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Das PEN-Zentrum Deutschland

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Das PEN-Zentrum Deutschland

Beitrag  checker am Sa Dez 17, 2016 3:27 am

Das PEN-Zentrum Deutschland ist eine deutsche Schriftstellervereinigung. Die Abkürzung PEN (international auch P.E.N.) bedeutet hierbei „Poets, Essayists, Novelists“.


Wieder-Gründung des PEN-Zentrums Deutschland in Göttingen, 1948

Nach der Gründung des PEN 1921 in England etablierte sich der PEN auch in vielen anderen Staaten. 1924[1] gründeten deutsche Autoren das PEN-Zentrum Deutschland. Das PEN-Zentrum Deutschland ist Mitglied des Internationalen PEN und hat seinen Sitz in Darmstadt. Präsident des PEN-Zentrums Deutschland ist seit Mai 2013 Josef Haslinger.[2]

Tätigkeit

Wie der internationale PEN, ist die Arbeit des Deutschen PEN entsprechend seiner Charta darauf gerichtet, sich für Schutz und Freiheit von Kultur einzusetzen. Ungehinderter Gedankenaustausch und freie Meinungsäußerung werden national und international vertreten. Dazu unterhält das Deutsche PEN-Zentrum zwei zentrale Programme: Writers in Prison (seit 2012 verantwortet von Vizepräsident Sascha Feuchert) und Writers in Exile (verantwortlich seit 2013 Vizepräsidentin Franziska Sperr), beide in enger Abstimmung mit dem internationalen PEN und gegebenenfalls den PENs der Herkunftsstaaten der jeweiligen Verfolgten.

Im Writers in Prison-Programm werden kulturelle und andere Kontakte genutzt, um politisch verfolgte Schriftsteller zu befreien. Als Mittel werden Briefkampagnen und direkte Ansprache von Machthabern genutzt. Das Writers in Exile-Programm nimmt verfolgte Schriftsteller in Deutschland auf und gibt ihnen die Chance für mehrere Jahre in Sicherheit zu leben und weiterhin als Schriftsteller zu arbeiten. Dazu unterhält das Deutsche PEN-Zentrum mit Förderung des Auswärtigen Amtes mehrere Wohnungen, die den Verfolgten zur Verfügung gestellt werden können, außerdem bieten die Städte Nürnberg und München je eine eigene Wohnung für das Programm an, die über das PEN-Zentrum an Verfolgte vergeben werden.

Seit 1985 verleiht das PEN-Zentrum Deutschland die Hermann-Kesten-Medaille für besondere Verdienste um verfolgte Autoren im Sinne der Charta des Internationalen PEN, wobei sich der PEN selbst als „Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftsteller“ bezeichnet.[3]
Geschichte des PEN-Zentrums Deutschland
Weimarer Republik

1924 gründeten deutsche Schriftsteller innerhalb des Internationalen PEN eine deutsche Sektion unter Leitung von Ludwig Fulda. Ursprünglich war sie eine gesellschaftlich und sozial „salonfähige“ Vereinigung der etablierten und konservativen Autoren. Obwohl diese Gruppe im Ersten Weltkrieg den deutschen Chauvinismus und Patriotismus aktiv unterstützt hatten, war der internationale PEN-Club und sein Gründerpräsident John Galsworthy bereit, darüber hinwegzusehen, um seine unpolitische, soziale Aktivität nach Deutschland auszuweiten.[4] 1926 richtete der Deutsche PEN den internationalen Kongress in Berlin aus, was die erste internationale Konferenz in Deutschland überhaupt nach dem Ersten Weltkrieg darstellte.[5] Daher nutze das Auswärtige Amt den deutschen PEN als verlängerten Arm der deutschen Außenpolitik, weil es selbst unter den Versailler Verträgen keinen direkten Einfluss mehr hatte.[6]

Ludwig Fulda wurde im Herbst 1927 durch Theodor Däubler abgelöst.[7] Dieser wurde aber in der Folge schwer krank und bekam daher 1931 Walter Bloem als gleichberechtigten Präsidenten zur Seite gestellt. 1932 wurde Bloem durch Alfred Kerr in derselben Rolle ersetzt. Däubler starb 1934[8]

Ab 1930 fiel das Deutsche PEN-Zentrum auf, weil er entgegen der Satzung des internationalen PEN-Clubs und der persönlichen Praxis von Gründerpräsident Galsworthy, entschieden für Rechte von Schriftstellern eintrat und damit den Grundsatz no politics des ursprünglich als reinem sozialen Club gegründeten Vereins verletzte. Anlass war das Verbot der Remarque-Verfilmung Im Westen nichts Neues.[9] Diese von Deutschland ausgehende Linie wurde international zunächst abgelehnt.[10] Auf dem internationalen Kongress 1932 wurde aber erstmals eine politische Resolution mehrheitlich angenommen und nach den Ereignissen 1933 in Deutschland musste der PEN seine unpolitische Rolle aufgeben.[10]
Zeit des Nationalsozialismus

1933 floh Alfred Kerr unmittelbar nach der Machtergreifung ins Ausland. Nach der Flucht Kerrs wurde im Februar kurzfristig ein Vorstand aus Hanns Martin Elster, dem todkranken Theodor Däubler und Herwarth Walden gebildet.[11] Im April wurden Mitglieder des Kampfbunds für deutsche Kultur von Alfred Rosenberg in das Zentrum aufgenommen, obwohl viele davon gar keine Schriftsteller oder Publizisten im Sinne des PEN waren. Am 23. April 1933 folgte die Gleichschaltung unter einer gleichberechtigten Dreierspitze aus Hanns Johst, Horst Hinkel, Rainer Schlosser.[11] Die Versammlung, in der die Neuwahl stattfand, wurde durch SA-Männer gestürmt, bei der zweiten Abstimmungsrunde hatten fast alle etablierten Mitglieder des PEN das Gebäude bereits fluchtartig verlassen. Im Sinne einer „Scheinlegitimität“ wurde die Wahl jedoch als innerer Vorgang maskiert.[12] Im Januar 1934 wurde der PEN in die Union nationaler Schriftsteller umgewandelt.[13] Für diesen Umbau hatten sich insbesondere Hanns Johst und Gottfried Benn engagiert.[14]

