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    *** Pompeji ***

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    *** Pompeji ***

    Beitrag  Andy am Di Aug 25, 2015 8:41 pm

    Pompeji (lateinisch Pompeii, griechisch Πομπηΐα Pompeia, italienisch Pompeï) war eine antike Stadt in Kampanien, am Golf von Neapel gelegen, die wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. untergegangen ist.


    Blick in eine pompejianische Straße

    In seiner etwa siebenhundertjährigen Geschichte wurde Pompeji von Oskern, Samniten, Griechen, Etruskern und Römern bewohnt und geprägt. Bei einem Ausbruch des Vesuvs wurde die Stadt im Jahre 79 verschüttet, dabei weitgehend konserviert und im Laufe der Zeit vergessen. Nach ihrer Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert begann die zweite Geschichte der Stadt, in deren Verlauf Pompeji zu einem zentralen Objekt der Archäologie und der Erforschung der antiken Welt wurde. Pompeji, eine der am besten erhaltenen antiken Stadtruinen, wurde zu einem bekannten und stark rezipierten Begriff.

    Geographische Lage

    Pompeji liegt in der italienischen Region Kampanien, am Fuße des Vesuvs, nördlich des Flusses Sarno kurz vor dessen Mündung in den Golf von Neapel. Es befindet sich auf dem Gemeindegebiet der modernen Stadt Pompei, deren Bebauung direkt an die Ausgrabungen anschließt.

    Die Stadt wurde auf einem durch frühere Ausbrüche entstandenen Lavaplateau angelegt, das im Süden und Teilen des Westens steil, zum Norden und Osten hin jedoch nur leicht abfiel. Rekonstruktionen haben ergeben, dass die Stadt in der Antike viel näher am Meer lag (zur Zeit 700 Meter entfernt) als heute. Die Mündung des schiffbaren Sarno war offenbar durch Lagunen geschützt und diente schon früh griechischen und phönizischen Seeleuten als sicherer Hafen und Umschlagplatz für ihre Waren. Zudem war der Boden im Umland nicht zuletzt wegen der früheren Ausbrüche des Vesuvs sehr fruchtbar.[1]
    Verkehrserschließung

    Das Ausgrabungsgelände hat zwei Zugänge (Stand 2012):

    Der Eingang Porta Marinara an der Piazza Esedra liegt wenige Meter vom Bahnhof Pompei Villa dei Misteri an der Linie Napoli–Sorrento der Ferrovia Circumvesuviana entfernt.
    Der Eingang an der Piazza Anfiteatro liegt 600 Meter vom Bahnhof Pompei Santuario an der Linie Napoli–Poggiomarino der Ferrovia Circumvesuviana und 800 Meter vom Bahnhof Pompei an der Bahnstrecke Napoli–Salerno entfernt.

    Die Ausgrabungen sind über die Ausfahrt Pompei Ovest der Autobahn A3 zu erreichen.

