dass es etwas gibt, das das eigene Selbst gesetzt hat. Zur Heilung muss man sein eingebildetes (und dieses Wort trifft es gleich in doppelter Hinsicht) Selbst aufgeben, um das ursprünglich richtige Selbst zu gewinnen. Dazu muss man sich demütig unter Gott stellen. Mit allen Stärken und allen Schwächen des Selbst. Dass dies schwer ist, zeigt die Allgemeinheit der Verzweiflung. So ist es nicht schwer, Verzweifelte zu finden, allerdings äußerst schwer, solche zu finden, die nicht verzweifelt sind. Der einzige Weg aus der Verzweiflung führt also zum wahren Christentum.
Zweiter Abschnitt (Verzweiflung ist die Sünde)

„Sünde ist: vor Gott oder mit der Vorstellung von Gott verzweifelt nicht man selbst sein wollen oder verzweifelt man selbst sein wollen.“ (S. 73) Die Sünde ist also eine Verzweiflung „vor Gott“. So ist nur für Christen eine Sünde möglich. Denn nur für einen Christen ist es nach Kierkegaard möglich, die „Offenbarung Christi“ zu kennen und trotzdem zu verzweifeln. Das Gegenteil der Sünde ist also der christliche „Glaube“. Weshalb ist es jedoch möglich, dass man trotz der „Offenbarung“ verzweifeln kann?

Für Sokrates war die Sünde Unwissenheit. Kierkegaard erweitert nun den Sokratischen Sündenbegriff, indem er erklärt, dass Sünde eine gewollte Unwissenheit sei. Denn wenn wir etwas für richtig erkennen, heißt dies noch lange nicht, dass unser Wille dies akzeptieren will. Unserem Willen kann das Erkannte auch überhaupt nicht gefallen. „Gefällt ihm [dem Willen] nun das Erkannte nicht, so folgt daraus wohl nicht, dass der Wille hingeht und das Entgegengesetzte tut von dem, was die Erkenntnis verstand, so starke Gegensätze kommen nur selten vor; aber dann lässt der Wille einige Zeit hingehen, es entsteht ein Interim, es heißt, wir wollen das doch bis morgen überlegen. Bei all dem wird die Erkenntnis dunkler und dunkler, und das Niedere siegt immer mehr; denn ach, das Gute muss gleich getan werden, gleich, indem es erkannt wird.“ (S. 89)

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