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August Wilhelm Iffland

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August Wilhelm Iffland

Beitrag  Andy am So Jan 11, 2015 10:09 pm

August Wilhelm Iffland (* 19. April 1759 in Hannover; † 22. September 1814 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Intendant und Dramatiker.


August Wilhelm Iffland, Lithographie von Johann Stephan Decker, um 1820


Iffland als Fegesack und Franz Labes als Pfeil in Molières „Der Geizige“, I. Akt, 3. Auftritt, Lithographie von Friedrich Weise nach einer Berliner Aufführung um 1810


Johann Gottfried Schadow: Portraitbüste August Wilhelm Iffland (1807)


August Wilhelm Iffland als Bittermann

Leben

Iffland, geboren in Hannover im Leibnizhaus als Sohn eines Registrators an der Königlichen Kriegskanzlei, Mitschüler von Karl Philipp Moritz, wurde von seinen angesehenen Eltern für das Studium der Theologie bestimmt, entwich aber 1777 heimlich nach Gotha, wo er Mitglied des Hoftheaters wurde und in Friedrich Wilhelm Gotter einen freundschaftlichen Ratgeber sowie in Conrad Ekhof, Heinrich Beck (bei der Taufe dessen Tochter Luise Beck er Pate stand) und Johann David Beil Vorbilder fand.

1779 mit dem größten Teil des in Gotha verabschiedeten Schauspielerpersonals von dem Kurfürsten Karl Theodor für die Mannheimer Bühne gewonnen, erwarb sich Iffland hier sowie durch Gastvorstellungen bald einen Namen. Er entwickelte sich zum Charakterdarsteller, der die psychologisch-realistische Schauspielkunst in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellte.

Einen Triumph erlebte er 1782 als Franz Moor in der Erstaufführung von Friedrich Schillers Stück Die Räuber. „Deutschland wird in diesem jungen Mann noch einen Meister finden“, würdigte Schiller dessen Leistung. In Mannheim kam es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen beiden.

1786 lud Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken Iffland in seine Saarbrücker Residenz ein. Der chronisch verschuldete Schauspieler folgte der Einladung. Er trat an dem Fürstenhof wiederholt auf und inszenierte einige Stücke. Zusätzlich schrieb er für seinen Geldgeber Stücke wie Der Einsiedler und Luassan. Nach dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen in Saarbrücken (1793) und der damit verbundenen Zerstörung des von Balthasar Wilhelm Stengel erbauten Komödienhauses beendete Iffland seine Tätigkeit an der Saar[1].


August Wilhelm Iffland als Sophir

Iffland gastierte an allen bedeutenden Bühnen im deutschsprachigen Raum. Im April 1796 hielt er sich auf Einladung Goethes in Weimar auf. Karl August Böttiger beschrieb jede von Iffland gespielte Rolle während dieses Aufenthaltes in einer Monographie.

Zerwürfnisse mit dem Intendanten, besonders aber die Kriegsereignisse veranlassten ihn 1796, einem Ruf nach Berlin als Direktor des dortigen Nationaltheaters auf dem Gendarmenmarkt Folge zu leisten.

1808 zog es ihn für einige Wochen nach Wien:

„Der k. k. Hoftheaterdirektion, die keine Kosten scheut, die seltensten Talente herbey zu rufen, verdanken wir gegenwärtig das Vergnügen, Herrn Iffland bewundern zu können. Dieser von allen Bühnen als Muster geachtete Künstler erfüllt auch die höchste Erwartung, und feyert in jeder Rolle einen Triumph der Kunst.“[2]

In Wien lernte er an diesem Theater auch die Bühnenautorin und Schauspielerin Johanna Franul von Weißenthurn kennen, deren Werke in jener Zeit hochbeliebt waren und insgesamt über 900 Mal aufgeführt wurden. Nur knapp verpasste er den Aufsehen erregenden tragisch-frühen Tod der Hofschauspielerin Betty Roose.

Auch in Privatzirkeln und Salons trat Iffland auf:

„Herr Iffland befindet sich noch in Wien, tritt in jeder Rolle mit steigendem Beyfall auf, giebt auch in gewählten Zirkeln, die auf Geschmack und gefühl Anspruch machen können, meisterhafte Deklamationen, und wird sehr freygebig bezahlt.“[3]

Am 23. Oktober 1808 war Iffland wieder in Berlin zu erleben:

„Gestern trat Herr Iffland nach seiner Zurückkunft aus Wien zum Erstenmal wieder auf dem hiesigen Theater [...] auf. Blumenkränze aus den Seitenlogen aufs Theater geworfen, sagt eine unserer Zeitungen, und allgemeiner Jubel aller Anwesenden empfiengen den großen Künstler, der am Schlusse des Stücks die sehnlich gewünschte Versicherung gab, daß er sich von seinen lieben Berlinern nicht trennen werde. Der ganze Abend war ein Triumph der Kunst und der Liebe.“[4]

Die vielfachen Verdienste, die er sich bei der Verbesserung der Berliner Bühne erwarb, verschafften ihm 1811 den Rang eines Direktors der königlichen Schauspiele. Unter seiner Leitung entwickelte sich Berlin zu einer der führenden Theaterstädte Deutschlands.

Iffland starb am 22. September 1814 in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof II der Gemeinde Jerusalems- und Neue Kirche in Kreuzberg. Die Grabstätte mit einer schwarzen Granittafel in einer Ziegelsteinwand mit der Inschrift Iffland/starb 1814 liegt im Feld SM. Ifflands letzte Ruhestätte ist ein Ehrengrab des Landes Berlin.


