Suchen
 
 

Ergebnisse in:
 


Rechercher Fortgeschrittene Suche

Die neuesten Themen
» Der Volksgarten
Heute um 1:05 pm von Andy

» Die Imperial Continental Gas Association (ICGA)
Heute um 12:54 pm von Andy

» Die Beletage
Heute um 12:42 pm von Andy

» Die Karyatide
Heute um 12:33 pm von Andy

» Christian Griepenkerl
Heute um 12:23 pm von Andy

» Das Oldenburger Schloss
Heute um 12:14 pm von Andy

» Charlotte Bühler
Heute um 12:01 pm von Andy

» *** Ädikula ***
Heute um 11:51 am von Andy

» *** Hygieia ***
Heute um 11:42 am von Andy

Navigation
 Portal
 Index
 Mitglieder
 Profil
 FAQ
 Suchen
Partner
free forum
November 2017
MoDiMiDoFrSaSo
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930   

Kalender Kalender


Das egoistische Gen

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Das egoistische Gen

Beitrag  Andy am So Apr 16, 2017 12:48 am

Das egoistische Gen (englischer Originaltitel: The Selfish Gene) ist ein 1976 erschienenes populärwissenschaftliches Buch über Evolutionsbiologie von Richard Dawkins, einem britischen Biologen. Für seine in diesem Werk dargestellte neuartige Sicht der Gene als Objekte der Selektion wird die gleiche Bezeichnung verwendet. Bei dieser Formulierung handelt es sich um einen Versuch der Veranschaulichung der Denkweise der Soziobiologie.

Herleitung

Dawkins geht von der Überlegung aus, dass in der Evolutionsforschung eine Zeit lang Arten als Einheit der Selektion angesehen wurden (Arterhaltung). So heißt es in älteren Dokumentationen oft: Tiere „opfern sich zum Wohl der Art“. Inzwischen geht die allgemeine Tendenz jedoch eher in die Richtung, einzelne Individuen und ihre Konkurrenz um Ressourcen in den Vordergrund zu stellen. Dawkins denkt diesen Ansatz radikal weiter: Warum sollten nicht die Genabschnitte einzelner Chromosomen selbst mit den gleichen Genabschnitten anderer Chromosomen miteinander „im Wettstreit stehen“? Denn zumindest Lebewesen, die sich sexuell vermehren, können ja nicht als ganze Individuen in die nächste Generation weitergegeben werden, sondern nur eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl ihrer Gene. Insofern besteht eine Konkurrenz der Gene um ihre Verteilung in der nächsten Generation, an den jeweils entsprechenden Stellen im Chromosomensatz.

Besonders allele Gene stehen in direkter Konkurrenz, also solche, die an der gleichen Stelle im Genom sitzen können und die gleiche Aufgabe erfüllen, sich aber darin voneinander unterscheiden können, wie sie diese Aufgabe erfüllen. Gene müssen deshalb immer „egoistisch“ sein, das heißt in diesem Zusammenhang ihre Verbreitung auf Kosten von anderen Genen vergrößern (wobei der „Egoismus“ der Gene sich freilich nur als anschauliches Bild versteht – Gene haben weder Gefühle noch Absichten). Es lässt sich nur auf die Vergangenheit schauend erklären: Ist ein Allel heute noch vorhanden, folgt daraus, dass es sich egoistisch (hier im Sinne von darwinistisch evolutionär) gegen andere durchgesetzt hat. Andere Allele, mögen sie noch so funktionell für ihre Träger gewesen sein, sind unterlegen und verschwunden – entweder aufgrund ihrer eigenen evolutionären Unterlegenheit oder jener der sie begleitenden Allele.
Entwicklung des Lebens

Dawkins führt die gesamte Entwicklung des Lebens auf die Selektion von Genen zurück, die jeweils die meisten Kopien von sich anfertigen konnten. Im Laufe der Evolution hätten sich diese immer raffiniertere „Überlebensmaschinen“ in Form von pflanzlichen oder tierischen (auch menschlichen) Körpern geschaffen. Dabei können Gene, die keine Allele sind und deshalb auch nicht in direkter Konkurrenz stehen, durchaus auch kooperieren. Erst dadurch werden die komplexen Wechselwirkungen in heutigen Lebewesen überhaupt möglich.
Verwandtenselektion

