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Hans-Werner Sinn

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Hans-Werner Sinn

Beitrag  Andy am Do Dez 08, 2016 8:40 pm

Hans-Werner Sinn (* 7. März 1948 in Brake) ist ein deutscher Ökonom, Hochschullehrer und war von 1999 bis 2016 Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehrere Monographien[1] Unter anderem auch durch die Publikation zweier populärwissenschaftlicher[2] Bücher zum Euro und zur Europäischen Union pointierte er die Kontroverse über die monetäre Entwicklung des Euros sowie der wirtschaftspolitischen Entscheidungen der EU[3].

Leben

Sinn wurde 1948 in eine der SPD nahestehende Arbeiterfamilie geboren. Ein Großvater Sinns wurde als Sozialdemokrat von den Nationalsozialisten verfolgt und starb in einem Konzentrationslager. Als Kind war Sinn Mitglied bei den Falken und in jungen Jahren Mitglied der SPD.[4] Nach dem Gymnasium in Bielefeld und dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen) von 1967 bis 1972 wechselte Sinn an die Universität Mannheim, an der er 1978 promoviert wurde und sich 1983 habilitierte.

Von 1984 bis 2016 war Sinn Professor für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er war zwei Jahre lang Professor an der University of Western Ontario in Kanada. Als Gastprofessor war er an der London School of Economics sowie an den Universitäten Bergen, Stanford, Princeton und Jerusalem tätig. Er hielt als bislang einziger Deutscher Yrjö Jahnsson Lectures[5] in Helsinki und Tinbergen Lectures in Amsterdam. Seit 1988 ist Sinn zudem Honorarprofessor an der Universität Wien. Von 1997 bis 2000 war er Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik und zwischen 2006 und 2009 Präsident des International Institute of Public Finance, des Weltverbandes der Finanzwissenschaftler. Außerdem ist er Fellow des National Bureau of Economic Research in Cambridge (USA).

Sinn war ab Februar 1999 Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung. Unter seiner Leitung wurde das Institut im Januar 2010 von einer Serviceeinrichtung (Einrichtung, die überwiegend wissenschaftliche Infrastrukturaufgaben wahrnimmt) zu einer Forschungseinrichtung rückumgewandelt. Die Amtszeit von Hans-Werner Sinn als ifo-Präsident endete im März 2016, als er 68 Jahre alt wurde und in den Ruhestand trat.[6][7][8][9]

Hans-Werner Sinn war von 2000 bis 2010 Aufsichtsratsmitglied der HypoVereinsbank.[10]

Er lebt mit seiner Frau in Gauting bei München und hat drei erwachsene Kinder.
Forschungsgebiete

Sinn hat sich in seinen ersten wissenschaftlichen Jahren vor allem mit der ökonomischen Risikotheorie beschäftigt. Seine 1977 eingereichte und 1980 publizierte Dissertation mit dem Titel „Ökonomische Entscheidungen bei Ungewissheit“ (1980)[11] wurde auch international publiziert (Economic Decisions under Uncertainty, North Holland: Amsterdam, New York und Oxford 1983). Schwerpunkte dieser Arbeiten lagen bei der Symbiose von Erwartungsnutzentheorie und der axiomatischen Fundierung der Mittelwert-Varianz-Analyse, hier: der Fundierung des Prinzips des unzureichenden Grundes, bei der psychologischen Fundierung von Risikopräferenzfunktionen und vor allem der Analyse von Risikoentscheidungen mit Haftungsbeschränkungen. Nach dem Urteil von Martin Hellwig hat Sinn damit die bislang als Basiswerk geltende Arbeit von Stiglitz und Weiss aus dem Jahr 1981 vorweggenommen.[12]

Es folgte eine größere Anzahl von Arbeiten zu konjunkturtheoretischen, umweltökonomischen und außenhandelsbezogenen Themen, darunter Arbeiten zum so genannten Asset Approach und zur Mikrofundierung des allgemeinen Modells des temporären Gleichgewichts sowie Thesen zur Erklärung des Exportbooms in bestimmten Ländern (→ Basarökonomie).

Einen besonderen Schwerpunkt bildeten Probleme des längerfristigen wirtschaftlichen Wachstums. Vor Abel, Blanchard und Chamley formulierte Sinn das ökonomische Zentralplanungsmodell des wirtschaftlichen Wachstums in der Tradition von Robert Solow als intertemporales allgemeines Gleichgewichtsmodell mit dezentral optimierenden Akteuren und Markträumungsbedingungen.[13]

1987 erschien Sinns Analyse der Anreizwirkungen beschleunigter Abschreibungen und der verschiedenen Komponenten der Kapitaleinkommensbesteuerung auf die intertemporale, internationale und intersektorale Ressourcenallokation.[14]

Sinn hat über 85 wissenschaftliche Artikel in referierten internationalen Zeitschriften veröffentlicht und eine Vielzahl an Zeitungsartikeln und Kommentaren verfasst. Er hat unzählige Interviews gegeben und ist ein gefragter Gast in Talkshows.

Sein 2003 erschienenes Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ löste eine Debatte zum Reformstau in Deutschland aus und kann als Ideengeber für die Agenda 2010 betrachtet werden. Mit über 100 000 gedruckten Exemplaren gehört es zu den erfolgreichsten wirtschaftspolitischen Veröffentlichungen der Gegenwart. Eine englische Übersetzung wurde im Jahr 2007 von MIT herausgegeben.

Als Reaktion auf die intensive Diskussion zu „Ist Deutschland noch zu retten?“ legte Sinn 2005 das Buch „Die Basar-Ökonomie“ vor. Der Begriff der Basar-Ökonomie umschreibt dabei die Beobachtung, dass die Fertigungstiefe in Deutschland zurückgeht und die Exporte immer mehr aus importierten Vorleistungen bestehen. Es enthält weiterführende Gedanken zu der Frage, wie gut es Deutschland gelingt, sich in der Zeit der raschen wirtschaftlichen Globalisierung zu behaupten. Dabei ist der Begriff der Basar-Ökonomie Aufhänger für die Erörterung der tief liegenden Strukturprobleme Deutschlands.

Sein 2008 erschienenes Buch „Das grüne Paradoxon“ bietet eine angebotsseitige Interpretation der Klimapolitik und löste eine weltweite Fachdiskussion aus. In „Der Kasino-Kapitalismus“ (2009) beschreibt Sinn, wie es 2007 als Folge von Politik- und Marktversagen zur globalen Finanzkrise kam. Laut Handelsblatt ist es eines der wichtigsten Wirtschaftsbücher aller Zeiten. Sinns Titel „Die Target-Falle“ (2012) analysiert die wachsenden Target-Salden der Notenbanken des Eurosystems und brachte das Thema sowohl in die wissenschaftliche als auch öffentliche Diskussion ein.

Im 2015 erschienenen Buch „Der Euro: Von der Friedensidee zum Zankapfel“ analysiert Sinn die Entwicklungen und Probleme der Europäischen Währungsunion und zeigt auf, wie das einstige Friedensprojekt die Demokratie und den Frieden Europas gefährdet. Sein Titel „Der Schwarze Juni“ (2016) widmet sich den Problemen der Europäischen Union, die sie zu zerreißen drohen, und zeigt auf, welche wirtschaftspolitischen Entscheidungen die Zukunft der EU fördern können.
Wirtschaftspolitische Standpunkte

Sinn selbst bezeichnet seine wirtschaftspolitische Position als ordoliberal im Sinne von Erhard und Eucken.[15][16]

Kurz vor der Bundestagswahl 2005 unterzeichnete Sinn mit 242 weiteren deutschen Wirtschaftswissenschaftlern einen öffentlichen Aufruf, den sogenannten Hamburger Appell, für wirtschaftspolitische Reformen in Deutschland.
Position zur Eurokrise

Sinn war einer der ersten von 172 Ökonomieprofessoren, die während der Eurokrise einen von Walter Krämer zusammen mit Stefan Hoderlein (Boston) und Manfred Deistler (Wien) im Juli 2012 initiierten Aufruf unterschrieben, der sich gegen eine „Vergemeinschaftung der Bankenschulden“ innerhalb der Eurozone wendet.[17] Der Aufruf wurde unter anderem von Klaus W. Zimmermann, Bernd Raffelhüschen, Peter Bernholz, dem tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus, dem Vorsitzenden des wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen Kai Konrad, Erich Streissler sowie dem ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt unterzeichnet.[18][19] Er wurde breit diskutiert und war unter in- wie ausländischen Ökonomen stark umstritten, auch aus der Politik kam starke Kritik, so z.B. von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

In Reaktion auf Krämer initiierte Frank Heinemann zusammen mit Gerhard Illing einen Gegenaufruf, welcher von 220 Ökonomen, unter anderem von Martin Hellwig, Beatrice Weder di Mauro sowie Dennis Snower, unterschrieben wurde.[20] Eine Gruppe von sieben Ökonomen um Peter Bofinger, Michael Hüther und Gustav Horn veröffentlichte einen Artikel, der sich explizit gegen die Thesen des Aufrufs wandte.[21] Kritisiert wurde, dass der Aufruf „reich an hitziger Rhetorik und arm an sachlichen Details“ sei (Barry Eichengreen) sowie „zu simpel, unklar und ideologisch“ (Alberto Alesina).[22][23]

Ulrich van Suntum, ein Unterzeichner des Gegenaufrufs von Frank Heinemann und Gerhard Illing, nahm Krämer gegen viele der darin geäußerten Vorwürfe in Schutz.[24] In einem Artikel verteidigten Krämer und Sinn den ursprünglichen Aufruf gegen die Kritik. Sie wiesen dabei den Vorwurf, Fehlinformationen verbreitet zu haben, zurück. Weiters erklärten sie eine Bankenunion im Sinne einer gemeinsamen Regulierung der Banken zu befürworten. Jedoch im Hinblick auf die Erfahrungen mit bisherigen Rettungsversuchen, befürchteten sie einen „Missbrauch des Restrukturierungsfonds und der Einlagensicherung für die Vergemeinschaftung der Abschreibungsverluste“ und verwiesen in diesem Zusammenhang erneut auf eine „strukturelle Mehrheit der Schuldenländer in den Eurogremien“ hin.[25]

Sinn sieht die Ursache der europäischen Schuldenkrise in zu niedrigen Zinsen, welche in den Ländern Südeuropas zu einer inflationären Kreditblase führten. Diese verringerte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Länder und führte zu hohen Leistungsbilanzdefiziten der Schuldenländer gegenüber den historischen Hartwährungsländern.

Als im Zuge der der globalen Finanzkrise ab 2007 und der europäischen Finanz- und Schuldenkrise im Besonderen der Interbankenmarkt versiegte, gingen die europäischen Kreditinstitute, insbesondere in den Ländern der Peripherie, dazu über, sich vermehrt bei ihren nationalen Notenbanken zu refinanzieren, was die EZB durch eine Lockerung ihrer Pfänderpolitik sowie durch das Tolerieren von ELA-Krediten ermöglichte. Die so auf nationaler Ebene geschaffene Zusatzliquidität wurde verwendet, die Leistungsbilanzdefizite weiterhin zu finanzieren, Schulden im Ausland zu tilgen und Vermögensobjekte dort zu kaufen. Die entsprechenden Nettoüberweisungen in andere Länder, die sogenannten Zahlungsbilanzdefizite, werden durch die Target-Salden gemessen (siehe auch Target2).

Gemäß Sinn handelt es sich damit bei den Target-Salden um öffentliche internationale Kredite, weil es um Zahlungen geht, die die Notenbanken einander kreditieren, und weil sie durch asymmetrische nationale Refinanzierungskredite ermöglicht werden. Sie sind mit den anderen offiziellen Finanzhilfen wie den Rettungsschirmen vergleichbar, doch werden sie statt von den Parlamenten der Eurozone vom EZB-Rat ermöglicht.[26][27] Ihren Höhepunkt erreichten die Target-Forderungen des nordeuropäischen Euroblocks im August 2012 mit über 1.000 Milliarden Euro. Damals gab es in Deutschland nur noch Überweisungsgeld, das auf dem Wege einer Kreditschöpfung seitens anderer Notenbanken entstanden war. Dank Sinn fanden die Target-Salden Eingang in die öffentliche Debatte.[28] Er war zudem der erste, der den Zusammenhang zwischen Target-Salden und Zahlungsbilanzungleichgewichten aufzeigte.[29]

Er fordert zudem ein Beenden der Staatsanleihen-Käufe durch die EZB.[30][31][32] Er war einer von 136 deutschen Wirtschaftsprofessoren, darunter Roland Vaubel, Bernd Lucke, Jürgen B. Donges, Manfred J. M. Neumann und Georg Milbradt, die kurz vor den Bundestagswahlen im September 2013 in einem Aufruf der EZB rechtswidrige monetäre Staatsfinanzierung vorwarfen.[33] Der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag wirft er vor, es versäumt zu haben, eindeutige Kreditbedingungen für die Krisenprozedur ausgehandelt zu haben. Seiner Meinung nach führt der Europäische Stabilitätsmechanismus zur Schwächung des Euro und zur Gefährdung des europäischen Einigungswerkes.[34]
Positionen zur Einwanderung

Sinn vertrat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Auffassung, dass Migranten den deutschen Staat netto mehr kosteten als sie ihm brächten. Der Artikel hatte zwei Teile. Der erste thematisierte den Arbeitsmarkt, wo Zuwanderung ein Gewinn sei. Der zweite Teil behandelt den Staat, und da sei fiskalisch ein Verlust zu bilanzieren.[35]
Öffentlicher Einfluss

Laut einer Umfrage der Financial Times Deutschland zusammen mit dem Verein für Socialpolitik unter 550 deutschen Wirtschaftsexperten im Jahr 2006 schrieben die Befragten „nur zwei Vertretern der eigenen Zunft nennenswerten Einfluss auf die Politik [zu]: Bert Rürup und Hans-Werner Sinn“.[36] Nach einer Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung und der Universität Konstanz im Jahre 2007 rangierte Sinn gemessen an der Anzahl der Zitierungen in wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften auf dem zweiten Platz unter den deutschen Ökonomen nach Reinhard Selten.[37] In der Liste „Die wichtigsten Wirtschaftswissenschaftler“ der WirtschaftsWoche von 2011 belegte er den 1. Platz.[38] Für die britische Zeitung The Independent gehört Sinn wegen seiner Forschung zu den Target-Salden zu den zehn einflussreichsten Menschen, die 2011 die Welt verändert haben.[39] Die Forschungsdatenbank RePEc ermittelt regelmäßig aufgrund von Zitierungen weltweit die forschungsstärksten Ökonomen. Sinn erreichte 2012 bis einschließlich 2016 den besten Platz für einen deutschen Ökonom[40], sein Ranking reiht ihn 2016 weltweit in die obersten 0,2%[41] und europaweit unter die 0,1%[42] Er war als einziger Deutscher in der Bloomberg-Liste der fünfzig weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten der Wirtschaft des Jahres 2012 aufgeführt.[43] Nach einer Erhebung der Zeitschrift Cicero zum Einfluss auf den öffentlichen Diskurs im zurückliegenden Jahrzehnt, die im Januar 2013 die 500 wichtigsten deutschen Intellektuellen auflistete, lag Sinn zu diesem Zeitpunkt auf Platz 14.[44]

Nach dem Ökonomenranking der Frankfurter Allgemeinen Zeitung basierend erstens auf der Umfrage unter Bundestags-Abgeordneten und Mitarbeitern von Bundesministerien, auf die Frage „Den Rat oder die Publikationen welcher Ökonomen schätzen Sie am meisten für Ihre Arbeit?“, zweitens der Medienpräsenz und drittens der Bewertung an Forschung der letzten fünf Jahre, belegte Sinn 2013 und 2014 den ersten Platz in Deutschland.[45][46][47] Obwohl Sinn in der Kategorie Forschung nicht unter den besten 50 aufscheint.[48] erläutert die FAZ, hat in Deutschland kein anderer Ökonom so viel Gewicht in Medien und Politik, Sinn sei aber auch in der Forschung präsent.[49] Ähnliches wiederholt sich 2015.[50] Der Widerspruch findet sich in der Methodik zum FAZ-Ökonomenranking, welche jungen Wissenschaftlern einen der begehrten Spitzenplätze ermöglichen soll und nur die jüngsten 5 Jahre zur Errechnung von dessen h-Index'es bewertet.

In seinem Kommentar Der Boulevardprofessor in der Financial Times Deutschland vom 30. März 2007 meinte der Wirtschaftsjournalist Mark Schieritz, dass Sinn umso größere publizistische Geschütze auffahre, je weniger seine Thesen Beachtung fänden.[51] 2012 bezeichnete Schieritz in Die Zeit Sinn als „ökonomischen Seismograph der Republik“, der mit seinen Büchern und Interviews den Sound zu den wirtschaftspolitischen Megatrends der vergangenen 30 Jahre geliefert habe.[52]

2016 wird er in der Rangliste der einflussreichsten Ökonomen in Deutschland in den TOP 10 geführt.[53]
Kontroversen

Im Oktober 2008 bezeichnete Sinn in der öffentlichen Diskussion über die Finanzkrise deutsche Manager als Sündenböcke, nach denen in jeder Krise gesucht werde. In der Weltwirtschaftskrise von 1929 habe es in Deutschland die Juden getroffen, heute seien es die Manager.[54] Diese Äußerung stieß nicht nur beim Zentralrat der Juden in Deutschland, sondern auch bei Politikern verschiedener Parteien sowie Repräsentanten des öffentlichen Lebens auf Kritik, da die Aussage eine Gleichsetzung der Kritik an den Managern mit der Judenverfolgung darstelle.[55] Noch am selben Tag nahm Sinn den Vergleich zurück.[56] Das Ifo veröffentlichte kurz darauf Stellungnahmen, in denen jüdische Bekannte und Kollegen Sinn gegen seine Kritiker verteidigten.[57]

Im Zuge der europäischen Finanzkrise kritisierte Finanzminister Wolfgang Schäuble Sinns Position bezüglich des Euro-Rettungsschirms. So sei laut Schäuble mit der „Autorität von akademischen Titeln und von wissenschaftlichen Instituten, die mit viel Geld vom deutschen Steuerzahler subventioniert werden, eine besondere Verantwortung verbunden“. Die Berechnungen zu Griechenland seien jedoch „mal wieder ein Beispiel dafür, wie man dieser Verantwortung nicht sonderlich gut gerecht wird“.[58][59] In einer Pressemitteilung wies das ifo-Institut die Kritik zurück und warf Schäuble vor, die Bedeutung der Target-Salden in seinen Berechnungen nicht zu berücksichtigen.[60]
Mitgliedschaften

Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste (seit 2013)[61]
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina[62] (seit 2013)
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-Historische Klasse, korrespondierendes Mitglied (seit 2012)
Präsident des Weltverbandes der Finanzwissenschaftler 2006–2009 (International Institute of Public Finance)
Stiftungsrat Karlspreis, Aachen (seit 2007)
Fellow der European Economic Association (EEA) (seit 2004)
European Economic Advisory Group at CESifo (seit 2001)
Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste (seit 2001)
Bayerische Akademie der Wissenschaften, Historisch-Philosophische Klasse (seit 1996)
National Bureau of Economic Research (NBER), Cambridge, Mass., Research Associate (seit 1989)
Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium (seit 1989)

Ehrungen (Auswahl)

