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Dietrich Eckart

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Dietrich Eckart

Beitrag  Andy am Di Dez 12, 2017 6:25 am

Dietrich Eckart (* 23. März 1868 in Neumarkt in der Oberpfalz; † 26. Dezember 1923 in Berchtesgaden) war ein Publizist, Verleger, früher Anhänger des Nationalsozialismus und Ideengeber Adolf Hitlers.


Dietrich Eckart auf einem Foto aus den 1890er Jahren

Obwohl Eckart zu den frühesten Gestalten der Deutschen Arbeiterpartei bzw. Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gehörte, war er nie formales Parteimitglied.[1]

Leben

Dietrich Eckart, der katholische Sohn eines evangelischen Notars,[2] wuchs seit 1878 ohne Mutter auf und besuchte - vom Vater vernachlässigt - sieben verschiedene Gymnasien.[3] 1891 brach er sein Medizinstudium in Erlangen ab.[3] Nach einer Entziehungskur wegen Morphiumsucht[3] nahm er eine Tätigkeit als Journalist, Literatur- und Theaterkritiker auf. Durch den Tod des Vaters 1895 kam er als Erbe zu einem ansehnlichen Vermögen. Seine nächsten Stationen waren Leipzig, Berlin und schließlich Regensburg. 1899 war er fast mittellos[3] und ging nach Berlin, wo er – obwohl von dem Schauspielhaus-Generalintendanten Georg von Hülsen-Haeseler unterstützt – als Dichter und Dramatiker, dann auch als Werbetexter, weitgehend scheiterte.[3] Einen größeren finanziellen Erfolg brachte ihm lediglich eine „arisch-christliche“ Nachdichtung von Henrik Ibsens Drama Peer Gynt ein, die im Februar 1914 ihre Premiere erlebte und anschließend im gesamten Reich zu sehen war.[4]

Von 1907 bis 1913 lebte er bei seinem Bruder Wilhelm in der Villen-Kolonie Neu-Döberitz bei Berlin (wo es 1936–1945 auch einen „Dietrich-Eckart-Gedenkhain“ gab) und heiratete im Alter von 45 Jahren die vermögende Witwe Rosa Marx, geborene Wiedeburg, aus Bad Blankenburg, von der er 1921 geschieden wurde.[5] Bis zum Frühsommer 1915 wohnte Eckart mit seiner Familie in Bad Blankenburg;[6] danach zog er nach München-Schwabing, wo er in Kontakt mit völkischen Kreisen wie dem Fichte-Bund und der Thule-Gesellschaft kam[3] und als Verfasser rechtsradikaler und antisemitischer Traktate hervortrat. Er gründete 1915 den Hoheneichen-Verlag.

Am 27. Mai 1919 beantragte Eckart seine Aufnahme in den Deutschen Schutz- und Trutzbund, der im Oktober des Jahres im Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund aufging.[7]

Er prägte 1919 als Mitbegründer der NSDAP, der er jedoch nie formal als Mitglied beigetreten war, den nationalsozialistischen Kampfbegriff „Drittes Reich“, womit vor allem eine Verbindung von christlichem Millenarismus und politischem Ziel gemeint war: „Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast – drum ist es dem Antichristen verhaßt.“[8] Im August 1921 wurde Eckart Chefredakteur des Völkischen Beobachters, nachdem er das Geld für dessen Übernahme im Dezember 1920 beschafft und Hitler gegen innerparteiliche Kritiker in Schutz genommen hatte. Gegen Eckarts Haftbefehl wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert schrieb Hitler sofort an den bayerischen Ministerpräsidenten Ritter von Knilling die Forderung, „den Haftbefehl zu inhibieren, da andernfalls die Kampforganisation Widerstand gegen die Verhaftung leisten würde“. Eine Woche nach dem Hitlerputsch in München verhaftet, wurde er nach schweren Herzanfällen am 20. Dezember 1923 aus dem Gefängnis entlassen und erlag am 26. Dezember in Berchtesgaden im Alter von 55 Jahren einer weiteren Herzattacke.[3] Begraben wurde er auf dem „Alten Friedhof“ in Berchtesgaden.[9] An seiner Grabstätte sind gruppenweise „Pflichtbesuche“ der Hitlerjugend abgehalten worden.[10]
Wirken