Dawkins zufolge lässt sich auch eindeutig altruistisches (selbstloses) Verhalten von Individuen durch den Egoismus der Gene erklären (→ Verwandtenselektion). Hilfe unter Verwandten ist ein selbstloser Akt, denn das einzelne Individuum hat dadurch meist keinerlei Vorteile. Für das Gen, welches die Veranlagung zur Verwandtenhilfe festlegt, kann es jedoch unter bestimmten Bedingungen durchaus günstig sein, das andere Individuum zu retten. Denn unter den engsten Verwandten (Eltern, Kindern, Geschwistern) beträgt die Chance, dass der andere das gleiche Gen trägt, 50 Prozent. Wenn also die Gefahr oder der Schaden für den Helfer weniger als halb so groß ist wie der Gewinn für den Empfänger, wird sich auf diese Weise das Gen stärker verbreiten. Denn im Mittel werden dann über die Generationen mehr Kopien des Gens erhalten.

Am einfachsten nachzuvollziehen ist das vielleicht am Extrembeispiel, wenn jemand sein Leben für das von Verwandten opfert: Wenn jemand stirbt, aber zwei seiner Geschwister dafür überleben, macht das für dessen Gene keinen Unterschied; rettet er drei seiner Geschwister, ist das für dessen Gene im Durchschnitt ein Gewinn. John Burdon Sanderson Haldane drückte dies als Witz aus: Würde ich mein Leben opfern, um das Leben meines Bruders zu retten? Nein, aber ich würde, um zwei Brüder oder acht Vettern zu retten. Mit einem Vetter hat man nur 12,5 Prozent der Gene gemein.
Meme

Als Entsprechung zu seiner Sicht des Gens führt Dawkins in seinem Buch auch die Idee des Mems ein: eine Art Gedankenbaustein, der weitestgehend unverändert weitergegeben werden kann, aber auch ähnlich wie Gene mutieren kann und durch die „Eingängigkeit“, seine Speicherfähigkeit im Gehirn, unter Selektion steht. Dazu zählt Dawkins Ideen, Melodien, Theorien und Phrasen, sowie auch wissenschaftliche Theorien. Im Grunde genommen kann jegliches Gedankengut demnach in Meme zerlegt werden.

Angelehnt an die Tatsache, dass Gene über Chromosomen weitergegeben werden und es so zu Kopplungen kommen kann, gibt es, laut Dawkins, auch Meme, die gemeinsam weitergegeben werden. Beispiele für diese so genannten „Memplexe“ wären Religionen und politische Einstellungen.
Weiteres

Im Oktober 2006 wählte die Royal Institution of Great Britain das „beste populäre Wissenschaftsbuch aller Zeiten“ und „The Selfish Gene - Das egoistische Gen“ kam auf die engere Auswahlliste.[1]

Im April 2016 stellte The Guardian eine Liste mit den 100 besten Sachbüchern auf. The Selfish Gene – Das egoistische Gen – wurde auf Platz 10. gesetzt.[2]

Ausgaben

The Selfish Gene. Oxford University Press 1976
The Selfish Gene. Oxford University Press 1989 (überarbeitete und erweiterte Auflage mit zwei neuen Kapiteln sowie Nachbemerkungen zu den elf ursprünglichen Kapiteln)
The Selfish Gene. Oxford Paperback 1989 ISBN 0-19-286092-5 (Paperback-Ausgabe)
Das egoistische Gen. Springer, Berlin, Heidelberg, New York 1978, ISBN 9783540086499.
Das egoistische Gen. Spektrum Akademischer Verlag 1994 ISBN 3-86025-213-5 (Ausgabe der zweiten Auflage mit einem Vorwort von Wolfgang Wickler)
Das egoistische Gen. Rowohlt Taschenbuch Verlag 1996 (rororo science) ISBN 3-499-19609-3 (Taschenbuchausgabe der zweiten Auflage)
The Selfish Gene. Oxford University Press 2006 ISBN 0-19-929114-4 (30th Anniversary Edition mit einem weiteren Vorwort von Dawkins und der Original-Umschlagsgestaltung von 1976)
Das egoistische Gen. Jubiläumsausgabe Spektrum Akademischer Verlag 2006 ISBN 3-8274-1839-9 (Taschenbuchausgabe der zweiten Auflage mit einem Vorwort von Richard Dawkins und Wolfgang Wickler.)

Siehe auch

Zu Ablehnung der genzentrischen Betrachtung von Dawkins:

Erweiterte Synthese (Evolutionstheorie)
Multilevel-Selektion


Quelle
avatar
Andy
Admin

Anzahl der Beiträge : 22379
Anmeldedatum : 03.04.11

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten