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Die Novartis AG

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Die Novartis AG

Beitrag  checker am Sa Mai 13, 2017 10:20 pm

Die Novartis AG (von lat. novae artes «neue Künste») ist ein Biotechnologie- und Pharmaunternehmen mit Sitz im schweizerischen Basel. Novartis entstand 1996 aus einer Fusion der beiden ehemaligen Basler Pharma- und Chemieunternehmen Ciba-Geigy AG und Sandoz. Es war damals die grösste Firmenfusion der Welt. Novartis ist mit 48,5 Mrd. USD Umsatz 2016[4] eines der grössten Pharmaunternehmen der Welt.[5][6]


Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0012005267
Gründung 1996
Sitz Basel, Schweiz
Leitung Joseph Jimenez (Vorsitzender der Geschäftsleitung)[1]
Jörg Reinhardt[2] (VR-Präsident)
Mitarbeiter 135'696 (2014)[3]
Umsatz 48,5 Mrd. USD (2016)[4]
Branche Biotechnologie und Pharmazie
Website www.novartis.com


Geschichte
Novartis geht auf mehrere Basler Firmen zurück, die sich alle im 19. Jahrhundert mit der Produktion von Anilinfarbstoffen aus Teer beschäftigten. Neben dem Rhein, der für Brauchwasser und die Entsorgung der festen und flüssigen Abfälle genutzt werden konnte,[7] waren die Anwesenheit von Färbereien, ein gut ausgebauter internationaler Handel, lokales Kapital und ein ausreichendes Angebot an Arbeitskräften wichtige Standortfaktoren für die Entwicklung der Basler Farbstoffindustrie. Die ersten Chemiker und das Know-how für die Farbstoffherstellung kamen aus Frankreich. Ausser der Hoffmann-La Roche gehen alle Basler Pharmaunternehmen mit Wurzeln im 19. Jahrhundert auf die Teerfarbenproduktion zurück und fusionierten über mehrere Stufen zu Novartis.

J.R. Geigy

1758 begann Johann Rudolf Geigy-Gemuseus (1733–1793), im Raum Basel mit «Materialien, Chemikalien, Farbstoffen und Heilmitteln aller Art» zu handeln. 1857 richteten Johann Rudolf Geigy-Merian (1830–1917) und Johann Jakob Müller-Pack (1825-1899)[8] ein Farbholz- und ein Farbextraktionswerk am Riehenteich (Rosentalquartier) ein und nahmen zwei Jahre später die Produktion von synthetischem Fuchsin auf.

1901 wurde seine Firma eine Aktiengesellschaft und hiess seit 1914 J.R. Geigy AG. Geigy begann 1935 mit der Produktion von Insektiziden und gründete drei Jahre später eine pharmazeutische Abteilung. Das neue Werk Schweizerhalle wurde errichtet, und der Geigy-Forscher Paul Hermann Müller entdeckte die insektizide Wirkung von DDT, wofür er 1948 den Nobelpreis erhielt. In den 1940er- bis 1960er-Jahren entwickelte Geigy verschiedene Produkte, darunter das Antirheumatikum Phenylbutazon (Butazolidin), Herbizide wie Simazin oder Atrazin, Psychopharmaka wie Imipramin (Tofranil) oder Clomipramin (Anafranil), Bluthochdruckmittel wie das Diuretikum Chlortalidon (Hygroton) oder das Antiepileptikum Carbamazepin (Tegretol; Warenzeichen in Deutschland: Tegretal).
Ciba
Alexander Clavel (1805–1873) nahm 1859 die Produktion von Fuchsin in seiner Seidenfärberei in Basel auf. Umweltauflagen der Stadt zwangen ihn 1864, die Produktion von der Rebgasse in der Kleinbasler Altstadt in eine neu erbaute Fabrik für synthetische Farbstoffe an der Klybeckstrasse zu verlegen.[9] Diese Produktionsstätte verkaufte er 1873 an die neue Firma Bindschedler & Busch, um sich wieder ganz der Seidenfärberei zu widmen. 1884 wurde die Firma in Gesellschaft für Chemische Industrie Basel umbenannt. Deren Abkürzung Ciba wurde so geläufig, dass sie 1945 zum offiziellen Firmennamen erklärt wurde.

