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Walter Dornberger

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Walter Dornberger

Beitrag  Andy am Sa Dez 03, 2016 12:29 am

Walter Robert Dornberger (* 6. September 1895 in Gießen; † 27. Juni 1980 in Obersasbach) war Generalmajor der deutschen Wehrmacht und im Heereswaffenamt zuständig für das gesamte deutsche Raketenwaffen-Programm.


Generalmajor Walter Dornberger in britischer Kriegsgefangenschaft (1945)


Dornberger (links mit Hut) mit von Braun (mitte) nach ihrer Festnahme im Mai 1945

Leben

Walter Dornberger, Sohn von Hermann Dornberger und Hedwig Dornberger, geborene Roltsch, wurde in eine Apothekerfamilie in Gießen geboren, die von 1898 bis 1984 in drei Generationen die Pelikan-Apotheke betrieb. Er hatte zwei Brüder, Max (* 1893) und Wolfgang (* 1898). Walter Dornberger war verheiratet in erster Ehe mit Alice Dornberger, geborene Raeder (* 16. Juli 1913, † 1960). Bei Beginn des Ersten Weltkrieges meldete er sich als Freiwilliger. Vom 3. Oktober 1918 bis 20. März 1920 war er in französischer Gefangenschaft. Danach wurde er in die Reichswehr der Weimarer Republik übernommen und Ende der 1920er Jahre zum Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Charlottenburg abkommandiert. Hier erwarb er den akademischen Grad eines Diplomingenieurs. Nach dem Studium wurde ihm 1932 die Entwicklung von Feststoffraketen im Heereswaffenamt übertragen. Wegen der Festlegungen im Versailler Vertrag durfte das Deutsche Reich keine großen Kanonen entwickeln oder besitzen. Fernraketen waren im Vertrag nicht genannt.

1932 trat der Verein für Raumschiffahrt an das Militär heran mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Trotz einer misslungenen Flugvorführung bot Dornberger dem Verein Fördermittel an, jedoch unter der Bedingung von Geheimhaltung und militärischer Ausrichtung der Raketenentwicklung. Der Verein lehnte ab, der junge Wernher von Braun nahm das Angebot an.

Am 24. Juli 1935 wurde Dornberger als Major zum Abteilungschef im Heereswaffenamt berufen. 1935 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Berlin für seinen Beitrag zur Kreiselstabilisierung der Raketen. 1936 wurde ihm die verantwortliche Leitung der Raketenentwicklung des Heeres übertragen, die zur Entwicklung des Aggregats 4 (A4, besser bekannt als V2) führte.

Von 1936 bis 1943 war Dornberger Chef der Raketenabteilung des Heereswaffenamtes. 1943 wurde er zum Generalmajor ernannt und Kommandeur der Heeresversuchsanstalt Peenemünde. Dornberger war von 1943 bis 1945 auch zuständig für das Training und die Logistik der V2-Einheiten. Ab September 1943 gehörte Dornberger dem Beirat der Mittelwerk GmbH an, die in den unterirdischen Stollen des Kohnsteins Häftlinge des KZ Mittelbau-Dora zur Raketenproduktion einsetzte.[1] Auch wenn Dornberger 1969 unter Eid angab, dass in Peenemünde keine Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, straft ihn ein von ihm unterzeichnetes Besprechungsprotokoll vom 4. August 1943 Lügen: „Das Verhältnis der deutschen Arbeiter zu den KZ-Häftlingen soll 1:15, höchstens 1:10 betragen“.[2] Es gab 1943 insgesamt 4 Orte zur A4-Serienfertigung, die KZ-Häftlingen kamen aus: KZ Buchenwald (HVA-Peenemünde ab Juni), KZ Dachau („Friedrichshafener Zeppelinwerke“ ab Juni/Juli), KZ Mauthausen (Rax-Werke in der Wiener Neustadt ab Juni/Juli) und KZ Sachsenhausen (DEMAG-Panzer in Berlin-Falkensee ab März). Dornberger unterschrieb dazu ein Protokoll aus der Besprechung mit Gerhard Degenkolb und Heinz Kunze mit dem Inhalt, dass die Serienfertigung in allen 4 Werken „grundsätzlich mit Sträflingen durchgeführt werde.“[3] Am 29. Oktober 1944 wurde Dornberger nach dem Einsatz der V2 an der Westfront mit dem Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern ausgezeichnet.

Am 2. Mai 1945 wurde Dornberger, gemeinsam mit Wernher von Braun, in Reutte/Tirol von US-Truppen gefangen genommen, geriet in britische Kriegsgefangenschaft und sollte als Kriegsverbrecher verurteilt werden. Obwohl sich die USA um seine Freilassung bemühten, blieb er bis Juli 1947 in einem Camp in Wales inhaftiert.

1947 durfte er nach Amerika ausreisen, wo er zwei Jahre als Berater der US-Air Force auf dem Flugplatz Wright-Field in Ohio tätig war. Insgesamt waren damals etwa 120 deutsche Raketenforscher in den USA tätig, die mit ihren Familien auch die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielten. Danach wechselte er in die Privatwirtschaft zur Bell Aircraft Corporation nach Buffalo und war ab 1959 bis zu seiner Pensionierung in der Geschäftsleitung tätig. Dornberger war maßgeblich für den Erfolg des schnellsten bemannten Flugzeugs, der North American X-15, verantwortlich. In dieser Zeit war er auch Berater beim Projekt X20 Dyna-Soar, einem Vorläufer des Space Shuttle. Dieses Flugzeug sollte mit Raketenantrieb in den Weltraum gebracht werden und dann mit Hyperschallgeschwindigkeit (über Mach 5) zurückgleiten.

Die erste Stellung mit Patriot-Flugabwehrraketen der US Army Europe wurden 1984 bei der Hohen Warte in der Nähe von Gießen stationiert und durch den deutschen Verteidigungsminister Manfred Wörner nach Walter Dornberger benannt. Das vierte Bataillon der 43rd Air Defense Artillery nutzte diese Stellung bis 1991.
Auszeichnungen

Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
Hausorden vom Weißen Falken Ritter II. Klasse mit Schwertern
Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz
Ehrendoktorat der technischen Wissenschaften (TU Berlin, 1935)[4]
Wehrmacht-Dienstauszeichnung IV. bis I. Klasse
Kriegsverdienstkreuz II. und I. Klasse mit Schwertern
Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern am 29. Oktober 1944

Werke

V2 – der Schuß ins All. Bechtle, Esslingen 1952 (mit dem Titel: Peenemünde. Die Geschichte der V-Waffen. Durchgesehene und erweiterte Neuausgabe. Ebenda 1981, ISBN 3-7628-0404-4; 17. Auflage. Ullstein, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-548-33119-5).
V-2 – Hitler's Space Age Missile – The secret weapon that almost changed the course of World War II, Bantam War Book 12660, The Viking Press Inc. 1954, ISBN 0-553-12660-1.
The Rocket-Propelled Commercial Airliner (= Research Report. Nr. 135, ZDB-ID 596797-1). University of Minnesota, Minneapolis MN 1956 (Wiederabdruck in: Robert Godwin (Hrsg.): Dyna-Soar. Hypersonic Strategic Weapons System. Apogee Books, Burlington 2003, ISBN 1-896522-95-5, S. 19–37).

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