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Der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL)

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Der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL)

Beitrag  Andy am Di Nov 24, 2015 8:40 pm

Der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) war die Dachorganisation des Sports in Deutschland während der Zeit des Nationalsozialismus.


Flagge des NSRL


Emblem des NSRL

Geschichte
Vorgeschichte

Eine Vorgängerorganisation des DRL war der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA oder, seltener, DRAfL) unter Führung von Theodor Lewald (Vorsitzender) und Carl Diem (Generalsekretär). Der DRA war 1917 aus dem Deutschen Reichsausschuss für Olympische Spiele (DRAfOS) hervorgegangen und verstand sich als Dachverband des Sports für Deutschland, umfasste aber längst nicht alle Verbände und Sportarten. Insbesondere die Vereine und Verbände des Arbeitersports waren ihm nicht beigetreten.

Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurden nicht nur Parteien und Gewerkschaften aufgelöst und verboten, sondern auch alle Sportverbände mit oppositioneller politischer (z. B. sozialdemokratischer, kommunistischer oder kirchlicher) Ausrichtung. Insbesondere betraf dies die Arbeitersport-Vereine und -Verbände noch im ersten Halbjahr 1933, sofern sie nicht einem Verbot durch Selbstauflösung zuvorkamen. Die national-konservativen und bürgerlichen Verbände bestanden nominell noch bis ins Folgejahr weiter, bis sie in die Einheitsorganisation des Reichsbundes für Leibesübungen eingegliedert wurden.

Am 12. April 1933 beugte sich der DRA-Vorsitzende Theodor Lewald – von den neuen Machthabern als „Halbjude“ gebrandmarkt – den Forderungen nach seinem Rücktritt. Von der Wahl eines neuen Ersten Vorsitzenden wurde nach Aufforderung durch Reichsinnenminister Wilhelm Frick abgesehen. Zu weiterführenden Verhandlungen mit der Reichsregierung hinsichtlich der Neuorganisation des Sports wurde stattdessen eine Dreierkommission gebildet, bestehend aus Heinrich Pauli (Deutscher Ruderverband), Edmund Neuendorff (Deutsche Turnerschaft) und Felix Linnemann (DFB). Am 28. April 1933 wurde der SA-Gruppenführer Hans von Tschammer und Osten, bisher im Sport weitgehend unbekannt, als Reichskommissar für Turnen und Sport eingesetzt. Der Reichsausschuss für Leibesübungen löste sich in der Folge am 5. Mai 1933 (offizielle Bekanntgabe 10. Mai) rechtswidrig – ohne den dazu satzungsgemäß notwendigen Beschluss der Mitgliederversammlung – auf und übergab den organisierten bürgerlichen Sport damit widerstandslos dem Gestaltungsdrang der Nationalsozialisten.

In den ersten Wochen nach der Machtübernahme gab es höchst widerstrebende Interessen im deutschen Sport, da es an den verschiedenen Positionen Nationalsozialisten gab, die die Gelegenheit nutzen wollten, um sich (und ggf. ihren Verband) in eine führende Stellung zu bringen.[1] Schließlich entschied sich das für den Sport auf nationaler Ebene seit 1914 zuständige Reichsinnenministerium für das Italienische Modell des Staatssports,[2] der Machtfülle für den Staat ohne Eigenwelt des Sports, internationale Akzeptanz und vielseitige körperliche Ertüchtigung bedeutete.

Am 19. Juli wurde von Tschammer und Osten zum Reichssportführer ernannt und ihm das gesamte deutsche Sportwesen unterstellt. Hiermit konnte einer der als Kommissar mit marodierenden SA-Truppen Unsicherheit verbreitete ohne Gesichtsverlust eingebunden werden. Er hatte sich durch den Eisleber Blutsonntag, bei dem auch Arbeitersportler erschlagen wurden, für eine Führung im Sport qualifiziert.
Geschichte des DRL

Am 23. Januar 1934 proklamierte der Reichsführerring des deutschen Sports die Gründung des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen, die eigentliche Gründungssitzung fand am 9. März des Jahrs statt.[3] Während der Deutschen Kampfspiele in Nürnberg fand unter den Leitung des Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten am 27. Juli 1934 der erste DRL-Kongress statt, auf dem die Pläne für die organisatorische Neugestaltung verkündet werden. Nach und nach verloren fast alle Sportfachverbände ihre Eigenständigkeit und wurden als „Fachämter“ oder angeschlossene Verbände in den DRL überführt.

