Suchen
 
 

Ergebnisse in:
 


Rechercher Fortgeschrittene Suche

Die neuesten Themen
» Die Ernährungssicherung
Gestern um 10:20 pm von Andy

» Das Jahr ohne Sommer oder „Eighteen hundred and frozen to death“
Gestern um 10:07 pm von Andy

» Die Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum
Gestern um 9:53 pm von Andy

» Otto Appel
Gestern um 9:48 pm von Andy

» Der Pflanzenschutz
Gestern um 9:43 pm von Andy

» Die Bonitur
Gestern um 9:37 pm von Andy

» Mathematisches Modell
Gestern um 9:30 pm von Andy

» Die drei Keplerschen Gesetze
Gestern um 9:26 pm von Andy

» LED warnt "Smombies"
Gestern um 9:16 pm von Andy

Navigation
 Portal
 Index
 Mitglieder
 Profil
 FAQ
 Suchen
Partner
free forum
April 2017
MoDiMiDoFrSaSo
     12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Kalender Kalender


Die Phytomedizin

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Die Phytomedizin

Beitrag  checker am Do Apr 20, 2017 9:38 pm

Die Phytomedizin ist die Wissenschaft von den Krankheiten und Beschädigungen der Pflanzen, ihren Ursachen, Erscheinungsformen, ihrem Verlauf, ihrer Verbreitung sowie von den Maßnahmen und Mitteln zur Gesunderhaltung der Pflanzen und der Regulierung der Schadursachen. Die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft ist die deutsche Verbandsorganisation der Phytomediziner.[1][2]

Begriffsgeschichte

Der Begriff der „Phytomedizin“ geht auf die Mitglieder des „Verbandes Deutscher Pflanzenärzte“ (1928–1939), im Besonderen auf Otto Appel zurück. Der als „Organisator des deutschen Pflanzenschutzes“ bezeichnete Otto Appel suchte bereits frühzeitig das als „Phyto-Medizin“ bzw. „Pflanzen-Medizin“ [3] terminologisch zusammenzufassen. So forderte er, dass die ausbildenden Fachleute „entsprechend den Human- und Veterinärmedizinern, die Phyto-Medizin“ vertreten müssen.

„Ebenso wie man zum kranken Menschen und zum kranken Tiere den Arzt ruft“, beschrieb O. Appel 1923 seine Auffassung, „muss es in Zukunft möglich werden, auch beim Auftreten von Pflanzenkrankheiten den Pflanzenarzt zu Rate zu ziehen, der in der Lage ist, die vorliegende Krankheit richtig zu beurteilen und der, soweit es sich um die wichtigsten und häufigsten Krankheiten handelt, auch die Anordnungen zu treffen vermag, die eine Heilung oder weitere Ausbreitung verhindern. Er muss … auch vorbeugend wirken, etwa so, wie es in der menschlichen Medizin durch Maßnahmen der Hygiene erfolgt“.[3]

Davon ausgehend hat er dieses Konzept der Phytomedizin während seiner langjährigen Tätigkeit als Direktor der ab 1919 so bezeichneten „Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft“ zur klassischen Entfaltung gebracht und damit selbst aktiv Wissenschafts- und Institutionengeschichte gestaltet [4]. Der Begriff „Phytomedizin“ wird erkenntnistheoretisch als Einheit von Phytopathologie und Pflanzenschutz bzw. der diese konstituierenden Teildisziplinen gedacht.[5] Als deren „vereinende Wissenschaft“.[6] trägt die Phytomedizin in wissenschaftstheoretischer Hinsicht in vergleichbarer Weise wie die Termini „Humanmedizin“ und „Veterinärmedizin“ dem Spezifikum einer angewandten Wissenschaft Rechnung. Das Spezifikum besteht in der untrennbaren Einheit von Forschungsergebnis und Praxis. Die Prägung des Begriffes „Phytomedizin“ war eine Folge der „Ausdifferenzierung“ [7] des „Fachgebietes Phytopathologie und Pflanzenschutz“ [8], d. h. der Aufspaltung in viele Teildisziplinen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Im Ergebnis dessen verlor das Moment der für angewandte Wissenschaften notwendigen spezifischen Einheit von Theorie und Praxis zunächst immer mehr an Bedeutung. Diese Entwicklung ließ die „Forderung nach Zusammenfassung und Neuordnung unter einem wissenschaftlichen Leitgedanken laut werden“.[8] Der Forderung kamen Wissenschaftler der Biologischen Reichsanstalt nach, wie z. B. 1919 der Entomologe und Begründer des Vorratsschutzes Fr. Zacher, 1923 O. Appel und 1937 der Phytopathologe H. Braun. Das historische Verdienst der Genannten besteht darin, die wissenschaftstheoretische Notwendigkeit der Zusammenführung der differenzierten Gebiete „Phytopathologie“ und „Pflanzenschutz“ als eine unabdingbare Grundlage für die weitere Entwicklung ihres Fachgebietes begriffen und zu deren Lösung beigetragen zu haben. Die Prägung des Begriffs „Phytomedizin“ war deshalb Ausdruck eines inzwischen erreichten hohen Reifegrades der Phytopathologie. Die Diskussion um das interdisziplinäre Fachgebiet Phytomedizin ist bis heute in ständigem Fluss.[9][10] Die berufsständische Vertretung der vormals als „Pflanzenärzte“ und derzeit als „Phytomediziner“ bezeichneten Wissenschaftler übernimmt seit etwa 60 Jahren die Deutsche Phytomedizinische Gesellschaft e.V.
Kernkompetenzen der Phytomedizin

Zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen tragen ihren Anteil zur Phytomedizin bei. Wesentliche Grundlagenfächer sind Fächer wie die Botanik, Zoologie, Mikrobiologie, Ökologie und Bodenkunde, deren Lehrinhalt in die Phytomedizin eingehen. Um sie herum gruppieren sich agrarwissenschaftliche Disziplinen, die im Rahmen phytomedizinischer Arbeit besonderes Gewicht erlangt haben und für die vonseiten der Phytomedizin vielfältige eigene Beiträge geleistet werden. An speziellen Schaderregergruppen orientierte Fachgebiete ergänzen das Spektrum der Kernkompetenzen der Phytomedizin, so z. B. die Landwirtschaftliche Entomologie (befasst sich mit tierischen Schaderregern, insbesondere Insekten und Spinnen sowie deren Gegenspielern, von denen einige auch im biologischen Pflanzenschutz eine Rolle spielen), die Landwirtschaftliche Mykologie (pilzliche Schaderreger als Ursache von Pflanzenkrankheiten), die Landwirtschaftliche Bakteriologie (bakterielle Schaderregern), die Landwirtschaftliche Virologie (Viren als Schaderregern an Pflanzen), die Landwirtschaftliche Nematologie (Fadenwürmer als Schaderreger), die Landwirtschaftliche Malakologie (Schnecken als Schaderrerger), die Landwirtschaftliche Wirbeltierkunde (Nagetiere als Schaderreger) oder die Landwirtschaftliche Herbologie (Unkräutern (Ackerwildpflanzen) als Konkurrenten der Kulturpflanzen).

Die ätiologische, ursachenorientierte Arbeit führte einerseits zu einem starken Anwachsen unserer Kenntnisse über die vielfältigen Schadursachen, andererseits blieben zum Teil selbst einfache Beziehungen zur Schadensentwicklung unter Produktionsbedingungen ungeklärt. Heutzutage werden vermehrt größere Zusammenhänge untersucht. Fachgebiete sind dabei für die Phytomedizin besonders wichtig geworden, die sich in der Regel auf mehrere oder alle Erregergruppen beziehen und vielfach nichtparasitäre Schadursachen einschließen. Dabei wird versucht, die von Schadursachen bedrohte oder bereits geschädigte Pflanze in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken. Im Unterschied zur Human- und Veterinärmedizin wird in der Regel in der Phytomedizin der gesamte Pflanzenbestand Ziel der Schutzmaßnahmen.

Die Bedeutung der Phytomedizin für die Öffentlichkeit, z. B. für die Ernährungssicherheit oder die Sicherung nachwachsender Rohstoffe, ist heute so groß wie bereits vor 100 Jahren. Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse und praktischen Empfehlungen haben vielfältige Rückwirkungen auf Produktion, Verarbeitung und Verbrauch von Pflanzen. So gerät sie nicht selten mit Teilgebieten in die öffentliche Diskussion um aktuelle politische Fragen, die auf ihre Zielsetzungen Einfluss nimmt.
Interdisziplinäre Interaktionsfelder der Phytomedizin

Die Phytomedizin verknüpft die Wissenschaft der Pflanzenkrankheiten und -beschädigungen mit der Praxis eines umfassend angelegten Pflanzenschutzes. Damit ist die Phytomedizin von zentraler Bedeutung für die Sicherung der Ernährungsgrundlage der Bevölkerung. Sie garantiert qualitativ hochwertige pflanzenbauliche Produkte in ausreichender Menge. Sie schafft die Grundlage für eine adäquate Pflanzenquarantäne und den sicheren Handel mit agrarischen und gartenbaulichen Erzeugnissen.

