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Bernhard Stempfle

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Bernhard Stempfle

Beitrag  checker am Mo Nov 23, 2015 5:53 am

Pater Bernhard Rudolf Stempfle (* 17. April 1882 in München[1]; † 1. Juli 1934 im KZ Dachau bei München) (Pseudonyme: Redivivus; Spectator Germaniae)[2] war ein deutscher Ordensmann, Theologe und Publizist. Er wurde vor allem bekannt als Herausgeber der antisemitischen Zeitung Miesbacher Anzeiger. In der Forschung wird zum Teil angenommen, dass er ein wichtiger Mitarbeiter an Adolf Hitlers Buch Mein Kampf war.



Leben und Wirken

Stempfle trat als junger Mann in den katholischen Orden der Armen Eremiten des Heiligen Hieronymus ein.[3] Die ihm in der Literatur häufig zugeschriebene Mitgliedschaft im Jesuiten-Orden[4] ist demgegenüber, wie Lapomarda gezeigt hat, ein Irrtum der betreffenden Autoren,[5] der auch schon Zeitgenossen Stempfles häufig unterlief und über den Stempfle sich, Plöckinger zufolge, „gerne lustig machte“.[6] Wegen Mitgliedermangels wurde der Hieronymiten-Orden später aufgelöst. Stempfle selbst trug etwa ab 1923 keine Ordenstracht mehr und übte keine priesterlichen Funktionen mehr aus, wurde aber von Vertrauten und Bekannten weiterhin als „Pater Stempfle“ bezeichnet. Auch in der Literatur figuriert Stempfle aus diesem Grund häufig noch als Pater, wenn von den Jahren 1923 bis 1934 die Rede ist, für die dieser Titel streng genommen nicht mehr zutrifft. Helmut Heiber bezeichnet ihn sogar – als einziger Autor und wahrscheinlich fälschlich – als Prälaten.[7]

Vor dem Hintergrund von Stempfles Rückzug aus allen klerikalen Tätigkeiten erscheint die Behauptung Bronders, Stempfle sei zeitweise der „Beichtvater des gottgläubigen Hitler“ gewesen,[8] wenig plausibel. Bronders Einschätzung, Stempfle sei ein Intimus Hitlers gewesen, ist demgegenüber deutlich wahrscheinlicher. Die Angabe Zamoiskys, dass Hitler Stempfle bereits 1919 kennengelernt habe und von diesem in die Freimaurerei eingeführt worden sei, gilt als unwahrscheinlich.[9]

Später studierte Stempfle an der Universität München, wo er den akademischen Grad eines Dr. phil. und das Amt eines Professors erwarb.

Bereits während des Ersten Weltkrieges gehörte Stempfle der extrem nationalistischen, aus Einwohnerwehren hervorgegangenen Organisation Kanzler (Orka) an. Für diese ging er Ende 1918 nach Österreich, um für die Idee eines Anschlusses der deutschsprachigen Teile der bei Kriegsende auseinanderfallenden Doppelmonarchie Österreich-Ungarn an das Deutsche Reich zu werben. Nach dem Verbot eines solchen Anschlusses Österreichs durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs im Friedensvertrag von St. Germain im Sommer 1919 wurde diese Idee vorerst gegenstandslos, sodass Stempfle beschloss, in seine bayerische Heimat zurückkehren. Vom 1. Februar 1920 bis zum 30. Juni 1921 übernahm er noch das Amt des Pressereferenten der Orka. Zudem war Stempfle in den frühen 1920er Jahren in verschiedene Fememorde verwickelt, insbesondere mit der Ermordung Wilhelm Hörnleins wurde er später in Verbindung gebracht.[10]

In den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg lehrte Stempfle Theologie an der Münchener Universität, an der er sich bereits früh seinen Kollegen und Studenten gegenüber für Teile des nationalsozialistischen Gedankenguts starkmachte.[11] Während er dem Nationalsozialismus auf antisemitischer und nationalistischer Ebene sehr nahestand, lehnte Stempfle Hitlers Haltung gegenüber Italien und der Südtirolfrage entschieden ab. Außerdem störte ihn das taktische Lavieren des NS-Führers in der Frage der Staatsform, in der der streng monarchistische Stempfle ein klares Bekenntnis zur Monarchie forderte.

Nachdem er bereits seit 1919 unter den Pseudonymen Redivivus und Spectator Germaniae Artikel in Zeitungen wie dem Völkischen Beobachter und der Oberbayerischen Landeszeitung veröffentlicht hatte, fungierte Stempfle von August 1922 bis Ende 1925 als Herausgeber und politischer Redakteur der als „fanatisch antisemitisch“[12] und „extrem weißblau“ (d. h. bayerisch-regionalstolz) beziehungsweise antipreußisch[13] geltenden Zeitung Miesbacher Anzeiger. Die redaktionelle Leitung wurde dagegen von Klaus Eck besorgt. Der Miesbacher Anzeiger war unter Stempfles Regie ein „an Geschmacklosigkeit nicht zu überbietendes“ Hetzblatt (Werner Maser)[14] und wirkte bereits seit 1921 publizistisch eng mit dem Völkischen Beobachter zusammen, dessen Standpunkte er in vielen Fragen einnahm. Farrell zufolge gehörte Stempfle in der Nachkriegszeit außerdem der Thule-Gesellschaft an.[15]

Als Publizist und Dozent besaß Stempfle im München der frühen 1920er Jahre einen weitläufigen Bekanntenkreis. Insbesondere knüpfte er immer neue Kontakte zu Vertretern der extremen Rechten. So erwähnt Anton Lehár in seinen Memoiren, dass Stempfle bereits damals Ernst Röhm gekannt habe.[16] Stempfle fungierte zudem als Verbindungsmann zwischen dem Münchner Polizeipräsidium sowie dem Bund Oberland und besorgte an Fememorden Beteiligten Pässe.[17] Während dieser Zeit lernte Stempfle – wahrscheinlich auf Vermittlung des Fotografen Heinrich Hoffmann – auch den jungen Adolf Hitler kennen. Obwohl Hitler ihm – Hoffmanns Lebenserinnerungen zufolge – anfangs misstraute und ihn verdächtigte, ein „katholischer Spion“ zu sein, nahm er Stempfle in seinen „Hofstaat“ auf: Nach den Erinnerungen von Hitlers Auslandspressechef Ernst Hanfstaengl wurde Stempfle zu dieser Zeit ein ständiger Gast in Hitlers Stammtischrunde im Cafe Heck in der Münchener Galeriestraße. Schließlich habe Stempfle für Hitler die Funktion eines Verbindungsmanns zum Vatikan und zum ehemaligen bayerischen Herrscherhaus Wittelsbach übernommen.[18]

1925 war Stempfle angeblich als Lektor an der Durchsicht der Druckfahnen des ersten Bandes von Hitlers Buch Mein Kampf beteiligt. Gemeinsam mit Elsa Bruckmann soll er die Kontroll- und Korrekturlektüre der Hitlerschen Manuskripte besorgt und das Buch redigiert haben, bevor dieses von Max Amann veröffentlicht wurde.

Um sich der Aussage vor dem Fememord-Untersuchungsausschuss des Reichstages zu entziehen, floh Stempfle im Oktober 1926 nach Salzburg, von wo er den Reichstag durch den Verweis auf den vorzüglichen Heurigen, den er dort genieße, verhöhnte. Der genaue Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Deutschland ist nicht mehr feststellbar. Allerdings erkrankte Stempfles Mutter Ende 1926 schwer, deren Pflege er übernahm.[19]

1929 übernahm Stempfle die Führung des Parteiarchivs der NSDAP in München und wurde Kurator eines privaten Museums der NSDAP mit Parteireliquien.[20]
Stempfle und „Mein Kampf“

Die Rolle, die Stempfle bei der Entstehung von Hitlers politischer Bekenntnisschrift Mein Kampf spielte, ist in der historischen Forschung umstritten und bis heute nicht endgültig geklärt. Konrad Heiden, der 1936 die erste wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Hitler-Biografie vorlegte, gab in seinem Werk an, Stempfle habe gemeinsam mit Elsa Bruckmann, der Gattin eines Hitlerfreundes, die Korrekturfahnen für Hitlers Buch gelesen. Dabei habe er einige Änderungen am Ur-Text vorgenommen und sogar einige Passagen ganz umgeschrieben.[21] Heidens Aussage wird durch eine Aussage von Hitlers Adjutanten Julius Schaub gestützt, der 1961 erklärte, er habe gesehen, wie Stempfle die Fahnen zu „Mein Kampf“ in der Hand gehalten habe.[22]

Der abtrünnige Nationalsozialist Otto Strasser berichtete 1942 in seinem im amerikanischen Exil veröffentlichten Buch Hitler und ich, dass Stempfle monatelang daran gearbeitet habe, die im Manuskript zu Mein Kampf zum Ausdruck gebrachten Gedanken zu ordnen. Nebenbei setzte er so die Legende in die Welt, Hitler habe Stempfle wegen seiner Korrekturen an dem Buch ermorden lassen. Diesen Hinweis nahm später der englische Hitler-Biograf Alan Bullock auf. In seiner Betrachtung der Vita Hitlers gab er an, Stempfle habe Hitlers Manuskript „stilistisch gesäubert“ (pruned) und in Teilen neu geschrieben.[23] Othmar Plöckinger weist in seiner breit angelegten Untersuchung der Geschichte von Mein Kampf nach, dass im Laufe der Jahre zahlreiche Autoren Bullocks Behauptung aufgriffen und so dessen Auffassung über Stempfles Rolle bei der Entstehung von Mein Kampf weiter verbreiteten.[24]

Harry Schulze-Wilde ging so weit, Stempfle das Verdienst zuzuordnen, dass er Mein Kampf in ein „einigermaßen verständliches Deutsch“ umgeschrieben habe.[25] Bei Riemeck findet sich die Behauptung, Stempfle habe sich, zusammen mit Josef Czerny, bemüht, etwas Ordnung in die Gedanken in Hitlers Buch zu bringen, indem er den von Hitler wild zusammengeworfenen Eingebungen Struktur gegeben sowie Grammatik und Orthographie des Manuskripts korrigiert habe.[26]

Kern betont, dass Stempfle – wie auch die anderen „wiederholt genannten Mitautoren“ von Mein Kampf – mit der Abfassung des Buches nichts zu tun gehabt habe. Stempfles Rolle sei im Gegensatz zu dieser „Legende“ ausschließlich auf „stilistische Korrekturen“ beschränkt gewesen.[27] Ernst Nolte pflichtet dem bei und schreibt Stempfle ebenfalls nur Korrekturarbeiten an Hitlers Originaltext zu.[28]

Werner Maser zitiert Hermann Hammer, der 1956 in einer Studie behauptete, dass „Pater Bernhard Stempfle [...] einen bedeutenden Anteil“ gehabt habe, fügt jedoch hinzu, dass Ilse Heß, die Frau von Rudolf Heß, ihm 1965 schriftlich mitteilte, dass weder Stempfle noch Haushofer am Hitlerbuch mitgearbeitet hätten, sondern sie selbst und ihr Mann „rein stilistisch“ ... „wochen- und monatelang mit diesem Manuskript“ kämpften.[29] Seinfeldt reiht Stempfle (neben Ilse Hess und Adolf Müller) in den Kreis der Personen ein, die Hitler editorische Hilfe bei der Redigierung seines Buches geleistet hätten.[30]

Stempfle war auch einer der ersten, die Mein Kampf rezensierten. Seine kenntnisreiche, wenngleich äußerst kritische Besprechung des ersten Bandes des Hitler-Werkes erschien am 29. Juli 1925 im Miesbacher Anzeiger.
Der Mordfall Stempfle

Am Abend des 1. Juli 1934 wurde Stempfle, der noch am 1. Januar 1934 offiziell in die NSDAP aufgenommen worden war, im Rahmen der unter der Propagandabezeichnung „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen Säuberungsaktion in seiner Münchener Wohnung von Angehörigen der Geheimen Staatspolizei (oder der Schutzstaffel) verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Einige Tage später wurde Stempfles Leichnam im Wald bei Harlaching gefunden.[31] Über die Art seines Todes kursieren in der Forschung verschiedene Angaben. Anton Lehár gibt kurz an, dass Stempfle erschlagen worden sei.[32] Auch Höhne erwähnt, ohne Details zu nennen, das „gebrochene Genick“ Stempfles als dessen Todesursache.[33] Mit genaueren Angaben wartet Konrad Heiden auf: Dieser gibt relativ präzise an, Stempfle sei „mit einer schweren Waffe ins Genick geschlagen“ worden und dadurch zu Tode gekommen.[34] Bernt Engelmann[35] und Robert George Lesson Waite[36] sprechen demgegenüber davon, dass Stempfle mit drei Kugeln ins Herz erschossen worden sei. Thornton wiederum beschränkt sich darauf, zu erwähnen, dass Stempfle unter dem Vorwand, „auf der Flucht erschossen“ worden zu sein, ermordet wurde.[37]

