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Bekannte NS Orte

Beitrag  Luziefer-bs1 am Di Apr 12, 2011 4:10 am

Akademie für Jugendführung


Im August 1939 nahm die "Akademie für Jugendführung" in Braunschweig nach mehrjähriger Planungs- und Bauzeit ihren Ausbildungsbetrieb mit einem ersten Lehrgang für 100 HJ-Führer auf. Aufgrund des Kriegsbeginns im September 1939 wurde sie jedoch nie im geplanten Sinn zur umfassenden Ausbildung von Jugendführern genutzt - die Teilnehmer des ersten Lehrgangs wurden fast alle zum Kriegsdienst eingezogen, das Ausbildungsprogramm musste daher wenige Wochen nach Eröffnung bereits gestoppt werden. Zunächst ruhte der Lehrgangsbetrieb völlig; von Januar 1940 bis Anfang 1942 wurden in der Akademie Führerinnen des BDM-Werkes "Glaube und Schönheit" ausgebildet; von Januar bis August 1942 diente die Schule als Lazarett, und ab November 1942 bis April 1945 bildete sie kriegsversehrte Soldaten und ehemalige Offiziere zu hauptamtlichen HJ-Führungskräften aus.

Die Rolle der HJ als "Staatsjugend"

Auf der Basis des "Gesetzes über die Hitler-Jugend" vom Dezember 1936, das die Zusammenfassung der "gesamten deutschen Jugend" in der HJ als einer dritten Erziehungsinstanz neben Familie und Schule vorsah und der HJ die Aufgabe zuwies, alle deutschen Jugendlichen "körperlich, geistig und sittlich im Geiste des Nationalsozialismus zum Dienst am Volk und zur Volksgemeinschaft zu erziehen" (zit. nach Arno Klönne: Jugend im Dritten Reich. München 1990, S. 28) wurde die Mitgliedschaft in der HJ zunehmend zur Pflicht (Durchführungsverordnung). Andere, z.B. kirchliche oder bündische Jugendverbände wurden aus- oder gleichgeschaltet. Seit 1939 wurde Erziehungsberechtigten bei Nicht-Anmeldung ihrer Kinder Strafe angedroht. Der ständige Zuwachs an Mitgliedern und die Bedeutung der HJ für die Machtstabilisierung des Regimes machten die Konzeption eines verbindlichen Ausbildungsganges für Hitlerjugendführer nötig. Ein straff organisierter und zentralisierter HJ-Führungsapparat sollte entstehen, um - wie in vielen anderen gesellschaftlichen Feldern des NS-Staates - die Bereiche von Staat und Partei zu verschmelzen und die Jugendarbeit bzw. Erziehung jeder parteiunabhängigen Kontrolle zu entziehen.

Das Idee der Akademie für Jugendführung
Die Idee einer elitären Akademie, die die Ausbildung zu verschiedensten Führungspositionen, wie die des Bann-, Gebiets- und Reichsjugendführers, übernehmen sollte, war ein Ausbildungskonzept, welches der HJ-Funktionär Hartmann Lauterbacher von einem Besuch im faschistischen Italien mitbrachte. Aufgabe der Ausbildungsstätte sollte es sein, dem künftigen Jugendführer Methoden und Mittel bereitzustellen, die das Führen erleichtern und ihm die Überlegenheit gegenüber den zu Führenden sichern sollten.

Grundziel dieser NS-Institution ebenso wie anderer Neugründungen und Neubauten in Braunschweig in den Jahren 1930 bis 1945 war die Aufwertung Braunschweigs zu einer nationalsozialistischen "Musterstadt". Ministerpräsident Klagges verfolgte damit das Ziel, Braunschweig zur Gauhauptstadt
zu machen. Oberbürgermeister Dr. Hesse unterstrich dieses Ansinnen bei der Grundsteinlegung 1936 mit den Worten: "Braunschweig nimmt die Verpflichtung auf sich, daß wir im Geiste Adolf Hitlers weiter arbeiten werden und daß Braunschweig eine Heimstätte der deutschen Jugend und damit deutscher Kraft sein wird."


Quellen:
Bein, Reinhard: Zeitzeugen aus Stein. Bd.1, Braunschweig 1930-1945. Stadterkundungen. Braunschweig 1996f., S. 90ff.
Bein, Reinhard: Zeitzeichen. Stadt und Land Braunschweig 1930-1945. Braunschweig 2000, S. 93 u. 120
Bültemann, Manfred: Architektur für das Dritte Reich. Die Akademie für Deutsche Jugendführung in Braunschweig. Berlin 1986.
Schultz, Jürgen: Die Akademie für Jugendführung der Hitlerjugend in Braunschweig. Braunschweig 1978.
Vögel, Bernhild: ...und in Braunschweig? Materialien und Tips zur Stadterkundung 1930-1945, hrsg. vom Jugendring Braunschweig. 2., aktual. Aufl. Braunschweig 1996, S. 121ff.


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Alter Bahnhof

Beitrag  Luziefer-bs1 am Di Apr 12, 2011 4:23 am

Alter Bahnhof



Deportationen aus Braunschweig

Vom Braunschweiger Bahnhof aus wurden Juden sowie Sinti und Roma in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Insgesamt sind Deportationen von 970 Juden belegt, von über 1100 jüdischen Personen jedoch wahrscheinlich. Über die genaue Anzahl der von Braunschweig aus deportierten Sinti ist bisher wenig bekannt.

