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Beitrag  Andy Fr Dez 14, 2012 8:40 pm

Oberamtsmeister Klaus B. hat in der Poststelle des Bundestags rund 780.000 Euro veruntreut. Jetzt steht er vor Gericht

Klaus B. galt als "König der Poststelle"
im Bundestag. Der Oberamtsmeister habe in seinem Bereich über alles
Bescheid gewusst, heißt es in der Behörde. Und er habe bereitwillig alle
Aufgaben übernommen. Doch das Motiv dafür war nicht nur Fleiß. Klaus B.
hat sein Amt skrupellos ausgenutzt und sich seit dem Jahr 2002
vermutlich mehr als eine Million Euro aus dem Budget der Poststelle
angeeignet. Ein Teil der Taten ist verjährt. Aber rund 780.000 Euro
stehen noch zu Buche. Jetzt muss sich der 43-Jährige vor einer Moabiter
Strafkammer wegen Untreue im besonders schweren Fall verantworten.





Klaus B. gesteht diese
Veruntreuungen gleich zu Beginn des Prozesses. Das ist wenig
verwunderlich. Sie können ihm ohnehin auf Cent und Euro nachgewiesen
werden. Die Schuld indes sieht Klaus B. - so deutet er es an - zumindest
teilweise auch bei den Vorgesetzten. Sie hätten nicht kontrolliert,
sagt er, seien nicht sachkundig gewesen und im Grunde auch nicht
interessiert. So hätte er seinem direkten Vorsitzenden auf Formularen
immer nur die Stelle zeigen müssen, wo dieser unterschreiben sollte, das
habe dieser angeblich auch ohne Prüfung getan.


Begonnen mit den
Unterschlagungen hatte Klaus B. im Jahr 2002. Es bedurfte dafür keines
genialen Plans, sondern eher einer gehörigen Portion Frechheit: Er
schickte unter seinem eigenen Namen per Nachnahme Pakete - gefüllt mit
leeren Flaschen oder Knüllpapier - und gab als Empfänger für die
Nachnahmegebühren ebenfalls seinen eigenen Namen an. Die Gebühren, die
er als Mitarbeiter der Poststelle erstattete, lagen in der Regel bei
2000 bis 3000 Euro - und wurden auf seinem eigenen Konto verbucht. "Es
war so einfach", sagte er, "die wollten es offenbar nicht merken."
Selbst bei einer Kassenprüfung durch den Bundesrechnungshof seien die
Überweisungen auf sein eigenes Konto nicht aufgefallen.




Komplize von der Post




Ein Mitarbeiter der Post, der
zur Poststelle des Bundestages regelmäßig Briefe und Pakete brachte,
sitzt wegen Beihilfe zu besonders schwerer Untreue ebenfalls auf der
Anklagebank. Der 44-jährige Tino L. war wegen des ständig gleichen
Empfängernamens und der vergleichsweise hohen Nachnahmegebühren stutzig
geworden. Er hatte den Oberamtsmeister dann auch sehr direkt
angesprochen: Ob das in der Behörde nicht auffallen würde, ob das keiner
kontrolliere. Worauf ihm Klaus B. geantwortet haben soll, dass es
überhaupt kein Problem sei. Er verfüge in der Poststelle jährlich über
ein Budget von 800.000 bis zu einer Million Euro. Da seien diese kleinen
Summen "doch nur ein Trinkgeld". Das habe ihn überzeugt, sagt der
Postmitarbeiter. "Ich habe mir gedacht, wenn so viel Geld übrig ist und
keiner was merkt, kann ich ja auch was von dem Kuchen abbekommen."


Fortan arbeiteten die beiden
Hand in Hand. Tino L. konnte das betrügerische Verfahren sogar noch ein
wenig straffen. Sie sparten sich die Pakete und benutzten einfach
Blanko-Formulare, in denen Tino L. die zuvor abgesprochenen Summen
eintrug. Die Beute teilten sie sich. Das funktionierte auch, als der
Oberamtsmeister fast das ganze Jahr 2011 krankgeschrieben und der
Poststelle fern geblieben war.


Klaus B. sagt vor Gericht,
dass er zuweilen "Skrupel und Angst" gehabt und manchmal auch "schlecht
geschlafen" habe. "Mit war klar, dass ich meinen Job als Beamter
verliere, wenn ich goldene Löffel klaue", sagt er. Aber er habe nicht
daran gedacht, deswegen eines Tages vor einem Strafgericht sitzen zu
müssen.


Von seinem Anteil an der
Beute, die Staatsanwaltschaft geht von mindestens 400.000 Euro aus, will
Klaus B. nichts übrig haben. Er habe als Fotoamateur "viel Geld für
mein Hobby ausgegeben", sagt er. Für zwei Foto-Workshops auf Lanzarote
und Mallorca und Ausgaben für Models und für eine Visagistin. Zudem will
er einem Privattrainer monatlich angeblich 1200 Euro gezahlt haben.




300.000 Euro auf der Bank




Die Richter sind skeptisch, ob
dafür wirklich das ganze Geld ausgegeben wurde. Klaus B. bleibt dabei.
Anders ist es bei seinem Komplizen. Tino L. sagt unumwunden, dass er das
betrügerisch erworbene Geld "eigentlich gar nicht gebraucht" habe. "Ich
verdiente 2300 Euro netto, war nicht spielsüchtig." Einen Teil der
Beute investierte er für die Finanzierung eines Reihenhauses. Das meiste
Geld - knapp 300.000 Euro - verteilte er auf drei Bankkonten. Dort lag
es auch noch und konnte zurückgegeben werden, als die beiden im Februar
dieses Jahres festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht wurden.
Eine Referatsleiterin hatte etwas bemerkt und eine Tiefenprüfung
eingeleitet.


Klaus B. saß vier Monate in
Untersuchungshaft, ist jetzt vom Dienst suspendiert und erhält nur noch
die Hälfte seiner Bezüge - immerhin noch 1100 Euro.


Auch Tino L. kam zunächst in
Untersuchungshaft. Er hatte nach seiner Festnahme alles zugegeben und
auch die Rolle von Klaus B. beschrieben, der anfangs nicht sehr
aussagewillig gewesen sein soll. Den Job bei der Post hat Tino L.
verloren. Er arbeitet jetzt bei einem Versandhandel, für monatlich 600
Euro. Von seinem Reihenhäuschen, das er mit Ehefrau und Kind bewohnt,
wird er sich wohl trennen müssen. Dennoch steht er auch weiterhin vor
einem riesigen Berg Schulden. Denn er und Klaus B. haften als ehemalige
Komplizen gesamtschuldnerisch für den Schaden. Und beim Oberamtsmeister
ist von der Beute angeblich ja nichts geblieben.


Der Prozess wird am 19. Dezember mit Zeugenaussagen fortgesetzt.


Quelle
Andy
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