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    Die glagolitische Schrift

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    Die glagolitische Schrift

    Beitrag  Andy am Mi März 11, 2015 11:32 pm

    Die glagolitische Schrift oder auch Glagoliza (in slavistischer Schreibweise auch Glagolica; bulgar./mazedon./slowen./serb./russ. glagolica, kroat./serb. glagoljica, tschech. hlaholice, slowak. hlaholika) ist die älteste slawische Schrift. Die Glagoliza (von altkirchenslawisch glagol = Wort) ist eine Buchstabenschrift und wurde von Kyrill von Saloniki (826–869) erdacht.

    Geschichte

    Sie wurde um 860 (höchstwahrscheinlich jedoch erst 863) von dem aus Thessaloniki stammenden und von Byzanz entsandten Gelehrten Konstantin, der später als Mönch den Namen Kyrill annahm, für die Zwecke der Moravisch-Pannonischen Mission und ersten slawischen Kirchengründung weiterentwickelt.


    Die verschiedenen Entwicklungsstadien am Beispiel des Vater unser: Links die ursprüngliche runde Form, mittig die eckige kroatische Form und rechts die wenig bekannte kroatische kursive Schnellschreibform



    Da das griechische Alphabet für die slawischen Sprachen nur eingeschränkt geeignet war und Konstantin die kulturelle Eigenständigkeit der Slawen betonen wollte, konzipierte er die glagolitische Schrift als „Abstandschrift“; d. h., er legte ihr zwar das griechische System („Schriftdenken“: Buchstaben mit Laut- und numerischer Funktion) zugrunde, schuf jedoch ein von anderen Schriften formal unabhängiges, neues Alphabet. Freilich konnte sich Kyrill dabei dem Einfluss anderer Schriften nicht ganz entziehen. Als Quellen dienten ihm neben den griechischen Minuskeln auch kaukasische (insbesondere das georgische) und semitische Schriftsysteme. Sicher ist ebenfalls, dass christliche Symbole (insbes. Kreuz, Kreis, Dreieck) bei der Formgebung eine wichtige Rolle spielten.

    Aus der konstruktiven Urform der Glagoliza entwickelte sich zunächst eine runde, dann auch eine eckige Variante. Die runde Glagoliza dominierte im bulgarisch-makedonisch-serbischen Raum, die jüngere eckige vor allem in Kroatien und wurde ab dem 16. Jahrhundert auch für den Buchdruck verwendet.

    Als in den letzten Jahrzehnten des 9. Jahrhunderts auf dem Territorium des bulgarischen Reiches die kyrillische Schrift größtenteils aus der griechischen Schrift entwickelt wurde, wurden einige Zeichen der glagolitischen Schrift (ohne Zahlwert) beibehalten, und zwar für Laute, die im Slawischen vorhanden waren, im Griechischen dagegen fehlten. Ab dem 10./11. Jahrhundert wurde die Glagoliza von der kyrillischen Schrift durch Reformen mehr und mehr verdrängt. In Serbien konnte sich die Glagolica bis ins 13. Jahrhundert halten.[1]


    Übergangsform von der runden zur eckigen Glagoliza auf der Tafel von Baška (1100 n. Chr.)

    Die um das Jahr 1100 verfasste Tafel von Baška, eines der ältesten und bekanntesten Kulturdenkmäler der kroatischen Sprache und Geschichte, ist in glagolitischer Schrift geschrieben. Während sie auf anderen Territorien schon im späten 12. Jahrhundert allenfalls als Geheimschrift noch eine gewisse Rolle spielte, konnte sie sich in Kroatien noch lange halten, auf der Insel Krk und in der nordwestkroatischen Region Istrien sogar bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Für die damals entstehende Nationalbewegung der Kroaten wurde sie ein Zeichen der Abgrenzung gegen den lateinischen Westen und den orthodoxen Osten. Die Glagoliza gilt noch heute in Kroatien als nationales Symbol und wird häufig als Verzierung verwendet (z. B. als Schmuck, bei Logos oder als Tätowierung).[2][3]

    Das erste mit glagolitischen Lettern gedruckte Buch, ein Missale, erschien 1483 in Venedig. Noch um die Wende von 19. zum 20. Jahrhundert erschien ein katholisches kirchenslawisches Messbuch in glagolitischer Schrift.