Theaterzettel für Kabale und Liebe vom 3. Mai 1784 mit Iffland in der Rolle des Kammerdieners.


Ifflands Grab

Ehrungen

1790 wurde Iffland vom Saarbrücker Magistrat zum ersten Ehrenbürger der damaligen Nassauischen Residenzstadt ernannt[1]. Nach Iffland wurde im sogenannten „Schauspielerviertel“ in Hamburg-Hohenfelde die Ifflandstraße benannt. Weitere Ifflandstraßen gibt es in Berlin, Stuttgart, Mannheim, Hannover, Ludwigshafen, München und Gotha.

Nach ihm ist auch die Iffland-Quelle benannt, die sich im Seeberg nahe Gotha befindet. Hier traf er sich mit Kollegen zum Erlernen ihrer Rollen.
Nachlass

Das bisher verschollen geglaubte umfangreiche Korrespondenzarchiv Ifflands, 6000 Schriftstücke in 34 Bänden, erschien in einer Ende 2013 angekündigten und kurz danach wieder zurückgezogenen Versteigerung in der Öffentlichkeit. Es war aus dem Nachlass des Theaterdirektors im Archiv des Theaters ab 1929 in das neue Berliner Theatermuseum gelangt, von wo es dann nach dessen Zerfall 1944 schließlich irgendwann in das Archiv der Deutschen Akademie der Künste gelangte. Von dort verschwand es dann auf bisher nicht geklärte Weise. [5] [6] [7] [8] 2012 wurden die Bände von Hugo Fetting an ein Wiener Antiquariat verkauft. Wie er in den Besitz der Bände gelangt war, ist unklar.[9]

André Schmitz (SPD), Berlins Kulturstaatssekretär (bis Februar 2014), äußerte dazu, das Iffland-Archiv sei ein "Kulturgut von nationalem Rang, das in Berlin bleiben muss". Das Land Berlin erstattete Anzeige. Die Besitzverhältnisse seien noch nicht eindeutig geklärt.[10]

Bei der Klärung des Sachverhalts wurde die deutsche Bundesregierung einbezogen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte dazu:

„Der Fall zeigt, dass die Restitution von Kunst und Kulturgut aus der ehemaligen DDR, verbunden mit verstärkter Provenienzforschung, eindeutig geklärt werden muss. Eine entsprechende Novellierung des bestehenden Kulturgutschutzgesetzes haben wir in Vorbereitung.“

– Tagesspiegel[11]
Iffland-Ring

Der Iffland-Ring wird von seinem Träger testamentarisch an den seiner Meinung nach „jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters auf Lebenszeit verliehen“.
Werke

Als Schauspieler zeichnete sich Iffland weniger durch Genialität als vielmehr durch eine kunstvoll bis ins kleinste berechnete Darstellung aus. Am besten glückten ihm chargierte und komische sowie gemütvoll rührende Rollen, die der Sphäre des Familien- und bürgerlichen Lebens angehören. Zu tragischen und heroischen Rollen war er schon durch sein Äußeres weniger befähigt.

Als Dramatiker ist er in der Sittenschilderung am bedeutendsten; seine Stücke zeigen weniger moralisierende Breite als vielmehr eine außerordentliche Bühnen- und Menschenkenntnis und eine gemütlich-sittliche Tendenz.
Aufsätze

Fragmente über Menschendarstellung (Gotha 1785)
Theorie der Schauspielkunst (Berlin 1815, 2 Bände)
Almanach für Theater und Theaterfreunde (Berlin 1806–11, 5 Bände)

Bühnenstücke (Auswahl)

Verbrechen aus Ehrsucht
Die Jäger (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
Die Hagestolzen
Dienstpflicht
Die Advokaten
Der Herbsttag
Die Mündel
Elise von Valberg
Die Aussteuer
Die Reise nach der Stadt
Albert von Thurneisen
Der Komet
Hausfrieden
Leichter Sinn, 1802

Textausgaben

August Wilhelm Iffland. Theatralische Werke in einer Auswahl, 10 Bände in 5 Bänden, Leipzig 1858–1860. Reprint: Hildesheim 2006.
Johannes Birgfeld, Claude Conter (Hg.): Der Komet. Eine Posse in einem Aufzuge (1799), Hannover 2006, ISBN 3-932324-40-4.
Alexander Košenina (Hg.): Albert von Thurneisen. Ein Trauerspiel in vier Aufzügen, Hannover 20082.
Alexander Košenina (Hg.): Beiträge zur Schauspielkunst. Briefe über die Schauspielkunst (1781/82); Fragmente über Menschendarstellung auf den deutschen Bühnen (1785), Hannover 2009.
Klaus Gerlach (Hg.): Revolutionsdramen [Figaro in Deutschland, Die Kokarden, Das Erbtheil des Vaters], Hannover 2011.
Alexander Košenina (Hg.): Verbrechen aus Ehrsucht. Ein ernsthaftes Familiengemälde in fünf Aufzügen. Hannover 2014. ISBN 978-3-86525-427-6.

Autobiographie

Meine theatralische Laufbahn. Göschen, Leipzig 1798 (Digitalisat von Google Books; Mémoires. Étienne Ledoux, Paris 1823, französische Ausgabe).

Schüler (Auswahl)

Amalie Esperstedt, Albert Gern, Karoline Jagemann


Quelle - literatur & Einzelnachweise
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