Das vom Mülhauser Chemiker Armand Gerber 1864 ursprünglich als Anilinfarbenfabrik A. Gerber & Uhlmann gegründete Anilinfarbenwerk vormals A. Gerber & Cie. wurde 1898 integriert und ergänzte das Fabrikareal an der Klybeckstrasse. 1908 erfolgt die Fusion mit der Basler Chemischen Fabrik mit Werken in Kleinhüningen (Kanton Basel-Stadt) und Monthey (Kanton Wallis). Nach Erzeugnissen wie dem Antiseptikum Vioform oder dem Antirheumatikum Salen um die Jahrhundertwende errichtete Ciba um die 1910er Jahre Fabriken unter anderem in Clayton (England), Mailand (Italien), Berlin und Russland. 1954 wurde mit der Produktion von Insektiziden begonnen. 1963 kam Deferoxamin (Desferal) zur Behandlung von Eisen- und Aluminiumüberladung in Verbindung mit der Blutkrankheit Thalassämie auf den Markt.

1963 begann CIBA mit dem Erwerb von Ilford-Aktien und wurde 1967–1969 schliesslich nach Übernahme der ICI-Anteile Alleinaktionär der britischen Firma. Damit wurde die CIBA auch zu einem Fotografie-Unternehmen. CIBA förderte und übernahm die Kommerzialisierung des Fernseh-Grossprojektors Eidophor von Edgar Gretener.

1970 fusionierten Ciba und J. R. Geigy AG zur Firma Ciba-Geigy AG; ab 1992 trat das Unternehmen als Ciba auf.
Sandoz

1886 gründeten Alfred Kern (1850–1893) und Edouard Sandoz (1853–1928) die Chemiefirma Kern & Sandoz im St.-Johann-Quartier an der Gasstrasse in Basel. Die ersten Farbstoffe, die dort hergestellt worden sind, waren Alizarinblau und Auramin. Nach Kerns Tod wurde 1895 das Partnerunternehmen in die Aktiengesellschaft Chemische Fabrik vormals Sandoz umgewandelt und im gleichen Jahr das fiebersenkende Mittel Phenazon (Antipyrin) hergestellt. 1899 wurde mit der Produktion des Süssstoffes Saccharin begonnen. 1917 begann man unter Arthur Stoll (1887–1971) mit der pharmazeutischen Forschung. Zwischen den Weltkriegen wurden daraufhin Gynergen (1921) und Calcium-Sandoz (1929) auf den Markt gebracht. Seit 1929 stellte Sandoz auch Chemikalien für Textilien, Papier und Leder her, 1939 kamen ausserdem Agrochemikalien dazu. In den 1930er-Jahren wurde das Psychopharmakon LSD entwickelt, das in den 1960er-Jahren wieder zurückgezogen wurde.

Der Aufbau des Werks Schweizerhalle an der Rothaustrasse in Muttenz wurde 1946 begonnen. 1964 wurden erste Auslandsniederlassungen gegründet. 1967 fusionierte Sandoz mit der Wander AG (bekannt für Ovomaltine und Isostar) und übernahm zudem die Firmen Delmark, Wasa (Knäckebrothersteller aus Schweden) und 1994 Gerber Babynahrung aus den USA.
Chemiekatastrophe vom 1. November 1986
→ Hauptartikel: Grossbrand von Schweizerhalle

Am 1. November 1986 ereignete sich in einer Lagerhalle von Sandoz in Schweizerhalle bei Basel eine Brandkatastrophe. Rund 1300 Tonnen Chemikalien gingen in Flammen auf. Das unter anderem mit Insektiziden verunreinigte Löschwasser gelangte teilweise in den Rhein. Während der Löscharbeiten leitete die zu dem Zeitpunkt noch eigenständige Firma Ciba-Geigy AG 400 kg des hochgiftigen Herbizides Atrazin in den Rhein.[10] [11] Dort wurde ein grosser Teil des tierischen und pflanzlichen Lebens vernichtet. Es dauerte Jahre, bis sich der Fluss wieder erholt hatte. Der Unfall galt als eine der grössten bis dahin stattgefundenen Umweltkatastrophen und erschütterte den Glauben an die Sicherheit der chemischen Industrie. Gleichzeitig war er Anlass zum Umdenken im Störfall- und Gewässerschutz. 1995 wurde die Sparte Spezialitätenchemie als eigene Firma unter dem Namen Clariant AG mit Firmensitz in Muttenz verselbständigt.[12][13] Damit gehört auch das ehemalige Werk Schweizerhalle an der Rothausstraße in Muttenz nicht mehr zu Sandoz.