Die Gleichschaltung bedeutete jedoch auch, dass die bisher historisch gewachsenen Verbandsgebiete (z. B. gehörten die Fußballvereine in Göttingen zum Westdeutschen Spielverband [Sitz Duisburg], die Kanuvereine zum Leinegau, die Skivereine zum Harzer Skiverband, im Arbeitersport zu Kassel, im Turnen zu Hannover etc.) nun den politischen Gliederungen angepasst wurden. Damit stand in einer Gebietskörperschaft ein Sportführer einem kommunalen Spitzenbeamten gegenüber. Dies verbesserte die gesellschaftlichspolitische Stellung des Sports.[4]

Durch Erlass Adolf Hitlers vom 21. Dezember 1938 wurde der DRL unter Umbenennung in Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen (NSRL, auch NSRBL) zu einem „von der NSDAP betreuten Verband erhoben“.[5][6] Diese Umschreibung bedeutete, dass der NSRL der NSDAP unterstellt wurde. Während der Sport vor Ort bis dahin der nationalsozialistisch geprägten Kommunalverwaltung (Bürgermeister) verantwortlich war, war man nun dem Gauführer der NSDAP unterstellt. Dort, wo Gaugebiet und Gebietskörperschaft nicht übereinstimmten, konnte es auch zu Veränderungen in den Zuschnitten der Sportorganisationen kommen. Der Sitz des NSRL war das Haus des Deutschen Sports auf dem Reichssportfeld in Berlin.

Die Strukturen des NSRL waren auch während des Weltkrieges intakt. Allerdings mussten Veranstalter für je 50 Zuschauer einen ausgebildeten Luftschutzhelfer stellen, was vor allem für den Profi-Sport eine Herausforderung darstellte. Die insgesamt in der NS-Zeit gut finanzierten Turn- und Sportvereine wurden z. B. in Hannover noch im Februar 1945 aufgefordert, nicht zu vergessen, die Übungsleiterzuschüsse zu 1944 zu beantragen.[7]

Mit Gesetz Nr. 5 der amerikanischen Militärregierung vom 31. Mai 1945 wurde die NSDAP mit allen ihren Einrichtungen und Organisationen aufgelöst und damit auch der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen. Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde die Organisation durch den Alliierten Kontrollrat verboten, eine Neugründung untersagt und ihr Eigentum beschlagnahmt. Die im Reichsbund aufgegangenen Organisationen gründeten sich in der Folgezeit neu.
Führung

An der Spitze des DRL stand der Reichssportführer. Ab 1934 waren alle Reichssportführer zugleich Präsidenten des Deutschen Olympischen Ausschusses.
Einklappen
Reichssportführer

1933–1943: Hans von Tschammer und Osten | 1943–1944: Arno Breitmeyer | 1944–1945: Karl Ritter von Halt
Gliederung
Fachliche Gliederung

Fachamt 1: Geräteturnen, Gymnastik und Sommerspiele(1)
Fachamt 2: Fußball, Rugby, Kricket(2)
Fachamt 3: Leichtathletik
Fachamt 4: Handball/Basketball
Fachamt 5: Schwimmen
Fachamt 6: Schwerathletik
Fachamt 7: Boxen
Fachamt 8: Fechten



Fachamt 9: Hockey
Fachamt 10: Tennis
Fachamt 11: Rudern
Fachamt 12: Kanusport
Fachamt 13: Eis- und Rollsport
Fachamt 14: Schilauf(2)
Fachamt 15: Radfahren

Außer diesen Fachgebieten wurden innerhalb des Reichsbundes einige andere durch weiterhin bestehende Fachverbände betreut:

16. Deutscher Segler-Verband
17. Deutscher Bergsteiger-Verband
18. Deutscher Wanderverband
19. Deutscher Kegler-Bund
20. Deutscher Schützen-Verband



21. Deutscher Golf-Verband
22. Deutscher Bob- und Schlittensport-Verband
23. Deutscher Tisch-Tennis-Bund
24. Deutscher Amateur-Billard-Verband
25. Kampfring für völkische Freikörperkultur

(1) Zu den Sommerspielen zählten die Turnspiele Schlagball, Faustball, Korbball, Schleuderball, Ringtennis – (2) Original-Schreibweise.
Gebietliche Gliederung


Gebietsstand der Sportbereiche 1933

Sie entsprach der der NSDAP. Wo die Erfordernisse des praktischen Sportbetriebs es sinnvoll erscheinen ließen, wurden mehrere Gaue der NSDAP zu Sportbereichen zusammengeschlossen.

Sportbereich 1: Ostpreußen
Sportbereich 2: Pommern
Sportbereich 3: Berlin-Brandenburg
Sportbereich 4: Schlesien
Sportbereich 5: Sachsen
Sportbereich 6: Mitte (1)
Sportbereich 7: Nordmark (2)
Sportbereich 8: Niedersachsen
Sportbereich 9: Westfalen
Sportbereich 10: Niederrhein
Sportbereich 11: Mittelrhein



Sportbereich 12: Hessen
Sportbereich 13: Südwest (3)
Sportbereich 14: Baden
Sportbereich 14a: Elsaß
Sportbereich 15: Württemberg-Hohenzollern
Sportbereich 16: Bayern
Sportbereich 17: Ostmark (4)
Sportbereich 18: Sudetenland
Sportbereich 19: Danzig-Westpreußen
Gau Wartheland

(1) Thüringen, Anhalt und die Provinz Sachsen. – (2) Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg. – (3) Pfalz und (ab 1935) das Saargebiet. – (4) Österreich ab 1938.
Verteilung der Mitglieder

Der Nationalsozialistische Reichsbund für Leibesübungen zählte am 1. Januar 1937 45.096 Vereine mit 3.582.776 aktiven Mitgliedern (517.992 weibliche/3.064.784 männliche). Am 1. April 1939 wurden 44.622 Vereine mit 3.668.206 aktiven Mitgliedern (davon 526.084 weibliche) gezählt, die folgende Sportarten betrieben:
Sportart Vereine/Abteilungen Ausübende gesamt davon weiblich
1. Geräteturnen 12.773 662.567 234.190
2. Fußball 10.928 483.302 0
2. Rugby 52 1.925 0
2. Kricket 6 88 0
3. Leichtathletik 7.366 268.183 58.817
4. Handball 4.774 152.943 14.229
4. Basketball 156 3.396 522
5. Schwimmen 2.643 129.142 41.482
6. Gewichtheben 809 12.777 0
6. Ringen 748 15.263 0
6. Jiu Jitsu 220 7.957 68
7. Boxen 872 17.904 0
8. Fechten 548 9.088 2.505
9. Hockey 411 20.446 5.748
10. Tennis 1.840 79.932 40.361
11. Rudern 757 49.942 11.433
12. Kanu 1.155 45.652 8.183
13. Eislauf 369 13.944 4.907
13. Rollschuh 142 4.409 2.364
14. Skilauf 2.099 88.395 26.793
15. Radfahren 2.951 61.131 5.093
16. Segeln 460 19.069 832
17. Bergsteigen 510 168.450 28.536
18. Wandern 2.961 198.346 30.683
19. Kegeln 1.049 50.325 2.848
20. Schießen 14.310 418.404 2.730
21. Golf 59 3.953 1.401
22. Bobsport 21 311 29
22. Schlittensport 67 2.197 682
23. Tischtennis 777 15.810 3.937
24. Billard 246 5.046 67

Die Nummern entsprechen den Fachämtern und Fachverbänden.
Veranstaltungen

Meisterschaften in den einzelnen Sportarten wurden von den Fachämtern und Fachverbänden durchgeführt. Der Reichsbund für Leibesübungen veranstaltete übergreifend:

1934 die Wintersportwoche der 4. Deutschen Kampfspiele in Schierke und Braunlage (Harz)
23. bis 29. Juli 1934 die 4. Deutschen Kampfspiele in Nürnberg
26. bis 31. Juli 1938 das Deutsche Turn- und Sportfest in Breslau

Namen von Trophäen

Fußball: Der heutige DFB-Pokal, 1935 gestiftet, wurde 1935 bis 1943 als Tschammer-Pokal (benannt nach dem Reichssportführer) ausgespielt. Der Amateur-Länderpokal, 1909 als Kronprinzenpokal gestiftet, wurde 1935 bis 1942 als Reichsbundpokal ausgetragen.

Quelle - literatur & Einzelnachweise
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