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Philosophische Anthropologie, oder wissen was wir nicht wissen

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Philosophische Anthropologie, oder wissen was wir nicht wissen

Beitrag  checker am Fr Dez 23, 2016 12:35 pm

Philosophische Anthropologie (Anthropologie = Menschenkunde, von ἄνθρωπος ánthropos „der Mensch“ und -logie) ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst.[1] Als eigene philosophische Fachrichtung ist die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene Philosophische Anthropologie[2] eine vergleichsweise junge Disziplin; Gegenstand und Fragestellungen, mit denen sie sich befasst, wurden aber auf unterschiedliche Weise großteils bereits in früheren Abschnitten der Menschheitsgeschichte reflektiert. Dennoch erzeugte Max Scheler als Mitbegründer der modernen Philosophischen Anthropologie beträchtliche Resonanz mit der Feststellung:

„Wir sind in der ungefähr zehntausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch völlig und restlos problematisch geworden ist: in dem er nicht mehr weiß, was er ist; zugleich aber auch weiß, dass er es nicht weiß.“[3]



Caspar David Friedrich, Der Mönch am Meer (1808–1810). Das Bild thematisiert die Frage nach der Stellung und der Bedeutung des Menschen im Weltganzen.

Die philosophische Anthropologie sucht vom einzelnen Menschen zu abstrahieren und zielt auf Allgemeingültigkeit. Die tatsächliche Bindung jedes menschlichen Individuums an die je zeitspezifischen und kulturellen Daseinsbedingungen wird dabei vorausgesetzt.[4] Indem die Grundsituation der philosophischen Anthropologie davon bestimmt ist, dass der Mensch nach dem Menschen fragt, geht es einerseits um Selbstreflexion als Anliegen und Auftrag. Das ist aber andererseits nur möglich in der dem Menschen gegebenen Verbindung der Innenperspektive des Subjekts mit der Außenperspektive des Beobachters.

Um die Lebenssituation des Menschen generell zu erfassen, bedient sich die philosophische Anthropologie vielfältiger einzelwissenschaftlicher Erkenntnisse. Umgekehrt ergeben sich für Erkenntnistheorie und Einzelwissenschaften anthropologische Implikationen. Zum Umfeld der philosophischen Anthropologie gehören die sogenannten Humanwissenschaften, zu denen insbesondere die Biologie, die Primatologie, die Neurowissenschaften, die Psychologie, die Sprachwissenschaften, die Ethnologie, die Paläontologie, die Soziologie und auch die Geschichtswissenschaften sowie eine Vielzahl von Variationen aus diesen Fächern wie die Soziobiologie oder die Evolutionäre Psychologie gehören. Zu jeder dieser Fachrichtungen gibt es auch eine spezifische Anthropologie wie etwa eine medizinische, eine pädagogische, eine historische oder eine theologische Anthropologie.

Wo Menschen sich zu einem Rätsel oder Problem werden, sich selbst befragen oder in Frage stellen und die eigene Existenz betreffende Annahmen oder Antworten entwickeln, berühren sie das Feld der philosophischen Anthropologie. Die Spannbreite menschlicher Handlungsfelder und Möglichkeiten wirft unter anderem Fragen nach dem ethisch richtigen oder guten Leben, nach dem Sinn des Lebens überhaupt, nach dem Stellenwert von Egoismus und Altruismus, nach dem „Wesen“ von männlichem und weiblichem Geschlecht, nach sozialen Anpassungszwängen und individuellen freien Willen auf. Für Michael Landmann entspringt die philosophische Anthropologie „der Notwendigkeit desjenigen Wesens, das sich selbst schaffen muß und daher eines Bildes bedarf, auf das hin es sich schaffen soll. Beides greift ineinander.“[5]

Klassische Auffassungen über den Menschen


Hildegard von Bingen, Liber Divinorum Operum (13. Jh.). Der Mensch im Mittelalter ist als Mikrokosmos Spiegel des Makrokosmos – und zugleich Ebenbild Gottes.

In der Antike war die Rolle des Menschen durch seine Stellung im Kosmos als von den Göttern geschaffen und durch den Geist mit diesen verwandt bestimmt. Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Dieser Ausspruch des Protagoras (bei Platon im Theaitetos) kennzeichnet die Haltung der Sophisten in der Antike, deren Lehren antimetaphysisch waren, und die klar zwischen Natur und Kultur unterschieden.

Dagegen ist es nach Platon für den Menschen wesentlich bzw. wesensbestimmend, dass er dank seiner unsterblichen Seele nicht nach den irdischen Gütern, sondern nach dem Einen, dem Göttlichen strebt oder mindestens streben sollte. Die Seele ist im Körper nur gefangen. Der Leib und die Triebe sind nachrangig und werden vom Geist gelenkt. Über den Neuplatonismus der Patristik gelangt dieses Menschenbild in das Christentum und beeinflusst damit stark die Auffassungen des Abendlandes.

Aristoteles sah hingegen den Menschen auch als Teil der Natur. Körper und Seele bilden eine organische Einheit. Es gibt eine Parallelität zwischen der Natur und dem Seelenleben. Die Triebe entsprechen dem Pflanzlichen, die Sinnlichkeit dem Tierischen und das Denken dem Göttlichen. Der Mensch ist das sittliche Wesen, das aus Vernunft nach der Verwirklichung der Tugend strebt. Als vernunftbegabtes Wesen (zõon lógon échon) und als soziales Wesen (zõon politikón) verwirklicht sich der Mensch durch seine Lebenspraxis.

In der Spätantike seit Paulus von Tarsus und in der Patristik, besonders durch Augustinus, verband sich das antike Denken mit dem christlich jüdischen Menschenbild als Ebenbild Gottes. Die Menschen sind von Gott mit Leib und Seele (griechisch: Psyche, hebräisch: Neschome, Ruach) geschaffen. Die Wahrheit liegt im Inneren des Menschen. Der Mensch ist nun der Gefallene, mit der Erbsünde belastete Mensch, der sich nicht allein und durch seine Vernunft zum Glück verhelfen kann, sondern der die Gnade bzw. Vergebung Gottes benötigt, um dem Schicksal des Fegefeuers bzw. der Hölle zu entrinnen. Entsprechend war die Frage des Mittelalters, wie der Mensch sich in der von Gott geschaffenen Ordnung stellt.

Nach Thomas von Aquin ist (ähnlich wie für Aristoteles) die geistige Seele bzw. der Geist als Entelechie eine intelligible Substanz, in der die geistigen und seelischen Fähigkeiten des Menschen grundgelegt sind. Die Seele ist vom Körper zu Lebzeiten nur begrifflich zu trennen, existiert wegen ihrer Unsterblichkeit aber nach dem Tod des Menschen auch getrennt weiter. Der Leib ist Werkzeug der geistigen Seele, speziell der Vernunft. Der Mensch hat die natürlichen Neigungen, sein Leben zu erhalten, seine Art durch Nachkommen zu erhalten und eine Neigung, aus Vernunft das Gute zu tun.

Mit der kopernikanischen Wende verschob sich das Selbstbild des Menschen. Er stand nun nicht mehr im Zentrum, sondern war alleingelassen im weiten Raum und mit der Unendlichkeit konfrontiert, die ihn ängstigte (Blaise Pascal). Die Physik wurde zur Methode der Erklärung der Welt (Johannes Kepler, Galileo Galilei). Es entstand eine naturalistische Auffassung vom Menschen (Thomas Hobbes’ Kampf aller gegen alle). Gleichzeitig konnte der Gegensatz von Leib und Seele nicht aufgelöst werden. Dies führte zu René Descartes’ Dualismus: Der Mensch ist körperlich (res extensa) und verfügt zugleich über eine Seele (res cogitans). Die Erklärung des Menschen wurde zu der Frage nach seiner Erkenntnisfähigkeit. Als Ebenbild Gottes bleibt er aber immer noch im Zentrum des Denkens.

Die von Descartes angestoßene Bewusstseinsphilosophie fand unterschiedliche Antworten bei den Empiristen und bei den Rationalisten. Beiden gemeinsam ist, dass sie psychologische Antworten gaben. John Locke und David Hume begründeten den Sensualismus. Die Empiristen gingen grundsätzlich vom Egoismus des Menschen aus. Auch das Sozialverhalten erfolgt nach dem Prinzip, dass Näherliegendes vorgezogen wird. Gottfried Wilhelm Leibniz unterteilte das Bewusstsein in bewusste Wahrnehmungen (apperceptiones), einfache Wahrnehmungen (perceptiones), unbewusste Wahrnehmungen (petit perceptiones) und unterbewusste Strebungen (appetitiones). Christian Wolff unterschied zwischen empirischer und theoretischer Psychologie und legte damit den Grundstein für den durch Jakob Friedrich Fries und Johann Friedrich Herbart begründeten Psychologismus im 19. Jahrhundert. Der Bewusstseinsphilosophie seit Descartes ist allerdings gemeinsam, dass sie Anthropologie als eigenständiges Thema noch nicht verfolgte.
Historische Anfänge der Anthropologie

Der Begriff der Anthropologie wird erstmals von Magnus Hundt in der Schrift Anthropologicum de hominis dignitate, natura et proprietatibus (Leipzig 1501) gebraucht. Ein weiterer früher Nachweis ist die Psychologia anthropologica des Otto Casmann, eines Rektors in Stade, aus dem Jahre 1596.

Während Johann Friedrich Blumenbach (1752–1840) die naturwissenschaftliche Anthropologie begründete, gilt Immanuel Kant als der Urvater der philosophischen Anthropologie mit der erstmals 1772 gehaltenen Vorlesung über „Verschiedene Racen des Menschen“. Kant unterschied die Anthropologie in physiologische und pragmatische Anthropologie. Während die erste Thema der Naturwissenschaft sei, behandelt die zweite das philosophische Thema der Freiheit und was der Mensch aus ihr macht. Der Mensch sei zwar auch Tier, aber durch die Vernunft charakterisiert und bestimmt, sich in der Gesellschaft zu kultivieren und zu moralisieren. Er ist für Kant autonom und damit in der Lage, seinen tierischen Hang zur Trägheit zu überwinden. Dabei gilt:

„Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“

– Kant: Über Pädagogik


Einen wesentlichen Anstoß hat auch Johann Gottfried Herder gegeben, von dem die Auffassung über das Mängelwesen Mensch stammt und der insbesondere die Sprache als besonderen Wesenszug des Menschen in den Mittelpunkt rückte.[6] Schon als Tier hat der Mensch die Sprache der Empfindungen. Der Mensch kann aber zusätzlich die Welt mit Reflexion betrachten. Durch die Unterscheidung der Dinge mit Hilfe seiner Sinne kann er sie bezeichnen. Indem er sie bezeichnet, denke er über sie nach und entwickele Verstand.

Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung, er steht aufrecht. Die Waage des Guten und des Bösen, des Falschen und Wahren hängt an ihm; er kann forschen, er soll wählen.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel hingegen stand der Anthropologie kritisch gegenüber, der er vorhielt, sich nur mit dem Möglichen des Menschen zu befassen, während die Geschichte das Wirkliche des Menschen betrachte.
Grundlegung der Anthropologie durch Kant

In der Vorrede seiner Anthropologie (1798) unterschied Immanuel Kant die physiologische Anthropologie, die auf die Erforschung dessen geht, was die Natur aus dem Menschen macht, von der pragmatischen Anthropologie, die das untersucht, „was er, als freihandelndes Wesen, aus sich selber macht, oder machen kann und soll.“ Deshalb wird auf ihn die noch heute nachwirkende strikte Trennung zwischen physiologischer und pragmatischer Anthropologie zurückgeführt, doch ist dies ungenau.

Die physiologische Anthropologie ist die (biologische) Naturlehre des Menschen. Diesen Teil der Menschenkunde klammert Kant bis auf gelegentliche Querverweise als für seine Absichten unergiebig aus. Da der Mensch „die Gehirnnerven und Fasern nicht kennt, noch sich auf die Handhabung derselben zu seiner Absicht versteht“, bleibt er in diesem Spiel seiner Vorstellungen nur Zuschauer und das spekulative Nachgrübeln über die Naturursachen der Empfindungen und Erinnerungen ist unergiebig.[7]

Kants Anthropologie enthält eine auf 300 Seiten breit angelegte Menschenkunde, unter anderem mit Themen der Allgemeinen Psychologie (im heutigen Sinn), Charakterkunde, Sozialpsychologie, Psychopathologie, Gesundheitspsychologie und auch Anfänge anderer psychologischer Teildisziplinen. Diese "pragmatische Anthropologie" stellt Kants Beitrag zu der im 18. Jahrhundert breit geführten Debatte darüber dar, wie eine allgemeine "Wissenschaft vom Menschen" methodisch und theoretisch zu entwickeln sei, was ihre Ziele seien und was ihr Ort in der Gesamtheit der Wissenschaften.[8] Kant verbindet die genannten Themen mit der philosophischen Bestimmung des Menschen als vernünftiges und moralisches Wesen. Im letzten Kapitel, über den Charakter der Gattung, fasst Kant sein allgemeines Menschenbild zusammen: Der Mensch ist durch seine Vernunft bestimmt, in einer Gesellschaft mit Menschen zu sein, und in ihr sich durch Kunst und Wissenschaft zu kultivieren, zu zivilisieren und zu moralisieren; wie groß auch sein tierischer Hang sein mag, sich den Anreizen der Gemächlichkeit und des Wohllebens, die er Glückseligkeit nennt, passiv zu überlassen, sondern vielmehr tätig, im Kampf mit den Hindernissen, die ihm von der Rohigkeit seiner Natur anhängen, sich der Menschheit würdig zu machen. (1798/1983, A 321) Kant fragt, wie nun die pragmatische Menschenkunde und Pädagogik fortschreiten müssen, um die sittlichen Anlagen so zu entwickeln, dass sie nicht mehr im Widerstreit zur Natur der Menschen stehen.