    Geschichte
    Frühe Stadtgeschichte

    Neuere Ausgrabungen haben ergeben, dass es nahe der heutigen Stadt Nola eine seit dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. bestehende Siedlung gab, die man am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aufgab, um sie näher an die Flussmündung zu verlegen.[2] Diese neue Siedlung – Pompeji – wurde nach mythologischer Überlieferung vom Halbgott Herakles gegründet, in Wirklichkeit wohl von den Oskern. Der Ortsname ist mit dem oskischen Zahlwort pompe „fünf“ zu verbinden. Die Bevölkerung der Stadt bestand laut Strabon in historischer Zeit aus Oskern, Etruskern, Pelasgern und Samniten.[3] Über die Geschichte der rasch wachsenden Stadt ist während der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen den Griechen und Etruskern in Kampanien nichts bekannt. Allerdings haben Funde belegt, dass man wahrscheinlich nach beiden Seiten hin Kontakte pflegte, wobei die Beziehung zu den Etruskern offenbar bedeutender war. Wahrscheinlich ist allerdings, dass die Pompejaner zunächst unter griechischem Einfluss standen, was ihre Übernahme der griechischen Götterwelt und einen dorischen Tempel erklärt. Im Jahre 525 v. Chr. dehnten die Etrusker ihren Machtbereich bis nach Pompeji aus. Sie übernahmen unter anderem den in Pompeji gepflegten Apollon-Kult. Nach der Niederlage der Etrusker gegen die Flotten von Cumae und Syrakus in der Schlacht von Cumae im Jahr 474 v. Chr. hatten erneut die Griechen die Vorherrschaft über Kampanien inne. Seit dem späten 5. Jahrhundert v. Chr. (zwischen 425 v. Chr. und 420 v. Chr.) stand Pompeji unter samnitischer Herrschaft. Im Jahre 310 v. Chr. konnte die Stadt einen Plünderungszug römischer Flottensoldaten noch abwehren, die die Nachbarstadt Nuceria Alfaterna einnehmen sollten.[4] 290 v. Chr. musste sich Pompeji wie auch alle anderen samnitischen Städte dem römischen Bündnissystem anschließen. Aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden mehrere oskische Inschriften gefunden. Nach und vor allem während des 2. Jahrhunderts v. Chr. ging es der kampanischen Stadt wirtschaftlich sehr gut. Es konnten viele öffentliche Projekte wie Markthallen- oder Tempelbauten realisiert werden. Auch private Bauten hatten zum Teil stattliche Dimensionen.

    Römisches Pompeji

    Sowohl während der Samnitenkriege als auch während des Bundesgenossenkrieges stand Pompeji auf Seiten der Gegner Roms. Sulla belagerte die Stadt 89 v. Chr., Spuren der Artillerie sind noch heute zu sehen. Es wurden auch Inschriften in oskischer Sprache an den Häuserwänden gefunden, die den ortsunkundigen Verteidigern den Weg weisen sollten. Pompeji unterlag schließlich den Römern und wurde 80 v. Chr. von Sulla in eine römische Kolonie umgewandelt. Die Stadt hieß nun Colonia Veneria Cornelia Pompeianorum. Etwa 2000 römische Veteranen mit ihren Familien wurden offenbar in einem größeren geschlossenen Gebiet im Südwesten der Stadt angesiedelt. In der aktuellen Forschung ist jedoch umstritten, ob dazu Teile der Stadt oder einzelne Häuser enteignet wurden. Man kann davon ausgehen, dass viele der Siedler außerhalb der Stadt Land zugewiesen bekamen und daher nicht in der Stadt lebten. Aus dieser Zeit stammen lateinische Inschriften, die auf eine „Selbstromanisierung“ hinweisen. Als gesichert gilt, dass es zunächst Konflikte zwischen den neu angesiedelten Römern und der alteingesessenen Oberschicht gab, die sich über Jahrzehnte hinzogen. Bis zur augusteischen Zeit scheinen die alten Familien ihren Einfluss wieder zurückgewonnen zu haben. In Anlehnung an das römische Kaiserhaus wurde auch der von Augustus vorgesehene Nachfolger in seinem Amt, sein Neffe Marcellus, zum Schutzpatron der Stadt auserkoren und wie Augustus in der Stadt kultisch verehrt. Ebenfalls in augusteischer Zeit scheint sich die mondän anmutende Kleinstadt zu einem Treffpunkt der römischen Oberklasse entwickelt zu haben.

    Im Jahre 59 n. Chr. kam es nach einem Bericht des Historikers Tacitus[5] im bis zu 20.000 Zuschauer fassenden Amphitheater während eines Gladiatorenkampfes zu blutigen Krawallen mit Besuchern aus der Nachbarstadt Nuceria. Darauf verbot Kaiser Nero für zehn Jahre jegliche Spiele in Pompeji. Die Ursachen für diese Auseinandersetzungen sind möglicherweise bei über Pompeji und Nuceria hinausreichenden politischen Problemen zu suchen.

    Ein großes Erdbeben, von dem sich Pompeji zum Zeitpunkt seines Unterganges noch nicht wieder ganz erholt hatte, erschütterte am 5. Februar 62 die Region um den Vesuv und richtete in Pompeji große Schäden an.[6] Lange Zeit glaubte man in der Forschung, dass es infolge dieses Erdbebens zu einer Verarmung und Proletarisierung der Stadt kam, was neuere Forschungen jedoch für unwahrscheinlich halten.

    Die Bevölkerung Pompejis, das in antiken Quellen uneinheitlich als urbs,[7] oppidum[8] oder municipium[9] bezeichnet wurde und dessen Bürger zur tribus Menenia gehörten, wird auf 8.000 bis 10.000[10] Einwohner zur Zeit des Untergangs geschätzt.
    Untergang

    Das Erdbeben des Jahres 62, das möglicherweise durch die Sackung einer Scholle des Herddaches oder das Aufreißen einer Spalte im Untergrund verursacht worden war, lockerte den Schlotpfropfen des Vulkans. Dessen Widerstand wurde in den folgenden Jahren durch die eingeschlossenen aufsteigenden Gase und durch das stetige Anwachsen des Dampfdrucks in der Magmakammer immer mehr verringert. Zur Mittagszeit des Katastrophentages im Jahre 79 überwand der Innendruck den Widerstand des Pfropfens, der schlagartig zertrümmert und ausgeschleudert wurde. Unmittelbar darauf wurden in kurzer Zeit riesige Mengen von Bimsstein und Asche ausgeworfen. Die ebenfalls ausgeworfenen, vom Herddach stammenden Trias-Dolomite sind ein Beleg dafür, dass der Schlot bis tief hinab leer geschossen wurde. Danach blies ein Gasstrahl zerriebenes Material der Schlotwandungen aus.

    Bereits mehrere Tage vorher hatte es Anzeichen für den Ausbruch des Vesuvs gegeben, weshalb schon ein Teil der Einwohner vorsichtshalber die Stadt verlassen hatte. Die Eruption schleuderte Unmengen von Asche, Lava und Gasen in die Atmosphäre. Diese Wolke wurde vom Wind über das Land in Richtung Pompeji getragen. Kurz nach Beginn des Ausbruchs begann es Bimsstein zu regnen. Unter dem Bimssteinstaub befanden sich größere Stücke, die mit hoher Geschwindigkeit auf die Erde prallten. Dieser Bimsstein brachte zahllose Dächer zum Einsturz, blockierte Türen und schloss Bewohner der Stadt ein.

    Während einer kurzen Ruhepause verstürzte der Schlot. Die nächste Eruption räumte ihn wieder, und die Gewalt des Ausbruchs nahm rasch zu. Der Schlot verstürzte erneut und wurde ein weiteres Mal geräumt. Das gasreiche Magma der Tiefe stieg im Schlot empor, wurde durch heftige Explosionen zerstäubt und in steigernder Folge von starken Aschen-Eruptionen gefördert. Der damit erreichte Höhepunkt des Ausbruchs wurde vermutlich von heftigen vulkanischen Beben begleitet. Gleichzeitig verwandelte ein wolkenbruchartiger Eruptionsregen auf dem Westhang des Vulkans große Aschemengen in Schlammströme.

    Durch den Auswurf enormer Massen pyroklastischen Materials waren der Schlot und der obere Teil der Magmakammer entleert worden, so dass das Dach der Magmakammer längs der Bruchlinien zusammensackte. Aus einer dieser Bruchlinien drang Magma bis zur Oberfläche und ergoss sich über das Sumpfgelände am Nordfuß des Monte Somma. Durch den Zusammensturz der Gipfelregion entstand eine Caldera von sechs Kilometern Durchmesser, in der sich in der Folgezeit der Kegel des heutigen Vesuvs bildete.

    Als sich der Vesuv nach seinem achtzehnstündigen Ausbruch wieder beruhigt hatte, waren die meisten Menschen in Pompeji bereits erstickt oder von herabfallendem Gestein erschlagen worden. Dennoch hatten einige die Katastrophe bis zu diesem Zeitpunkt überstanden. Die wenigen, die noch lebten, fielen aber nur kurze Zeit später Glutlawinen zum Opfer. Ein weiteres Opfer war der berühmte römische Schriftsteller Plinius der Ältere, der, getrieben von naturwissenschaftlichem Interesse und dem Wunsch zu helfen, mit seiner Flotte (er war der Präfekt der römischen Flotte in Misenum) zum Ort der Katastrophe gefahren war. Vor Stabiae kam er in den Schwefeldämpfen um. Zeuge der Katastrophe war sein Neffe Plinius der Jüngere, der den Ablauf in erhaltenen Briefen detailgetreu schildert. Der spezifische Verlauf des Vulkanausbruchs wird deshalb auch als Plinianische Eruption bezeichnet.

    Nach Plinius dem Jüngeren war das Datum des Unterganges der 24. August, zahlreiche Indizien deuten aber darauf hin, dass die Katastrophe erst zwei Monate später stattfand. Auf ein Datum im Herbst deuten vor allem die gefundenen Lebensmittelreste hin. Eine mögliche Erklärung für die Datumsabweichung sind Fehler beim Abschreiben der Briefe des Plinius durch Kopisten im Mittelalter.[11]

    Über 1500 Jahre lag Pompeji unter einer bis zu 25 Meter mächtigen Decke aus vulkanischer Asche und Bimsstein begraben. Neben Pompeji wurden auch weitere Städte wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis vollständig verschüttet.
    Wiederentdeckung und neuzeitliche Erforschung
    Frühe Ausgrabungen

    Schon kurz nach dem Untergang der Stadt wurden aus verschiedenen Gebäuden Wertgegenstände geborgen. So konnten etwa mehrere Marmorstatuen gehoben werden. In den folgenden fast 17 Jahrhunderten war das Gelände der früheren Stadt nur sporadisch besiedelt. Grabräuber hatten jedoch im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach in den einfach zu erreichenden Ruinen nach wertvollen Stücken gesucht und diese geplündert.

    Im Jahre 1592 entdeckte Domenico Fontana bei Kanalbauarbeiten mehrere Inschriften, Marmortafeln, Münzen und Ähnliches, für die sich jedoch niemand interessierte. Das Gelände wurde von den Einheimischen La Civita – die Stadt – genannt. Ein Kavalleriegeneral, Fürst d'Elboeuf, hörte davon, kaufte an der Stelle Land und begann mit planlosen Ausgrabungen. Dabei wurden unter anderem drei Marmorstatuen – Die Herculanerinnen – gefunden. Diese kamen zunächst in den Besitz des Prinzen Eugen in Wien, später an den sächsischen Hof des Kurfürsten Friedrich August II., wo dessen Tochter Maria Amalia Christina Gefallen an ihnen fand. Als sie nach Neapel verheiratet wurde, bat sie ihren Mann um die Wiederaufnahme der Ausgrabungen. Am 6. April 1748 wurden die Grabungen schließlich vom spanischen Ingenieuroffizier Oberst Rocque Joaquín de Alcubierre, der schon 1738 in Herculaneum nach Schätzen gegraben und bereits an den ersten Ausgrabungen Fürst d’Elboeufs in Pompeji teilgenommen hatte, mit Genehmigung des neapolitanischen Königshauses offiziell begonnen. Zunächst hatten die Ausgrabungen jedoch nur das Ziel, besondere Schaustücke und Wertgegenstände zu bergen. Alcubierre hatte bei seinen Grabungen nur wenig Erfolg und wandte sich 1750 wieder Herculaneum zu. Jedoch stellte er fest, dass er wohl eine größere Siedlung entdeckt haben musste. Da er sie für Stabiae hielt, nannte er das entdeckte Theater Teatro Stabina. Vier Jahre später wurden die Ausgrabungen wieder aufgenommen, jetzt unter der Aufsicht der Akademie von Herculaneum. Die Objekte, nach denen man suchte, waren in erster Linie Statuen, Schmuck und Edelmetalle sowie in besonderem Maße Wandmalereien, die herausgelöst und nach Portici in ein extra errichtetes Museum gebracht wurden.

