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Die Attraktivitätsforschung

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Die Attraktivitätsforschung

Beitrag  checker am Fr Apr 14, 2017 12:47 am

Die Attraktivitätsforschung beschäftigt sich mit der Erforschung der Attraktivität des Menschen, speziell hinsichtlich seiner körperlichen Gegebenheiten, seiner Wesenseigenschaften, seiner sozialen Stellung, seines beruflichen Erfolgs, seines materiellen Wohlstands, seiner Persönlichkeitsausstrahlung. Sie ist keinem bestimmten Fachgebiet zuzuordnen, sondern wird in einer Vielzahl von Wissenschaftsdisziplinen betrieben, wie der Psychologie, den Neurowissenschaften, der Verhaltensforschung oder auch den Wirtschaftswissenschaften.


Dante Gabriel Rossetti, The Beloved (1866)
Symmetrie, kindliche Gesichtszüge und makellose Haut werden universell als attraktiv wahrgenommen

Entwicklung der Attraktivitätsforschung
Geschichte

Die wissenschaftlich-philosophische Auseinandersetzung mit dem Ideal der Schönheit und dem Phänomen seiner Anziehungskraft auf andere Menschen reicht im europäischen Kulturkreis bis in die griechische Antike zurück. Sie begegnet später wieder in den Publikationen Plotins, in der hochmittelalterlichen Epik und in den ästhetischen Schriften von Friedrich Schiller, etwa in dem Essay Anmut und Würde von 1793. Auch Dichter wie Friedrich Hölderlin oder Johann Wolfgang von Goethe in seinem Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795/96) haben sich damit intensiv auseinandergesetzt.

Die Fragestellung beschäftigte bereits den altgriechischen Philosophen Sokrates, unter dessen Initiative und mäeutischer Gesprächsführung Zirkel aus bedeutenden Athener Bürgern, Gelehrten und Staatslenkern wie Alkibiades, sich in intensiven Gesprächsrunden systematisch damit auseinandersetzten, welche Rolle der Schönheit im Zusammenhang mit dem Eros zukommen könnte. Die Inhalte und Methoden des damaligen wissenschaftlichen Vorgehens sind uns in Dialogform durch seinen Schüler Platon, etwa im Symposion, dem „Gastmahl“, eindrucksvoll überliefert. Die Vorstellung einer Verbindung von körperlicher und geistiger Schönheit als Wesensmerkmal des edlen Menschen fand ihren begrifflichen Niederschlag in dem Wort Kalokagathia. In dem Begriff Kalokagathia (= "Schönheit und Gutheit" - kalós kai agathós) manifestierte sich die Überzeugung, dass innere und äußere Schönheit ein (zumindest erstrebenswertes Ideal) seien und dass sie die eigentliche Anziehungskraft des Eros bewirkten.[1] Antike Bildhauer wie Myron setzten das Ideal in Kunstwerke um und stellten dem anmutigen Jüngling Bildwerke eines vom Pankration, dem äußerst brutalen „Allkampf“, zerschlagenen Athletengesichts gegenüber.[2]

Eine enger körperbezogene Erforschung der menschlichen Schönheit nahm ihren Anfang in den späten 1960er Jahren. Zunächst waren daran vor allem US-amerikanische Sozialwissenschaftler beteiligt, die sich hauptsächlich für die Auswirkung von körperlicher Attraktivität auf die verschiedensten Arten der zwischenmenschlichen Beziehungen interessierten, etwa auf die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen. Während die ersten Attraktivitätsforscher noch davon ausgingen, dass Schönheit „im Auge des Betrachters“ liege, brachten die in den 1980er Jahren durchgeführten Untersuchungen zur Urteilerübereinstimmung die Erkenntnis, dass sich unterschiedliche Menschen in ihrem Schönheitsurteil durchaus ähneln. Damit rückte nun verstärkt die Frage ins Blickfeld, welche Merkmale attraktive Gesichter bzw. Körper auszeichnen. Seit Mitte der 1980er Jahre spielen in der Attraktivitätsforschung zunehmend evolutionspsychologische Ansätze eine Rolle, die nach dem biologischen „Sinn“ von Attraktivität fragen. Bis heute ist die Evolutionspsychologie das vorherrschende (wenn auch nicht unangefochtene) theoretische Paradigma der Attraktivitätsforschung geblieben.
Aktuelle Entwicklungen

Mit der Einführung moderner bildgebender Verfahren in die Hirnforschung halten seit Mitte der 1990er Jahre die Neurowissenschaften Einzug in die Attraktivitätsforschung. Mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie werden die am Attraktivitätsurteil beteiligten Hirnstrukturen und die zugrundeliegenden neuronalen Prozesse erforscht. Die Suche nach den physiologischen Grundlagen des ästhetischen Empfindens geht dabei zum Teil über die menschliche Schönheit hinaus und bezieht – unter der Flagge der „Neuroesthetics“ – alle Arten von ästhetischen Objekten und Erfahrungen wie etwa Kunstwerke oder Musik mit ein. Auch die Wirtschaftswissenschaften beteiligen sich neuerdings an der Erforschung der menschlichen Attraktivität. Mit Hilfe spieltheoretischer Ansätze gehen sie der Frage nach, wie soziale Austauschbeziehungen durch das Aussehen beeinflusst werden. Seit einigen Jahren erweitert sich insbesondere innerhalb der evolutionspsychologisch geprägten Attraktivitätsforschung das Konzept von „Attraktivität“ zusehends. Neben der visuellen Attraktivität von Gesicht und Körper sind nun auch der Körpergeruch, die Stimme oder auch Bewegungen zum Gegenstand der Forschung geworden. Dabei tritt zunehmend die Frage nach der Natur und Herkunft von interindividuellen Unterschieden in der Attraktivitätswahrnehmung in den Vordergrund. (Warum etwa können sich die einen Menschen gegenseitig „riechen“, die anderen nicht?)
Fragestellungen

Die Attraktivitätsforschung beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit folgenden Fragen:

Inwieweit stimmen Menschen in ihrem Schönheitsurteil überein?
Welche Merkmale des Gesichtes bzw. Körpers werden als attraktiv empfunden?
Wie wirkt sich die Attraktivität eines Menschen im sozialen Kontext aus?
Welche Rolle spielt Attraktivität bei der Partnerwahl?
Welchen biologischen „Sinn“ hat Schönheit?

Bewertung von Schönheit

Der Frage nach der Urteilerübereinstimmung bei der Attraktivitätsbewertung von Gesichtern haben sich vor allem deutschsprachige Attraktivitätsforscher (z. B. Ronald Henss) ausgiebig angenommen. Demnach ist unser Attraktivitätsurteil ungefähr zur Hälfte subjektiv, die andere Hälfte haben wir mit anderen Menschen gemeinsam.[3] Dieser (relative) Konsens scheint kulturübergreifend zu sein, sofern die jeweiligen Beurteiler mit den in Frage stehenden Ethnien vertraut sind. Ein weißer Europäer stimmt beispielsweise bei der Bewertung eines japanischen Gesichtes weitgehend mit japanischen Bewertern überein – unter der Voraussetzung, dass er bereits „Erfahrung“ mit japanischen Gesichtern gemacht hat (also z. B. Japaner in seinem Bekanntenkreis hat). Männer und Frauen weisen in ihren Schönheitsurteilen zwar gewisse Unterschiede auf (Frauen beispielsweise sind mit guten Noten etwas zurückhaltender als Männer, insbesondere, wenn es um Männergesichter geht), im großen Ganzen stimmen beide Geschlechter aber recht gut überein (genauso wie das auch unterschiedliche Altersgruppen oder auch soziale Schichten tun).
Welche Merkmale werden als attraktiv empfunden?

Eines der für den Laien verblüffendsten Attraktivitätsmerkmale heißt Durchschnittlichkeit: Wenn mehrere Gesichter fotografisch oder computertechnisch (durch sog. „Morphing“) übereinandergelagert werden, so ist das resultierende Durchschnittsgesicht attraktiver als die Mehrzahl der Einzelgesichter, aus denen es hervorgegangen ist.
Die Ähnlichkeit zwischen der beurteilenden Person und der beurteilten Person hat einen Einfluss auf die Einschätzung der Attraktivität. So mussten in einer wissenschaftlichen Studie junge Männer erotische Frauenbilder betrachten, während gleichzeitig der Lidschlussreflex als implizites Einstellungsmaß aufgezeichnet wurde. Die Gesichter der Frauen wurden teilweise mittels Morphing an die der Versuchsteilnehmer angeglichen. Es zeigte sich, dass unter Normalbedingungen die ähnlichen Frauen als attraktiver eingeschätzt wurden. Wenn die Versuchspersonen jedoch unter Stress gesetzt wurden, kehrte sich der Effekt um und unähnliche Frauen wurden bevorzugt.[4][5]
Als einer der stärksten Attraktivitätsfaktoren ist die Makellosigkeit der Haut experimentell gut abgesichert – je glatter die Haut, desto attraktiver wird das entsprechende Gesicht beurteilt.
Die Frage, ob ein Gesicht durch Symmetrie attraktiver wird, ist zwar ausführlich beforscht, die Ergebnisse sind jedoch nicht ganz eindeutig. In einigen Studien werden symmetrische Gesichter als attraktiver wahrgenommen, in anderen dagegen schneiden perfekt symmetrische Gesichter nicht besser – vereinzelt sogar schlechter – ab als weniger symmetrische. Konsens besteht allerdings darin, dass höhergradige Asymmetrien der Schönheit eines Gesichtes abträglich sind.
Attraktive weibliche Gesichter weisen Merkmale und Proportionen auf, die auch die Gesichter von Kindern auszeichnen: große Augen, eine hohe Stirn, eine niedrige Kieferpartie. Ob die Attraktivität dieser Merkmale mit ihrer wahrgenommenen Kindlichkeit (sog. „Neotenie-Hypothese“) zusammenhängt oder ob sich in ihr die besondere Geschlechtstypizität des Gesichtes widerspiegelt (also der Gegensatz zum männlichen Gesicht, das sich durch einen kräftigen Kiefer, eine flache Stirn und kleiner wirkende Augen auszeichnet), ist unter Forschern umstritten.
Sog. „Reifezeichen“ (M. Cunningham) in Form von hohen, betonten Wangenknochen und schmalen Wangen machen Frauen- und z. T. auch Männergesichter attraktiver.
Beim weiblichen Gesicht wirken volle Lippen attraktiv – möglicherweise, weil sie auf einen hohen Spiegel an weiblichen Geschlechtshormonen hinweisen (die Lippen werden in der Pubertät unter dem Einfluss von Östrogen voller).
Die Faktoren, die ein Männergesicht attraktiv machen, sind weniger eindeutig zu definieren. Die „Männlichkeit“ eines Gesichtes (die sich in einem kräftigen, kantigen Kinn, hervorstehenden Wangenknochen und schmalen Wangen äußert) führt nicht in allen Experimenten zu höheren Attraktivitätswerten – möglicherweise, weil allzu viel Männlichkeit auch mit negativen Charaktereigenschaften wie Machismo, Aggressivität und Untreue assoziiert wird.

Für die Figur werden folgende Attraktivitätskriterien diskutiert:

Einer der wichtigsten (und kulturübergreifenden) Attraktivitätsfaktoren beim Mann ist die Körpergröße. Die Körpergröße einer Frau dagegen ist für ihre Attraktivität unerheblich.
Das ideale Körpergewicht und die ideale Figur schwanken von Epoche zu Epoche und Kultur zu Kultur recht stark. Die heutige Bevorzugung sehr schlanker Frauenkörper ist im historischen und ethnographischen Vergleich eher die Ausnahme.
In den 1990er Jahren wurde die „Waist-to-Hip-ratio“, also das Verhältnis von Taillen- zu Hüftumfang von dem US-amerikanischen Evolutionspsychologen Devendra Singh als Attraktivitätsmaß in die Diskussion eingeführt. Ein Verhältnis von 0,7 galt demnach als optimal. Die Universalität dieser „Konstanten“ wird jedoch von neueren Untersuchungen zunehmend in Frage gestellt. Zudem steht außer Frage, dass die Körperfülle (gemessen durch den Body-Mass-Index BMI) eine sehr viel wichtigere Rolle spielt als das Taille-Hüft-Verhältnis (Zusammenfassung: Swami & Furnham, 2008).

