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    Toter Briefkasten

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    Toter Briefkasten

    Beitrag  checker am Di Mai 09, 2017 10:15 pm

    Ein toter Briefkasten ist ein Versteck, das der Übermittlung geheimer Nachrichten dient.


    Ein Briefstift (engl. dead-drop spike) kommt als toter Briefkasten zum Einsatz

    Der tote Briefkasten ist – im Gegensatz zu einem normalen Briefkasten – nur dem Absender und dem Empfänger als solcher bekannt und damit vor Entdeckung durch Nichteingeweihte geschützt. Er wird von Personen verwendet, die nicht offen oder postalisch miteinander in direkten Kontakt treten können oder wollen, beispielsweise durch Mitarbeiter und Zuträger von Nachrichtendiensten, durch Informanten von Journalisten, aber auch durch Erpresser.


    Ein toter Briefkasten könnte z.B. in einem ausgehöhlten Stein untergebracht sein.


    Versteck in einer ausgehöhlten Zuckerrübe


    USB-Stick in einem Baumpfahl

    Verwendung

    Der typische Übermittlungsablauf ist wie folgt: Der Nachrichtengeber hinterlegt die Botschaft in dem toten Briefkasten (z. B. ein Astloch) und hinterlässt an einer vereinbarten anderen Stelle ein Zeichen, an dem der Empfänger erkennen kann, dass der Briefkasten aktiviert worden ist (z. B. an einer Hauswand). Der Empfänger sieht dieses Zeichen und leert den Briefkasten; gegebenenfalls hinterlässt der Empfänger an einem vereinbarten dritten Ort ein anderes Zeichen, das den Empfang der Botschaft bestätigt. Absender und Empfänger sind damit nie zur selben Zeit am selben Ort und können einander sogar unbekannt sein.
    Heutige Relevanz

    In Zeiten von Internet und E-Mail dürften verborgene Nischen und Abfallbehälter als Kommunikationsmedium jedoch eine geringere Rolle spielen, auch wenn in der digitalen Welt die Steganographie eine ähnliche Rolle übernommen hat. Zur Übermittlung von Gegenständen (Sender, Kameras, Materialproben etc.) wird der tote Briefkasten weiterhin in Gebrauch bleiben.

    Eine moderne Adaption war ein künstlicher Stein, der 2006 in Moskau neben einem Bürgersteig entdeckt wurde. Mit Hilfe des eingebauten Mini-Computers hatten sich die Mitglieder eines britischen Spionagerings ausgetauscht.[1] Einen festen Platz hat der tote Briefkasten im Genre der Spionageliteratur.
    Digitale Tote Briefkästen

    Im Oktober 2010 initiierte der Berliner Künstler Aram Bartholl ein Projekt, welches auf dem Prinzip des Toten Briefkastens basiert: Er mauert USB-Massenspeicher in Fassaden bzw. befestigt diese an feststehenden Objekten im öffentlichen Raum. Auf diesem USB-Massenspeicher befindet sich eine Datei, welche ein Manifest enthält, welches zur Nachahmung und zum Hinterlegen von Daten auffordert. Anschließend werden die Installationen mit Fotos dokumentiert und unter Angabe der Position auf seiner Website gelistet.
    Künstlerischer Hintergrund

    Das Kunstprojekt möchte die Ablehnung der Kontrolle von Daten- und Informationsaustausch zum Ausdruck bringen. Vom Projekt wird vor allem die immer stärkere Verbreitung von Anwendungen kritisiert, welche Daten nicht mehr lokal speichern, sondern über das Netz in Datenwolken ablegen, da die Benutzer hierbei die Kontrolle über ihre Daten verlieren. Im Konzept der digitalen toten Briefkästen sieht das Projekt eine „Befreiung [der] Daten“.[2]
    Verbreitung

    Das Projekt fand schnell viele Teilnehmer, so dass die Projektseite im Februar 2011 weltweit 188[3] und bereits im März 2011 weltweit 297 solcher digitaler Toter Briefkästen verzeichnete. Im September 2013 gab es 1229 digitale tote Briefkästen mit einer Gesamtkapazität von 6391 GB.[4] Das Projekt hat sich mittlerweile international verbreitet. Sehr stark verbreitet ist es in den Vereinigten Staaten und Europa. In Europa findet man besonders in Deutschland, Frankreich, Italien und im Vereinigten Königreich digitale tote Briefkästen. Aber auch im Rest Europas ist in fast jedem Land ein digitaler toter Briefkasten vertreten. Auf den restlichen Kontinenten der Welt ist das Projekt sehr dünn verbreitet.[5]
    Mobile digitale tote Briefkästen

    Die toten Briefkästen werden auch in öffentlichen Verkehrsmitteln angebracht.[6] Hierdurch können potentiell noch mehr Menschen das durch die toten Briefkästen entstehende verzögerte „Netzwerk“ benutzen. Und Menschen können an unterschiedlichen Stellen auf einen gemeinsamen Datenfundus zugreifen.
    Trivia

    Im weiteren Sinne kann auch ein Geocache als Toter Briefkasten angesehen werden: Es wird "Material" an einem Platz versteckt, dessen Ort (hier Geokoordinaten) Personen zugänglich gemacht wird, die Zugriff auf entsprechende Informationsquellen haben. Auch wenn Nachrichten (von Besuchsbeweisen durch ein Logbuch abgesehen) keine vorrangige Rolle spielen ist die Verwandtschaft gegeben.
    Siehe auch

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