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Längerfristiges Refinanzierungsgeschäft

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Längerfristiges Refinanzierungsgeschäft Empty Längerfristiges Refinanzierungsgeschäft

Beitrag  checker Mo Apr 13, 2015 3:29 am

Bei längerfristigen Refinanzierungsgeschäften (auch: Basistender), abgekürzt LRGs,[1] englisch longer-term refinancing operations (LTRO)[2] handelt es sich um eine Art von geldpolitischen Operationen der Europäischen Zentralbank. Die Geschäfte zählen zu den so genannten Offenmarktgeschäften und werden demgemäß auf Initiative der Zentralbank durchgeführt. Im Jahr 2006 machten längerfristige Refinanzierungsgeschäfte im Tagesdurchschnitt etwa 20 Prozent des gesamten Refinanzierungsvolumens aus.[3] Sie werden von der Europäischen Zentralbank zum einen regelmäßig (monatlich) mit einer Laufzeit von drei Monaten angeboten; im Zuge der Finanz- und Eurokrise bot die EZB darüber hinaus auch in unregelmäßigen Abständen Geschäfte mit längeren Laufzeiten von sechs, zwölf oder 36 Monaten an (siehe weiter unten).

Ebenso wie ihre kurzfristigen Pendants, die wöchentlich angebotenen Hauptrefinanzierungsgeschäfte mit einwöchiger Laufzeit, werden auch längerfristige Refinanzierungsgeschäfte entweder als Pensionsgeschäfte oder mittels Pfandkrediten realisiert.[4] Bei der Abwicklung als (echtes) Pensionsgeschäft müssen die Geschäftsbanken Vermögenswerte als Sicherheiten an den Gläubiger übertragen, wobei gleichzeitig der Rückkauf am Ende der Laufzeit vereinbart wird (Repo-Transaktion); im Falle von Pfandkrediten besteht lediglich ein durchsetzbarer Anspruch, bei einem Zahlungsausfall des Schuldners (der Geschäftsbank) auf Vermögenswerte von diesem zugreifen zu können. Welches Verfahren zur Anwendung kommt, hängt von den Gepflogenheiten der jeweiligen nationalen Notenbank ab, über die die Transaktion abgewickelt wird. Als absichernde Vermögenswerte kommen in jedem Fall nur notenbankfähige Sicherheiten infrage; zudem nimmt die Europäische Zentralbank unterschiedliche Abschläge (haircuts) in Abhängigkeit von der Bonität der Wertpapiere vor.

Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte sind somit liquiditätszuführend.
Euroschuldenkrise

Vor dem Hintergrund der Eurokrise wurden durch die EZB mehrere längerfristige Refinanzierungsgeschäfte durchgeführt, um den Normalisierungsprozess und das Funktionieren des Euro-Geldmarktes zu unterstützen.[5] Die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte, auch mit dem Schlagwort „Dicke Berta“ bezeichnet,[6] vom 21. Dezember 2011 und vom 29. Februar 2012 wurden als Tender mit der langen Frist von drei Jahren durchgeführt.[7] Die Banken zahlen nach Fälligkeit einen Zins, der dem durchschnittlich während der Laufzeit herrschenden EZB-Hauptrefinanzierungssatz („Leitzins“) entspricht. Zum Zeitpunkt der Zuteilung der dreijährigen Basistender betrug dieser Leitzins 1,00 Prozent.[8] Nach einem Jahr, Anfang 2013, machten Banken von der Möglichkeit Gebrauch diese langfristig gewährten Kredite von rund einer Billion Euro vorzeitig zurückzuzahlen. Insgesamt wurden reichlich 20 % oder mehr als 200 Mrd. Euro Januar/Februar 2013 zurückgezahlt.[9]

Eine von einigen Beobachtern und Entscheidungsträgern vorgebrachte Erwartung bestand darin, dass Banken die Kredite der EZB dazu verwenden könnten, um höher verzinsliche Staatsanleihen zu kaufen mit dem Ziel, einen Gewinn aus der Zinsdifferenz zu erzielen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte in Bezug auf die Ausweitung dieser Krisenhilfen der EZB erklärt: „Das bedeutet, dass jetzt jeder Staat zu seinen Banken gehen kann, die Liquidität zu ihrer Verfügung haben werden.“ In Anlehnung an Sarkozy wird für die Hypothese in der Umgangssprache hin und wieder auch die Bezeichnung „Sarkozy-Trade“ oder „Sarko-Trade“ verwendet.[10][11]

Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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