Deportation der Braunschweiger Juden

Schon 1933 zeichnete sich im Freistaat Braunschweig der Judenhass des Naziregimes in erschreckendem Maße ab. Der erste bekannte Abtransport von Braunschweiger Juden fand bereits im Oktober 1938 statt. In einer reichsweit stattfindenden Blitzaktion wurden am 27./28. Oktober 1938 die im Deutschen Reich lebenden polnischen Juden verhaftet und nach Polen abgeschoben. Aus Braunschweig wurden 69 Personen nach Zbaszyn in Polen gebracht. Kuno Roth, einer der aus Braunschweig abgeschobenen Juden erinnert sich an die Deportation vom Braunschweiger Bahnhof: "Am nächsten Tag wurden wir (...) durch die Gestapo zum Braunschweiger Bahnhof gebracht. Dort wimmelte es von Gestapo mit Maschinenpistolen. Ein Personenzug wartete schon auf uns verhaftete Juden..." (Stadtarchiv BS H III 7, 69 Abt. 5, aus: Vögel, und in Braunschweig, S. 30).

Diese Aktion betraf auch die Eltern von Herschel Grynszpan, dessen Attentat auf den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris, Ernst von Rath, die Nationalsozialisten im November 1938 als Vorwand für die Verschärfung ihrer antisemitischen Hetze und schließlich für ein reichsweites Pogrom nahmen. In der Folge dieser sogenannten "Reichskristallnacht" (9. auf 10. November 1938) kam es in Braunschweig zu einer großen Verhaftungswelle. 149 Juden wurden - vor den Augen der Braunschweiger Bevölkerung - in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Als man sie vier Wochen später unter der Bedingung, ins Ausland auszureisen, wieder frei ließ, folgten viele der Anweisung. Im Jahr 1939 wurden von der Gestapo noch 226 Juden in Braunschweig festgestellt. Die jüdischen Braunschweigerinnen und Braunschweiger, die nicht rechtzeitig emigrieren konnten, wurden in die Vernichtungslager im Osten deportiert.

Am 15./16.12.1941 verließ ein Deportationszug Braunschweig, der vom Ruhrgebiet kommend über die Sammelstellen Osnabrück/ Bielefeld, Hannover und Braunschweig nach Riga verlief. Weitere Deportationen mit Datum und Bestimmungsort sind der unten stehenden Tabelle zu entnehmen.
Datum

Bestimmungsort
21.01.1942

Riga
31.03.1942

Warschau
11.04.1942

"in den Osten"
06.07.1942

Theresienstadt
11.07.1942

Auschwitz
24.07.1942

Theresienstadt
03.10.1942

"in den Osten"
02.03.1943

"in den Osten"
16.03.1943

Theresienstadt
Mai 1943

"in den Osten"
Oktober 1943

"in den Osten"
25.02.1945

Theresienstadt

Deportation der Braunschweiger Sinti

Am 16. Dezember 1942 ordnete Himmler die Verschleppung der Sinti und Roma aus dem Reichsgebiet in das Vernichtungslager Auschwitz an. Über die genauen Umstände der Deportation der Braunschweiger Sinti ist bisher nur wenig bekannt. Für die meisten der Sinti aus Braunschweig wurde der Transport nach Auschwitz, Dachau und Buchenwald zum Weg in die Vernichtung. Vorbedingung waren die systematische Ausgrenzung und Entrechtung seit 1933, die vollständigen Erfassung und die seit 1939 erfolgte "Festsetzung" der "Zigeuner" in Sammellagern. Auch in Braunschweig wurden Sinti ghettoisiert, in Veltenhof wurde ein solches Lager eingerichtet. Am 3. März 1943 wurde das Lager aufgelöst und die Bewohner vom Braunschweiger Bahnhof aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Nur wenige kehrten zurück. Mindesten 124 Personen aus Braunschweig kamen durch die nationalsozialistische Verfolgung ums Leben.




Quellen:
Dohnke, Kay: Nationalsozialismus in Norddeutschland. Ein Atlas. Europa Verlag München, 2001.
Jugendring Braunschweig e.V./ Arbeitskreis Andere Geschichte e.V.(Hrsg.): Die andere Stadtrundfahrt. Braunschweig 1930-1945. JURB-Verlag Braunschweig, 2.Auflage 1990.Bein, Reinhard (Hrsg.): Juden in Braunschweig. 1900-1945. Materialien zur Landesgeschichte. Braunschweig o.J.
Bein, Reinhard: Freistaat Braunschweig 1930-1945. Döring Verlag Braunschweig, 6. geänderte und erweiterte Auflage 1992.
Vögel, Bernhild:... und in Braunschweig? Materialien und Tips zur Stadterkundung 1930-1945. Hrsg. vom Jugendring Braunschweig. Braunschweig 1994.

Architektur



Der Braunschweiger Bahnhof wurde1843-45 im klassizistischen Stil nach Entwürfen von Carl Theodor Ottmer gebaut. Aufgrund des stetig steigenden Personenverkehrsaufkommens war der 1838 errichtete Sackbahnhof , an dem der erste Braunschweiger Schienenverkehr aufgenommen worden war, im Jahr 1843 abgerissen worden. Der neue Bau von Ottmer sollte den veränderten Anforderungen gerecht werden und außerdem mit einer repräsentativen Empfangshalle aufwarten. Ottmer erlebte die Fertigstellung nicht mehr.