Am 12. Juli 1934 veranlasste Stempfles Schwester über ihren Anwalt die Untersuchung des Verbleibens ihres Bruders – dessen Tod zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt war – durch die Münchener Staatsanwaltschaft. Die Untersuchung wurde nach kurzer Zeit auf Anweisung des bayerischen Justizministeriums abgebrochen. Dieses teilte dem Münchener Staatsanwalt mit, dass die Tötung Stempfles als „rechtens anzusehen“ sei. Begründet wurde diese Entscheidung mit einem Formular: Das Schreiben bestand aus einem vorgedruckten Text, der auch zur Begründung des Abbruchs der Untersuchungen in einigen anderen Morden der Röhm-Affäre verwendet wurde. In ein Leerfeld wurde der Name der jeweils betreffenden Einzelperson handschriftlich eingetragen. Das Schreiben besagte, dass entsprechend einer Mitteilung des Reichsministers für die Justiz vom 14. Juli 1934 die erfolgte Tötung Stempfles als eine „zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe vollzogene Maßnahme“ unter das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr vom 3. Juli 1934 falle.[38]

Über die Motive des Mordes an Stempfle besteht in der Literatur ebenso Uneinigkeit wie über seine technische Durchführung. Konrad Heiden,[39] George Creel,[40] Heinz Höhne,[41] Helmut Heiber,[42] Renate Riemeck,[43] Bernt Engelmann,[44] Karl Dietrich Bracher[45] und Hans-Ulrich Thamer[46] gehen davon aus, dass Stempfle auf Veranlassung Hitlers umgebracht wurde. Grund, ihn aus der Welt zu schaffen, sei gewesen, dass er zu viel über Hitlers Vergangenheit und Privatleben gewusst habe. Roger Manvell und Heinrich Fraenkel[47] sowie Chris Bishop und Michael Williams[48] und Norbert Schaffeld[49] argumentieren in dieselbe Richtung, werden aber etwas präziser bei der Benennung des intimen Wissens, das Stempfle gehabt und das Hitler veranlasst haben soll, ihn aus der Welt schaffen zu lassen: Namentlich verweisen sie auf das Gerücht, Stempfle habe zu viel über den Tod von Hitlers Nichte Geli Raubal (und andeutungsweise über eine Verwicklung Hitlers in diesen) gewusst. Werner Maser hingegen schreibt in „Hitlers Mein Kampf - Geschichte, Auszüge, Kommentare“, dass Hitler Stempfles Tod nicht befohlen habe und die SS später Leute erschießen ließ, die Stempfle ermordet hatten.[50]

Kershaw geht davon aus, dass Stempfle das Opfer eines Missverständnisses geworden sei, und sieht keinen Anlass, von einem Mordauftrag durch Hitler auszugehen. Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann behauptete später in seinen Erinnerungen, Hitler habe, als er nach dem Ende der „Röhm-Morde“ von der Tötung Stempfles erfahren habe, ausgerufen: „Diese Schweine haben meinen guten Pater Stempfle auch umgebracht.“[51] Sofern diese Äußerung wirklich gefallen ist – und Hitler sich nicht, etwa zur Verschleierung einer Beteiligung, Hoffmann gegenüber verstellt und seine Empörung nur geschauspielert hat –, spricht sie gegen die These eines von Hitler stammenden Auftrags zur Ermordung Stempfles.

Brehm macht wiederum den Münchener Stadtrat Christian Weber für die Ermordung Stempfles verantwortlich. Zur Untermauerung seiner These verweist er auf die Polemiken Stempfles gegen Weber, der in der Münchener Senefelderstraße ein Bordell betrieb – ein Geschäft, das Stempfle eines „alten Kämpfers“ für unwürdig hielt und dessentwegen Stempfle Weber als „Senefeldmarschall“ verspottete. Weber habe Stempfle seine persönlichen Angriffe übel genommen und die Mordwelle des 30. Junis als willkommene Gelegenheit genutzt, um seine persönliche Rechnung mit Stempfle zu begleichen. Demnach sei Stempfle eigenmächtig von Weber und ohne Hitlers Zutun auf die Todesliste der Münchener Exekutionskommandos gesetzt worden.[52] Dieselbe Ansicht findet sich auch bei Wilhelm Hoegner.[53]

Schriften

De Scriptis Editis Doctoris Philosophiae Maximiliani Faslinger Monacensis, s.l. 1918.
„Staatsanwalt! Klage sie an des Klassenkampfes!“, München 1929.


Quelle - literatur & Einzelnachweise
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