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Das Dreyse-Zündnadelgewehr

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Das Dreyse-Zündnadelgewehr

Beitrag  Andy am Mi Feb 01, 2017 9:00 pm

Das Zündnadelgewehr ist ein von Johann Nikolaus von Dreyse ab 1827 in Sömmerda entwickeltes Gewehr mit damals neuartigen Zündnadelpatronen, die neben Geschoss und Treibladung auch das Zündelement enthielten. Das Gewehr war das erste in Massen produzierte und zum militärischen Einsatz taugliche Hinterladergewehr. Nach langer Entwicklungszeit begann im Jahr 1840 die Massenproduktion. Das Gewehr wurde in verschiedenen Varianten hauptsächlich von 1848 bis 1876 in der preußischen Armee verwendet. Die preußischen Erfolge im Deutschen Krieg 1866 führten zu einer Umstellung der Infanteriebewaffnung auch in anderen Staaten. Das Prinzip der Zündnadelzündung wurde vor allem von Frankreich als Chassepotgewehr übernommen. Darüber hinaus prägte das Prinzip der Hinterladung des Zündnadelgewehres, der Zylinderverschluss, die Waffentechnik noch auf Jahrzehnte.


Allgemeine Information
Einsatzland: Preußen
Entwickler/Hersteller: Johann Nikolaus von Dreyse
Produktionszeit: seit 1840
Waffenkategorie: Hinterladerbüchse
Technische Daten
Kaliber: 15,43 mm
Munitionszufuhr: Einzellader
Feuerarten: Einzelschuss
Verschluss: Zylinderverschluss


Geschichte
Entwicklung

Der Büchsenmacher Samuel Johann Pauli hatte 1810 aufgrund einer Ausschreibung von Napoleon Bonaparte ein Hinterladergewehr entwickelt, bei dem mit Hilfe eines Schlagbolzens eine neuartige Patrone gezündet wurde. Die Patrone enthielt Geschoss, Treibladung und in einem Bodenstück aus Metall die Zündpille aus dem damals neuartigen Knallquecksilber. Das System war sehr fortschrittlich, litt aber an praktischen Problemen; die brisante Zündpille war gefährlich, weil ungeschützt und die Gasdichtigkeit der Waffe war wegen des Zündlochs im Boden mangelhaft. Pauli war kein Erfolg gegönnt, sein Schüler Johann Nikolaus von Dreyse war Jahrzehnte später umso erfolgreicher. Dreyses Wanderjahre 1809–1814 führten ihn nach dem Abschluss seiner Ausbildung zum Schlosser aus dem preußischen Sömmerda nach Paris und dort unter anderem in Paulis Werkstatt.[1]

Dreyse kehrte 1814 nach Sömmerda in den väterlichen Betrieb zurück. Er konnte einen verbesserten Herstellungsprozess für Zündhütchen entwickeln und auf dem Patent von 1824 eine erfolgreiche Zündhütchenfabrik gründen.[2] Dreyse entdeckte 1827, dass sich damals verwendete Zündpillen nicht nur durch Schlag, sondern auch durch Stich entzünden lassen und entwickelte daraus die Idee für einen neuartigen Zündmechanismus.[1]

Dreyse entwarf daraufhin seine „Einheitspatrone“ und den dazugehörigen Gewehrprototyp zunächst als Vorderlader. Nach anfänglicher Ablehnung durch preußische Militärbehörden, denen er seinen Entwurf vorgelegt hatte, konnte er Fürsprecher gewinnen und entwickelte mehrere verbesserte Prototypen.[3] Einer seiner Fürsprecher war der damalige Kronprinz Friedrich Wilhelm IV., dem Dreyse 1829 das Gewehr persönlich vorlegen durfte.[4] 1833 konnte er endlich mit dem Traubengewehr, so genannt wegen des Rohrabschlusses in Form einer Traube, überzeugen und sich einen Auftrag über 1100 Stück sichern. Mit diesen Gewehren wurden für eine umfassende Erprobung zwei Bataillone ausgerüstet.[5] Da das Traubengewehr als untauglich abgelehnt wurde, entwarf Dreyse 1835 das Zylindergewehr, bei dem die Zündvorrichtung in einem Zylinder, dem Schlösschen, untergebracht war.[6]

