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Die Heldendichtung

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Die Heldendichtung

Beitrag  Andy am Fr Apr 17, 2015 9:15 pm

Heldendichtung (oder Heldenepik bzw. Heldenepos) ist der Sammelbegriff für alle Dichtungen, in deren Mittelpunkt eine Figur des heroischen Zeitalters steht.

Mittelhochdeutsch

Grundlage der Heldendichtung ist die Heldensage, die geschichtliche Ereignisse (im germanischen Bereich meist solche aus der Zeit der Völkerwanderung) überliefert und frei weiterentwickelt. Die wichtigsten germanischen Sagenkreise handeln von Dietrich von Bern, Siegfried und der Nibelungensage, Wieland und dem König der Hunnen Attila (die in der mittelhochdeutschen Heldendichtung verwendete Namensform Etzel lässt sich lautgesetzlich aus der Vorform Attila herleiten).
Romanische Tradition

In der romanischen Tradition stehen Karl der Große mit dem altfranzösischen Rolandslied und dessen Hauptheld Roland im Zentrum der Heldendichtung.
Als die älteste Heldendichtung Europas gilt die homerische Epik (Ilias und Odyssee).
Außereuropäisch

Ein bedeutendes außereuropäisches Heldenepos ist das persische (heute Iran) Nationalepos Schahname (Das Buch der Könige) von Abū l-Qāsem-e Ferdousī (940–1020) mit über 50.000 Versen. Das Schahname weist insofern eine Besonderheit auf, da den Sagen um den Helden Rostam, Erzählungen von der Schaffung der menschlichen Zivilisation (mythisches Zeitalter) vorausgehen und historische Berichte nachfolgen, die bis in die Zeit der Sassaniden reichen. Ferdousī verbindet in Schahname Mythen der Vergangenheit, zoroastrisches Gedankengut und iranische Geschichte und schafft damit eine eigenständige, nicht-islamische Identität des Iran, die bis in die heutige Zeit nachwirkt.
Heldenlied

Die früheste poetische Form erhielt die Heldensage im Heldenlied, das im 5.–8. Jahrhundert als episch-balladeske Dichtform im germanischen Kulturkreis ausgeprägt wurde. Die Heldenlieder wurden an den germanischen Fürstenhöfen von den Sängern auswendig vorgetragen und in der Regel nicht aufgezeichnet. Das einzige überlieferte deutsche Heldenlied ist das stabreimende Hildebrandslied.
Schriftliche Entwicklung

Mit der Entwicklung der Buchkultur und in Anlehnung an die schriftliterarischen Großepen in lateinischer und persischer Sprache wurde das Heldenlied zum Heldenepos ausgeweitet, das als epische Großform mit breiten Schilderungen und zahlreichen Nebenhandlungen ausgefüllt ist. Die europäische Entwicklung begann in England mit dem Beowulf (10. Jahrhundert), in Frankreich im 11. Jahrhundert (Chanson de geste) und erfasste dann im 12. Jahrhundert Spanien (Cantar de Mio Cid) sowie das deutschsprachige Gebiet, dessen ältestes und bekanntestes Epos das Nibelungenlied ist. Auch die alt- und mittelirische Táin Bó Cuailnge lässt sich zur Heldendichtung zählen.[1]

Das Heldenepos mit seinem Stoff aus der germanischen Heldensage steht im Gegensatz zum höfischen Ritterepos, das seinen Stoff aus französischen, lateinischen oder orientalischen Quellen nimmt.

Im Spätmittelalter wurden die gereimten Heldenepen in großen Sammlungen vereinigt (Heldenbücher) und fanden zum Teil, in Prosa aufgelöst, als Volksbücher eine große Leserschaft. Im 15. bis 17. Jahrhundert erschienen die alten Stoffe im deutschen Sprachraum daneben in der kürzeren Form der Ballade in gedruckten Liederbüchern und auf fliegenden Blättern (zum Beispiel Jüngeres Hildebrandslied). Wie weit diese gesungene, strophische Ausformung der Heldendichtung historisch zurückreicht, ist umstritten.

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