Die Kernkompetenzen der Phytomedizin sind eingebunden in interdisziplinäre und transdisziplinäre Interaktionsfelder, die sowohl die ökonomischen als auch die ökologischen und sozialen Belange des Pflanzenbaus (Verbraucherschutz, Arbeitsschutz, Umweltschutz, Produktqualität) einbeziehen und damit die nachhaltige Entwicklung von Pflanzenbausystemen im Sinne gesteigerter Produktionsqualität im sozioökonomischen und landschaftsökologischen Kontext mit Unterstützung von Kommunikation und Beratung vorantreiben. Beispielsweise kann es auch aus phytomedizinischen Gründen sinnvoll sein, sich für eine Defizitbewässerung auszusprechen. (Siehe auch: Institut für Phytomedizin (Hohenheim)).
Krankheitsursachen und Schaderreger an Nutzpflanzen

Abiotische Schadursachen
Viren
Mykoplasmen und Mykoplasmen-ähnliche Organismen
Bakterien
Pilze
Algen
Parasitische Blütenpflanzen
Unkräuter
Nematoda
Gastropoda
Arthropoda
Vertebrata

Krankheitsentwicklung und Befallsverlauf

Krankheitsentwicklung und Befallsverlauf werden unter folgenden Aspekten beschrieben:

Charakteristik von Infektion und Schädlingsbefall,
Einfluss von Umweltfaktoren auf Schaderreger,
Auswirkungen des Befalls auf den Wirt,
Abwehrmechanismen der Pflanze.

Populationsökologie der Schadorganismen

Die Populationsökologie der Schadorganismen befasst sich mit Aufbau, Veränderung und Wechselwirkung der Population einer Art mit anderen Populationen und mit der Umwelt. Sie erfasst Struktur und Dynamik von Populationen, ihre altersmäßige Zusammensetzung, ihr Wachstum und ihre Entwicklung unter dem Einfluss der biotischen und abiotischen Einflussgrößen des Ökosystems. Die Mitberücksichtigung genetischer Aspekte oder von Aspekten der Inselbiogeographie führt zur Populationsbiologie. Für die Regulierung von Schadorganismen sind von besonderer Bedeutung die

Populationsdynamik,
Dispersionsdynamik,
Annidation und ökologische Verdrängung,
Ökologische Isolation und Typenbildung,
Freisetzung von Organismen.

Krankheitserscheinungen und Beschädigungen an Nutzpflanzen

Für die Beschreibung von Krankheiten und Beschädigungen an Nutzpflanzen sind wichtig:

Symptomatologie,
Auftreten im Laufe der Pflanzenentwicklung.

Pflanzenschutzmaßnahmen

Pflanzenquarantäne
Kulturmaßnahmen
Physikalische Maßnahmen
Biotechnische Maßnahmen
Biologische Maßnahmen
Chemische Maßnahmen
Integration von Pflanzenschutzmaßnahmen

Allgemeine Literatur

Günter M. Hoffmann, Franz Nienhaus, Hans-Michael Pöhling: Lehrbuch der Phytomedizin. Blackwell Wissenschafts-Verlag, 1994. ISBN 3-8263-3008-0
Horst Börner: Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 8., neu bearb. und akt. Aufl., Springer 2009. ISBN 978-3-540-49067-8
Rudolf Heitefuß: Pflanzenschutz, Grundlagen der praktischen Phytomedizin. 3. Auflage, 2000, Thieme Verlag, ISBN 3-13-513303-6
H. Börner: Pflanzenkrankheiten und Pflanzenschutz. 7. Auflage, UTB, 1997
J. Hallmann, A. Quadt-Hallmann, A. von Tiedemann: Phytomedizin. Grundwissen Bachelor. 2007, Ulmer, Stuttgart, UTB
R. Heitefuss: Pflanzenschutz. Grundlagen der praktischen Phytomedizin. 3. Auflage, 2000, Thieme Verlag, Stuttgart.
G. M. Hoffmann, F. Nienhaus, H. M. Poehling, F. Schönbeck, H. C. Weltzien, H. Wilbert: Lehrbuch der Phytomedizin. Auflage 1994, Blackwell Verlag, Berlin.
E. Schlösser: Allgemeine Phytopathologie. 2. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart


Quelle
avatar
checker
Moderator
Moderator

Anzahl der Beiträge : 32190
Anmeldedatum : 03.04.11
Ort : Braunschweig

Benutzerprofil anzeigen

Nach oben Nach unten

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten