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Innere Emigration

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Innere Emigration

Beitrag  Andy am Sa Dez 12, 2015 10:50 pm

Innere Emigration bezeichnet die Haltung von Künstlern, Schriftstellern und Gelehrten, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Opposition zum NS-Regime standen, jedoch nicht aus Deutschland (bzw. nach dem Anschluss 1938 aus Österreich) auswanderten. Häufig kommt der Begriff auch in Bezug auf Künstler in der Zeit nach 1945 zur Anwendung, dieser erweiterte Gebrauch ist jedoch umstritten.

Begriff

Der Begriff wurde von Frank Thiess geprägt,[1] der mit der Inneren Emigration die Entscheidung von Persönlichkeiten (insbesondere von Künstlern) beschrieb,

die ihrer Gesinnung nach dem Nationalsozialismus kritisch bis ablehnend gegenüberstanden,
deren Werke von offizieller oder parteiamtlicher Seite oft zu „entarteter Kunst“ erklärt wurden oder die beruflich „kaltgestellt“ wurden (z.B. durch Auftrittsverbote),
die aber an einer Auswanderung bzw. Flucht gehindert waren (z.B. durch persönliche und familiäre Verpflichtungen) oder sich aus Verantwortung ihren Mitmenschen gegenüber zum Bleiben bewogen fühlten und
die sich nicht von den Nationalsozialisten vereinnahmen lassen wollten.

Einige von ihnen arbeiteten (zuweilen oder kontinuierlich) in Widerstandszirkeln mit und wirkten durch Verbreitung ihrer Werke im Untergrund der NS-Propaganda entgegen. Beispielsweise malte der Bauhaus-Künstler Emil Bartoschek für die Öffentlichkeit übertrieben naturalistische Bilder, während er für einen kleinen Kreis weiterhin die abstrakte Kunst pflegte.

In gewisser Weise war auch „beredtes Schweigen“ eine Form von Kritik an den Nazis, speziell dann, wenn viele andere Persönlichkeiten sich den Nationalsozialisten aktiv anschlossen oder deren Standpunkte aktiv lobten und vertraten (siehe Passiver Widerstand, ziviler Ungehorsam, Widerstand (Politik)).

Nach dem Ende des Nationalsozialismus kam es zu Plädoyers der „inneren“ Emigranten gegenüber den „äußeren“ (Frank Thiess in der Münchener Zeitung vom 18. August 1945). Thomas Mann wurde übelgenommen, aus dem US-amerikanischen Exil nicht ins Nachkriegsdeutschland zurückgekehrt zu sein. Im Tagebuch notierte er am 20. September 1945:

„Beunruhigung und Ermüdung durch die deutschen Angriffe dauern an. Nenne die ‚treu‘ in Deutschland Sitzengebliebenen ‚Ofenhocker des Unglücks‘.“

Manfred Hausmann sollte nach seinem Angriff auf Mann nicht zum Deutschen Schriftstellerkongress 1947 eingeladen werden.[2]
Autoren und Künstler der Inneren Emigration

Zu den Autoren und Bildenden Künstlern der Inneren Emigration gehörten u.a.:

Stefan Andres[3]
Ernst Barlach[4]
Werner Bergengruen[3]
Georg Britting[3]



Hans Carossa[3]
Albrecht Goes[3]
Ricarda Huch[4]
Gertrud von Le Fort[3]



Ernst Penzoldt[3]
Georg Alfred Stockburger
Josef Weinheber[3]
Ernst Wiechert[3]



Ehm Welk[5]

Andere Autoren wie Gottfried Benn[4], Ernst Jünger[4] oder Frank Thiess[3] verstanden sich nach dem Krieg gerne als Repräsentanten der Inneren Emigration, ihre derzeitige Tätigkeit wie auch ihre Schriften lassen sich jedoch nicht eindeutig als oppositionell bzw. regimekritisch einschätzen. Z.B. Thiess' Reich der Dämonen (1934) lässt sich laut Ralf Schnell "ebenso gut als Apologie geschichtlich-gesellschaftlicher 'Katastrophen' lesen"[3].

Innere Emigration in der DDR

Ebenso gab es in der DDR Schriftsteller, Künstler und Persönlichkeiten mit bürgerlichen Wertbegriffen, die in stiller Opposition zum SED-Staat standen. Sie blieben im politischen Leben ostentativ passiv.

2008 veröffentlichte Carsten Heinze eine forschende Vergleichsstudie; darin beschäftigte er sich mit dem Zusammenhang von autobiografischen Identitäts- und Geschichtskonstruktionen im zeitgeschichtlichen Kontext nach dem Fall der Mauer vor dem Hintergrund deutsch-deutscher bzw. deutsch-jüdischer Vergangenheitsbearbeitungen.

Er untersuchte,

wie im Kontext deutscher Vergangenheitsauseinandersetzungen historische Identitäten durch die argumentative Integration und Funktionalisierung von Geschichte gebildet werden und
auf welchen kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen sie basieren.

Hierzu analysiert er exemplarisch die autobiografischen Lebenskonstruktionen von Marcel Reich-Ranicki, Wolf Jobst Siedler, Helmut Eschwege und Fritz Klein.

Andere Beispiele für „innere Emigration“ zu DDR-Zeiten:

Zitat: „Herbert Wagner war während der DDR-Diktatur weitgehend in den „inneren Emigration“. Im Umbruchprozess 1989/1990 ergriff er die Chance, den Staat, der nie „seiner“ war, zunächst umzugestalten und dann abzuschaffen. Die Übernahme des Dresdner Oberbürgermeisteramts erwies sich als eine logische Konsequenz seines vorherigen Engagements.“[6]

Zitat: „Das Trauma des 1953 niedergeschlagenen Volksaufstandes wirkte nach, …. Intellektuelle, die im Land blieben, gingen in die innere Emigration, ließen sich an die Leine legen oder wurden mit Privilegien korrumpiert.“[7]

Quelle - literatur & Einzelnachweise


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