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Hans Schemm

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Hans Schemm

Beitrag  Andy am Fr Sep 04, 2015 10:07 pm

Hans Schemm (mit vollem Namen Hans Heinrich Georg Schemm;[1] * 6. Oktober 1891 in Bayreuth; † 5. März 1935 ebenda) war NSDAP-Gauleiter der Bayerischen Ostmark, Reichswalter des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) und Bayerischer Kultusminister.



Leben
Herkunft, Ausbildung und Erster Weltkrieg

Hans Schemm wurde als zweiter von drei Söhnen des Konrad Schemm und der Babette Meyer[1] geboren. Seine Eltern betrieben eine Schusterei. Aufgrund der Beanspruchung der Eltern als Lieferant des örtlichen Militärs wuchs er überwiegend bei seiner Großmutter auf. Sie weckte bei ihm das Interesse für Geschichte und Mythen. Er besuchte zunächst die Volksschule und von 1905 bis 1910 (drei Jahre Präparandenschule und zwei Jahre Seminarkurse) das Lehrerseminar an der Königlich–Bayerischen Lehrerbildungsanstalt Bayreuth.[2] 1915 heiratete er die vier Jahre ältere – aus vermögenden Hause stammende – Baumeisterstochter Babetta Lorenzia Zeitler.[1] 1917 wurde der Sohn Rudolf geboren. Ab 1910 unterrichtete er als Lehrer zunächst in Wülfersreuth, ab 1911 dann in Neufang und ab 1920 an der Altstadtschule, der späteren Hans-Schemm-Schule in Bayreuth. Während seiner Zeit als Lehrer experimentierte er mit Chemikalien und arbeitete mit seinem Mikroskop. Er wurde 1911 vom Wehrdienst zurückgestellt und der Ersatzreserve zugeteilt. Am sechsten Mobilmachungstag (6. August 1914) wurde er „auf dringende Vorstellungen zuständiger Militärärzte“ als Krankenwärter beim Reservelazarett in Bayreuth eingesetzt. Im Winter 1915/16 infizierte er sich mit Tuberkulose, was wieder zeitweise zur Freistellung vom Wehrdienst führte.

Vom 18. April bis 6. Mai 1919 gehörte er dem Freikorps Bayreuth an. An der gewaltsamen Niederschlagung der Münchner Räterepublik am 2. Mai 1919 nahm er nicht mehr aktiv teil, weil er erst danach in München eintraf.
Berufliche Tätigkeit

Schemm wurde im September 1920 Laborant eines bakteriologisch-chemischen Labors der Chemischen Werke Werchow in Thale (ehemals Sanatorium Hubertusbad), das jedoch bereits 1921 aus finanziellen Gründen schloss. Schemm, der sich zuvor wissenschaftlich mit chemisch-biologischen Fragen befasst hatte, kehrte wieder in den Schuldienst zurück. Nebenberuflich lehrte er zwischen 1921 und 1928 an der Volkshochschule.
Mitglied der NSDAP

Ab 1923 hatte Schemm Kontakt mit nationalsozialistischen Gruppierungen, trat der NSDAP bei[3] und lernte am 30. September 1923 Adolf Hitler kennen. 1924 wurde er Beisitzer im Völkischen Bund Bayreuth. Am 27. Februar 1925 gründete Schemm die NSDAP-Ortsgruppe Bayreuth und im gleichen Jahr den Gau Oberfranken der NSDAP.

Schemm baute die Organisation zielstrebig auf. Seine politischen Positionen waren klar antidemokratisch, antisemitisch und antikommunistisch, was u. a. folgende Zitate belegen:

„Wir sind revolutionär, wir wollen den gegenwärtigen Staat stürzen … An unseren Feinden werden wir Rache nehmen und zwar blutige Rache.“
„Wir sind nicht objektiv – wir sind deutsch!“
„… dass an jedem Laternenpfahl ein Jude baumeln solle.“

Parlamentsmitglied

1928 wurde Schemm Mitglied des Bayerischen Landtags und daneben Leiter des Bezirks Franken der nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur.[3] 1932 schied er aus dem Landtag aus.

Systematisch bereitete Schemm die örtliche NSDAP auf die Wahlkämpfe vor, zunächst für die Stadtratswahlen 1929. Die NSDAP erreichte neun Mandate, Schemm wurde Fraktionsvorsitzender. Der Einzug der NSDAP-Fraktion führte zu häufigen Tumulten und einer Prügelei, die durch das aggressive Verhalten der NSDAP-Mitglieder und insbesondere Schemms veranlasst waren.

1930 wurde Schemm Mitglied des Reichstags und blieb es bis zu seinem Tod.
Nationalsozialistischer Lehrerbund und Nationalsozialistischer Evangelischer Pfarrerbund

1929 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB), dem er als Reichswalter vorstand.[4] Auf seine Initiative hin entstand im Rahmen des NSLB eine Arbeitsgemeinschaft von Geistlichen beider Konfessionen. Dies führte zur Bildung einer Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer evangelischer Geistlicher, die sich ab Mitte 1931 Nationalsozialistischer Evangelischer Pfarrerbund (NSEP) nannte.[5][6]
Zeitungs- und Verlagsinhaber

1928 und 1929 hatte Schemm die Leitung mehrerer nationalsozialistischer Zeitungen (Streiter, Weckruf und Nationale Zeitung) aufgrund seiner parlamentarischen Immunität übernommen, die er jedoch kurze Zeit später bereits wieder abgab, da es zu viele aufreibende Prozesse gab und sich die Redaktionen nicht immer an seine Anweisungen hielten. Im April 1929 gründete Schemm eine eigene Zeitung, ab August des gleichen Jahres erschien dann die Nationalsozialistische Lehrerzeitung, später benannt Der deutsche Erzieher. Reichszeitung, das Verbandsorgan des NS-Lehrerbundes. Am 1. Oktober 1930 erschien die von Schemm herausgegebene Wochenzeitung Kampf für deutsche Freiheit und Kultur, welche die Auflage von zunächst 3.000 Stück auf 20.000 Stück (1932) steigerte.

1931 gründete Schemm den Nationalsozialistischen Kulturverlag Bayreuth, der ab dem 1. Oktober 1932 die Tageszeitung Das Fränkische Volk (Auflage 10.000 Stück) herausgab.

Schemm konnte 1933 die Gründung eines NS-Gaus Bayerische Ostmark durchsetzen, „Mark“ im mittelalterlichen Sinn als Kriegsgebiet und Barriere gegen die „Slawen“ verstanden. Gauhauptstadt wurde Bayreuth, das gleichzeitig auch Sitz des NSLB war. Schemm und die Gauleitung waren danach aktiv, um ein „Ostmark-Bewusstsein“ zu fördern (z.B. durch Ostmarklied, Ostmarkstraße, Ostmarkverlag). 1942 wurde der Gau, der infolge der NS-Eroberung von Teilen der Tschechoslowakei nunmehr nicht im Grenzgebiet lag, in „Gau Bayreuth“ umbenannt. Schemm gründete einen „Gauverlag Bayerische Ostmark“ mit Sitz in Bayreuth, durch den etliche regionale Blätter gleichgeschaltet und zentral gesteuert wurden. Bis 1942 trugen die Bezeichnung „Bayerische Ostmark“ neben dem „Fränkischen Volk“ die Deggendorfer Zeitung, die „Rottaler Zeitung“, das „Hofer Tagblatt“, die „Frankenwald-Zeitung“, die „Kulmbacher Rundschau“, die „Dingolfing-Landauer Zeitung“, die Donau-Zeitung, der „Regensburger Kurier“, die Coburger Nationalzeitung und andere Tageszeitungen. Nur wenige davon konnten noch eine kurze Zeit eine gewisse Eigenständigkeit bewahren, bis sie wegen der Papierrationierung im Weltkrieg ihr Erscheinen ganz einstellten.

Der Gauverlag Bayerische Ostmark, ab 1942 „Gauverlag Bayreuth“, produzierte bis kurz vor Kriegsende eine große Anzahl Bücher, insbes. auch Feldpostausgaben von Kleinschriften. Es erschienen nicht nur offensichtliche Propaganda-Schriften, sondern auch Bildbände über Städte der „Bayerischen Ostmark“, sowie welche zu Bulgarien, und den eroberten Städten Prag und Krakau. 1939 zeigte der Verlag eine besondere Nähe zu Alfred Rosenbergs Kulturpolitik; z. B. erschien im März ein Auswahlband, der aus 9 Essays von 1938 in einer sog. Literatur-Zeitschrift „Bücherkunde“, einem Organ des Rosenbergschen „Amts Schrifttumspflege“ bestand, sowie 3 weiteren. Beide Publikationen hatten den gleichen Herausgeber bzw. Hauptschriftleiter, Günther Stöve[7]
Gauleiter und Kultusminister

Ab 1928 war Hans Schemm Gauleiter der NSDAP von Oberfranken. 1933 wurde der von Schemm geführte Gau Oberfranken mit dem Gau Oberpfalz-Niederbayern zum Gau Bayerische Ostmark vereinigt. Schemm blieb Gauleiter und etablierte in den folgenden Jahren in diesem Gau eine Nebenausgabe des „Fränkischen Volkes“, die „Bayerische Ostwacht“, welche später in „Bayerische Ostmark“ umbenannt wurde. Schemm wurde außerdem SA-Gruppenführer. Am 16. März 1933 ernannte Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp Schemm zum kommissarischen Kultusminister Bayerns (Kabinett von Epp). Hitler berief ihn dann am 13. April 1933 zum „Leiter der kulturellen und erzieherischen Angelegenheiten Bayerns“. Aufgrund dessen hatte auch der NSLB und der Reichstenographenbund seinen Sitz in Bayreuth. Auch unter der Regierung von Ludwig Siebert (Kabinett Siebert) blieb Schemm bis zu seinem Tode bayerischer Kultusminister. 1933 publizierte er das Buch Gott, Rasse und Kultur.[3]

Auf der Tagung Die Erziehung im nationalsozialistischen Staat, die vom 1. bis 5. August 1933 in München stattfand, rechtfertigte er in einem Referat die nationalsozialistische Gleichschaltung:

„Der Nationalsozialismus kam zum Siege durch sein begeistertes Bekenntnis zur Totalität. Und wir werden deswegen nicht nachgeben, bis auch die Letzten … gleichgeschaltet und die, welche nicht wollen, aus irgendwelchen Gründen weggestorben sind“.[3]

Schemm wurde 1933 Ehrenbürger von Bayreuth und später in Eggenfelden und Hof.

1934 wirkte Schemm mit Hans Frank bei der Organisation der Schachweltmeisterschaft 1934 mit und sorgte dafür, dass Schach an Schulen in Bayern gelehrt wurde.[8]
Tod

Am 5. März 1935 starb Schemm aufgrund von Verletzungen, die er sich bei einem Flugzeugabsturz zugezogen hatte. Das Flugzeug war während des Starts am Flugplatz Bayreuth aufgrund eines Pilotenfehlers abgestürzt. Es gab auch Gerüchte, dass der Absturz alkoholbedingt war oder er selbst das Flugzeug gesteuert hatte. Hitler persönlich beorderte den Berliner Professor Ferdinand Sauerbruch per Flugzeug nach Bayreuth, Schemm erlag jedoch vor dessen Eintreffen seinen Verletzungen. Sein Nachfolger als Gauleiter und Reichswalter des NSLB wurde Fritz Wächtler.

Rezeption


Ehemalige Hans-Schemm-Kaserne in Bayreuth

Schemms Leben wurde von den Nationalsozialisten, zum Teil aber auch noch in der nachfolgenden demokratischen Zeit, verklärt. Infolge seines frühen Todes wurde er oft als „guter Nazi“ bezeichnet. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Schulen, Straßen und Hallen[9] nach ihm benannt. Unter anderem trugen das Theodolinden-Gymnasium und die Rotbuchenschule in München seinen Namen.[10] Eine dieser Benennungen überdauerte bis April 1986: Die „Hans-Schemm-Kaserne“ der US-Streitkräfte in Bayreuth deren Hauptgebäude heute u. a. das Sozialgericht Bayreuth beherbergt.[11][12]

Werke

Der rote Krieg. Mutter oder Genossin. Bayreuth 1931.
Unsere Religion heißt Christus, unsere Politik heißt Deutschland! Sulzbach 1933.
Hans Schemm spricht. Seine Reden und sein Werk. (bearb. von G. Kahl-Furthmann), Bayreuth 1935.

Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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