Der 21 Jahre ältere Eckart, der Hitler vermutlich im Herbst 1919 kennengelernt hatte,[3] war zeitweise dessen Mentor,[11] Ideengeber und mit ihm befreundet. Er „widmete sich in einer Art Lehrer-Schüler-Verhältnis […] der Propagierung Hitlers als des kommenden Retters […], wofür er diesem wohl als erster charismatische Fähigkeiten zuschrieb“ und ihn im Dezember 1921 erstmals als „Führer“ bezeichnete.[3] Eckart vertrat wie Hitler eine gnostisch-dualistische Weltsicht, in der dem Judentum die Rolle des ewigen Gegenspielers Deutschlands zukam.[12]

Eckart verfasste das Sturmlied der SA und machte die im Refrain verwendete Formulierung „Deutschland erwache!“ zum NS-Schlachtruf. Als „Parteidichter“ der NSDAP genoss er zeitweilig Popularität unter deren Anhängern.[3] Adolf Hitler widmete u. a. Eckart sein 1925 erschienenes Buch Mein Kampf, in dem er ihn als Märtyrer der nationalsozialistischen Bewegung feierte. Alfred Rosenberg, der bereits an Eckarts Zeitschrift Auf gut deutsch (gegründet im Dezember 1918) mitgearbeitet hatte, übernahm sein Amt beim Völkischen Beobachter im März 1923, hatte er doch wesentliche Ideen bei Eckart bezogen, sowohl aus dessen politischen als auch aus den religiös-esoterischen Positionen.[3]

Am 30. Mai 1919 hielt Eckart einen Gastvortrag vor der völkisch-antisemitisch ausgerichteten Münchener Thule-Gesellschaft; daran nahmen auch Alfred Rosenberg, Gottfried Feder und Rudolf Heß teil.[13] Dass Eckart und Rosenberg Mitglieder dieser Gesellschaft gewesen seien, ist eine Legende; diese wurde seit den 1960er Jahren in verschwörungstheoretischer Literatur verbreitet.[14]

Dietrich Eckart versprach 1921 jedem 1000 Reichsmark Belohnung, der ihm eine jüdische Familie nennen könne, deren Söhne länger als drei Wochen an der Front gewesen waren. Der Landesrabbiner Samuel Freund aus Hannover nannte 20 jüdische Familien, für die dies zutraf, und verklagte Eckart, als dieser die Belohnung verweigerte. Im Prozess nannte Freund weitere 50 jüdische Familien mit bis zu sieben Kriegsteilnehmern, darunter etliche, die bis zu drei Söhne im Krieg verloren hatten. Eckart verlor den Prozess und musste zahlen.[15]
Gedenken und Ehrungen in der NS-Zeit


Die Berliner Waldbühne hieß ursprünglich „Dietrich-Eckart-Freilichtbühne“

Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es mehrere Eckart-Denkmäler und Gedenkorte. Die heute Berliner Waldbühne genannte Freilichtbühne des Berliner Olympiageländes wurde nach der Erbauung 1936 nach Eckart benannt. Die Oberrealschule für Jungen in Dresden-Johannstadt erhielt den Namen „Dietrich-Eckart-Schule – Oberschule für Jungen“. Als 1937 in Emmendingen das Realprogymnasium zum Vollgymnasium ausgebaut wurde, erhielt es ebenfalls den Namen „Dietrich-Eckart-Schule, Oberschule für Jungen“.[16] Seine Geburtsstadt Neumarkt in der Oberpfalz trug in dieser Zeit den offiziellen Namenszusatz „Dietrich-Eckart-Stadt“; im Jahr 1934 weihte Adolf Hitler dort ihm zu Ehren ein Denkmal im Stadtpark ein. 1933 wurde im Westen der Stadt Regensburg eine Straße nach Eckart benannt, die 1963 in Gerlichstraße umbenannt wurde.[17] Die heutige "Adolf-Reichwein-Straße" in Jena wurde nach Dietrich Eckart benannt; 1933 auch die heutige Jüdenstraße in Gotha, welche dann ab 1945 zunächst Waidstraße hieß.[18] 1943 wurde die liberal-demokratische Frankfurter Zeitung nach einem Artikel über Eckart verboten.[19][20] In Danzig hieß eine 1936/37 von der Deutschen Arbeitsfront bebaute Straße „Dietrich-Eckart-Weg“; sie wurde nach 1945 in ulica Grodzieńska umbenannt.[21] In Düsseldorf-Golzheim wurde 1937 in der Mustersiedlung Schlageterstadt zur Ausstellung Schaffendes Volk ein Platz nach ihm benannt, welcher nach 1945 in Albrecht-von-Hagen-Platz umbenannt wurde.

In Hamburg wurde 1934 ein Preis für Kulturschaffende nach Dietrich Eckart benannt, der parallel zum Lessing-Preis verliehen wurde.[22][23]
Verschwörungstheorien

In dem 1960 erschienenen verschwörungstheoretischen Buch Le matin des magiciens von Louis Pauwels und Jacques Bergier (deutsch: Aufbruch ins dritte Jahrtausend, 1962) wurde Eckart – neben Karl Haushofer und Alfred Rosenberg – zu einem „okkulten Berater“ Hitlers stilisiert.[14] Diese Männer hätten der Thule-Gesellschaft angehört, und diese sei „der magische Mittelpunkt der NS-Bewegung“ und im Geheimen die lenkende Kraft des Dritten Reiches gewesen. Diese Fiktion erfuhr eine weitere Ausgestaltung in The Spear of Destiny (1972, deutsch: Der Speer des Schicksals) von Trevor Ravenscroft, wonach Eckart und Haushofer im Rahmen der Thule-Gesellschaft satanistische Rituale gepflegt hätten, bei welchen Juden und Kommunisten als Opfer gedient hätten.[24] Dabei sei auch Hitler in diese Praktiken eingeweiht und so zu einem Werkzeug des Bösen gemacht worden. Diese frei erfundenen Behauptungen waren Teil einer umfangreichen verschwörungstheoretischen Literatur, die vor allem in den 1960er und 1970er Jahren den Nationalsozialismus mit okkultistischen Praktiken, schwarzer Magie und Geheimlehren in Verbindung brachte.[25]
Schriften
Theaterstücke

Der Froschkönig. Romantische Komödie. 1904. (online)
Familienväter. Tragische Komödie in 3 Aufzügen. Wigand, Berlin und Leipzig 1904.
Der Erbgraf. Schauspiel in 3 Aufzügen. Bloch, Berlin 1907.
Ein Kerl, der spekuliert. Komödie in 3 Aufzügen. Manuskript 1909.
Henrik Ibsens Peer Gynt. In freier Übertragung für die Bühne. 1912 (Hoheneichen, München 1916).
Heinrich der Hohenstaufe. Deutsche Historie in 4 Vorgängen. Herold, Berlin-Steglitz 1915. (online)
Lorenzaccio. Tragödie. Verband deutscher Bühnenschriftsteller, Berlin 1918 (als Lorezaccio. Tragödie in 5 Aufzügen bei Hoheneichen, München 1920).

Lyrik, Polemiken, journalistische Beiträge

In der Fremde. Gedichte. 1893.
Ibsen, Peer Gynt, der große Krumme und ich. Herold, Berlin-Steglitz 1914.
Abermals vor der Höhle des Großen Krummen. Erneute Aussprache über Theaterkritik. Herold, Berlin-Steglitz 1915.
Auf gut deutsch. Wochenschrift für Ordnung und Recht. Hoheneichen, München 1918–1920.
Völkischer Beobachter. 1920–1923.
Der Bolschewismus von Moses bis Lenin. Zwiegespräch zwischen Adolf Hitler und mir. Hoheneichen, München; Franz Eher Nachfolger, München; [R. Hoffmann], [Leipzig] [1925]. (online)


Quelle
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