Sämtliche Schönheitsideale sind dem Wandel von Geschmack und Mode unterworfen – die den Körper betreffenden Schönheitsnormen offenbar noch stärker als diejenigen, die sich auf das Gesicht beziehen. Das heißt jedoch nicht, wie oft behauptet, dass Schönheitsideale völlig beliebig wären – wie der Blick auf herausragende Schönheiten unterschiedlicher Epochen, wie etwa Nofretete oder Michelangelos David, zeigt.
Wie wirkt sich Attraktivität im sozialen Kontext aus?

Attraktiven Menschen werden in weitaus höherem Maß positive Eigenschaften wie zum Beispiel Gesundheit, Intelligenz oder gute Charaktereigenschaften zugeschrieben als weniger attraktiven. Offenbar neigen Menschen dazu, ästhetische („schön“) mit ethischen Kategorien („gut“) zu vermischen. Dieses sog. Attraktivitätsstereotyp führt dazu, dass schöne Menschen in praktisch allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens positiver behandelt werden. Hübsche Kinder etwa bekommen in der Schule bessere Noten. Attraktive Erwachsene können vor Gericht mit milderen Strafen rechnen, treffen in Notlagen auf mehr Hilfsbereitschaft, und erhalten – wenn man das Attraktivste mit dem am wenigsten attraktiven Drittel der Arbeitnehmer vergleicht - um ca. 10 Prozent höhere Gehälter. Auch ein Zusammenhang zwischen physischer Attraktivität und Wahlerfolg wird mittlerweile empirisch erforscht. So gut die Wirkung des Attraktivitätsstereotyps dokumentiert ist, so wenig sind die Gründe erforscht, die zu der Gleichsetzung des Schönen mit dem Guten führen. Eine entsprechende Sozialisation – wie sie von vielen Sozialwissenschaftlern als Erklärung angeführt wird – ist eher unwahrscheinlich, da sich das Attraktivitätsstereotyp bereits im Alter von sechs Monaten nachweisen lässt. Auch die Tatsache, dass sich die Vermengung des Schönen mit dem Guten in allen Kulturen, Sprachen und Mythen nachweisen lässt, spricht gegen eine rein kulturelle Tradierung des Attraktivitätsstereotyps im Sinne von Sozialisation. Die Suche nach den biologischen Wurzeln steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.
Attraktivität und Partnerwahl

Bei beiden Geschlechtern gehören soziale wie körperliche Attraktivität zu den wichtigsten Partnerwahlkriterien. In der Präferenz unterscheidet Männer und Frauen die graduelle Rangfolge der Merkmale der Attraktivität:

Frauen sind eher bereit, beim Faktor visueller Attraktivität zugunsten anderer Qualitäten, insbesondere sozialen Status und Charaktereigenschaften, Abstriche zu machen.

Männer dagegen lassen sich bei ihrer Partnerwahl in viel stärkerem Maße von visuellen Kriterien leiten.

Dieses Muster scheint sich im Zuge der stärkeren ökonomischen Gleichstellung der Frau zwar zu relativieren, ist auf dem aktuellen Partnermarkt jedoch noch weitgehend gültig. Ältere Studien kamen zu dem Schluss, dass Verbindungen zwischen Partnern mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen es in aller Regel die Frau ist, die ihrem Partner in Sachen Herkunft und Bildung unterlegen ist – dafür könne sie aber ihre höhere Attraktivität in die Waagschale werfen. Wenn allerdings die Bildung der Frauen und Männer gemittelt einander entsprechen, kann dies logisch gesehen keine Rolle mehr spielen. In Zeiten also, in denen die meisten Ärzte Männer waren, heirateten diese häufig attraktive Krankenschwestern, während heute Ärzte eher andere Akademikerinnen heiraten.[6]

Bei den heutzutage häufigeren Partnerschaften zwischen Partnern ähnlicher Herkunft und Bildung ähneln sich die Partner dagegen auch in ihrer Attraktivität: Schöne Menschen haben schöne Partner, weniger schöne Menschen dagegen auch weniger schöne Partner. Die Mechanismen, die zu dieser attraktivitätsmäßigen Schichtung des Partnermarktes führen, werden derzeit anhand des sog. Speed-Dating intensiv erforscht.
Welchen biologischen „Sinn“ hat Schönheit?

Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl sind nach der „Gute-Gene-Hypothese“ die Gesundheit und die Fruchtbarkeit. Eine hohe Fruchtbarkeit zu erkennen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Sexualakt überhaupt Nachkommen hervorbringt, eine gute Gesundheit spricht dafür, dass der Partner keine oder weniger schädliche Mutationen aufweist, die diese beeinträchtigen, und zudem auch kräftig genug ist, um mit Parasiten und Viren etc. fertigzuwerden. Im Gegenzug zur Erkennung von hoher Qualität bewirkt dieser Vorgang im Wege der sexuellen Selektion auch, dass die Darstellung einer eigenen hohen Qualität wichtig wird: Umso leichter es einem potentiellen Partner gemacht wird, die eigene hohe Qualität zu erkennen, umso eher wird er einen als Partner auswählen.

Diese Hypothese kann sich auf verhaltensbiologische Erkenntnisse aus dem Tierreich stützen: In vielen Arten haben die am reichsten ornamentierten Individuen nicht nur eine höhere phänotypische Qualität, sondern auch eine reichlichere und gesündere Nachkommenschaft. In diesem Zusammenhang wird insbesondere der Symmetrie des Körperbaus eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Sie wird von vielen Forschern als Zeichen von sog. „Entwicklungsstabilität“ und damit als Hinweis auf eine gute genetische Ausstattung aufgefasst. Das klassische Beispiel eines durch sexuelle Selektion entstandenen Merkmals ist der Pfauenschwanz, der durch seine Komplexität deutlich macht, dass der Träger keine schädlichen Mutationen hat (die sich mit gewisser Wahrscheinlichkeit auf das komplexe Muster auswirken würden), und dass er gesund ist, da er ansonsten die Lasten des aufwändigen Schwanzes nicht tragen könnte und dieser bei Krankheit ungepflegt und verzaust wäre. Es spricht vieles dafür, dass auch die menschliche Schönheit als Indikator für biologische oder psychologische Qualitäten fungiert. Es lassen sich gewisse Zusammenhänge zwischen Attraktivität und anderen „Qualitäten“ feststellen – insbesondere im Bereich sozialer Fähigkeiten schneiden attraktive Menschen nach einer umfangreichen Meta-Analyse der bestehenden Literatur aus dem Jahr 2000 besser ab.[7] Auch bei Menschen wird Symmetrie hoch geschätzt und Frauen haben mit den Brüsten auch körperliche Anzeichen, die auf eine sexuelle Selektion hindeuten: Brüste sind paarig angelegt und damit ein guter Indikator für eine gleichmäßige Ausbildung, symmetrische Brüste gelten als attraktiv, sie sind zudem über die Festigkeit etc. ein Zeichen von Jugend, was gerade bei Lebewesen mit langer Paarbindung und langer ressourcenintensiver Aufzuchtszeit ein wichtiges Merkmal ist.

Eine evolutionsbiologische Begründung anhand sexueller Selektion würde auch erklären, warum Attraktivität durch kulturelle Mittel wie Schminke etc. zu steigern ist. Denn ein durch sexuelle Selektion entstandenes Merkmal steht in einem Konflikt mit anderen Körperformen aufgrund natürlicher Selektion.

Die Attraktivität eines Pfauenschwanzes wäre in einer Konkurrenz unter den Männern beispielsweise durch eine weitere Vergrößerung und eine noch höhere Komplexität steigerbar. Irgendwann wird aber das Gewicht der Federn so groß, dass der dadurch entstandene Nachteil die Vorteile höherer Attraktivität übersteigt, so dass theoretisch ein schöner Schwanz möglich wäre, dieser sich aber nicht entwickeln kann. Im gleichen Maße mag die optische Verlängerung der Beine durch Schuhe mit Absätzen deswegen möglich sein, weil längere Beine zwar schöner wären, aber andere Nachteile, etwa beim Laufen etc., hätten.

Siehe auch

Lookism

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