Auf dem Sandoz-Brandplatz in Schweizerhalle ist eine Deponie zurückgeblieben. Sie enthält Schadstoffe vom Grossbrand vom 1. November 1986. Es gelangen noch immer mehr Brandschadstoffe in das Grundwasser, als zwischen Sandoz und Behörden 1989/90 vereinbart.[14][15]
Novartis
Fusion

1996 entstand aus Ciba-Geigy AG und Sandoz das Unternehmen Novartis.[16] Die Firma wurde am 20. Dezember 1996 ins Basler Handelsregister eingetragen.[17]
Roche-Beteiligung

Am 7. Mai 2001 verkaufte der Roche-Grossaktionär Martin Ebner sein 20%-Aktienpaket für 4,8 Milliarden Franken an Novartis.[18]

Anfang 2003 gab Novartis bekannt, für 2,9 Milliarden Franken seinen Stimmrechtsanteil am Konkurrenten Roche von 21,3% auf 32,7% erhöht zu haben.[19]

Novartis besitzt damit fast ein Drittel der 160 Millionen Inhaberaktien von Roche, neben denen jedoch noch 702,5 Millionen stimmrechtslose Genussscheine existieren.[20]
Spartenverkäufe

1997 erfolgte die Ausgliederung der Sparte Chemie als eigene Firma unter dem Namen Ciba Spezialitätenchemie AG mit Sitz in Basel.[21] Mit der Auslagerung des Industriechemikaliengeschäfts, das auch die Farbstoffe beinhaltet, verliess Novartis endgültig seine historischen Wurzeln.

1999 erfolgte die Ausgliederung des Agrarbereichs und dessen Zusammenschluss mit der Agrarsparte von AstraZeneca. Das dabei neu entstandene Unternehmen Syngenta mit Sitz in Basel, an dem Novartis 61% und AstraZeneca 39% der Anteile halten[22], wird zum weltgrössten Agrarkonzern.

Ebenfalls 1999 wurde der Geschäftsbereich Wasa an die Barilla Alimentare S.p.A. mit Sitz in Parma/Italien sowie die Reformhaus-Marke Eden an die De-Vau-Ge Gesundkostwerk GmbH in Lüneburg verkauft.[23] Am 8. Oktober 2002 gab Novartis den Verkauf seiner Getränkesparte (Ovomaltine, Caotina) für 272,5 Millionen Euro an Associated British Foods bekannt.[24] Am 16. Dezember 2003 kaufte Novartis für 385 Millionen Dollar das Geschäft mit medizinischer Ernährung für Erwachsene von Mead Johnson[25] (damals noch ein Tochterunternehmen von Bristol-Myers Squibb); am 14. Dezember 2006 wurde die Sparte Medizinische Ernährung jedoch für rund 3 Milliarden Franken an Nestlé abgegeben[26], und im April 2007 wurde auch die Babynahrungssparte Gerber für 5,5 Milliarden US-Dollar an Nestlé verkauft.[27]
Pharma-Kerngeschäft

Am 31. August 2000 erwarb Novartis die beiden Antiviren-Medikamente Famvir® (Famciclovir) und Vectavir®/Denavir® (Penciclovir) für 1,63 Milliarden Dollar, die ihr bisheriger Eigentümer SmithKline Beecham auf Weisung der Kartellbehörden im Zuge seiner Fusion mit Glaxo Wellcome abgeben musste.[28]

Am 27. März 2007 verkaufte Novartis für 200 Millionen Dollar seine biotechnologischen Produktionsanlagen für das Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon® (Interferon beta-1b) in den Vereinigten Staaten an die Bayer AG und legte dadurch einen Rechtsstreit zwischen beiden Konzernen bei.[29]

2008 übernahm Novartis ein 52%-Aktienpaket an seinem Tekturna®-Forschungspartner Speedel Holding für 907 Millionen Franken[30] und unterbreitete anschliessend ein Übernahmeangebot für alle noch ausstehenden Speedel-Aktien zu denselben Konditionen.[31]

Im Oktober 2008 erfolgte der Kauf des Lungenmedikament-Geschäfts von Nektar Therapeutics für 115 Millionen Dollar in bar.[32]

2009 arrondierte Novartis sein Produktportfolio zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch die Übernahme des amerikanischen Biopharma-Unternehmen Corthera für 120 Millionen Dollar in bar plus bis zu 500 Millionen Dollar für Meilensteinzahlungen.[33]

2010 verkaufte Novartis die US-Rechte am Medikament Enablex® für 400 Millionen Dollar an den irischen Pharmakonzern Warner Chilcott[34] (inzwischen ein Tochterunternehmen von Allergan)[35], 2011 die Rechte am Medikament Elidel® für 420 Millionen Dollar an Meda[36].

Im Januar 2011 kaufte Novartis für 470 Mio. Dollar das auf Krebsdiagnosen spezialisierte US-amerikanische Unternehmen Genoptix.[37]

Am 1. Juli 2015 erwarb Novartis das amerikanisch-australische Unternehmen Spinifex Pharmaceuticals, das ein Medikament (Angiotensin-II-Rezeptor EMA401) gegen peripheren neuropathischen Schmerz entwickelt, für 200 Millionen Dollar in bar plus Meilensteinzahlungen.[38]

Am 21. Oktober 2015 verstärkte Novartis seine Pipeline im Bereich Immuno-Onkologie durch die Übernahme des US-Biotech-Unternehmens Admune Therapeutics sowie zwei Lizenzvereinbarungen mit den Unternehmen Palobiofarma und XOMA Corporation.[39]
Generika

Am 4. Dezember 2000 übernahm Novartis für 115 Millionen Euro alle sechs europäischen Generika-Töchter des deutschen Chemiekonzerns BASF;[40] am 15 Dezember 2000 folgte der Kauf der US-Rechte an den oral zu verabreichenden und injizierbaren Antibiotika des US-Unternehmens Apothecon, einer Generika-Division seines Konkurrenten Bristol-Myers Squibb.[41]

2003 fasste Novartis seine Generika-Firmen (darunter das 2002 für 1,19 Milliarden Franken übernommene slowenische Unternehmen Lek[42]) unter dem Namen Sandoz zu einem Teilkonzern mit Hauptsitz in Wien zusammen; seither ist Sandoz wieder als Markenname für den Konsumenten sichtbar.[43]

2004 folgte der Kauf des kanadischen Generika-Herstellers Sabex (Injektionsmedikamente) für 565 Millionen Dollar.[44] Im selben Jahr kaufte Sandoz seinem britischen Konkurrenten AstraZeneca dessen für Generika zuständige dänische Tochter Durascan A/S ab.[45]

Nach Übernahme des deutschen Generika-Herstellers Hexal und einer 66%-Beteiligung am US-Unternehmen Eon Labs für zusammen 5,65 Milliarden Euro in bar[46] verlegte Novartis 2005 den Sandoz-Hauptsitz an den Hexal-Standort nach Holzkirchen.[47]

Am 20. Mai 2009 meldete Sandoz den Kauf des Generika-Geschäfts von EBEWE Pharma, einem österreichischen Hersteller injizierbarer Krebsmedikamente, für 1,4 Milliarden Franken in bar.[48]

Im Sommer 2010 kaufte Sandoz das amerikanische Unternehmen Oriel Therapeutics, einen Hersteller generischer Alternativen zu patentierten Medikamenten gegen Asthma und chronisch obstruktive Lungenerkrankungen[49], für 74 Millionen Dollar in bar sowie bis zu 258 Millionen Dollar beim Erreichen bestimmter Meilensteine.[50]

Am 3. Mai 2012 wurde der Bereich durch den Kauf des Dermatologie-Anbieters Fougera mit Sitz in Melville (New York) für 1,525 Milliarden Dollar weiter ausgebaut.[51]
Augenheilkunde

Am 4. Oktober 2000 schloss die Novartis-Tochter Ciba Vision Corporation die Übernahme des amerikanischen Kontaktlinsen-Herstellers Wesley Jessen VisionCare, Inc. mit Sitz in Des Plaines (Illinois) ab und erwarb dabei 17,5 Millionen Aktien zu je 38,5 Dollar[52] (= 676 Millionen Dollar).

2008 verkaufte Nestlé einen 25%-Anteil am Augenpflegemittel-Hersteller Alcon für elf Milliarden Dollar an Novartis, das dabei auch eine Option auf den Kauf der übrigen 52% von Alcon im Besitz von Nestlé erhielt. 2010 wurden diese restlichen 52% für weitere 28 Milliarden Dollar übernommen.[53][54] Im Dezember 2010 erwarb Novartis alle noch ausstehenden Alcon-Aktien für 12,9 Milliarden Dollar[55], womit sich die Kosten für die Alcon-Übernahme auf fast 52 Milliarden Dollar summierten.

Das bereits vorhandene Kontaktlinsen-Geschäft Ciba Vision wurde mit Alcon zum neuen Geschäftsbereich Alcon Vision Care verschmolzen.[56]
Impfstoffe und Diagnostika

Bereits 1994 hatte der Novartis-Vorgänger Ciba-Geigy eine 49,9%-Beteiligung an der Chiron Corporation (Biopharmazeutika, Impfstoffe und Bluttests) erworben, die in den folgenden Jahren bis auf 42,3% schrumpfte. Am 1. September 2005 bot Novartis 40 Dollar für jede noch ausstehende Chiron-Aktie[57] und erhöhte dieses Gebot zunächst auf 45 Dollar pro Aktie und am 4. April 2006 auf 48 Dollar pro Aktie, womit die Chiron-Übernahme 5,4 Milliarden Dollar kostete.[58]

Am 23. Juli 2007 ging Novartis für 270 Millionen Euro plus Meilensteinzahlungen von bis zu rund 100 Millionen Euro eine strategische Partnerschaft mit dem österreichischen Impfstoff-Entwickler Intercell AG ein, die den Erwerb von 4,8 Millionen stimmrechtslosen neuen Intercell-Aktien sowie die Einräumung von Lizenzzugang und Produktoptionen (u. a. für den Einsatz von Intercells IC31-Adjuvans bei neuen Influenza-Impfstoffen) umfasst.[59]

Die in Marburg ansässige Impfstoff- und Diagnostika-Sparte Novartis Vaccines and Diagnostics produziert Grippeimpfstoffe und entwickelt Meningokokkenimpfstoffe.[60] Wegen der Produktion von Impfstoffen gegen Tollwut stand Novartis Marburg 2008 auf einer geheimen US-Liste essenzieller Einrichtungen.[61]

Am 4. November 2009 verkündete Novartis den Kauf einer 85%-Beteiligung am chinesischen Unternehmen Zhejiang Tianyuan, einem Hersteller von Impfstoffen gegen virale und bakterielle Erkrankungen, für 125 Millionen Dollar.[62]

Am 12. November 2013 gab Novartis den Verkauf seines Bluttransfusionsdiagnostik-Geschäfts für 1,7 Milliarden Dollar an den spanischen Blutplasma-Hersteller Grifols bekannt.[63]
Verschreibungsfreie Medikamente

Am 12. Februar 2003 verkündete Novartis den Verkauf der US-Rechte an den beiden Butalbital-haltigen Kopfschmerzmitteln Fioricet® und Fiorinal® an das US-Unternehmen Watson Pharmaceuticals für 178 Millionen Dollar.[64]

Am 15. Juli 2005 kaufte Novartis seinem US-Konkurrenten Bristol-Myers Squibb für 660 Millionen Dollar die Nordamerika-Rechte für die Herstellung und Vermarktung von dessen rezeptfreien Medikamenten ab.[65]

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Teil 2

Beitrag  checker am Sa Mai 13, 2017 10:22 pm

Daniel Vasella

Vom 21. April 1999 bis Anfang 2010 war Daniel Vasella CEO und zugleich Verwaltungsratspräsident. Sein Nachfolger als CEO wurde Joseph Jimenez. Vasella blieb Präsident des Verwaltungsrats.[66] An der Generalversammlung vom 22. Februar 2013 stellte sich Vasella nicht mehr zur Wiederwahl in den Verwaltungsrat. Sein Nachfolger im Verwaltungsrat und als Verwaltungsratspräsident wurde zum 1. August 2013 Jörg Reinhardt, bis dahin übernahm Vasellas Stellvertreter im Verwaltungsrat Ulrich Lehner die Leitung des Gremiums. Vasella wurde zum Ehrenpräsidenten des Verwaltungsrats ernannt.[67] Seit 1999 ist bereits der frühere Verwaltungsratspräsident Alex Krauer Ehrenpräsident.[68]

Nach öffentlichen Protesten verzichteten Vasella und Novartis im Februar 2013 auf ein Konkurrenzverbot für Vasella, das mit einer Entschädigung von 72 Millionen Franken für sechs Jahre (=12 Millionen pro Jahr) verbunden gewesen wäre.[69]

Im Juli 2013 gab Novartis bekannt, dass Vasella für «gewisse Übergangsdienstleistungen» zwischen Februar und Ende Oktober 2013 knapp 5 Millionen Franken (4,4 Millionen Euro), davon 2,2 Millionen Franken in Aktien, erhält. Ein bis Ende 2016 laufender Beratervertrag garantiert Vasella 25'000 Dollar je Tag Beratung. Die Mindestsumme beträgt 250'000 US-Dollar für jedes der Jahre 2014, 2015 und 2016.[70]
Umbau des Geschäftsmodells

2013 verlegte Novartis seinen zentralisierten Hauptverwaltungsstandort von Novartis Pharma, Sandoz Pharmaceuticals, Alcon und Consumer Health nach Rotkreuz ZG.[71]

Am 22. April 2014 verkündete Novartis einen Grossumbau per Tauschgeschäft: Für insgesamt 16 Milliarden US-Dollar übernahm der Konzern die Krebsmedikamente von GlaxoSmithKline (GSK), im Gegenzug gab es 7,1 Milliarden Dollar plus Umsatzbeteiligung für die Novartis-Impfstoffe (ausgenommen die Influenza-Impfstoffe, die für 275 Mio. Dollar an die australische CSL Limited verkauft wurden[72]). Die Tierarzneimittelsparte übernahm Eli Lilly für 5,4 Milliarden Dollar.[73] Das Tauschgeschäft mit GSK wurde am 2. März 2015 abgeschlossen.[74]

Sein OTC-Geschäft brachte Novartis in ein neues gemeinsames Unternehmen mit GSK mit dem Namen GSK Consumer Healthcare ein.[75] Der Anteil von Novartis an GSK Consumer Healthcare liegt bei 36,5 %.[74]

Am 21. August 2015 erwarb Novartis von GSK alle Rechte am monoklonalen Antikörper Ofatumumab für dessen (noch nicht zugelassene) Anwendung gegen Multiple Sklerose (die Rechte in Bezug auf Krebserkrankungen waren bereits im vorherigen Tauschgeschäft enthalten) und leistete dabei eine Zahlung von 300 Millionen Dollar; bei erfolgreicher Zulassung werden weitere Zahlungen fällig, die den Gesamtbetrag auf über eine Milliarde Dollar steigern können.[76]

Am 17. Mai 2016 verkündete Novartis, dass der Bereich Krebsmedikamente als neuer, eigenständiger Bereich Novartis Oncology aus der Sparte der verschreibungspflichtigen Medikamente ausgegliedert wird; Spartenchef David Epstein verlässt das Unternehmen im Zuge der Reorganisation, die beiden Bereichsleiter werden Bruno Strigini für Novartis Oncology und Paul Hudson (zuvor bei AstraZeneca) für Novartis Pharmaceuticals.[77]
Novartis Österreich

Anfang 1970 wurde in Wien, Österreich, das Sandoz-Forschungsinstitut (deutsche Abkürzung: SFI, englische Abkürzung: SRI) gegründet[78], das nach der Fusion von Sandoz mit Ciba-Geigy im Jahr 1996 in Novartis-Forschungsinstitut (deutsche Abkürzung: NFI, englische Abkürzung: NRI) umbenannt wurde. Dieses Forschungsinstitut wurde ein Teil des 2003 gegründeten Novartis Institutes for Biomedical Research (NIBR).

Das Forschungsinstitut, das rund 220 Personen beschäftigte, wurde Mitte 2008 im Zuge einer Reorganisation geschlossen.[79] Von Juli bis Oktober 2013 wurden alle Gebäude in Wien-Liesing abgebrochen.

Die Novartis Austria GmbH ist die Länderholding der Novartis in Österreich und hat ihren Sitz in Wien, Leopoldstadt. George Zarkalis leitet als Country President die österreichische Novartis-Gruppe, die mit folgenden Unternehmen tätig ist:[80]

Novartis Pharma GmbH inkl. Vaccines und Forschungseinheit Dermatologie
Sandoz GmbH
Alcon Ophthalmika GmbH
Novartis Consumer Health-Gebro GmbH
Novartis Animal Health GmbH

Novartis ist mit mehr als 4'000 Mitarbeitern das grösste Pharmaunternehmen Österreichs und erzielte im Jahr 2011 in Österreich eine Gesamtwertschöpfung von € 1,22 Milliarden. Das entspricht 0,4 % des gesamten Bruttoinlandsprodukt in Österreich. Novartis schafft direkt rund 4.100 Arbeitsplätze, indirekt resultieren daraus fast 8'800 Jobs in Österreich. So arbeitet jeder 400ste Arbeitnehmer in Österreich direkt oder indirekt für Novartis. [81]
Standorte

Die Unternehmen der Novartis-Gruppe sind auf Standorte in ganz Österreich aufgeteilt: Wien, Kundl, Schaftenau, Unterach am Attersee und Fieberbrunn. [82]
Umsatz und Gewinn

Der Nettoumsatz betrug im Jahr 2016 48,5 Milliarden US-Dollar, der Reingewinn 9,5 Milliarden US-Dollar. Dies ist vor allem Produkten wie Diovan® (Valsartan), Glivec® (Imatinib), Aclasta®/Zometa® (Zoledronat), Femara® (Letrozol) und Lucentis® (Ranibizumab) zu verdanken.[4]
Produkte

Novartis vertreibt zahlreiche verschreibungspflichtige und verschreibungsfreie Produkte sowie Präparate aus dem Bereich der Tiergesundheit. Hier eine Auswahl bekannter Medikamente:

Aclasta® (Zoledronat) zur Behandlung der Osteoporose
Diovan® (Valsartan), CoDiovan® (Valsartan plus Hydrochlorothiazid) zur Behandlung von Bluthochdruck
Elidel® (Pimecrolimus) zur Behandlung der Neurodermitis
Exelon® (Rivastigmin) zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit
Extavia® (Beta-Interferon) zur Behandlung der Multiplen Sklerose
Femara® (Letrozol) zur Behandlung von Brustkrebs
Fenistil®, Dachmarke für verschiedene Präparate zur Anwendung an der Haut (Wundheilgel, Kühlgel; Arzneimittel mit den Wirkstoffen Pencivir, Hydrocortison oder Dimetinden), Antiallergikum zur innerlichen Anwendung (Dimetinden)
Glivec® (Imatinib) zur Behandlung von Leukämie
Insidon® (Opipramol) zur Behandlung depressiver Zustände, Unruhe und Angstzuständen
Interceptor® (Milbemycin) gegen Wurmerkrankungen bei Hund und Katze
Lamisil® (Terbinafin) zur Behandlung von Fuss- und Nagelpilz
Mono-Embolex® (Certoparin-Natrium) zur Thrombosevorbeugung
Nicotinell® (Nikotin) zur Raucherentwöhnung
Onbrez® (Indacaterol) zur Behandlung von COPD
Otrivin®/Otriven® (Xylometazolin) zur symptomatischen Behandlung von Schnupfen sowie nicht infektiöser Bindehautentzündung
Rasilez® (Aliskiren) zur Behandlung von Bluthochdruck
Ritalin® (Methylphenidat) zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizitstörung
Sandimmun® (Ciclosporin) zur Verhinderung von Transplantatabstossungen
Seebri® (Glycopyrroniumbromid) zur Behandlung von COPD
Voltaren® (Diclofenac), Schmerzmittel und Entzündungshemmer
Xolair® (Omalizumab) zur Anwendung in der Asthmatherapie
Zometa® (Zoledronat) zur Behandlung der tumorinduzierten Hyperkalzämie

Pipeline

Novartis hat zahlreiche Produkte in der klinischen Entwicklung. Im April 2014 veröffentlichte Novartis eine Liste von 19 Kandidaten, allein im onkologischen Bereich[83]: u. a. der ALK/CD246-Hemmer Ceritinib (LDK378) (Produktname Zykadia®, FDA-Zulassung 2014)[84], der CDK4/6-Hemmer Ribociclib (LEE011) (Produktname Kisqali®, FDA-Zulassung 2017)[85] [86], der PI3K-Hemmer Buparlisib (BKM120)[87], der PI3K-Hemmer Alpelisib (BYL719)[88], der FGF-Rezeptor-Hemmer BGJ398[89], der p53 / HDM2-Interaktions-Hemmer CGM097[90], der Raf-Kinase-Hemmer LGX818[91] und der EGF-Rezeptor-Hemmer EGF816[92].

Serelaxin (RLX030) erhielt für die Indikation Herzinsuffizienz ("Acute Heart Failure")[93] im Januar und Mai 2014 jeweils eine negative Zulassungsempfehlung des Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP). Anhand von Daten aus einer laufenden Phase-III-Studie (RELAX-AHF-2[94]) beabsichtigt Novartis aber, erneut einen Zulassungsantrag zu stellen.[95]
Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung

Die Firma Novartis ist Trägerin der Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung. Ihr Präsident und Geschäftsführer ist Klaus M. Leisinger. Die Novartis Stiftung ist Initiator von Projekten zur Verbesserung der Gesundheit in Entwicklungsländern. Schwerpunkte der Arbeit sind unter anderem die Bekämpfung von Lepra, Malaria und Tuberkulose sowie die Unterstützung von AIDS Waisen. Die Novartis Stiftung forscht und publiziert im Bereich der Unternehmensethik und fungiert als Schnittstelle zwischen dem Privatsektor und internationalen Organisationen.

Daneben gibt es die Novartis Stiftung, ehemals Ciba-Geigy Jubiläums-Stiftung, die im Bereich Forschungsförderung tätig ist.
Novartis Campus

Das alte Produktionsareal St. Johann in Basel mit 20 Hektar Fläche wird neu gestaltet und als «Campus des Wissens» bezeichnet werden. Die gesamte Infrastruktur erfährt eine umfassende Erneuerung. Im weltweiten Ringen um die besten Arbeitskräfte sollen im "Campus des Wissens" für die Mitarbeitenden entsprechend gute Arbeitsbedingungen geschaffen werden. In seinem Endausbau werden im "Novartis Campus" 10'000 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.[96]

Der rechtwinklig angelegte Masterplan stammt von Vittorio Magnago Lampugnani, die ersten vier Bürobauten stammen von den Architekten SANAA, Peter Märkli, Vittorio Magnago Lampugnani und Roger Diener mit Helmut Federle und Gerold Wiederin, das erste Laborgebäude von Adolf Krischanitz. Bis 2012 kommen sechs Labor- und drei Bürobauten dazu. Das Gesamtprojekt ist bis 2030 angelegt, mit geplanten Gesamtinvestitionen von 2 Milliarden CHF.