Das neuartige Konzept der Trennung von Personen- und Güterverkehr sowie der Aufteilung des Empfangsgebäudes in Ankunfts- und Abfahrtsseite sollte die Bewältigung des neuen Verkehrsansturms gewährleisten. Im Gegensatz zum ersten Bahnhofsgebäude besaß der Neubau ein Kopfgebäude, das Restaurationsgebäude, in dem sich ein Speiselokal befand. Der Baukunst-Report von 1846 beschrieb den Komplex als in jeder Beziehung gelungen: In rosa gehaltene Wände, die die vergoldeten Ornamente an den Pilastern noch erhöhten, geschmackvolle Malereien; ein Saal in der Bel-Etage mit Glaswänden, durch die der Bahnhofsvorplatz und die Berge des Harzes zu erkennen waren.

Doch auch dieses Gebäude wurde mit den Jahren zu klein für die steigende Anzahl von Reisenden und Gütern. Anstatt jedoch einen neuen Bahnhof zu bauen, entschied man sich, die Gleise zu verlegen, so dass die Züge nicht mehr bis in die Halle fahren konnten. Die dadurch entstandene Empfangshalle wurde von Walther Hoeck im Auftrag der Reichsbahndirektion Hannover mit einem Wandgemälde zur nationalsozialistischen Propaganda genutzt.

Der Bahnhof wurde durch die Bombardierungen 1944 größtenteils zerstört und 1960 durch einen neuen Durchgangsbahnhof ersetzt.

Heute steht noch das Kopfgebäude, in dem sich einst die Bahnhofswirtschaft befand und heute die Direktion der Norddeutschen Landesbank untergebracht ist, deren Vorgängerin - die Braunschweigische Staatsbank - das gesamte Gelände erwarb.




Quellen:
Biegel, Gerd/ Klein, Andrea: Carl Theodor Ottmer 1800-1843. Braunschweigischer Hofbaumeister-Europäischer Architekt.Braunschweigisches Landesmuseum 2000.
Städtisches Museum Braunschweig (Hrsg.):
Deutsche Kunst 1933-1945, in:
Braunschweig-Kunst im Nationalsozialismus.
Katalog der Ausstellung. Georg Olms Verlag,
Hildesheim 2000, bes. S. 148ff.

Geschichte des Bahnhofs


Ottmerbau um 1890


Gebäude mit Halle um 1920

Die ersten Planungen für den Braunschweiger Schienenverkehr und den Bahnhof gehen auf den Finanz- und Baudirektor Phillip August von Amsberg (1788-1871) zurück. Die Planungen für die Strecke Braunschweig-Wolfenbüttel begannen am 1. Mai 1937 mit der Bildung der Herzoglichen Eisenbahn-Commission. Nach einer ersten Versuchsfahrt am 6. November 1838 konnte am 1. Dezember 1838 der öffentliche Verkehr aufgenommen werden.

Die Bahnstrecke führte zunächst vom Braunschweiger Bahnhof bis nach Wolfenbüttel, wenig später war die Erweiterung bis nach Harzburg fertiggestellt. Bereits im August 1840 wurde diese neue Strecke eröffnet. In den folgenden Jahren begann man die Bahnstrecken kontinuierlich zu erweitern und zwar in Richtung Berlin nach Oschersleben (Juli 1843) und bis zur hannovischen Landesgrenze (Mai 1844). Durch diese Verbindungen wurde bald deutlich, dass das erst wenige Jahre alte Hauptgebäude den erwarteten Ansturm an Reisenden nicht verkraften würde, so dass ein neues Empfangsgebäude 1843 in Planung ging. Das alte Gebäude, welches längs zu den Gleisen stand, wurde entfernt und ein neues gebaut, das einen echten Kopfbahnhof darstellt. Dieses Gebäude sollte den "Knotenpunkt Braunschweig" repräsentieren. Geplant und gebaut wurde es ebenso wie das erste vom Braunschweiger Architekten Carl Theodor Ottmer (1800-1843), der allerdings die Fertigstellung des neuen Gebäudes nicht mehr erlebte.

Das Kopfgebäude zum Friedrich-Wilhelm-Platz ist erhalten geblieben und beherbergt heute die Direktion der Norddeutschen Landesbank.

Quelle:
Wunderlich, Wilhelm M.:Die erste deutsche Staatseisenbahn. Elm-Verlag Cremlingen, 1987.

Fotos vom Alten Bahnhof



Ostseite um 1910

Auf diesem Bild ist die Ostseite des Bahnhofs um 1910 zu sehen. Der Eingang in die Bahnhofshalle erfolgte durch offene Arkaden.


Westseite vor 1910

Die selbe Beobachtung kann man auch auf der Westseite machen. Dieses Bild zeigt den Westen des Bahnhofs vor 1910 von einer heute nicht mehr existierenden Fußgängerbrücke aus.


Westseite des Bahnhofs um 1910

Offensichtlich wurde der pavillionartige Mittelbau später geschlossen, wie auf diesem Foto von etwa 1910 zu sehen ist.


Bahnhof aus der Luft

Anhand dieses Fotos läßt sich das Gesamtbild des Bahnhofs erahnen.
Blick in die Bahnhofshalle um 1920

Dieses Bild enstand um 1920 und zeigt den Blick in die Bahnhofshalle von Süden.

