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Die Shell Jugendstudie

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Die Shell Jugendstudie

Beitrag  Andy am So Nov 15, 2015 8:47 pm

Die Shell Jugendstudie ist eine empirische Untersuchung der Einstellungen, Werte, Gewohnheiten und des Sozialverhaltens von Jugendlichen in Deutschland, die vom Mineralölkonzern Shell seit 1953[1] herausgegeben wird. Sie hat sich in den letzten Jahrzehnten als ein Bestandteil einer umfassenden Sozialberichterstattung etabliert und wird in Fachkreisen als Referenzwerk wahrgenommen.

Im Abstand von etwa vier Jahren wird die Studie bei einem Wissenschaftlerteam in Auftrag gegeben. Seit der 14. Studie 2002 wird sie von Wissenschaftlern der Universität Bielefeld durchgeführt. Die empirischen Erhebungen wurden durch TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt, bestehend aus Repräsentativerhebungen der 12 bis 25-jährigen Bevölkerung in Deutschland, die durch 20 biografische Porträts von Jugendlichen der gleichen Altersgruppe ergänzt werden.[2] Die 14. (2002) und 15. (2006) Studie wurde von Klaus Hurrelmann geleitet, der auch die „kleine Schwester“[3][4] nach dem Vorbild[5] der Shell Studie, die World Vision Kinderstudien über Kinder bis elf Jahren mit ähnlicher Thematik im Auftrag von World Vision Deutschland seit 2007 leitet.[6] Für die 16.(2010) und 17. (2015) Studie zeichnet sein Bielefelder Kollege Mathias Albert gemeinsam mit Klaus Hurrelmann und Gudrun Quenzel verantwortlich.

Studie 2006

Die Studie dokumentiert eine große Angst der Jugendlichen in Deutschland vor dem sozialen Abstieg. Im Vorfeld der weltweiten Finanzkrise herrscht hoher Pessimismus im Blick auf die Zukunft vor. Mit einer guten Bildung wollen sich die Jugendlichen vor dem Abstieg sichern. Dabei entstehen große Unterschiede der Geschlechter im Blick auf die Bildungsziele. Mädchen haben kreativeres Verhalten in der Freizeit. Dabei kombinieren sie häufig mediale Reize mit Aktivitäten für alle Sinne. Sie streben signifikant häufiger als Jungen eine anspruchsvollere Bildung mit Abitur als Fernziel an und zeigen mehr Ehrgeiz als Jungen, bei denen die ständige Beschäftigung mit elektronischen Medien im Vordergrund steht. Junge Männer können sich nur selten eine Arbeitsteilung mit einer Partnerin vorstellen und fixieren sich stattdessen auf Karriere und ein traditionelles Männerbild, ohne darauf viel Ehrgeiz zu verwenden. Sie vertrauen auf die männliche Vormachtstellung für beruflichen Erfolg und als Familienernährer. Junge Frauen zeigen mehr Ehrgeiz und schulische Erfolge. Nur noch 20 Prozent sind dem traditionellen Familienbild der „drei K: Kinder, Küche und Kirche“ verhaftet. Inzwischen steht neben diesen der eigene Wunsch nach Karriere.[7] Insgesamt macht diese Einstellung die jungen Frauen resistenter gegen Krisenerfahrungen.
Studie 2010

Gegenüber der Studie von 2006 erhöhte sich die Zahl der optimistischen Jugendlichen erheblich. Die Jugendlichen erahnen die sich verbessernde Lage am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Dieser Trend ist jedoch sozial unterschiedlich ausgeprägt. Die Studie stellte eine Verschärfung der Kluft zwischen arm und reich fest, wie sie sich auch in der World Vision Kinderstudie gezeigt hat. Während die drei Viertel materiell mindestens einigermaßen gesicherten Jugendlichen überwiegend optimistisch sind, sind bei den Jugendlichen aus benachteiligten Familien nur 33 Prozent optimistisch (2 Prozent weniger als 2006 und 7 Prozent weniger als 2002). Der Bildungserfolg hängt in keinem anderen Land so stark von der Herkunft ab, wie in der Bundesrepublik. Junge Frauen haben bessere Chancen auf gute Bildungsabschlüsse als männliche Jugendliche. Die Jugendlichen – besonders die jüngeren – sind politischer geworden: 38 % der Befragten ordnete sich dem linken Lager zu, 29 % der Mitte und 18 % sahen sich selbst rechts der Mitte. Lediglich 14 % gaben an, politisch nicht positioniert zu sein.[8] Soziales Engagement ist vor allem bei Kindern von gebildeten oder wohlhabenden Familien verbreitet.[9]
Studie 2015

Die Befunde der neuen 17. Shell Jugendstudie weisen auf erste Veränderungen bei der aktuellen Jugendgeneration hin. Sie befindet sich nach der Analyse von Klaus Hurrelmann im Übergang von der Generation Y mit einer pragmatischen, sondierenden Haltung und großer Zukunftssorge zu einer neuen Generationsgestalt, die selbstbewusster und „relaxter“ ist („Generation R“). Ein Symptom dafür ist laut Hurrelmann das weiter angestiegene politische Interesse. Anders als in den vorangehenden Studien vollzieht sich diese Öffnung vor dem Hintergrund einer grundsätzlich positiven Beurteilung der Lage und der Zukunft der Gesellschaft. Es scheint für Jugendlichen wieder perspektivreicher zu werden, bei gesellschaftlichen Gestaltungsfragen auf dem Laufenden zu sein und gegebenenfalls auch an Gestaltungsprozessen mitzuwirken. Zugleich hat sich die Sicht Jugendlicher auf die Gesellschaft und die eigene Lebensführung vertieft. Respekt (gegenüber Kultur und eigener Tradition), Anerkennung (der Vielfalt der Menschen) und Bewusstheit (für Umwelt und Gesundheit) sind dabei wichtig.

Der Optimismus der Jugendlichen in Deutschland ist hoch. 61 % blicken optimistisch in die eigene Zukunft, 36 % gemischt „mal so, mal so“ und nur 3 % eher düster. Damit erhöht sich der Anteil der optimistischen Jugendlichen gegenüber 2010 (59 %) noch einmal leicht und lässt den entsprechenden Wert aus 2006 (50 %) weit hinter sich.

Von dieser steigenden Zuversicht profitieren Jugendliche aus der sozial schwächsten Schicht allerdings erneut nicht. Wie schon in 2010 äußert sich von ihnen nur ein Drittel (33 %) optimistisch hinsichtlich der eigenen Zukunft. Leicht rückläufig ist auch der Optimismus in der unteren Mittelschicht von 56 % in 2010 auf 52 % in 2015. Die soziale Spaltung in 80 % mehr oder weniger gut positionierte und fast 20 % sozial „abgehängte“ Jugendliche hat sich nach Einschätzung von Klaus Hurrelmann und seinen Mitautorinnen und Mitautoren verfestigt.

Bemerkenswert ist, dass erstmals eine Mehrheit der Jugendlichen die gesellschaftliche Zukunft optimistisch beurteilt. Nach einem Tiefpunkt 2006 (43 %) setzt sich die Trendwende aus dem Jahr 2010 (47 %) fort, so dass 2015 mit 52 % erstmals seit den 1990er Jahren eine leichte Mehrheit der Jugendlichen zuversichtlich auf die Zukunft der Gesellschaft blickt. Hier besitzt die soziale Herkunft ebenfalls eine starke Erklärungskraft. Jugendliche aus der oberen Schicht (59 %) sind wiederum am optimistischsten gestimmt, Jugendliche aus der unteren Schicht (42 %) dagegen deutlich seltener.

Trotz des steigenden politischen Interesses bleibt eine ausgeprägte Systemverdrossenheit gegenüber Parteien und Parlamenten bestehen. Nach wie vor unterdurchschnittlich ist das Vertrauen, das Parteien entgegen gebracht wird (2,6 auf einer Skala von 1 bis 5 mit dem Mittelwert 3). Der Aussage „Politiker kümmern sich nicht darum, was Leute wie ich denken“ stimmen weiterhin 69 % der Jugendlichen zu (Altersgruppe 15 bis 25 Jahre).

Zugleich sehen die Jugendlichen, dass ihr Land in der Welt von heute eine wichtige Position einnimmt. 69 % finden, dass Deutschland ein bedeutsamer Akteur in der Welt sei. Doch dieses neue Gewicht verstehen sie nicht als Aufforderung, sich in die Konflikte der Welt allzu sehr einzumischen. Sie setzen zum einen auf die Qualität der Produkte, die das Land der Welt anbieten kann. Zum anderen glauben sie, dass Deutschland kulturell und sozial attraktiv ist und dadurch ein Vorbild für andere Länder der Welt sein kann. Von dieser positiven Grundstimmung her, die auch von vielen Migranten geteilt wird, bekunden viele Jugendliche Stolz auf Deutschland als Heimatland.

Auffällig ist die zeitgleich angewachsene Sorge in Bezug auf die internationale Politik. Mit 73 % benennen die Jugendlichen am häufigsten mögliche Terroranschläge als Risiko und Problembereich, der ihnen Angst macht. An die zweite Stelle gerückt ist mit 62 % die Angst vor einem möglichen Krieg in Europa. Vor Zuwanderung und Flüchtlingen haben die Jugendlichen wenig Angst, eher allerdings vor einem steigenden Fremdenhass.

Die Einstellungen rund um das Berufsleben bilden einen weiteren Schwerpunkt in der 17. Shell Jugendstudie. Ein gutes Fünftel der Jugendlichen (22 %), die bereits die Schule verlassen haben, blickt auf die Erfahrung zurück, dass sie aufgrund des fehlenden Schulabschlusses nicht ihren Wunschberuf ergreifen konnten. Bei den Erwartungen an die Berufstätigkeit dominiert das Bedürfnis nach Sicherheit, dicht gefolgt vom Wunsch nach persönlich sinnvoller Erfüllung.

Siehe auch

Jugendforschung
Jugendsoziologie
Sozialpsychologie


Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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Andy
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