    Alphabet

    Die Buchstaben des glagolitischen Alphabets:
    Abbildung Unicode-Zeichen Beschreibung Transliteration Aussprache Vermutlicher Ursprung Moderne slawisch-kyrillische Entsprechung
    Azu Ⰰ As azъ /ɑ/ Kreuzzeichen, oder hebräisch Aleph א (А а) a
    Bouky Ⰱ Buky buky /b/ Unbekannt; das samaritanische /m/ entspricht dem spiegelverkehrten Buchstaben, georgisch /l/ entspricht fast genau dem Buchstaben (Б б) be
    Vede Ⰲ Wede *vědě, vědi /ʋ/ Vermutlich vom lateinischen V (В в) ve
    Glagolu Ⰳ Glagoli glagoli, glagolъ /ɡ/ (Γ γ) Griechisches Gamma (Г г) ge; siehe auch (Ґ ґ) ukrainisches ge
    Dobro Ⰴ Dobro dobro /d/ (Δ δ) Griechisches Delta (vgl. /v/ als /d/ umgedreht) (Д д) de
    Jestu Ⰵ Jest' jestъ /ɛ/ Vermutlich samaritanisches /he/ oder griechische zahl sampi (900) (Е е) je; siehe auch (Э э) e und (Є є) Ukrainisches je
    Zhivete Ⰶ Schiwete *živěti, živěte /ʒ/ Vermutlich koptisches janja (Ϫϫ) (Ж ж) že
    Dzelo Ⰷ Dselo dzělo /ʣ/ Vermutlich griechisches stigma (Ϛϛ) (Ѕ ѕ) Makedonisches dse
    Zemlja Ⰸ Semlja zemlja /z/ (Θ θ) Variante des griechischen Theta (З з) ze
    I, Izhe Ⰺ, Ⰹ Ische iže /i/, /j/ (Ι ι) Griechisches Iota mit dieresis (И и) i; auch (Й й) Kurzes i
    I Ⰻ I i /i/, /j/ Quelle unbekannt, vermutlich eine Kombination der christlichen Symbole des Kreises und des Dreiecks (І і) Ukrainisches/Weißrussisches i; auch (Ї ї) Ukrainisches ji
    Gjerv Ⰼ Djerw /ʥ/ Unbekannte Quelle (Ћ ћ) Serbisches će und später (Ђ ђ) serbisches đe
    Kako Ⰽ Kako kako /k/ Vom hebräischen Koph von ק (К к) ka
    Ljudie Ⰾ Ljudije ljudije /l/, /ʎ/ (Λ λ) Griechisches Lambda (Л л) el
    Myslite Ⰿ Myslite myslite /m/ (Μ μ) Griechisches Mu (М м) em
    Nashi Ⱀ Nasch našь /n/, /ɲ/ Quelle unbekannt (Н н) en
    Onu Ⱁ On' onъ /ɔ/ Quelle unbekannt (О о) o
    Pokoi Ⱂ Pokoi pokojь /p/ (Π π) Griechisches Pi (П п) pe
    Rici Ⱃ Rzi rьzi /r/ (Ρ ρ) Griechisches Rho (Р р) er
    Slovo Ⱄ Slowo slovo /s/ Quelle unbekannt, vermutlich eine Kombination der christlichen Symbole des Kreises und des Dreiecks (С с) es
    Tvrido Ⱅ Twerdo tvrьdo /t/ (Τ τ) Griechisches Tau (Т т) te
    Uku Ⱆ Uk' ukъ /u/ Ligatur von onъ und ižica (У у) u
    Fritu Ⱇ Fert frьtъ /f/ (Φ φ) Griechisches Phi (Ф ф) ef
    Heru Ⱈ Cher chěrъ /x/ Unbekannt, vergleichbar mit /g/ und dem lateinischen h (Х х) ha
    Otu Ⱉ Ot ōtъ /ɔ/ Ligatur von onъ und dessen spiegelverkehrtem Bild (Ѿ ѿ) ot (obsolet)
    Shta Ⱋ Schta šta (ursprünglich vielleicht psalmъ und dann pěsnь) /ʃt/ Ligatur von ša an der Spitze von chěrъ (oder von tvrьdo, weniger wahrscheinlich) (Щ щ) schtscha
    Ci Ⱌ Zi ci /ʦ/ (ץ) Hebräisches Tzade, Endform (Ц ц) ce
    Chrivi Ⱍ Tscherw chěrъ /ʧ/ (צ) Hebräisches Tzade, Nicht-finalisierte form (Ч ч) če
    Sha Ⱎ Scha ša /ʃ/ (ש) Hebräisches Shin (Ш ш) eš bzw. scha
    Jeru Ⱏ Yer' jerъ /ɯ/ Vermutlich eine Modifikation von onъ (Ъ ъ) hartes Zeichen
    Jery ⰟⰊ Jer jery /ɨ/ Ligatur, siehe Anmerkung unter der Tabelle (Ы ы) jery
    Jeri Ⱐ Jerj jerь /ɘ/ Vermutlich eine Modifikation von onъ (Ь ь) weiches Zeichen
    Jati Ⱑ Jat jatь /æ/, /jɑ/ Vermutlich vom epigraphischen griechischen Alpha Α, oder eine Ligatur des griechischen E+I (Ѣ ѣ) jat (1917–1918 aus dem Russischen entfernt, 1945 aus dem Bulgarischen)
    GlagolitsaJo.gif Ⱖ Spinnen-Cha /jo/ (Ё ё) o jotifiziert (eine hypothetische Form)
    Jou Ⱓ Ju ü, ju /ju/ Vereinfachte Ligatur IOV (Ю ю) ju
    Ensu (small jousu) Ⱔ kleines Jus ja /ɛ̃/ (Ѧ ѧ) kleines jus, später (Я я) ja
    Jensu (small jousu) Ⱗ kleines Jus mit Schwanz *ęsъ /jɛ̃/ Ligatur von jestъ und Nasalisierung (Ѩ ѩ) Kleines jus jotifiziert (obsolet)
    Onsu (big jousu) Ⱘ Jö *ǫsъ /ɔ̃/ Ligatur von onъ und Nasalisierung (Ѫ ѫ) Großes jus (1945 aus dem Bulgarischen entfernt)
    Jonsu (big jousu) Ⱙ großes Jus jǫsъ /jɔ̃/ (Ѭ ѭ) Großes jotifiziertes jǫsъ (in den 1910ern aus dem Bulgarischen entfernt)
    Thita Ⱚ Fita ḟita /θ/ (Θ θ) Griechisches Theta (Ѳ ѳ) ḟita (1917–1918 aus dem Russischen entfernt)
    Yzhica Ⱛ Ischiza ižica /ʏ/, /i/ Ligatur von ižica und jerъ (Ѵ ѵ) Ižica (seit den 1870ern im Russischen offiziell obsolet erklärt, jedoch in Verwendung bis 1917–1918)

    Siehe auch

    Tafel von Baška
    Glagolitische Zahlen
    Glagolitische Allee
    Glagolitischer Ritus


    Evangeliarum Assemani, ein glagolitischer Evangelientext (10. Jahrhundert)


    Seite aus dem Missale Romanum Glagolitice (Venedig, 1483)


    Titelseite des Neuen Testaments „zum ersten mal in die Crobatische Sprach verdolmetscht und mit Glagolischen Buchstaben getruckt“ (Tübingen, 1562)


    Denkmal auf der Insel Krk: Glagolitischer Buchstabe A


    Glagolitisches Graffiti in Zagreb (2003)

    Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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