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Das Schisma

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Das Schisma

Beitrag  Andy am Mi Aug 26, 2015 11:18 pm

Der Ausdruck Schisma (spätmittelhochdeutsch: sc[h]isma, kirchenlateinisch: schisma, griechisch: σχίσμα s-chísma,[1] „Spaltung, Trennung“; Plural: Schismen rsp. Schismata) bezeichnet die Spaltung innerhalb einer etablierten religiösen Glaubensgemeinschaft ohne Ausbildung einer neuen theologischen Auffassung (Häresie). Im Unterschied zu gegensätzlichen Fraktionen und Parteiungen innerhalb einer solchen Gemeinschaft kennzeichnet die Spaltung die vollzogene Trennung. Man nennt das Schisma oft auch „Kirchenspaltung“, ein Begriff, der sich eher auf den institutionellen Rahmen einer Kirche bezieht und eine Folge ihrer Kirchenverfassung ist.

Schismen finden sich nicht allein im Christentum, sondern auch etwa im Islam zwischen Charidschiten, Schiiten und Sunniten sowie im Buddhismus. Gelegentlich wird auch der politische Bruch zwischen der Sowjetunion und der Volksrepublik China, das Chinesisch-sowjetische Zerwürfnis, als kommunistisches Schisma bezeichnet.

Alte Kirche

Glaubensspaltungen begleiten die Kirchengeschichte von Anbeginn und markieren häufig die Geburtsstunde von Kirchen bzw. christlichen Sondergemeinschaften, die in Konkurrenz zu den bestehenden Kirchen treten, siehe auch Alte Kirche.

Im Neuen Testament, vor allem in den Paulus-Briefen finden sich viele Spuren von Zerwürfnissen und Abspaltungen. Die tiefste Krise entstand aus der Frage nach der Geltung des alttestamentlichen Gesetzes (Tora) auch für die Heidenchristen. Die Ebioniten, eine starke judenchristliche Gruppe, gingen dabei für die entstehende Kirche verloren.

In der Folgezeit kristallisierte sich im Prozess von Klärungen und Spaltungen diejenige Gemeinschaft heraus, die sich selbst und ihr Glaubensbekenntnis als orthodox und katholisch verstand. Dies geschah bis ins 4. Jahrhundert (konstantinische Wende) ohne staatliche Machtmittel. Wenn eine dogmatische Glaubensauffassung wie die der Gnostiker, Donatisten, Arianer und anderer nach langen Auseinandersetzungen für irrig erklärt war, wurde über ihre Anhänger der Ausschluss (Exkommunikation) verhängt, was jedoch keinerlei zivilrechtliche Folgen hatte. Bis 313 waren die Sondergemeinschaften ebenso wie die orthodox-katholische Kirche Ziel staatlicher Christenverfolgungen.

Erst nach dem Entstehen der römischen Reichskirche waren die „häretischen“ Gemeinschaften Benachteiligungen seitens des römischen Staates ausgesetzt.

Das Konzil von Chalcedon von 451 brachte eine Reihe von Abspaltungen der dem Monophysitismus zuzurechnenden Kirchen mit sich. Eine davon ist die Abspaltung der Koptischen Kirche in Ägypten von der Reichskirche.

Im Unterschied zu den späteren Spaltungen im Mittelalter hatten bei den Kirchenspaltungen, die nicht selten Folge der Streite auf den Konzilien waren, in frühchristlicher Zeit theologische Auseinandersetzungen gegenüber den kirchenpolitischen Fragen das größere Gewicht.
Mittelalter

Ein markantes Ereignis einer Glaubensspaltung stellt das große morgenländische Schisma 1054 dar. Im Sinne des griechischen Wortes Spaltung ist dieser Begriff in die Geschichtsschreibung eingeflossen. Hier bedeutet dies die Trennung der lateinischen Kirche des Westens von der griechischen Kirche des Ostens, die Griechenland bzw. das byzantinische Reich umfasste (griechisch-orthodoxe Kirche). Ausschlaggebend für diese Spaltung war die Frage nach dem Zentrum der Christenheit, welche der lateinische Westen in Rom als den Felsen Petri und der griechische Osten in Konstantinopel sah. Der Papst in Rom als Patriarch des lateinischen Westens und Abendlandes und der Patriarch in Konstantinopel als das geistliche Oberhaupt des griechischen Ostens und Morgenlandes exkommunizierten einander. Entscheidend für diese Trennung waren primär weniger theologische Differenzen, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelten, sondern eher kirchenpolitische Interessen, die mit dem Wachstum der Macht und des Ansehens des Papsttums zusammenhingen. Die alte Reichskirche, wie sie seit dem römischen Kaiser Konstantin I. bestand, hörte hiermit auf zu existieren.

In der Zeit von 1378 bis 1417 kam es zum sogenannten abendländischen Schisma. Dabei erhoben gleich mehrere Personen Anspruch auf das Papsttum. Nicht nur in Rom, sondern auch in Avignon residierten Päpste und Gegenpäpste. Mitte des 15. Jahrhunderts zur Zeit Eugens IV. erhob auch der vom Konzil von Basel gewählte Felix V. (1439–1449) als letzter katholischer Gegenpapst Anspruch auf den Thron. Er resignierte jedoch, da er und damit das Konzil sich nicht durchsetzen konnten.

Weitere Abspaltungen des Mittelalters, die die katholische Kirche als Häresien ansah, waren u. a. die Waldenser und die Katharer. Es gab außerdem auch Gegenbischöfe.
Frühe Neuzeit

Häufig wird mit Glaubensspaltung das „Zeitalter der Glaubensspaltung“ bezeichnet. Es nahm seinen Anfang im Jahr 1517 mit dem die Reformation anstoßenden Thesenanschlag von Wittenberg durch Martin Luther, zu dessen Folgen auch der Bauernkrieg unter Thomas Müntzer von 1525 zählte. Das Zeitalter ging erst mit dem Westfälischen Frieden von 1648 zu Ende. Diese Zeit war auch ein Jahrhundert der Glaubenskämpfe. Dazu zählten weiter u. a. die Kämpfe des deutschen Protestantismus gegen das katholische Kaisertum unter Kaiser Karl V. und die Verfolgungen der Hugenotten in Frankreich. Für die Zeit der Glaubenskämpfe von 1550 bis 1648 hat sich der von Wolfgang Reinhard und Heinz Schilling eingeführte Begriff der Konfessionalisierung bzw. des „konfessionellen Zeitalters“ durchgesetzt; er bezeichnet einen Prozess der Konfessionsbildung.

Die innerkatholischen Reformbestrebungen beginnend mit Papst Hadrian VI. (1522–1523), stärker seit dem Konzil von Trient von (1545–1563) bis zur eigentlichen Gegenreformation zielten darauf ab, diese Spaltung im Sinne der katholischen Kirche rückgängig zu machen. Dabei bediente man sich sowohl diplomatischer Mittel der Überzeugung als auch der Gewalt. Der Versuch, den Protestantismus gewaltsam zu überwinden und seine Anhänger wieder in die römische Kirche zu integrieren, blieb letztlich erfolglos. Diese Bestrebungen stellen nach Arno Herzig Maßnahmen einer Sozialdisziplinierung im Sinne einer Rekatholisierungspolitik dar. Der Westfälische Frieden gilt als ein Schlusspunkt der Glaubenskämpfe, nicht jedoch der Glaubensspaltung.
Gegenwart

Mit Erklärung vom 24. April 2006 stellten die deutschen katholischen Bischöfe fest, der Austritt aus der katholischen Kirche erfülle den „Tatbestand des Schismas im Sinn des c. 751 CIC“ und ziehe die Strafe der Exkommunikation nach sich.[2]
Glaubensspaltung und ökumenischer Dialog

Die Glaubensspaltung bleibt bis heute bestehen. Der ökumenische Dialog bemüht sich um eine schrittweise Annäherung zwischen den getrennten Kirchen. Papst Johannes Paul II. hatte sich während seines Pontifikates vor allem der Ökumene mit den Ostkirchen zugewandt. Doch wirken unterschiedliche Auffassungen in zahlreichen Bereichen immer noch trennend, nicht zuletzt das Papstamt selbst wird in seiner historisch entwickelten Gestalt nach dem Ersten Vatikanischen Konzil als Hindernis für die Einheit empfunden. Darum wird das Streben nach Anerkennung des Bestehens der jeweils anderen Kirche und das Bemühen um ein beiderseitiges Mit- und Nebeneinander bereits als wichtiger Schritt angesehen.

Statt des unklaren und undeutlichen Begriffes Glaubensspaltung bevorzugt der ökumenische Dialog den ideologisch weniger belasteten Ausdruck Kirchentrennung.

Siehe auch

Akakianisches Schisma
Apostasie
Goanesisches Schisma

Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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