Während Patrone und Zündvorrichtung grundsätzlich fertig entwickelt waren, erwies sich die Konstruktion des Vorderladers beim Laden der Patrone als gefährlich, da es immer wieder zu ungewollten Zündungen kam. Bei einem solchen Vorfall verletzte sich Dreyse an der Hand.[7] Dreyse entwickelte 1836 aus diesem Grund einen beweglichen Verschluss – den zukunftsweisenden Kammer- bzw. Zylinderverschluss, durch den die Waffe von hinten geladen werden konnte. Sein Scharfschützengewehr benannter resultierender Entwurf war im Prinzip das spätere Serienmodell, musste aber noch einige Verbesserungsschleifen durchlaufen, um als ausgereift anerkannt zu werden.[8]
Massenproduktion und Einsatz

Nach der erfolgreichen Erprobung durch die preußische Armee erteilte 1840 Friedrich Wilhelm IV., als König von Preußen, einen Auftrag über 60.000 Gewehre. Um die Waffe in großer Menge herstellen zu können, errichtete Dreyse mit Hilfe von Staatskrediten eine Fabrik in Sömmerda. Die Produktion lief erst langsam an; die Gewehre wurden im Berliner Zeughaus eingelagert. Zur Tarnung wurde der Name „leichtes Perkussionsgewehr M/41“ gewählt. In der März-Revolution des Jahres 1848 eroberten aufständische Berliner das Zeughaus, wodurch etliche Zündnadelgewehre in ihre Hände fielen. In der Folgezeit gelangten einige Gewehre ins Ausland.[9] 1848 wurde das Zündnadelgewehr erstmals an ein preußisches Füsilierbataillon ausgegeben. Der erste Einsatz erfolgte 1849 bei der Niederschlagung der Aufstände während der deutschen Revolution erst in Dresden, dann der Pfalz und Baden sowie im Schleswig-Holsteinischen Krieg.[9][10] Damit bewies die Waffe ihre Praxisfähigkeit und Wilhelm I. ordnete ihre Einführung in der gesamten Armee an.[9] Da die Fabrik in Sömmerda die hohe Nachfrage nicht decken konnte (bis 1848 waren lediglich 45.000 Gewehre hergestellt), war Dreyse damit einverstanden, dass auch staatliche Fabriken die Zündnadelwaffen fertigten. Dies geschah erstmals 1853 in der Königlichen Preußischen Gewehrfabrique in Spandau danach auch in Danzig, Saarn und Erfurt. Die Produktion wurde unter Ausnutzung moderner Mittel wie Drehbank und Fräsmaschine im Laufe der Jahre industrieller und effizienter, was eine Steigerung der produzierten Stückzahlen erlaubte. So wurden beispielsweise in Spandau zuerst 12.000 Waffen jährlich produziert, was 1867 auf 48.000 gesteigert wurde.[11] 1855 erhielt das Gewehr offiziell die Bezeichnung Zündnadelgewehr. Im Laufe der Zeit wurden für verschiedene Anwendungen wie für die Jäger oder die Kavallerie verschiedene Varianten des Zündnadelgewehrs entwickelt.[9] Die Waffe wurde auch von verschiedenen deutschen Kleinstaaten, die sich im Einflussbereich Preußens befanden, beschafft.[12]

Das Gewehr wurde im Deutsch-Dänischen Krieg 1864 benutzt, die Bewertung blieb uneinheitlich. Das lag daran, dass in diesem Krieg nur kleinere Scharmützel auf offenem Feld geführt wurden, da sich die meisten Kampfhandlungen in Verteidigung bzw. Erstürmung von Befestigungen erstreckten.[13] Es kam auch vor, dass einige preußische Einheiten ihre Munition im Geplänkel vergeudet hatten. Dieses Problem mahnten die Kritiker des Zündnadelgewehrs immer wieder an. Bei ihrer zahlenmäßige Überlegenheit konnten die Preußen zwar diese Einheiten durch aufmunitionierte ersetzen; bei einem ebenbürtigen Gegner wäre das jedoch nicht so einfach möglich gewesen.[14]

Erst die preußischen Erfolge im Deutschen Krieg – besonders in der kriegsentscheidenden Schlacht bei Königgrätz – im Jahre 1866 gegen die Österreicher überzeugten andere Staaten von den Vorteilen der Gewehre mit Hinterladung.[15] In diesem Krieg erwarb sich das Zündnadelgewehr seinen besonderen Ruf.[16] Die Technik war jedoch nur ein Teil des Erfolges, denn der preußische Generalfeldmarschall Moltke setzte die Eigenschaften des Zündnadelgewehres in ein neues taktisches Konzept um. Statt einem Sturmangriff mit aufgepflanzten Bajonetten sollte der Angriff durch schnelles Gewehrfeuer erfolgen. Die festen, dicht gepackten Formationen wurden zugunsten einer aufgelockerten Aufstellung kleinerer Verbände aufgegeben. Dies minderte das Risiko, den eigenen Kameraden in den Rücken zu schießen.[17] Neben der üblichen Salve, bei der die Soldaten einer Einheit gleichzeitig feuerten, kam das „Schnellfeuer“ hinzu, bei dem jeder einzelne Soldat so schnell schießen musste, wie er laden konnte.[18] Die neue Taktik wurde von konservativen Militärs wie Friedrich von Wrangel als unehrenhaft kritisiert, da ein Nahkampf von Angesicht zu Angesicht so vermieden wurde.[14] Preußen investierte auch deutlich mehr in die Schießausbildung jedes Soldaten. Die Schützen lernten dabei mit dem Visier umzugehen, um die wenig rasante Flugbahn der Geschosse (eine negative Eigenschaft des Zündnadelgewehrs) zu kompensieren.[19] Die Österreicher konnten sich auf das Zündnadelgewehr und die Taktik der Preußen nicht einstellen. Letztendlich waren nicht nur die Bewaffnung, sondern auch die ausbildungstechnische, organisatorische und taktische Unterlegenheit der Österreicher für den Ausgang des Krieges entscheidend.[20]

In Frankreich, Italien und Russland und anderen Staaten wurde das Zündnadelprinzip geprüft und durch eigenständige Lösungen verbessert.[21] Die Preußen versuchten, die Mängel ihrer technisch in die Jahre gekommenen Waffe zu mindern, um die Zeit zur geplanten nächsten Generation der Gewehre zu überbrücken.[22] Ab 1869 wurde eine Aptierung nach dem Vorschlag des Werkmeisters Johannes Beck der Königlichen Preußischen Gewehrfabrik in Spandau gestartet, um die mangelhafte Gasdichtigkeit in den Griff zu bekommen (siehe Aptierung nach Beck).[23] Zu dem Umbau gehörte eine geänderte Papierpatrone. Zu Beginn des Deutsch-Französischen Krieges im Jahre 1870 waren jedoch nur wenige Einheiten mit den geänderten Zündnadelgewehren ausgerüstet. Wegen einheitlicher Munitionsausrüstung mit der alten Munition mussten diese Einheiten die umgerüsteten Waffen aber wieder umtauschen.[24] Im Kriegsverlauf erwies sich das Zündnadelgewehr dem über 20 Jahre später konstruierten französischen Chassepotgewehr, ebenfalls ein Gewehr mit Zündnadelzündung, unterlegen. Das Chassepotgewehr hatte eine größere Reichweite als das preußische Zündnadelgewehr. Damit konnten die Franzosen den deutschen Truppen schon auf große Entfernung hohe Verluste zufügen. Die Deutschen waren gezwungen, sich unter Feuer den französischen Linien zu nähern, bis der Reichweitenunterschied ausgeglichen war. Dadurch wuchs die Bedeutung der deutschen Artillerie, die der französischen überlegen war, in der Angriffsvorbereitung für die Infanterie.[25]

Nach dem Krieg wurde die Aptierung wieder aufgenommen und die Zündnadelgewehre blieben bis 1876 im Dienst, ehe das Gewehr M/71, ein Hinterlader mit Metalleinheitspatrone, an die gesamte Truppe ausgegeben war.[26] Der Zylinderverschluss des Zündnadelgewehres wurde weiterentwickelt und blieb auf Jahrzehnte, bis zum Aufkommen der Selbstladegewehre, das vorherrschende Verschlusssystem.[27]

Weiteres dazu im Link:

https://de.wikipedia.org/wiki/Dreyse-Z%C3%BCndnadelgewehr
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