    Im Jahre 1763 fand man ein Schild mit der Inschrift respublica Pompeianorum. Damit war die Stadt ohne Zweifel als Pompeji identifiziert. Seit 1763 konnte man das Grabungsgebiet auch besuchen. Zu den ersten Schaustücken gehörten das Theater, der Isistempel, das Herculaner Tor und die Diomedesvilla vor der Stadt. Die neapolitanischen Könige Karl III. und Ferdinand IV. beanspruchten das exklusive Vorrecht auf die gefundenen Schätze. So war es Besuchern verboten, die Ruinen zu zeichnen. Noch schlimmer für die spätere Forschung war, dass beide die Zerstörung von Wandmalereien anordneten, nur damit sich niemand ihrer bemächtigen konnte. Erst der öffentliche Protest Johann Joachim Winckelmanns zwang das Königshaus, von dieser Praxis abzusehen. Nicht verhindert werden konnte, dass ausgewählte Stücke an andere europäische Königshäuser verschenkt wurden. Unter der europäischen Elite kursierte eine Serie von Prachtbänden, die das Stichwerk Antichità di Ercolano enthielten. Dank dieser Bücher weiß man heute immerhin, welche Kunstschätze zu jener Zeit verloren gingen.

    Durch den Einfluss der Werke Winckelmanns und ein dadurch ausgelöstes geändertes Bewusstsein in der bürgerlichen Gesellschaft war die Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften der Römer nun eine Auseinandersetzung mit der eigenen, europäischen Kultur. Diese Veränderung setzte nach 1760 ein. Von nun an wurde die Antike zu einer Art Ideal erhoben. Man stellte sich die Antike als einzige Ansammlung von Prachtbauten vor. Da die Befunde Pompejis dieser Vorstellung meist nicht gerecht wurden und der Bedarf des königlichen Museums gedeckt war, schlief das Interesse an weiteren Ausgrabungen in Pompeji vorerst ein, die Ausgrabungen gingen nur langsam voran. Nach dem Tode Alcubierres 1780 wurde Francesco La Vega neuer Grabungsleiter. Prominente Besucher Pompejis in dieser Frühzeit der Ausgrabungen waren unter anderem Johann Wolfgang Goethe („Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das der Nachwelt so viel Freude gemacht hätte“)[12] und Wolfgang Amadeus Mozart.

    Einen großen Fortschritt bei der Erforschung gab es, als die Franzosen Neapel 1799 besetzten und 1806 bis 1815 die Herrschaft über Italien innehatten. Die Leitung der Ausgrabungen lag nun in französischer Hand und ging planmäßiger vonstatten. Als Erstes wurde das Land, auf dem Pompeji liegt, enteignet. Zeitweise wurden in dieser Zeit bei den Grabungen bis zu 700 Arbeiter eingesetzt. Teile des Forums wurden ergraben, ebenso die von Norden kommende Hauptstraße Via Mercurio und die sich anschließende zum Forum führende Via del Foro. Somit wurden die schon ergrabenen Bereiche im Norden und Süden miteinander verbunden. Auch in West-Ost-Richtung wurden Teile der Via dell'Abbondanza freigelegt. Die geplante komplette Ausgrabung der Stadtmauer, die einen Gang durch die Stadt ermöglichen sollte, konnte bis zum Abzug der Franzosen 1815 nicht realisiert werden. Dennoch konnte nun erstmals ein Eindruck von der Größe und dem Erscheinungsbild der antiken Kleinstadt gewonnen werden. In den folgenden Jahren mussten die Ausgräber andauernd mit Geldmangel kämpfen. Die Grabungen schritten wieder nur langsam voran, trotzdem konnte man bedeutende Funde verzeichnen. So fand man die Häuser des Fauns, des Meleagers, des tragischen Dichters und der Dioskuren.

    Giuseppe Fiorelli und der Beginn der wissenschaftlichen Erforschung

    Mit der Ernennung Giuseppe Fiorellis zum Soprintendente im Jahre 1863 begann eine neue Epoche in der Erforschung der Stadt. Die folgenden zwölf Jahre unter seiner Leitung sollten prägend werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten die Grabungstechniken große Fortschritte. Die Arbeit wurde immer wissenschaftlicher und stetig verbessert. So wurden etwa Gipsabgüsse der Toten angefertigt. Dabei wurden, wenn die Ausgräber Hohlräume entdeckten, die die Leichen im erhärteten Gestein hinterlassen hatten, jene vorsichtig mit Gips ausgefüllt. Nach dem Erstarren konnte man die Toten als Gipsmodelle erkennen. Ihr Ausdruck reicht vom offensichtlichen Todeskampf bis hin zu einem friedlichen Eindruck des Einschlafens. Im Laufe der Zeit wurden diese Methoden verfeinert, sodass man auch kleinere Hohlräume ausgoss, die von vormals organischem Material hinterlassen worden waren. Das konnten ehemalige Holzmöbel sein oder auch Wurzeln. Auch den oberen Stockwerken der Bauten schenkte man nun Beachtung, die Obergeschosse wurden zum Teil auch rekonstruiert. Häuser grub man nun von oben und nicht von der Seite kommend aus. Das führte zu eindeutigen wissenschaftlichen Befunden, auch über die Dachkonstruktionen, und verhinderte das Einstürzen der Wände, was bis dahin wegen der Last des Erdreiches im Inneren der Häuser oft geschehen war. Man kümmerte sich nun auch um die Sicherung und den Erhalt der schon ausgegrabenen Teile der Stadt, die bisher meist nur notdürftig oder gar nicht rekonstruiert worden und erneut dem Verfall preisgegeben waren.

    Die Restaurierung wurde vor allem unter Fiorellis Nachfolger Michele Ruggiero ein bedeutender Bestandteil der Arbeit. Fiorelli führte auch Methoden der wissenschaftlichen Dokumentation ein. Er unterteilte die Stadt in die noch heute gültigen neun Bereiche (regiones) und Häuserblöcke (insulae) und nummerierte die Eingänge der einzelnen Häuser (domus), so dass jedes durch diese drei Zahlen erfasst ist, zusätzlich zu dem meist von den Ausgräbern dem Haus zugedachten Namen; z. B. VI 15,1 (sog. Casa dei Vettii). Fiorelli gab mit dem Giornale degli Scavi auch das erste Periodikum mit aktuellen Ausgrabungsberichten heraus. Unter Fiorellis Nachfolgern wurden die letzten Reste der bislang unausgegrabenen Flächen westlich der Via Stabiana freigelegt. Damit war der gesamte Westen der Stadt archäologisch untersucht.

    1889 untersuchten der Archäologe Friedrich von Duhn und der Architekt Louis Jacobi tiefere Schichten der Stadt und stießen auf einen dorischen Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Zwischen 1907 und 1911 fand man vor den Mauern der Stadt zwei Nekropolen aus samnitischer Zeit (5. Jahrhundert v. Chr.). Vittorio Spinazzola leitete zwischen 1911 und 1924 die Erforschung der kompletten Via dell'Abbondanza (auch Basarstraße genannt) bis zum Sarno-Tor. Spinazzolas Rekonstruktionen der Fassaden der Gebäude an dieser Straße sind in der Wissenschaft jedoch äußerst umstritten. Um die Mauerwerke, Fresken, Mosaiken, Inschriften usw. zu schützen, errichtete man auf den Mauern schon seit Ende des 19. Jahrhunderts geneigte kleine Ziegeldächer. Dabei achtete man jedoch nicht auf die ursprünglichen Raumhöhen oder gar auf Obergeschosse. Auch wurden Wasser- und Stromleitungen verlegt, zum Teil, um für die Besucher Effekte durch Springbrunnen oder Licht zu erzeugen. Auch die Bepflanzungen der Innenhöfe der Häuser zu dieser Zeit mit Lorbeerbäumen und Palmen hat mehr geschadet als genutzt und stellt die Archäologen noch heute vor Probleme. Auch bei den Mauern kann man heute kaum noch zwischen Originalteilen und neuen Mauerteilen unterscheiden. Doch das größte Problem ist mittlerweile die Baufälligkeit der Rekonstruktionen aus dieser Zeit.

    So hier unterbrechen wir,wer weiteresen möchte hier der Link:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Pompeji

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