Hochschullehrer des Jahres für 2015 des Deutschen Hochschulverbandes[63]
Ehrendoktorwürde, HHL Leipzig Graduate School of Management (Juli 2013)[64][65]
Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik (Juni 2013)[66][67]
Whitman Lecture, Peterson Institute for International Economics (Mai 2013)[68]
Julian Hodge Annual Lecture (April 2013),[69]
Chicago Booth Lecture, Scholes Forum: The Euro Crisis (April 2013)[70]
Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft (2012)[71]
Scope Awards Ehrenpreis (2012)[72]
Ehrendoktorwürde, Universität Helsinki (2011)[73]
Dinosaurier des Jahres (2009, Negativpreis)[74]
Gustav-Stolper-Preis des Vereins für Socialpolitik (2008)
Europapreis der Universität Maastricht (2008)[1]
Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (2008)
Thünen-Vorlesung des Vereins für Socialpolitik (2007)
The World Economy Annual Lecture, Universität Nottingham (2005)
Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2005)
Corine - Internationaler Buchpreis (2005)
Tinbergen Lectures, Royal Netherlands Economic Association (2004)
Wirtschaftsbuchpreis Financial Times Deutschland und getAbstract AG (2003)[75]
Ehrenpreis des Wirtschaftsbeirates der Union e. V. (2003)[2]
Stevenson Lectures on Citizenship, Universität Glasgow (2000)
Distinguished Scholar, Atlantic Economic Society (2000)
Yrjö Jahnsson Lectures, Universität Helsinki (1999)
Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1999)
Ehrendoktorwürde (Dr. rer. pol. h.c.) der Universität Magdeburg (1999)
Spezialpreis der Herbert Quandt Stiftung (1997)
Erster Preis der Universität Mannheim für die Habilitationsschrift (1984, Schitag Foundation)
Erster Preis der Universität Mannheim für die Dissertation (1979, Stiftung Rheinische Hypothekenbank)
Top 500 Economists in the World according to IDEAS/RePEc

Werke (Auswahl)

Das Marxsche Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. In: Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. 131, 1975, S. 646–696 Pdf-File In der Online-Ausgabe bei jstor.org
Ökonomische Entscheidungen bei Ungewißheit. Hrsg. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1980, ISBN 3-16-942702-4 (Dissertation).
english: Economic Decisions under Uncertainty. North-Holland Publishing, Amsterdam u. a. 1983, ISBN 0-444-86387-7.
A Rehabilitation of the Principle of Insufficient Reason. In: Quarterly Journal of Economics. 95, 1980, S. 493–506.
Common Property Resources, Storage Facilities and Ownership Structures: A Cournot Model of the Oil Market. In: Economica. 51, 1984, S. 235–252.
Kapitaleinkommensbesteuerung. Eine Analyse der intertemporalen, internationalen und intersektoralen Allokationswirkungen. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1985.
Capital Income Taxation and Resource Allocation. North Holland Publishing, Amsterdam/ New York/ Oxford/ Tokio 1987. (grundlegend überarbeitete englische Fassung von Kapitaleinkommensbesteuerung)
Kaltstart – Volkswirtschaftliche Aspekte der deutschen Vereinigung. Mohr-Siebeck, Tübingen 1991.
The New Systems Competition. Yrjö Jahnsson Lectures, Basil Blackwell, Oxford 2003.
Ist Deutschland noch zu retten? Econ Verlag, 2003, ISBN 3-430-18533-5.
Mut zu Reformen. Fünfzig Denkanstöße für die Wirtschaftspolitik, München 2004.
Die Basar-Ökonomie. Econ Verlag, 2005, ISBN 3-548-36944-8.
Das grüne Paradoxon: Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik. Econ Verlag, 2008, ISBN 978-3-430-20062-2.
Risk-Taking, Limited Liability, and the Banking Crisis. Selected Reprints. ifo Institut, München 2009, ISBN 978-3-88512-482-5.
Der Kasino-Kapitalismus. Econ Verlag, 2009, ISBN 978-3-430-20084-4.
Die Target-Falle - Gefahren für unser Geld und unsere Kinder. Hanser Verlag, 2012, ISBN 978-3-446-43353-3.
Verspielt nicht eure Zukunft. Redline Verlag, 2013, ISBN 978-3-86881-486-6.
Gefangen im Euro. Redline Verlag, 2014, ISBN 978-3-86881-525-2.
The Euro Trap. On Bursting Bubbles, Budgets, and Beliefs. Oxford University Press, 2014, ISBN 978-0-19-870213-9.
Der Euro. Von der Friedensidee zum Zankapfel. Hanser Verlag, 2015, ISBN 978-3-446-44468-3.
Der Schwarze Juni - Brexit, Flüchtlingswelle, Euro-Desaster - Wie die Neugründung Europas gelingt, Herder, München 2016, ISBN 978-3-451-37745-7.


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