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Jacob Obrecht

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Jacob Obrecht

Beitrag  checker am Di Feb 24, 2015 11:47 am

Jacob Obrecht (* 1457/58 in Gent; † Juli 1505 in Ferrara) war ein flämischer Komponist und Sänger sowie Kleriker der Renaissance.


Schule Hans Memlings: Jacob Obrecht, 1497.

Leben

Obrecht war das einzige Kind des Genter Stadttrompeters Willem Obrecht (1430/35 - † ca. 22 November 1488) und der Lysbette Gheeraerts (1438/42 - † kurz vor dem 30. Juni 1460). Wahrscheinlich erhielt Obrecht eine Ausbildung zum Chorknaben. Etwa ab 1472/3 hat er an unbekanntem Ort Theologie studiert und sein Studium vor 1479 abgeschlossen. Nach einer Tradition des 16. Jahrhunderts sind sich Obrecht und Erasmus von Rotterdam vor 1480 in Utrecht begegnet.

Von 1479/80 bis 1483/4 wirkte Obrecht an Saint-Gertrautis in Bergen op Zoom. Kurz vor seiner Anstellung war er zum Priester geweiht worden und hatte seine erste Messe gelesen.

Am 28. Juli 1484 bestallte ihn das Kapitel der Kathedrale von Cambrai zum Singschullehrer. Er übernahm sein Amt in Cambrai am 6. September 1484. Er lehrte Chorknaben Liturgie, Choralgesang, gutes Betragen und Latein und hatte überdies Verpflegung, Bekleidung und Freizeitgestaltung der Kinder zu überwachen. Bald schon begann er jedoch seine Aufgaben zu vernachlässigen und versuchte schließlich, seine Demission zu erzwingen. Am 21. Oktober 1485 beschloss das Kapitel daher seine Entlassung.

Obrecht ging nach Brügge, wo er am 13. Oktober 1485 zum 'zangmeester' an Saint-Donatien berufen worden war. Er übernahm das Amt im November 1485. Seine Aufgaben waren fast identisch mit denen in Cambrai. Höhepunkt der Brüggener Zeit war Obrechts Reise an den Hof des musikbegeisterten Ferraneser Herzogs Ercole I. d’Este (November 1487 - Mai 1488). Diese Reise hatte Jean Cordier, der berühmte Sänger und Freund Obrechts, im Auftrag des Herzogs vermittelt. Ercole versuchte Obrecht in Italien zu halten, hatte aber keinen Erfolg. Obrecht reiste – kriegsbedingt – nicht auf direktem Weg nach Brügge zurück, sondern nach Bergen op Zoom, wo er sich einige Monate lang aufhielt. Am 22. Januar 1491 legte er sein Amt in Brügge nieder.

Obrecht fand Anstellung in Antwerpen an Notre-Dame, wo er, Jacob Barbireau nachfolgend, Chormeister wurde. Wahrscheinlich 1492 reiste er nach Frankreich. 1494/5 versuchte er, sich dem Papst anzuempfehlen, für den er die Motette „Inter praeclarissimas virtutes“ komponierte.

Von Sommer 1497 bis Ende 1498 hielt sich Obrecht krankheitsbedingt in Bergen op Zoom auf. Seit 1499 wirkte er wieder an Saint-Donatian in Brügge, wo er im Sommer 1500 schwer erkrankte. Noch vor dem 24. Juni 1501 hat er, zwischenzeitlich gesundet, Brügge für immer verlassen.

Er ging nach Antwerpen, wo er vom 24. Juni 1501 bis mindestens zum 24. Juni 1503 an Notre-Dame Vikar-Sänger war.

Im Frühjahr 1503 versuchte er, Maximilian I. auf sich aufmerksam zu machen. Für diesen komponierte er wahrscheinlich die Missa „Sub tuum praesidium“ und erhielt ein Geschenk. Sicherlich gehört auch die Missa „Maria zart“ in diesen Kontext.

1503/4 gehörte Obrecht möglicherweise der Päpstlichen Kapelle an, zumindest erwog er, in diese einzutreten. Da die Gehaltslisten der Päpstlichen Kapelle für diese Zeit verschollen sind, ist ein dokumentarischer Beweis nicht möglich.