Kants oft zitierte Definition der Anthropologie steht nicht in den Vorlesungen zur Anthropologie in pragmatischer Hinsicht (1798), sondern in der Logik:

„Das Feld der Philosophie in dieser weltbürgerlichen Bedeutung lässt sich auf folgende Fragen bringen: 1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen? 4. Was ist der Mensch? Die erste Frage beantwortet die Metaphysik, die zweite die Moral, die dritte die Religion, und die vierte die Anthropologie. Im Grunde könnte man aber alles dieses zur Anthropologie rechnen, weil sich die drei ersten Fragen auf die letzte beziehen. Der Philosoph muß also bestimmen können: 1. die Quellen des menschlichen Wissens, 2. den Umfang des möglichen und nützlichen Gebrauchs alles Wissens, und endlich 3. die Grenzen der Vernunft.“

– Kant 1800/1983, A 25–26


Separat steht außerdem Kants vielzitierte Schrift Was ist Aufklärung? (1784/1983), von deren Absicht zweifellos auch die pragmatische Anthropologie bestimmt ist.

Methodisch gesehen ist Kants Anthropologie nicht auf sogenannte „innere Erfahrung“ gegründet, sondern betont, dass menschliches Denken, Fühlen und Begehren primär durch eine Untersuchung öffentlich beobachtbaren menschlichen Handelns – vor allem sozialen Handelns – zu gewinnen sei, für die es einen systematischen Rahmen von Grundbegriffen brauche. Er entwickelt dementsprechend eine Beobachtungslehre: die Anthropologie gewinnt Regeln für die mannigfaltigen Erfahrungen, die wir an dem Menschen bemerken. Seine Anthropologie in pragmatischer Hinsicht ist nach heutigem Fachverständnis weitgehend ein Lehrbuch der empirischen Psychologie. Alle diese Erkenntnisse sollen jedoch durch die Philosophie geordnet und geleitet werden. Mit der konsequenten Unterscheidung zwischen rationaler (metaphysischer) und empirischer Psychologie hat Kant das Gebiet und die Methodik der Psychologie neu bestimmt. Sie ist nicht mehr Teil der Metaphysik, in der sie früher als Seelenlehre meist abgehandelt wurde. Sie bildet jetzt den Hauptinhalt der auf Erfahrung beruhenden Anthropologie, und erhält eine wichtige pragmatische Wende, denn sie öffnet den Zugang zu dem, was der Mensch moralisch und aufklärerisch, pädagogisch, gesundheitspsychologisch usw. aus sich macht. Die Psychologie ist zwar „nur“ empirische Wissenschaft und kann grundsätzlich nicht zu eindeutigen, sicheren, mathematisch formulierten Gesetzmäßigkeiten nach dem Vorbild der exakten Naturwissenschaften gelangen. Auch ohne diesen Rang gibt es nützliches Wissen, wobei Kants praktische Absichten viel deutlicher waren als bei den meisten „Psychologen“ des folgenden Jahrhunderts.[9]

Wenn Kant wegen seiner zugleich empirischen und methodenkritischen Ausrichtung der Anthropologie/Psychologie als bedeutendster Psychologe vor Wilhelm Wundt anzusehen ist,[10] könnte hierin auch der Grund für die zwiespältige Rezeption von Kants Anthropologie in beiden Disziplinen liegen. Viele Autoren der Philosophischen Anthropologie zeigen noch heute eine eigentümliche Distanz. Andererseits hatte bereits Carl Gustav Carus in herausragender Weise Kants Anthropologie gewürdigt, und in der Folgezeit erschienen einige Bücher, die Kants Programm nahestanden, unter anderem von Gottlob Ernst Schulze und Jakob Friedrich Fries über Psychische Anthropologie. Sie grenzten sich ebenfalls von der spekulativen Seelenlehre ab und traten mit neuem Methodenanspruch und mit konkreten Anwendungsempfehlungen hervor (siehe auch Friedrich Eduard Beneke und Rudolf Hermann Lotze.)[11] In der Philosophie hatte Kants Anthropologie jedoch eine erstaunlich geringe Wirkung, und das von Kant entwickelte Programm wurde in der Folgezeit nicht nachhaltig aufgenommen, weder in der Philosophie noch in der Psychologie. In der Psychologie scheint die grundlegende pragmatische Anthropologie weitgehend vergessen zu sein. Es bleibt Spekulation, ob ein Titel „Lehrbuch der empirischen Psychologie“ mehr Wirkung ermöglicht hätte. Für Kant war, seiner Vorrede zufolge, diese „auf Weltkenntnis abzweckende Vorlesung“ zwar interessant, aber im Vergleich zur „reinen Philosophie“ zweitrangig. Im gesamten Fach Philosophie kam es in der Folgezeit nicht zu einer ähnlich weit gefassten Konzeption.

Weiteres dazu im Link:

https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische_Anthropologie



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