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Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK)

Beitrag  Luziefer-bs1 am Di Apr 12, 2011 4:31 am

Die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK)


Besetzung der AOK durch SA-Einheiten 1933

Nach der Entwicklung des Braunschweiger Krankenkassensystems in den Jahren 1884 bis 1913 übernahm die Allgemeine Ortskrankenkasse zum großen Teil das Gesundheitswesen vor Ort. Nach der Unterbringung in der Wilhelmstraße wurde der Neubau `Am Fallersleber Tor` in dem Zeitraum 1929 bis 1932 errichtet.

Seit 1933 griffen die politischen Ereignisse auf die AOK über. Mit dem Beginn der Ausschaltung politischer Gegner wurde die Selbstverwaltung der AOK durch die Nationalsozialisten aufgelöst. Teile des Gebäudes wurden an politische Gruppen vermietet. Seit dem 18. März 1933 benutzte der Stahlhelm Räume der AOK zur Unterbringung seiner Truppen.

Mit der Besetzung der AOK am 27. März 1933 durch die SA wurde das Gebäude zur Folterzentrale der SA. Wie im Volksfreundhaus wurden hier politische Gegner in "Schutzhaft" genommen und misshandelt.

Nach 1945 wurden Teile des Gebäudes weiterhin an Fremdbenutzer vermietet.

Quelle:
AOK Braunschweig, 1989.

Folterstätte der SA



Nach der Übernahme des Gebäudes der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) am 27. März 1933 wurden vor allem politische Gegner der Nationalsozialisten - Kommunisten, Sozialdemokraten und einfache Arbeiter dort, sowie im Volksfreundhaus, gefangengenommen, schwer misshandelt und unter unmenschlichen Verhältnissen untergebracht.
Im März 1933 waren kommunistische Funktionäre durch die Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgeschaltet worden. Im Juni 1933 wurde durch die KPD neue Widerstandsarbeit gegen den Nationalsozialismus geleistet, indem mittels Flugblättern und Zeitungen Aufrufe zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten aufgerufen und über deren Verbrechen aufgeklärt wurde. Die Nationalsozialisten führten Razzien durch, um die kommunistischen Gegner zu fassen. Braunschweig zählte neben Wolfenbüttel und Helmstedt zu den "Hochburgen" der KPD, so dass die Nationalsozialisten in diesen Orten besonders hart vorgingen. Durch Verhaftungen und grausamste Folterungen - im Gebäude der AOK und im Volksfreundhaus - wurde versucht, die Widerstände zu brechen. Bei einer dieser Aktionen wurde Otto Rose ermordet - ein Mitglied des Jungreichsbanners, der mit Kommunisten zusammengearbeitet hatte. Illegale Flugblätter forderten - als eine Form des Widerstands - zur Teilnahme an seiner Beerdigung auf, worauf die Nationalsozialisten mit noch brutaleren Razzien reagierten, bei denen am 30. Juni auch der Arbeiter Steinbrink und der SPD-Angehörige Kracke festgenommen wurden.
Bei einer der Razzien wurde der SS-Mann Gerhard Landmann versehentlich von seinen eigenen Leuten erschossen. Diesen Vorfall benutzten die Nationalsozialisten, um ihn den Kommunisten anzuhängen. Die darauffolgende "Landmann-Welle" führte zu den brutalen Rieseberg-Morden am 4. Juli 1933 an 11 unschuldigen Gefangenen aus der AOK.


Quelle:
Bein, Reinhard: Zeitzeichen. Stadt und Land Braunschweig 1930-1945. Braunschweig 2000.
Gehrke, Robert: Aus Braunschweigs dunkelsten Tagen. Der Riesenberger Massenmord. Braunschweig 1962.

Die Besetzung des AOK-Gebäudes


Besetzung der AOK durch SA-Einheiten 1933

Der 27. März 1933

Der Terror von SA und SS gegen politische Gegner steigerte sich. So wurde auch der Reichsbanner am 11. März 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Von Matthias Theisen, einem Opfer der SA, erfuhr Hans Hedermann, der Jugendleiter des Reichsbanners, von den brutalen Zuständen im Volksfreundhaus. Daraufhin nahm er mit dem Stahlhelm-Führer Nowack Kontakt auf. Die Männer handelten aus, etwa 150 Mitglieder des Reichsbanners in den Stahlhelm aufzunehmen und versprachen sich davon, gemeinsam als starke Gegenkraft zur SA gegen den NS-Terror geschützt zu sein. Der Führer des Gaustabes Braunschweig, Seidel, kündigte die Aktion der Polizei an.
Am 27. März 1933 fanden sich über 1000 Personen - in Reinowski (1933) werden 3000 bis 4000 genannt - vor dem AOK-Gebäude ein.
Schon am 20. März hatte der Braunschweiger Landesführer des Stahlhelms - Werner Schrader - den 2. Bundesführer des Stahlhelms - Duesterberg - kontaktiert und mit ihm die Bedrohung durch die Nationalsozialisten thematisiert: "Meine tiefste Sorge ist ja, dass wir in der nächsten Zeit zermahlen und überrannt werden von der NSDAP, und das wäre mir an und für sich ganz gleichgültig, wenn ich wüsste, dass die NSDAP allein in der Lage wäre, das Vaterland zu retten. Ich weiß aber, dass die NSDAP dazu nicht in der Lage ist. Versagt der Stahlhelm jetzt, dann ist die günstige Zukunft ernstlich in Frage gestellt." (Schrader in Roloff 1980)
Innenminister Klagges, Alpers, Polizeipräsident Lieff und Oberstleutnant Selle hatten von der Aktion erfahren. Als „Putschversuch des Stahlhelms“ deklariert, wurde die Aufnahmeaktion verhindert, indem die SA unter Gattermann und die SS unter Alpers anrückten und die Menschen in die AOK trieben. Im Gebäude wurden die Mitglieder des Reichsbanners und des Stahlhelms brutal misshandelt. Wer dann nicht in das Ortskrankenhaus gebracht wurde, blieb in der AOK gefangen.
Der Stahlhelm wurde verboten und dessen Führer Nowack sowie weitere Funktionäre verhaftet. Der Bundesführer des Stahlhelms, Seldte, versuchte einzugreifen, wurde jedoch von Klagges zurückgewiesen.
In der darauffolgenden Zeit diente das Gebäude der AOK der SA zur Gefangennahme und Folter politischer Gegner und einfacher Arbeiter. Viele von ihnen wurden aus der AOK in das „Lager 21“ oder in Gefängnisse in Braunschweig und Umgebung gebracht.


Quelle:
Bein, Reinhard: Zeitzeichen. Stadt und Land Braunschweig 1930-1945. Braunschweig 2000.
Berger, Peter: Gegen ein braunes Braunschweig. Skizzen zum Widerstand 1925-1945. Hannover 1980.
75 Jahre AOK in Braunschweig, hrsg. von der AOK Braunschweig. Bearb. von Norman-Mathias Pingel. Braunschweig 1989.

Hierzu ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1983.

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Bekleidungsamt des Reichsarbeitsdienstes

Beitrag  Luziefer-bs1 am Di Apr 12, 2011 4:38 am

Bekleidungsamt des Reichsarbeitsdienstes


1935 Bekleidungsamt des Reichsarbeitsdienstes
Heute Hochschule für Bildende Künste

1935 entstand am Pippelweg das Bekleidungsamt des Reichsarbeitsdienstes. Die Anlage wird heute von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig genutzt.

Die Arbeitsdienstpflicht war per Gesetz vom 26. Juni 1935 im Deutschen Reich eingeführt worden: "Der Reichsarbeitsdienst ist Ehrendienst am Deutschen Volke. Alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volk im Reichsarbeitsdienst zu dienen. Der Reichsarbeitsdienst soll die deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit erziehen." (zit. nach RGBl 1935 I, Nr. 64, S. 769). Vorläufer des RAD war der Freiwillige Arbeitsdienst, der sich seit 1926 zur Erfüllung gemeinnütziger Aufgaben aus der Arbeit unterschiedlicher Jugendorganisationen entwickelt hatte und 1933 innerhalb weniger Monate von Konstantin Hierl, dem Beauftragten der NS-Regierung, gleichgeschaltet worden war.

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) bestand seither als staatliche Einrichtung, die alle Jugendlichen ab 18 Jahren zu einem sechs Monate dauernden Arbeitseinsatz und zum Lagerleben mit militärischer Disziplin verpflichtete und die jungen Menschen damit in die "Volksgemeinschaft" eingliedern wollte. Als Bestandteil der Formationserziehung des Nationalsozialismus, die die Jugend gemäß den Zielen der NS-Ideologie formen und die Entwicklung eigenständiger Vorstellungen unterbinden wollte, spielte der Reichsarbeitsdienst wie auch die Hitlerjugend als außerschulische Einrichtung eine wichtige Rolle: "Die Intensität der Beeinflussung der Jugend in diesen zunächst freiwilligen, später die gesamte deutsche Jugend zwangsweise erfassenden Organisationen schien geeignet, die Wirkung der übrigen Erziehungsinstanzen [Familie, Kirche, Schule u.a.] zumindest auszugleichen und schließlich den Weg freizumachen für den Aufbau eines einheitlichen Erziehungssystems im nationalsozialistischen Geiste (K. C. Lingelbach: Erziehung und Erziehungstheorien im nationalsozialistischen Deutschland. Überarb. Zweitausgabe Frankfurt/M. 1987, S. 103).

Der RAD war eine besondere Reichsorganisation, keine Einrichtung der NSDAP. Jeder Mann und jede Frau im Alter von 18 Jahren konnte für sechs Monate zum Arbeitsdienst eingezogen werden; zunächst wurde die Dienstpflicht allerdings nur bei männlichen Jugendlichen angewandt, die Verpflichtung junger Frauen wurde erst schrittweise durchgesetzt. Ein Schwerpunkt der Dienstzeit der Männer lag auf der vormilitärischen Ausbildung, welche die männliche deutsche Jugend zu einem "jederzeit einsatzbereiten kraftvollen Werkzeug des nationalsozialistischen Reiches" formen sollte. (Nationalsoz. Jahrbuch, 1944, S. 214). "Soldatische Haltung", "Gehorsam", "Bodenverbundenheit" und "Arbeitsgesinnung" waren Ziele der Erziehung durch den RAD.
Während der Arbeitsdienstzeit wurden die Männer als "Arbeitsmänner", die Frauen als "Arbeitsmaiden" bezeichnet. Kennzeichen des RAD war ein von zwei Kornähren gerahmtes Spatenblatt.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der größte Teil der Männer im Anschluss an die RAD-Zeit zum Kriegsdienst in der Wehrmacht eingezogen. Ab Juli 1941 zog man die Frauen nach ihrer Pflichtzeit im RAD für ein weiteres halbes Jahr zum Kriegshilfsdienst heran. Im August 1943 wurde der RAD aus dem Bereich des Innenministeriums herausgelöst und zu einer Obersten Reichsbehörde erklärt, die Adolf Hitler unmittelbar unterstellt war. In Braunschweig unterhielt der RAD eine weitere Einrichtung, die Truppführerschule im Querumer Forst.

Quellen:
Wolfgang Keim: Erziehung unter der Nazi-Diktatur, Bd. 1. Darmstadt 1995.
Bein, Zeitzeugen, Bd. 1, S. 107.

Architektur/Gestaltung des Gebäudes

In seiner architektonischen Beschaffenheit war das Gebäude am Pippelweg noch weitgehend der Neuen Sachlichkeit der zwanziger Jahre verpflichtet und wich auch in seiner Eisenbeton-Skelettbauweise von den NS-Staatsbauten ab. Die Anlage bestand aus einem viergeschossigen Lager- und einem eingeschossigen Verwaltungsgebäude. Sgraffiti des Braunschweiger Malers Karl Sommer (1935/36) an der Außenwand des Gebäudes sowie die Aufzugs- und Treppenhausvorbauten mit bildhauerisch gestalteten Symbolen nahmen Vorgaben des Reichspropagandaministeriums für die nationalsozialistische Kunst auf.


Sgraffitibild am Westgiebel

Quelle:
Bein, Zeitzeugen, Bd. 1, S. 107

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Bernhard-Rust-Hochschule

Beitrag  Luziefer-bs1 am Di Apr 12, 2011 4:43 am

Bernhard-Rust-Hochschule

Siehe Link:
Bernhard-Rust-Hochschule




NS-Pädagogisches Konzept

1927 wurde im Land Braunschweig die zunächst sechssemestrige Lehrerausbildung, welche wissenschaftlich orientiert war, an der TU eingeführt.

Ab 1935 jedoch drängten die nationalsozialistischen Bildungspolitiker darauf, die Ausbildung der Lehrer im Sinne der neuen Weltanschauung zu gestalten. Sie beauftragten den Bau einer neuen Hochschule.

Das Ziel dieser neuen Instutition war es die, zukünftigen Lehrer darauf vorzubereiten, `Propagandisten der neuen Weltanschauung´ zu werden und im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie auf die Jugend Einfluss zu nehmen.

Aufnahmekriterien
Um an der Bernhard-Rust-Hochschule aufgenommen zu werden, musste der Bewerber den "Arierausweis" vorlegen, körperlich gesund sein und sich nach Möglichkeit in einer NS- Jugendorganisation bewährt haben. Ältere Männer mussten den Arbeitsdienst und den Wehrdienst abgeleistet haben. Da zunächst zu wenige Bewerber vorhanden waren, mussten auch Frauen aufgenommen werden.

Studienaufbau
Die anfangs sechssemestrige Lehrerausbildung wurde bald viersemestrig und seminarisch (ohne Wissenschaftsstudium). Die Mittelschullehrerausbildung und das Promotionsrecht wurden der Hochschule abgenommen.


Quellen:
Bein, Reinhard: Zeitzeugen aus Stein, Bd. 1: Braunschweig 1930-1945. Stadterkundungen., Braunschweig 1996,S.86.
Mittmann, Markus: Nationalsozialistisches Bauen. Die "Bernhard-Rust-Hochschule" in Braunschweig (Kant-Hochschule). Ein nationalsozialistischer Hochschulbau und seine Bezüge zur Architekturgeschichte. Braunschweig 1993 (= Stadtarchiv und Stadtbibliothek Braunschweig. Kleine Schriften, Bd. 25), S.18ff.

Jugend und Erziehung


Antreten zum HJ-Dienst vor dem Braunschweiger Neustadtrathaus

Erziehung im Nationalsozialismus meinte eine formative "Ganzheitserziehung", die sowohl die schulische und außerschulische Bildungsarbeit als auch alle Freizeitveranstaltungen zur weltanschaulichen Schulung nach den Grundsätzen der Ideologie nutzte. Sie spielte sich nicht mehr in erster Linie in Elternhaus und Schule ab, sondern in einer Vielzahl von Partei- und Staatsorganisationen. Die Kinder und Jugendlichen wurden frühzeitig in dieses Erziehungsprogramm integriert, sodass eine Entwicklung zur kritischen Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Weltbild fast unmöglich war. Jugendliche, die sich dieser nationalsozialistischen Ausbildung entzogen, mussten mit Ausgrenzung oder sogar Bestrafung rechnen, ihr weiterer Lebensweg wurde behindert. Das nationalsozialistische Erziehungsverständnis brach mit der Vorstellung eines kindlich-jugendlichen Eigenrechts. Hitler sah in den Jugendlichen "Menschenmaterial", das es zu "züchten" und zu "schleifen" gelte. Im Rahmen ständig kontrollierter Organisationen und Institutionen wurden jugendlicher Enthusiasmus und totale Einsatzbereitschaft produziert, die den Zielen der NS-Ideologie dienstbar gemacht und letztlich für den Krieg instrumentalisiert wurden.

Braunschweig wollte, so zeitgenössische Stimmen, besondere Bedeutung als "Stätte nationalsozialistischer Erziehungsarbeit" (G.-W. Schuchardt, 1939) erlangen. Mit der Akademie für Jugendführung, der Bernhard-Rust-Hochschule (die für die NS-Lehrerausbildung zuständig war), der HJ-Gebietsführerschule "Peter Frieß", der Reichsschule des deutschen Handwerks, der SS-Junkerschule im Braunschweiger Schloss, der Führerschule des Reichsarbeitsdienstes und dem VW-Vorwerk (als Berufsausbildungsstätte für Facharbeiter) wurden zahlreiche Erziehungs- und Ausbildungseinrichtungen der Nationalsozialisten in Braunschweig angesiedelt.

Quellen:
Jahnke, Karl / Buddrus, Michael (Hg.): Deutsche Jugend 1933-1945. Eine Dokumentation. Hamburg 1989, bes. S. 160f.
Keim, Wolfgang: Erziehung unter der Nazi-Diktatur. Bd. I: Antidemokratische Potentiale, Machtantritt und Machtdurchsetzung. Darmstadt 1995.

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"Entbindungsheim für Ostarbeiterinnen"

Beitrag  Luziefer-bs1 am Di Sep 13, 2011 11:30 pm


Entbindungsheim in der Broitzemer Str.

m Mai 1943 wurde an der ehemaligen Broitzemer Straße 200 (heute: Münchenstraße) in Braunschweig ein sogenanntes Entbindungsheim errichtet. Unter menschenunwürdigen Bedingungen mussten hier sowjetische und polnische Zwangsarbeiterinnen ihre Kinder zur Welt bringen. Wenige Tage nach der Niederkunft wurden die Mütter an ihre Arbeitsstätten zurückgeschickt - ihre Kinder blieben hilflos dem Hunger und der Vernachlässigung ausgesetzt. Mindestens 365 Säuglinge und Kleinkinder starben bis April 1945 in den Entbindungsbaracken.

Quellen:
Vögel, Bernhild: "Entbindungsheim für Ostarbeiterinnen". Braunschweig, Broitzemer Straße 200. Hamburg 1989.
Liedke, Karl: Gesichter der Zwangsarbeit 1939-1945. Polen in Braunschweig. 2. Aufl. Braunschweig 1998, bes. 163ff.
Vögel, Bernhild: "Noch nicht arbeitsfähig". Das Schicksal von Zwangsarbeiterkindern in Braunschweig. In: Braunschweigs Arbeiterschaft 1890-1950. Braunschweig 1988 (= Braunschweiger Werkstücke, Bd. 68), S. 78ff.

Allgemeiner Hintergrund

Bis 1942 wurden schwangere ausländische Arbeiterinnen generell in ihre Heimatländer abgeschoben. Es mehrten sich jedoch die Klagen der zuständigen Ämter über die für den Rücktransport entstehenden Kosten. Man befürchtete zudem, die zurückkehrenden Frauen würden zu "negativen Propagandisten in ihrer Heimat". Da auch die beteiligten Betriebe sich gegen die Abschiebung bereits eingearbeiteter Frauen sperrten und auf den Verlust von Arbeitskraft verwiesen, setzte Fritz Sauckel, der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz, 1942 den Rückkehrerlass für die Dauer des Krieges aus. Im Dezember 1942 wurde durch Verfügungen Sauckels sowie des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) die Einrichtung von Betreuungsstätten "einfachster Art" für ausländische Kinder vorbereitet. Das gemeinsame Aufwachsen von deutschen und "fremdvölkischen" Kindern sollte zukünftig verhindert werden. Am 27. Juli 1943 konkretisierte ein Erlass Heinrich Himmlers diese Bestrebungen mit der Anordnung, "gutrassige" Kinder ausländischer, v.a. polnischer Frauen in deutschen Heimen zu Deutschen zu erziehen, "schlechtrassige" Kinder in speziellen "Ausländerkinder-Pflegestätten", betreut von ausländischem Personal, unterzubringen. Die notwendigen Rasseprüfungen fanden in den Gesundheitsämtern statt, verschleiert als gesundheitliche Untersuchungen. Eine rassische Überprüfung wurde dann vorgenommen, wenn der Vater Deutscher, Flame, Niederländer, Däne, Norweger, Schwede, Finne, Este oder Lette war bzw. wenn die Schwangere einen "gutrassigen" Eindruck machte. Deutsche Krankenhäuser und Entbindungsanstalten durften nun keine ausländischen Frauen mehr aufnehmen. Im Gebiet des Deutschen Reiches entstanden bis 1945 schätzungsweise 300 Entbindungsanstalten für ausländische Arbeiterinnen. Etwa 100.000 Kinder kamen in diesen Heimen ums Leben.

Entstehung des Braunschweiger Heimes

Der Kreisobmann der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in Braunschweig, Mauersberg, berief am 16. April 1943 eine Sitzung ein, bei der die Errichtung eines "Entbindungsheims für Ostarbeiterinnen" auf der Tagesordnung stand. Auf Beschluss der anwesenden Vertreter des Arbeitsamtes, des Gesundheitsamtes, der Kassenärztlichen Vereinigung, der Gestapo, der AOK und der IHK wurde am 10. Mai 1943 an der Broitzemer Straße ein solches Heim errichtet.


Eltern vor dem Entbindungsheim

Die Zustände im Heim

Das Entbindungsheim bestand aus zwei Baracken. Insgesamt gab es nur drei Räume: für die Wöchnerinnen, die Neugeborenen und die älteren Kinder. Dieser Umstand machte es unmöglich, kranke Frauen oder Kinder von den gesunden zu trennen, was die Zahl der Erkrankungen stetig steigen ließ. Es gab keine Bettwäsche, die vorhandenen Decken waren verlaust und mit Exkrementen verschmutzt.

Die Verwaltung der Einrichtung übernahm zunächst die AOK, ab Mitte 1944 die von der IHK gegründete Gesellschaft "Gemeinschaftslager der Braunschweiger Industrie". Der DAF-Obmann Mauersberg und der NSDAP-Kreisleiter Heilig waren für das Heim und die dort herrschenden Zustände verantwortlich. Das Personal des Heimes bildeten ungeschulte "Ostarbeiterinnen", die allgemeine ärtzliche Aufsicht führte ein ukrainischer Arzt. Über die Rolle der verantwortlichen Gesundheitsbehörden ist wenig bekannt; man wusste dort jedoch um die Zustände im Entbindungsheim.

Ende 1944 zwang man die ausländischen Frauen, auch außerhalb des Heimes geborene Kinder dorthin zu bringen. Daher lebten zeitweise auch einige ältere Kinder in der Anstalt. Die Mütter durften ihre Kinder von da an nur zweimal in der Woche besuchen. Die hygienischen Zustände in den Baracken des Heimes waren nach Berichten von damals Verantwortlichen und Zeitzeuginnen unbeschreiblich. Der NSDAP-Kreisleiter Heilig trug im November 1944 durch die Beschränkung der Lebensmittelzuteilungen zu einer weiteren Verschlechterung der Situation im Heim bei. Die katastrophalen sanitären Bedingungen, Unterernährung und Vernachlässigung ließen das Entbindungsheim zu einem Sterbeheim werden:

"Es wurden dort sehr viele Kinder ermordet. Ich habe Leichen gesehen. Als meine Schwester tot war, bin ich heimlich in den Waschraum geschlichen. Da lagen massenhaft tote Kinder. Wenn kein Platz mehr da war, haben sie sie weggebracht. Ermordet, weggebracht, ermordet, weggebracht." (Erinnerung einer Zeitzeugin, in: PANORAMA, 6.5.1999)

Die Körper der verstorbenen Säuglinge wurden in 10kg-Margarine-Kartons verwahrt, im Waschraum gestapelt und gelagert, bis sie nach einigen Tagen fortgebracht wurden. Die polnischen Kinder wurden auf den Friedhof an der Hochstraße gebracht und dort achtlos begraben, die sowjetischen Säuglinge im Krematorium verbrannt.




Entbindungsheim

"Todeslager für Babys - US-Anwälte beschuldigen VW des Völkermordes"

Transkription eines Ausschnitts aus der Panoramasendung vom 06.05.1999
(1:36-3:58min)

KOMMENTAR:
Ein Spielplatz in Braunschweig (Anmerkung: gemeint ist der Friedhof Hochstraße). Unter dem Sandkasten, in dem die Kinder hier spielen, wurden 150 Babys verscharrt und dann vergessen, verschwiegen. Sie wurden getötet vor über fünfzig Jahren. Heute erinnern nur noch anonyme Holzkreuze an das Verbrechen.
Hier wurden sie geboren, hier mußten sie auch sterben, in der sogenannten "Entbindungsanstalt für Ostarbeiterinnen". Alle Zwangsarbeiterinnen aus der Gegend, die schwanger waren, mußten damals zur Entbindung in das Heim. Die Babys kamen zwischen Dreck und Ungeziefer zur Welt. Auch Czeslawa P. bekam ihr Kind hier.

0-Ton
CZESLAWA P.: (Übersetzung)
(ehem. Zwangsarbeiterin)
"Wanzen waren in den Kisten, in denen die Kinder lagen. Wanzen in den Ecken und Würmer, die konnte man sehen. Es war dreckig überall im Raum. Und der Anblick dieser Kinder war einfach schrecklich."

KOMMENTAR:
Die Mütter durften nur wenige Tage bei ihrem Baby bleiben, dann mußten sie wieder zur Arbeit. Trotz der primitiven Bedingungen - die Tochter von Czeslawa P. kam gesund zur Welt. Doch der Dreck machte das Kind krank.

0-Ton
CZESLAWA P.: (Übersetzung)
"Sie bekam Bläschen, die mit Eiter gefüllt waren. Der Krankenschwestern nahmen einfach Nadeln und zerstachen die Eiterbeulen. Meine Tochter schrie, sie hat so gelitten. Das war so schrecklich, da bin ich in Ohnmacht gefallen. Später sind mein Freund und ich heimlich zu ihr ins Zimmer geschlichen. Wir haben sie aus dem Bett genommen und geschüttelt, um zu sehen, ob sie noch lebt. Aber sie schrie nicht mehr, sie reagierte noch nicht einmal."

KOMMENTAR:
Kurz danach war Rosalia P. tot. Geboren am 16. Oktober 1943, gestorben am 21. November. Sie lebte nur fünf Wochen. Kein Einzelfall: Nach der Heimliste überlebte kaum ein Baby das Braunschweiger Lager. Die Nazis vertuschten das Verbrechen. Ihre Todesursache: Debilitas vital - Lebensschwäche. Die Wahrheit: Hunger, systematische Vernachlässigung, Verwahrlosung.




Hochgeladen von 38news am 14.09.2011
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