Ab Oktober 1504 ist Obrecht wieder am Hof Ercoles in Ferrara zu finden, diesmal als offizieller Kapellmeister; sein unmittelbarer Vorgänger war Josquin Desprez gewesen. Am 25. Januar 1505 starb Ercole, dessen Sohn, Alfonso I. d’Este, Obrecht sogleich entließ. Ein Versuch Obrechts, in Mantua sein Glück zu versuchen, scheiterte. Nach kurzer Zeit kehrte er nach Ferrara zurück und fand sein Auskommen als Priester, vielleicht in der Deutschen oder Holländischen Gemeinde. Im Juli 1505 starb er im Pesthospital Ferraras.
Werk

Obrechts Werk umfasst Messen, Motetten und weltliche Stücke. Im Einzelnen sind folgende Werke überliefert:
Messen

Missa Adieu mes amours
Missa Ave regina celorum
Missa Beata viscera
Missa Caput
Missa Cela sans plus
Missa De Sancto Donatiano
Missa De Sancto Martino
Missa De tous biens playne
Missa Fors seulement
Missa Fortuna desperata
Missa Grecorum
Missa Je ne demande
Missa L’homme armé
Missa Libenter gloriabor
Missa Malheur me bat
Missa Maria zart
Missa O lumen ecclesie
Missa Petrus Apostolus
Missa Pfauenschwanz
Missa plurimorum carminum (I)
Missa plurimorum carminum (II)
Missa Rose playsante
Missa Salve diva parens
Missa Scaramella (frag)
Missa Sicut spina rosam
Missa Si dedero
Missa Sub tuum praesidium
Missa Veci la danse barbari

Obrecht zugeschriebene Messen

Missa Gracuuly et biaulx
Missa De Sancto Johanne Baptista
Missa Je ne seray plus
Missa N’aray-je jamais
Missa Sine nomine
Missa Beata progenies

Motetten

Alma Redemptoris mater
Ave Maris stella
Ave Regina coelorum
Beate es, Maria
Benedicamus in laude Jhesu
Cuius sacrata viscera (I)
Cuius sacrata viscera (II)
Factor orbis / Veni, Domine
Haec deum caeli
Inter praeclarissimas virtutes
Laudemus nunc dominum
Laudes Christo redemptori
Mater Patris, nati nata
Mille quigentis / Requiem
O Beate basili / O beate pater
Omnis spiritus laudet
O preciosissime sanguis
Parce domine
Quis numerare queat
Regina celi
Salve crux, arbor vite / O crux lignum
Salve Regina (I)
Salve Regina (II)
Salve Regina (III)
Salve sancta facies / Homo quidam
Si bona suscepimus
Si sumpsero

Motetten zweifelhafter Echtheit

Discubuit Jesus
Judaea et jerusalem
Magnificat
Nec mihi nec tibi

Weltliche Werke

Als al de weerelt
Den haghel ende die calde snee
Fors seulement
Hebbe gheen ghelt
Helas mon bien
Ic draghe de mutse clutse
Ic hoerde de clocskins luden
Ic ret my uit spacieren
Ic weinsche alle scoene vrouwen
J’ay pris amours
Lacen adieu
Laet u genoughen
La Tortorella
Ma menche vel ma buche
Marion la doulce
Meskin es hu (adiu, adiu)
Moet mij laten u vriendlelic schijn
Rompeltier
Se bien fait
Sullen wij langhe in drucke
T’Andernacken (siehe T’Andernaken)
Tant que nostre argent dura
T’meisken was jonck (De tusche in Busche)
Tsat een (cleen) meskin
Waer sij di han
War willen wij metten
Weet ghy wat mijnder jonghen herten
Fuga
-33. 5 Instrumentalstücke

Würdigung

Erst in jüngster Zeit ist das Bild Obrechts als bedeutendster Komponist der Frührenaissance neben Josquin Desprez deutlich geworden. Wie kaum ein anderer hat er die Entwicklung der Mess-Komposition in den 1480/90er Jahren vorangetrieben. Erst mit dem Siegeszug eines mehr wortgeprägten Stilideals, dessen hervorragendster Vertreter Josquin Desprez ist, verblasste Obrechts Ruhm.

Quelle - literatur & Einzelnachweise
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