Der NS-freundliche deutsche Verband wurden wegen Untätigkeit gegen die Bücherverbrennung 1933 in Deutschland im internationalen Verband kritisiert und kam im November 1933 einem Ausschluss durch den eigenen Austritt zuvor.[15] In der Zeit des Nationalsozialismus gründeten aus Deutschland geflohene Schriftsteller 1934 das P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland als Organisation der Autoren im Exil. Schon im Dezember 1933 hatten sich Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Max Herrmann-Neiße und Rudolf Olden für eine autonome PEN-Gruppe der Exilanten eingesetzt.[16] Die Anerkennung des Exil-PEN mit Heinrich Mann als Präsident wurde im Juni 1934 durch den internationalen PEN bestätigt. Offizieller Sitz war London, als Name dienten zuerst Deutsche Gruppe des Internationalen PEN, dann German (Anti-Nazi) Group, später Centre of German Writers Abroad und bis 2002 Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland.[17]

Nach dem Anschluss Österreichs und des österreichischen PEN an die deutsche Nazi-Organisation wurde international ein neuer österreichischer PEN unter dem Namen Austrian Group gegründet. Präsident war Franz Werfel.[18]
Nachkriegszeit

1948 gründete sich in Göttingen das PEN-Zentrum Deutschland neu. 1949 wurde als westdeutscher Staat die Bundesrepublik Deutschland gegründet und im Osten die Deutsche Demokratische Republik. Nachdem ostdeutsche Autoren das PEN-Zentrum prägten, spaltete sich 1951 das Deutsche PEN-Zentrum (Bundesrepublik) ab. Daraufhin benannte sich das nunmehr ostdeutsche PEN-Zentrum Deutschland 1953 in Deutsches PEN-Zentrum Ost und West um.

1960 versuchten die Schriftsteller und einige DDR-Funktionäre des Deutschen PEN-Zentrum Ost und West noch einmal eine gesamtdeutsche Zusammenarbeit zu initiieren. Sie luden zu ihrer 12. Generalversammlung nach Hamburg und riefen die Mitglieder des West-PEN zur Teilnahme auf. Als die Gäste bereits angereist waren, verbot der Polizeisenator Wilhelm Kröger die Veranstaltung und wirkte auf die Universität und Hotels ein, Raumzusagen aufzukündigen. Die geplanten Diskussionen kamen nicht zustande.[19]

Das Deutsche PEN-Zentrum Ost und West hieß seit 1967 PEN-Zentrum Deutsche Demokratische Republik und benannte sich 1991 in Deutsches P.E.N.-Zentrum (Ost) um.

1998 fand der Zusammenschluss der beiden deutschen PEN-Zentren statt.[20][21]
Präsidenten
PEN-Zentrum Deutschland (ab 1924)

Ludwig Fulda 1924–1927
Theodor Däubler 1927–1934, gleichberechtigt daneben: Walter Bloem 1931, Alfred Kerr 1932 bis Februar 1933
Hanns Martin Elster, Theodor Däubler und Herwarth Walden Februar bis April 1933
Hanns Johst, Horst Hinkel, Rainer Schlosser ab 23. April 1933

PEN-Zentrum Deutschland (1948 bis 1951)

Hermann Friedmann, Ernst Penzoldt und Johannes Tralow 1948–1949
Hermann Friedmann, Johannes R. Becher und Erich Kästner 1949–1951
Johannes Tralow, Johannes R. Becher und Günther Weisenborn 1951

Ostdeutsches PEN-Zentrum

Die wechselnden Namen sind kursiv angegeben.

Johannes Tralow, Johannes R. Becher und Rüdiger Syberberg 1951–1953 – PEN-Zentrum Deutschland
Johannes Tralow und Bertolt Brecht 1953–1956 – Deutsches PEN-Zentrum Ost und West
Arnold Zweig 1957–1970 – PEN-Zentrum Deutsche Demokratische Republik (ab 1967)
Heinz Kamnitzer 1970–1989
Heinz Knobloch 1990
Dieter Schlenstedt 1991–1998 – Deutsches PEN-Zentrum (Ost)

Deutsches PEN-Zentrum (Bundesrepublik)

Erich Kästner 1951–1962
Bruno E. Werner 1962–1964 (Proteste wegen der Spiegel-Affäre)
Dolf Sternberger 1964–1970
Heinrich Böll 1970–1972 (keine erneute Kandidatur, weil seit 1971 Präsident des internationalen PEN)
Hermann Kesten 1972–1976
Walter Jens 1976–1982
Martin Gregor-Dellin 1982–1988
Carl Amery 1989–1991
Gert Heidenreich 1991–1995
Ingrid Bachér 1995–1996 (Rücktritt und Austritt aus dem PEN im Streit über die Vereinigung mit dem ostdeutschen PEN)
Karl Otto Conrady 1996–1998

PEN-Zentrum Deutschland (ab 1998)


Christoph Hein 1998–2000
Said 2000–2002
Johano Strasser 2002–2013
Josef Haslinger seit 2013

Ausstellung

2011: PEN-Die internationale Schriftstellervereinigung, ihre deutsche Geschichte, ihre Aufgaben, Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin[22]


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