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Braunschweigs Stunde Null am 12. April 1945

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Braunschweigs Stunde Null am 12. April 1945

Beitrag  Andy am Fr Apr 17, 2015 6:37 pm

Willi Meyer ist heute 82 Jahre alt und vergisst die Nacht zum 15. Oktober 1944 nie, in der der schlimmste Bombenhagel kurz vor Kriegsende auf Braunschweig niederging. Eigentlich war es wie immer, erzählt der Klempnermeister im Ruhestand, der damals zwölf Jahre alt war: "Bombenalarm war für uns nichts Ungewöhnliches." Deshalb spielt er auch mit seiner Mutter eine Partie Schach, als die Sirenen heulen. Doch diesmal schlagen Bomben auf das Haus in der Leopoldstraße 4 ein. Er verbarrikadiert sich mit seinen Eltern und anderen Hausbewohnern im Keller. Erst als die Detonationen aufhören, trauen sie sich wieder heraus. Auf das Grundstück fallen innerhalb von 40 Minuten 26 Brandbomben und zwei Phosphorbomben. Dort befindet sich auch die Klempnerei seines Vaters.


Willi Meyer aus Braunschweig ist heute 82 Jahre alt. Er erlebt, wie seine Heimatstadt 1944 zerstört wird und wie die Amerikaner einmarschieren. © NDR Fotograf: Lydia Haake

Schwerster Angriff auf Braunschweig

Braunschweig erlebte in dieser Nacht den schwersten Bombenangriff während des Zweiten Weltkriegs. Britische Flugzeuge warfen über 200.000 Bomben über der Löwenstadt ab. Die Stabbrand- und Phosphorbomben sorgten für ein Inferno. Der Feuersturm wütete zwei Tage lang in der Innenstadt. "Die Hitze war so groß, dass die Tapeten durch die Mauer anfingen, schwarz zu werden und drohten in Flammen aufzugehen", erinnert sich Willi Meyer. Sie rückten alle Möbel ab und versuchten mit Wasserpatschen, Sand und Wasser die Wohnung vor dem Feuer zu schützen. Willi Meyer Senior versuchte, die Brandherde im Hof zu löschen. Der Phosphor, wenn er auf entzündliches Material spritzt, lässt sich kaum löschen. Doch Klempnermeister Senior war bei der technischen Nothilfe und ausgebildet in Brandbekämpfung. Er schaffte es, das Haus vor der vollständigen Zerstörung durch das Feuer zu bewahren. Die Existenz - die Klempnerei - blieb der Familie erhalten. "Ich hatte Glück", sagt Meyer, "denn ohne den Betrieb, ohne das Haus, wäre wohl alles anders gekommen." Doch ringsherum war alles zerstört.

Trümmerberge statt Fachwerkkulisse


Die Klempnerei von Willi Meyers Vater übersteht den Bombenkrieg. Ringsherum geht dagegen fast Alles in Flammen auf.

Rund drei Millionen Kubikmeter Trümmer prägen nun das Stadtbild von Braunschweig. 90 Prozent der Gebäude liegen in Schutt und Asche. Zwischen den eingestürzten oder ausgebrannten Häusern ist es schwierig, Straßen wiederzuerkennen. Dennoch: Willi Meyer und seine Mutter machen sich auf den Weg zu den Großeltern und müssen dabei über meterhohen Schutt hinweg klettern. "Ich kann mich erinnern, dass die Steine sehr warm waren und wir gemacht haben, dass wir über den Berg hinüber kamen, sonst hätten wir heiße Füße bekommen", erzählt Willi Meyer. Offiziell sterben bei dem Angriff etwa 600 Menschen. 80.000 sind obdachlos. Das Schienen- und Straßennetz, die Versorgung für Gas und Wasser, alles ist lahmgelegt. Der Klempnermeister erinnert sich, wie voll auch auf einmal die Wohnung nach dem Angriff ist. "Die Leute, die ausgebombt waren, die kamen in Notunterkünfte, wie zum Beispiel bei einem Bauern auf dem Land in die Scheune. Bei uns wurde auch eine Familie einquartiert." Statt zu dritt lebte die Familie Meyer noch nach dem Kriegsende zu sechst in ihrer kleinen Wohnung.
Heißbegehrtes Kaugummi

Als die Amerikaner Braunschweig am 12. April 1945 befreien, harren viele Bewohner in den 24 Bunkern der Stadt aus - auch Willi Meyer, für den die letzten Tage dort bedrückend sind. Denn bis zum Schluss liefern sich Deutsche und Amerikaner blutige Gefechte. "Die Explosionen der Granaten waren beängstigend", sagt Willi Meyer. Die meisten verbringen die Zeit im Bunker mit Lesen oder Radio hören. Im Volksempfänger tönen die Propagandisten der NS-Führung noch vom "Endsieg" und der "Festung Harz". Doch die US-Panzer rollen bereits durch die Straßen. "Irgendwann haben wir uns vor die Tür getraut. Viele Leute hatten weiße Bettlaken aus den Fenstern gehalten, um sich zu ergeben." Für den damals Zwölfjährigen ein besonderer Moment. Denn die amerikanischen GIs seien viel lockerer als die stramm gedrillten Wehrmachtssoldaten gewesen. "'Have you a gum?', habe ich gleich gefragt. Wir haben immer versucht, etwas abzustauben bei den Amerikanern."
Nichts soll in Vergessenheit geraten

Willi Meyer versucht das Erlebte zu verarbeiten. In den vergangenen Jahrzehnten hat er 27 Fotoalben angelegt und unzählige Zeitungartikel gesammelt. Nichts soll in Vergessenheit geraten. "Eigentlich war es ein Gefühl der Erleichterung als es endlich vorbei war, aber dennoch gab es noch große Schwierigkeiten - wie zum Beispiel Essen zu besorgen." Kriegsende bedeutet gleichzeitig Neuanfang. In einem Buch für seine Familie hat er sein Leben aufgeschrieben. Wie er den Krieg überlebte, wie er den Betrieb seines Vaters weiterführte und wie er ihn auch stolz an seinen Sohn Ingo abgegeben hat.

Quelle - literatur & Einzelnachweise
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