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Mit dem Frost schlägt soziale Kälte durch

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Beitrag  checker Di Nov 15, 2011 8:24 am

Die kalte Jahreszeit bedroht nicht nur Obdachlose. Menschen in Armut fürchten hohe Heizkosten. Sich nie etwas leisten zu können, macht gerade in den dunklen Wochen vor Weihnachten auch psychisch krank. Auffangstellen bieten Hilfe - und sei es nur ein offenes Ohr.

Mit dem Frost schlägt soziale Kälte durch 15200449

Der erste Nachtfrost treibt nicht nur Obdachlose in die Auffangstellen in Niedersachsen. Auch Menschen mit wenig Geld fürchten wegen steigender Heizkosten die kalte Jahreszeit. Und verstärkt zieht Armut auch psychische Probleme nach sich, in den dunklen Monaten und der Zeit vor Weihnachten schütten Betroffene ihr Herz aus.

Anlaufstellen gibt es viele in Niedersachsen - aber keine Lösung für alle Probleme. "Zunehmend sind Menschen mit Nachzahlungen im Energiebereich überfordert", berichtet der Armutsexperte des Caritasverbandes Hildesheim, Ralf Regenhardt. „Betroffen sind Alleinerziehende und einkommensschwache kinderreiche Familien.“

Die Folge sei, dass die Energieversorgung abgestellt werde - An- und Abklemmgebühren für Strom etwa könnten aber alleine schon mit 250 Euro zu Buche schlagen. „Da setzt eine Spirale ein - kein warmes Essen, keine geheizten Räume“, meint Regenhardt. „Gerade Kinder sind betroffen, in einer kalten Bude können sie nicht vernünftig Hausaufgaben machen.“ Zwar bemühten sich Sozialleistungsträger um eine Darlehenslösung - diese greife meist aber nicht sofort.

Für Menschen, die die meiste Zeit auf der Straße leben, ist in Hannover wieder die mobile Wohnungslosenhilfe der Diakonie angelaufen. Seit Oktober sind während der sechs kalten Monate Straßensozialarbeiter mit einer mobilen Essensausgabe unterwegs, berichtet der Leiter der Wohnungslosenhilfe der Diakonie, Michael Schroeder-Busch. Angesteuert werden Treffpunkte von Obdachlosen, an denen Sozialarbeiter dann auch schauen, ob es jemand an Kleidung oder medizinischer Versorgung mangelt.

Damit Obdachlose nicht auf der Straße übernachten müssen, bieten Diakonie und Caritas in Niedersachsen 1500 stationäre und 1800 ambulante Plätze in 55 Einrichtungen an. Alle Landkreise und kreisfreien Städte verfügen über eine Anlaufstelle.

„Wir haben für die kalte Zeit gesammelt, Schlafsäcke und Decken, die werden jetzt verteilt“, sagt der Leiter des warmen Mittagstisches in Hildesheim-Drispenstedt, Diakon Wilfried Otto. Im Lauf der Jahre sei die Zahl der Menschen gestiegen, die Probleme hätten, über die Runden zu kommen. „In letzter Zeit wird es schwieriger, die Länge des Monats auszuhalten.“ Glücklicherweise gebe es aber genügend Menschen und Läden, die den Mittagstisch und seine Hilfsangebote unterstützten.

„Wir haben den Bereich der psychisch Kranken, der häufig vergessen wird“, sagt Caritas-Geschäftsführer Berthold Schweers in Lüneburg. „Das nimmt dramatisch zu.“ Betroffen seien Menschen mit schlecht bezahlter oder ohne Arbeit, die ihre Armut krank mache. „Die leiden ganz massiv.“ Die Einsicht, sich nichts leisten zu können, den Kindern keine Geschenke kaufen zu können angesichts der üppigen Weihnachtswerbung mache vielen zu schaffen. „Der Konsumdruck wird stärker und keiner möchte erkannt werden als jemand, der sich etwas nicht leisten kann.“ Manchem kann die Caritas vor Weihnachten mit einem kleinen Geldbetrag aushelfen.

„Aufgrund der sozialen Probleme nehmen auch psychische Probleme zu“, weiß auch Heike Becker von der Bahnhofsmission in Osnabrück. Der Zulauf an Menschen sei gestiegen. „Die Obdachlosen freuen sich, dass sie etwas länger bleiben können, um sich aufzuwärmen.“ Eine Tasse Kaffee und zwei Scheiben Brot bietet die Mission Gestrandeten - und die Möglichkeit zum Gespräch.

Eine kleine Hilfe, der Spirale von steigenden Energiekosten und Nachzahlungen zu entkommen, bietet die Aktion Stromsparcheck in Hildesheim. Berater besuchen interessierte Familien und nehmen die Elektrogeräte unter die Lupe, um Stromfresser zu identifizieren, sagt Mitorganisator Jörg Piprek.

Für bis zu 70 Euro gibt es auch materielle Unterstützung, etwa in Form von Energiesparlampen, Steckdosenleisten zum Abschalten vieler auf Stand-By stehender Geräte oder Filtern für den Wasserhahn, die den Verbrauch senken. 80 bis 100 Euro pro Jahr ließen sich so sparen, meint Piprek. Kaum genug, um gleich die Anschaffung eines stromsparenden neuen Kühlschranks zu finanzieren. 100 Kühlschränke spendete die Initiative daher für Bedürftige im letzten Jahr. dpa


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