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Liegt Hitlers Atommüll im Zwischenlager Asse?

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Liegt Hitlers Atommüll im Zwischenlager Asse?

Beitrag  Luziefer-bs1 am Do Jul 14, 2011 11:06 am

1967 sollen "radioaktive Abfälle aus dem letzten Krieg" im Atom-Zwischenlager Asse versenkt worden sein. Historiker bezweifeln, dass dies überhaupt möglich war.


Eine Nachbildung des letzten deutschen Versuchsreaktors im "Atomkeller" im schwäbischen Haigerloch. Uranwürfel sollten – umgeben von schwerem Wasser – eine selbsttätige Kernreaktion in Gang bringen.

Der stillgelegte Salzstock Asse südwestlich von Braunschweig gehört zu den umstrittensten Orten Deutschlands. Denn hier liegen mehr als 120.000 Fässer mit schwach- und mittelstark strahlendem radioaktivem Abfall. Nun sind Spekulationen aufgekommen, zu dem brisanten Material könnten auch Abfälle aus Atomexperimenten der Nazis gehören.

Es habe sich dabei um Uranabfälle gehandelt, „die bei der Vorbereitung der deutschen Atombombe“ angefallen seien. „Wir mussten die Abfälle aus Betonbunkern in der Nähe von München herausholen, wo sei seinerzeit deponiert worden waren“, berichtete der Asse-Mitarbeiter angeblich. An die Öffentlichkeit gebracht wurde der vergessene Bericht jetzt von einer radikalen Atomkraftgegnerin, die ihn wegen der unterstellten Brisanz umgehend an die Grünen weitergab.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) äußerte sich allerdings zurückhaltend zu solchen Spekulationen. Dem Amt lägen derzeit keine Erkenntnisse über Abfälle aus Forschungen der Nationalsozialisten in Asse vor. Ob eingelagertes Material bei der Entwicklung einer Atombombe angefallen sei, lasse sich auf Grundlage der vorliegenden Aufzeichnungen nicht beantworten.
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Verglichen mit den USA ein winziges Unternehmen

Ohnehin ist das deutsche Atombombenprojekt im Zweiten Weltkrieg völlig überschätzt. Hitler und Goebbels redeten zwar gegen Ende des Krieges oft über kommende „Wunderwaffen“, doch alle ihre erhaltenen internen Papiere zeigen klar, dass diese öffentlichen Behauptungen keine sachliche Grundlage hatten. Es gab im engsten Führungskreis des Dritten Reiches keinerlei Vorstellungen, wie schwierig der Weg zur Kernspaltungswaffe war.

Verglichen mit dem amerikanischen Atombombenprogramm „Manhattan Project“ war das deutsche „Uranprojekt“ unter Nobelpreisträger Werner Heisenberg ein winziges Unternehmen – mit wenigen Dutzend Wissenschaftlern und nicht einmal genug Material, um im Frühjahr 1945 einen Forschungsreaktor in Gang zu bringen. Als US-Spezialisten Ende April 1945 im schwäbischen Haigerloch die Anlage entdeckten, waren die 664 Uranwürfel versteckt und der Reaktorbehälter strahlte nicht – es hatte keine Kettenreaktion stattgefunden.

Der Reaktor des "Manhattan Project" startete 1942

Auch ob eine angebliche Versuchsanordnung in Gottow bei Berlin jemals in Betrieb gegangen ist, konnte nie geklärt werden. Zum Vergleich: Der schon deutlich moderner konzipierte Reaktor des „Manhattan Project“ war bereits 1942 in Betrieb gegangen.

Nach dem Krieg hielten sich vor allem Heisenberg und Carl-Friedrich von Weizsäcker zugute, das von Hitler ohnehin höchstens halbherzig unterstützte Atomforschungsprojekt gebremst zu haben. Die Untersuchung von Abhörprotokollen der 1945 in dem englischen Landhaus Farm Hall internierten deutschen Atomphysiker und die Auswertungen ihrer erhaltenen Arbeitsunterlagen zeigen jedoch, dass nirgendwo aus der Zeit vor 1945 jener Ansatz nachweisbar ist, der zur Realisierung der Atombombe führte.

Die Amerikaner fanden 1945 nichts

Vielmehr rechneten Heisenberg und seine Kollegen jahrelang mit falschen Zahlen und erwarteten deshalb, dass man mehrere Tonnen hochangereichertes Uran 235 für die Bombe brauchen würde. In Wirklichkeit reichten wenige Kilo.

Der Konstanzer Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer brachte es auf den Punkt. Mit seiner Behauptung, die deutschen Physiker hätten 1941 eine „freie Straße zur Atombombe“ vor sich gesehen, „hat Heisenberg sich deutlich geirrt und wahrscheinlich sich selbst ebenso belogen wie seine Umwelt“. In Wirklichkeit standen er und Weizsäcker wohl nie vor der zentralen Entscheidung, ob sie Hitler mit der ultimativen Waffe ausstatten sollten – unabhängig davon, dass die mangelnden Kapazitäten des Dritten Reiches dafür ohnehin nicht gereicht hätten.

Übrigens transportierten die Spezialisten des US-Armeegeheimdienstes alle in den westlichen Zonen sichergestellten Reste des deutschen Atomprogramms nach Amerika, ebenso wie viele der beteiligten Physiker. Was immer in den Bunkern in der Nähe von München gelegen haben mag: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es einen Bezug zum „Uranprojekt“ gegeben hat. Solange es nur die wage Erinnerung eines einzigen Zeitzeugen gibt, handelt es sich kaum um eine brisante Entdeckung.


Quelle scratch

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