Für Erweiterungen ihres Areals bezahlt Novartis der Stadt Basel 100 Millionen CHF. Der Hafen St. Johann wird aufgehoben, Novartis kann seine Fläche zum Rhein hin ausdehnen, die Hüningerstrasse, die das Werkgelände durchschneidet, wird geschlossen und eventuell überbaut, für die Öffentlichkeit gibt es einen frei zugänglichen Uferstreifen am Rhein.

Im Nordwesten des Areals entsteht eine Hochhauszone, geplant sind zwei 120 Meter hohe Türme. Bei Novartis soll ein Hochschulzentrum für Life Sciences entstehen.[96]
Kritik

In Deutschland geriet der Konzern 2007 scharf in die Kritik wegen des Preises für das neu zugelassene Medikament Lucentis® (Wirkstoff Ranibizumab) zur Behandlung der feuchten altersbedingten Makuladegeneration.[97] Es ist etwa 50-mal teurer als das bis dahin vorrangig eingesetzte Avastin, das allerdings nicht für diesen Einsatz zugelassen ist. Mit der Zulassung von Lucentis darf Avastin nun nicht mehr verschrieben werden. Kritiker sehen in dem neuen Medikament lediglich eine Weiterentwicklung von Avastin, Novartis spricht dagegen von einem völlig neu entwickelten Medikament. Experten schätzen die Mehrkosten für das Gesundheitssystem allein durch dieses Medikament auf mehrere Milliarden Euro. Prof. Wolf-Dieter Ludwig, der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, warf dem Konzern vor, dass er «für sein Monopol einen horrenden Preis» verlange. Novartis sieht nach eigenen Berechnungen eine deutlich geringere Belastung für das Gesundheitssystem und verhandelt mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und den Krankenkassen über einen Preisnachlass.[98]

Derzeit läuft eine Klage des Unternehmens gegen den Staat Indien, da dessen Patentrecht die Herstellung von deutlich verbilligten Generika vorsieht. Indien ist durch seine Patentrechtregelung, die keinen Patentschutz beispielsweise bei nur geringfügig veränderter Wirkstoffzusammensetzung vorsieht, zu einem wichtigen Ursprungsland von Generika geworden. Die Klage von Novartis wird vor allem von NGOs wie Ärzte ohne Grenzen stark kritisiert, da bei einem Urteil gegen die indische Regierung Millionen Menschen weltweit ohne bezahlbare medizinische Hilfe dastünden.[99] Die Klage wurde am 7. August 2007 abgewiesen, da sich das indische Gericht für unzuständig erklärte und Novartis an das Schlichtungstribunal der WTO verwies.[100] Novartis erhielt für das Jahr 2007 den Negativaward von «Public Eye on Davos».

Im Oktober 2007 wurde Novartis «für die Bespitzelung ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer» mit dem Negativpreis Big Brother Award in der Kategorie «Arbeitswelt» ausgezeichnet.[101]

Im Mai 2010 wurde Novartis von einem Bezirksgericht in New York zu Strafzahlungen von 250 Millionen US-Dollar sowie zu Schadenersatzzahlungen an weibliche Angestellte in Höhe von 3,36 Millionen Dollar verurteilt, da ein Tochterunternehmen in den USA weibliche Angestellte in der Zeit von 2002 bis 2007 benachteiligt hatte. Novartis wies die Anschuldigungen zurück und kündigte daraufhin Berufung an.[102][103] Im Juli 2010 schloss Novartis einen Vergleich mit den Klägern. Das Unternehmen kündigte an, 152,5 Millionen US-Dollar an die Betroffenen zu zahlen. Zudem will Novartis 22,5 Millionen US-Dollar für Programme zur Förderung von Frauen und die Verbesserung seiner Richtlinien ausgeben.[104]

Am 1. Oktober 2010 einigte sich Novartis mit dem US-Justizministerium auf Strafzahlungen von insgesamt 422,5 Millionen Dollar, nachdem ehemalige Novartis-Mitarbeiter als Whistleblower vor Gericht bestätigt hatten, dass das amerikanische Tochterunternehmen Novartis Pharmaceuticals Corporation durch Bestechungszahlungen an Beschäftigte im Gesundheitswesen versucht hatte, die Verschreibung der der Medikamente Trileptal, Diovan, Exforge, Sandostatin, Tekturna und Zelnorm zu fördern.[105]

Im März 2012 wurde bekannt, dass Novartis systematisch Patientendaten ausspioniert haben soll,[106] indem Ärzte zum Zweck der Senkung der Abrechnungkosten Abrechnungsdaten kopieren und an Novartis weitergeben sollten.

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