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Die Kühne + Nagel International AG

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Die Kühne + Nagel International AG  Empty Die Kühne + Nagel International AG

Beitrag  checker Mo Jun 27, 2016 9:24 am

Die Kühne + Nagel International AG ist ein international tätiges Logistik- und Gütertransportunternehmen mit Sitz im Ortsteil Schindellegi der Gemeinde Feusisberg im Schweizer Kanton Schwyz.

Die Kühne + Nagel International AG  250px-Kun-logo.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN CH0025238863
Gründung 1. Juli 1890
Sitz Schindellegi, Schweiz
Leitung Detlef Trefzger
(Vorsitzender der Geschäftsleitung)
Karl Gernandt
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 62.744 (Dezember 2013)[1]
Umsatz 20,929 Mrd. CHF (2013)[1]
Branche Transport / Logistik
Website www.kuehne-nagel.com
Stand: 31. Dezember 2013


Geschichte
Gründungsjahre

Die Kühne + Nagel International AG  800px-Haus_von_Kapff_-_Bremen_-_1907
Kühne + Nagel, Firmenzentrale in Bremen 1909 bis ca. 1944 (linkes Gebäude)

Am 1. Juli 1890 gründeten August Kühne (1855-1932) und Friedrich Gottlieb Nagel (1864-1907) in Bremen ein Speditions- und Commissionsgeschäft, welches nach dem Tod von Nagel in den alleinigen Besitz von Kühne überging. 1909 erwarb Kühne als Firmensitz die „von Kapff 'sche Burg“ an der damaligen zweiten Großen Weserbrücke, und 1910 wurde Adolf Maass (* 1875 in Borgholzhausen und 1942 deportiert nach Theresienstadt, † in Auschwitz),[2] der die Hamburger Niederlassung aufbaute,[3] Teilhaber von Kühne + Nagel.[4]
Kühne + Nagel in der Zeit des Nationalsozialismus

Im April 1933, kurz nach dem Tode August Kühnes, wurde Adolf Maass – mit 45 Prozent der größte Anteilseigner von Kühne + Nagel – von den Söhnen Alfred Kühne (1895–1981)[5] und Werner Kühne (* 1898, erwähnt 1951)[6] aus dem Unternehmen herausgedrängt.[7]

Kühne + Nagel kam eine Schlüsselrolle bei der „M-Aktion“ des NS-Regimes zu. Insgesamt hatte die verantwortliche NS-Dienststelle bis August 1944 in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Luxemburg die Einrichtungen von rund 65.000 Wohnungen abtransportieren lassen. 500 Frachtkähne und 674 Züge waren dafür nötig. Bei der Umsetzung half Kühne + Nagel. Das Unternehmen war direkt und mit Hilfe von Subunternehmen in allen besetzten westlichen Ländern aktiv. Die Transporte aus den Niederlanden sind am ausführlichsten recherchiert. K + N charterte beispielsweise einen eigenen Dampfer um jüdisches Raubgut in das Deutsche Reich zu transportieren. Das erste Frachtschiff aus Amsterdam traf im Dezember 1942 in der Hansestadt Bremen ein. Die Stückliste weist 220 Armsessel, 105 Betten, 363 Tische, 598 Stühle, 126 Schränke, 35 Sofas, 307 Kisten mit Glasgeschirr, 110 Spiegel, 158 Lampen, 32 Uhren, ein Grammofon und zwei Kinderwagen aus. Dabei handelte es sich um das Eigentum niederländischer Juden, die im Sommer 1941 in Konzentrationslager deportiert worden waren.[8]

Für den Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg führte K + N laut dem Historiker Wolfgang Dreßen „allein aus Paris [...] zwischen 1941 und 1944 29 Kunsttransporte“ durch.[9] In Südfrankreich suchte auch ein Mitarbeiter von Kühne + Nagel aktiv nach Möbeln. Laut Dreßen gab es eine äußerst enge Zusammenarbeit mit Behördenmitarbeitern und der deutschen Besatzung. Eine eigene DIN-Norm gab es, nach der geraubtes Gut verteilt wurde.

„Die Firma ist somit mitverantwortlich für den Tod von Leuten, sie haben damit Geld verdient“,[10] ordnet der Historiker Dreßen die Verantwortung von Kühne + Nagel ein. Auch der Historiker Frank Bajohr vom Münchner Zentrum für Holocauststudien im Institut für Zeitgeschichte (IfZ) sieht in den Geschäften von Kühne + Nagel "eine relative Nähe zum Massenmord". Bei der Verschickung des zusammengeraubten Mobiliars der deportierten Juden habe die verantwortliche NS-Dienststelle Westen eng mit der Spedition Kühne + Nagel zusammengearbeitet, sagt der Historiker Johannes Beermann[11], der zu den M-Transporten forschte.[12] Kühne + Nagel übernahm schließlich selbst die Organisation der Transporte aus den besetzten Westgebieten ins Reich.

Wolfgang Dreßen weist darauf hin, dass Kühne+Nagel nicht alleine gewesen sei, denn andere große Logistikunternehmen seien ähnlich verstrickt gewesen. Allerdings war Kühne + Nagel führend in dem entstandenen verbrecherischen "Wirtschaftszweig"; "dabei gelang es dem Fuhrunternehmen, sich so erfolgreich gegen potenzielle Mitbewerber durchzusetzen, dass Kühne + Nagel im Verlauf der 'M-Aktion' quasi das Monopol auf diese lukrativen Staatsaufträge erhielt." beurteilt Beermann die Rolle des heute drittgrößten Logistikunternehmens der Welt.[13] Das jüdische Eigentum wurde oft als Hollandmöbel bezeichnet.[14]
Entnazifizierung und Organisation Gehlen

Die Brüder Alfred und Werner Kühne wurden nach Kriegsende durch amerikanische Stellen einer umfangreichen Untersuchung zur ihrer Rolle in der Nationalsozialistischen Herrschaftszeit unterzogen. Neben persönlichen Daten wurde auch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens beleuchtet. Deutlich wurde, dass die Geschäftsinhaber, entgegen einer noch bis 2015 von Kühne + Nagel aufrecht erhaltenen Darstellung, ab 1933 gut verdient haben. Die Mitarbeiterzahl in Bremen lag bis 1945 konstant bei 600 Angestellten. Informationen zur „M-Aktion“ finden sich in den Akten nicht. Die Firma wurde mehrfach mit dem Gau-Diplom als nationalsozialistischer Musterbetrieb ausgezeichnet. Aufgrund dieser Aktenlage wurden beide Kühnes nicht "entnazifiziert" sondern als "Mitläufer" eingestuft. Damit hätte keiner der beiden die international tätige Spediton weiter führen dürfen.[15]

In den Entnazifizierungsakten findet sich die Intervention der CIA, welche "top secret" klassifiziert war. Das Schreiben ist die Anordnung, dass Alfred Kühne zu entnazifizieren sei. Nach Informationen des Geheimdienst-Wissenschaftlers Erich Schmidt-Eenboom gehörte Kühne + Nagel zu den wichtigsten Tarnunternehmen der neu aufgebauten Organisation Gehlen. Er beurteilt die Bedeutung von K + N wie folgt: "Die CIA hat 1955 eine Aufstellung sämtlicher Tarnfirmen des Gehlen-Apparates gemacht, und da rangiert Kühne + Nagel sehr weit oben. Zum einen die Bremer Zentrale, zum zweiten die Münchner Niederlassung, und zum dritten war das Bonner Büro von Kühne + Nagel der Sitz von Gehlens Verbindungsmann zur Bundesregierung."[16]
Kühne + Nagel ab 1945

Nach den Luftangriffen auf Bremen und Hamburg und in der Nachkriegszeit kontrollierten die Gebrüder Kühne die K + N Geschäfte vom Anwesen Lichtensee in Hoisdorf aus, welches Werner Kühne 1938 von der jüdischen Hamburger Industriellenfamilie Hugo Hartig (1871-1928) – die in die USA flüchteten musste[17] – für 100 000 Reichsmark (RM) abkaufte.[18][19][20]

Aus einem Exposé datiert Dezember 1945, von Alfred Kühne – mit Bitte um eine gemeinsame Besprechung mit Erik Blumenfeld – gerichtet an die Handelskammer Hamburg, geht hervor, dass das Unternehmen vor Kriegsbeginn „nur 360 Angestellte“ in Hamburg hatte und nach Kriegsbeginn „die Firma Niederlassungen in Holland, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und der Türkei errichtete. Die Firma hat [..] eigene Sachwerte an Geschäftshäusern, Mietshäusern, Lagerhäusern, Fuhrbetrieben, etc. in Bremen, Bremerhaven, Hamburg, Lübeck, Stettin, Berlin, Leipzig, die zum großen Teil zerstört sind. Angemeldete Reparationen über 3 Millionen Reichsmark.“[21]

Zwischen Herbst 1945 und Ende 1953 war der „half Jew“[22] und spätere Co-Gründer von Rohde und Liesenfeld, Dieter Liesenfeld (1921-2010), Teilhaber von Kühne + Nagel.[23][24][25] Liesenfeld war bereits 1944 in Wien für K + N tätig[26], wurde nach dem Krieg im Alter von 24 Jahren mit 5.970 RM am Kühne + Nagel Firmenvermögen (Alfred K.: 511.849 RM, Werner K.: 473.850 RM) beteiligt und war dort Angestellter. Auch wurde vereinbart, dass die nun wieder drei Unternehmenseigner Alfred (45 %), Werner Kühne (45 %) und Liesenfeld (10 %) ihre Gewinne teilen.[27] 1947 wurde Liesenfeld dann vom Office of Military Government for Germany (U.S.) zum Treuhänder („Custodian“) von den zunächst „geblockten“ K + N Firmen und Konten ernannt, welche bereits ab 3. Oktober 1946 unter dem „Property Control custodian“ Willi Kerber aus Bremen standen.[28] Zu den am 15. November 1946 ebenfalls unter „Property Control“ gestellten Firmen von K + N Bremen und Hamburg gehörten mit der Firmenadresse Raboisen 40 in Hamburg die Unternehmen Johs. Weber & Freund, Carl Baumeister, Wilhelm Stellfeld, Eugen Rüdenburg, Joh. Heckemann, Kakao Sped. GmbH, Schmidt & Olwig GmbH und auf der Wallhalbinsel in Lübeck die Firmen Ernst Röbken, Krook & Petersen und O. Bartsch & Co.. Alfred und Werner Kühnes Konten- und Vermögenssperren und Anstellungsbeschränkungen wurden mit ihrer Entnazifizierung in die „Kategorie IV“ zum 1. Juli 1948 aufgehoben.[29][30]

Die 1944 zerstörte Bremer Firmenzentrale, welche sich ab 1910 in der sogenannten „Kappfschen Burg“ an der zwischen 1958 und 1960 neu gebauten Wilhelm-Kaisen-Brücke befand, wurde verlegt. Alfred Kühne erteilte dem Architekten Cäsar Pinnau den Auftrag auf einem größeren Gelände einen sechsgeschossigen Neubau zu errichten, welcher im März 1962[31] als August Kühne-Haus eingeweiht und Anfang der 1970er Jahre um drei Etagen aufgestockt wurde.[32]

1950 wurde eine Zweigniederlassung in Buenos Aires/Argentinien eröffnet.[33]

Der Anteilseigner Werner Kühne verließ im Dezember 1951 das Unternehmen, gründete in Bremen die Africana Transport GmbH und übernahm auf eigene Rechnung die bestehende Kühne + Nagel-Vertretung in Johannesburg/Südafrika.[34]

1953 wurden Stützpunkte im kanadischen Montreal und Toronto mit einer Niederlassung in Vancouver (1957) eröffnet.[35] 1955 folgten Holland, sowie 1957 in Bagdad/Irak über Kühne + Nagel die Orient Transport Company Ltd. und 1960 wurde eine 75-prozentige Beteiligung an der Société de Transit Oriental S.A.L. in Beirut/Libanon eingegangen.[36]

Im April 1959 wurde mit der Kühne + Nagel AG (Kapital 500.000 Fr.) in der Schweiz eine Filiale in Zürich/Basel errichtet.[37]

Einstieg von Klaus-Michael Kühne als Gesellschafter

1963 wurde der Gründerenkel Klaus-Michael Kühne mit 26 Jahren persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) und Teilhaber. 1965 wurde die Kühne + Nagel Speditions-AG in Bremen gegründet, welche als haftende Gesellschafterin der Kühne & Nagel KG fungierte. Nach Angaben der Wochenzeitung Die Zeit befanden sich 1967 von den zehn Millionen Mark Aktienkapital 80 Prozent im Besitz der Familie und 20 Prozent in den Händen von Mitarbeitern, deren Aktienbesitz jedoch an die Mitarbeit in der Firma gebunden war.[38]

1969 verlegte der damals 74-jährige Firmenpatriarch Alfred Kühne den Hauptverwaltungssitz von Kühne + Nagel nach Schindellegi oberhalb vom Zürichsee auf der schwyzer Seite.[39]

Nachdem sich Alfred Kühne und sein Stellvertreter Ludwig Rössinger (* 1898),[40][41] der bereits 1924 die Frankfurter KN-Niederlassung repräsentierte und ab 1954 Teilhaber von Kühne + Nagel war,[42] 1975 aus Altersgründen aus dem Aufsichtsrat zurück zogen, übernahmen Klaus-Michael Kühne und sein Stellvertreter Rudolf Lück die Posten.[43]

1976 verlegte Klaus-Michael Kühne den Firmensitz in die Schweiz. Im gleichen Jahr wurde die Unternehmensmitbestimmung in Deutschland eingeführt. Das Unternehmen hat durch die Verlagerung in den Kanton Schwyz keinen Aufsichtsrat nach deutschem Mitbestimmungsrecht.[44]

Klaus-Michael Kühne trieb die Internationalisierung voran. In den Zeiten der ersten und zweiten Ölkrise versuchte er ein Reedereiunternehmen aufzubauen, geriet damit in finanzielle Schwierigkeiten[45] und musste 1981 – im Todesjahr seines Vaters – 50 Prozent der Anteile für 90 Millionen DM an die damalige Lonrho-Gruppe von Tiny Rowland abgeben. 1983 berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel über aufgeflogene dubiose Waffentransporte von internationalen Waffenhändlern nach Afrika, in die Kühne + Nagel verwickelt war.[46]

1990 übernahm Kühne + Nagel das DDR-Verkehrskombinat Deutrans.[47][48]

Für 340 Millionen Mark kaufte 1992 Klaus-Michael Kühne die KN-Anteile von Lonrho zurück.[49][50] Zum 1. Juli 1992 stieg mit 33,34 Prozent die Berliner VBB Viag-Bayernwerk-Beteiligungsgesellschaft mbH, eine Tochtergeschaft mit gleichen Teilen der VIAG und Bayernwerk,[51] bei Kühne + Nagel ein. Weitere 10 Prozent hielt ab Juli 1992 die vormals zur Kommerziellen Koordinierung[52] der DDR gehörende Deutsche Handelsbank (DHB), die der Bank für Gemeinwirtschaft und der Treuhandanstalt gehörte.[53]

Seit 1994[54] ist die Kühne + Nagel International AG eine an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange notierte Publikumsgesellschaft. Gemeinsam mit der VIAG brachte Kühne 18 Prozent der Unternehmensanteile an die Börse und kaufte den Anteil von VIAG 1998 zurück. Zur Finanzierung brachte Kühne in zwei Tranchen 6 und 5,9 Prozent an die Börse, so dass 30 Prozent auf dem Markt gehandelt wurden.[55]

Im Dezember 2000 übernahm die SembCorp Logistics Ltd. aus Singapur ein 20prozentiges Aktienpaket der Kühne + Nagel International AG und verkaufte im Oktober 2004 davon 7 Prozent an Kühne + Nagel zurück und offerierte die restlichen 13 Prozent an institutionelle Anleger.[56]
Firmenjubiläum 2015

2015 feierte Kühne  +  Nagel auf dem Bremer Marktplatz sein 125-jähriges Firmenjubiläum. Das Unternehmen stellte in einem Glaspavillon und großen LKWs die bebilderte Firmengeschichte dar. Die Ausstellung tourte durch die europäischen Niederlassungen des Konzerns. Die Feiern sorgten auch für Kritik: Als „grenzwertig“ bezeichnete Bürgerschaftspräsident Christian Weber die weiträumige Absperrung auf dem Platz zugunsten eines von Sicherheitskräften bewachten Glaspavillons und Riesen-Trucks.[4] Die Tageszeitung "taz" wies anlässlich des Jubiläums-Auftaktes darauf hin, dass das Unternehmen zwar ein aufwändiges "History Marketing" betreibe, seine herausgehobene Rolle in der NS-Zeit jedoch weitestgehend ausspare bzw. substantiell beschönige.[57]
Firmensituation heute

Kühne + Nagel hält weltweit, direkt oder indirekt, Beteiligungen an über 200 Unternehmen. Der größte Teil dieser Unternehmen sind Kühne + Nagel-Landesgesellschaften und befinden sich ausschließlich im Eigentum der Gruppe.

Das Unternehmen ist heute in über hundert Ländern tätig, betreibt 1.000 Betriebsstätten mit insgesamt rund 7 Mio. Quadratmetern Lagerfläche und beschäftigt ungefähr 63.000 Mitarbeiter.[1]

Das Angebot erstreckt sich über sämtliche in der Logistik übliche Dienstleistungen wie z.B. in der Seefracht, Luftfracht, den europäischen Straßen- und Bahnverkehren sowie in der Kontraktlogistik.
Aufarbeitung der Firmengeschichte

Das Unternehmen Kühne + Nagel machte bis 2015 keine öffentlichen Aussagen zu seiner Rolle und Beteiligung in der NS-Zeit; speziell zu Möbeltransporten und anderen Logistik-Dienstleistungen für NS-Organe in der Zeit von 1933 bis 1945. Auf Anfrage der "taz" erklärte das Unternehmen im Januar 2015, „der Rolle von Kühne+Nagel in diesen Zeitperioden mangelt es an Relevanz“. „Unklar“ sei zudem, „in wessen Auftrag die Transporte durchgeführt wurden“. Es wird weiter darauf verwiesen, dass das Unternehmen in einer wirtschaftlich schwierigen Situation gewesen sei. Der Historiker Jaromir Balcar geht allerdings davon aus, dass Leitende Mitarbeiter von K + N sehr genau wussten, welches Gut sie im Rahmen der M-Aktion transportierten.[58]

Nach mehreren Artikeln in der "taz", die auch auf den vergessenen früheren jüdischen Teilhaber von Kühne + Nagel, Adolf Maass, hinwies, wurde die Rolle von K + N auch in einem Beitrag des Politik-Magazins Kontrovers (BR) im Frühjahr 2015 aufgegriffen. Nach diesen Recherchen profitierte das Unternehmen indirekt von Enteignungen der Nazis, da die Habseligkeiten von deportierten Juden aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg von Kühne + Nagel nach Deutschland transportiert wurden. Kühne + Nagel war damit an der sogenannten „M-Aktion“ beteiligt. 1942 begannen NS-Stellen unter diesem Decknamen die Plünderung jüdischer Wohnungen in den besetzten Ländern. Etwa 70.000 Wohnungen deportierter und geflohener Juden waren betroffen. Mit den angeeigneten, offiziell „beschlagnahmten“ Möbeln sollten deutsche NS-Behörden im Osten ausgestattet werden.[59] Kühne + Nagel verwies gegenüber dem Bayerischen Rundfunk auch darauf, dass das Firmenarchiv 1944 im Krieg abgebrannt sei und man keine Unterlagen zu dem Zeitraum habe.[60]

Unter dem Druck der Recherchen von Kontrovers und „taz“ gab K + N am 17. März 2015 eine Presseerklärung heraus, in der das Unternehmen erstmals einräumte, „zum Teil“ im Auftrag des NS-Regimes gehandelt zu habe.[61]

Wie andere Unternehmen, die bereits vor 1945 bestanden, war Kühne + Nagel in die Kriegswirtschaft eingebunden und musste in dunklen und schwierigen Zeiten seine Existenz behaupten. Schon im Ersten, aber erst recht im Zweiten Weltkrieg war dies eine große Herausforderung. Aus dem für Kühne + Nagel zugänglichen historischen Material geht hervor, dass das Unternehmen von 1939 bis 1945 über die deutschen Grenzen hinaus in den besetzten Gebieten tätig war und vor allem Versorgungslieferungen für die Armee durchführte. Ebenfalls war man im Auftrag der Reichsregierung mit den Transporten von beschlagnahmten Gütern politisch und rassisch Verfolgter befasst. Hierbei handelte es sich größtenteils um Möbel.

Kühne + Nagel ist sich der schändlichen Vorkommnisse während der Zeit des Dritten Reiches bewusst und bedauert sehr, dass es seine Tätigkeit zum Teil im Auftrag des Nazi-Regimes ausgeübt hat. Zu berücksichtigen sind die seinerzeitigen Verhältnisse in der Diktatur sowie die Tatsache, dass Kühne + Nagel die Kriegswirren unter Aufbietung aller seiner Kräfte überstanden und die Existenz des Unternehmens gesichert hat.

In der selben Pressemitteilung bekundete das Unternehmen die Absicht, "Fakten aus der Zeit zwischen 1933 und 1945" in einer "firmeninternen Dokumentation" darstellen zu wollen. Anfragen von Historikern auf Einsicht in das Firmenarchiv wurden seinerzeit (März 2015) daher abschlägig beschieden.[62] Auch weitere Vorstöße renommierter Unternehmenshistoriker stießen auf vehemente Ablehnung seitens des Unternehmens.[63]

Als in Bremen der Abriss des Stammsitzes von Kühne + Nagel – ein neungeschossiger Bau von Cäsar Pinnau an der Große Weserbrücke – und dort ein erweiterter Neubau[64][65] diskutiert wurde,[66] nutzte die taz Bremen dies, um abermals auf die Rolle der Firma in der Zeit des Nationalsozialismus aufmerksam zu machen. Angesichts des Umstands, dass Kühne+Nagel für das Baugrundstück einen Quadratmeterpreis von lediglich rund 900 Euro bezahlen soll,[67] startete die Zeitung eine Aktion, um für einen etwas darüber liegenden Preis eine Fläche von 2×2 Metern für ein Denkmal zur Rolle der Firma in der NS-Zeit zu kaufen. Die 4.400 Euro für die vier Quadratmeter kamen innerhalb von drei Tagen nach dem Aufruf zusammen.[68]

Am 23. Dezember 2015 berichtete die Zeitung von der Aktion und gab bekannt, dass bereits über 16.000 Euro durch die Aktion zusammen gekommen seien und das Geld nun für das Denkmal selbst verwendet würde. Dafür will die Zeitung einen Gestaltungswettbewerb ausschreiben.[69]
Rolle und Schicksal von Adolf Maass

2006 wurde an dem ehemaligen Wohnort des Ehepaar Maass in Hamburg-Winterhude zwei Stolpersteine verlegt. Die Politikerin Ulrike Sparr hatte in diversen Archiven nach Unterlagen gesucht. Dabei stieß sie auf die Aussagen von Adolf Maass’ Sohn Gerhard Maass. Dieser charakterisierte die Kühne-Brüder als „einflussreiche Nazis“, die seinen Vater aus der Firma gedrängt hätten.

In der Festschrift zum 75-jährigen Bestehen der Firma Kühne + Nagel 1965 wird das Wirken von Adolf Maass durchaus gewürdigt. Zu seinem Ausscheiden heißt es darin: „Im April 1933 scheidet Adolf Maaß aus, um als Teilhaber in eine Großhandelsfirma seiner Verwandtschaft einzutreten. Alfred und Werner Kühne führen die Firma als Alleininhaber weiter.“[70]

50 Jahre später, in der Festschrift zum 125-jährigen Jubiläum der Firma ist Adolf Maass erwähnt. Allerdings ist die Festschrift nicht öffentlich zugänglich und wurde in einer so kleinen Auflage gedruckt, dass nicht einmal alle Mitglieder des Vorstandes ein Exemplar erhielten. Das Kapitel, in der es um die Zeit von 1933 bis 1945 geht, ist mit der Überschrift „In dunkler Zeit“ überschrieben. Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz sagte in seiner Festrede 2015 zu der Schrift: „Benannt werden die Trennung vom jüdischen Teilhaber, der später im Holocaust umkommt, die Abhängigkeit von Aufträgen des Naziregimes, die Aktivitäten in besetzten Gebieten und die logistische Unterstützung bei der Beschlagnahmung jüdischen Eigentums. Die Aufarbeitung der Jahre, die die Festschrift die „dunkle Zeit“ nennt, ist ein wichtiger Schritt. Es ist erfreulich, wenn er, wie hier, als moralische Pflicht verstanden wird, die zum Unternehmen gehört.“[71] Wesentliche Umstände und Dimensionen der Unternehmens-Aktivitäten in der NS-Zeit bleiben in der Chronik allerdings weiterhin ausgespart, so der Eintritt von Werner Kühne in die NSDAP am 1. Mai 1933. Die acht Tage zuvor erfolgte Trennung von Maas wird in der Chronik als „freundschaftliche Abstimmung“ charakterisiert.[72]
Besitzverhältnisse
53,3 % Klaus-Michael Kühne über die Kühne Holding AG
0,2 % Eigenbesitz der Kühne + Nagel International AG
46,5 % Streubesitz

Stand 31. Dezember 2013[1]
Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat setzt sich wie folgt zusammen:

Karl Gernandt, Präsident des Verwaltungsrats seit 2011, Mitglied seit 2008[73]
Klaus-Michael Kühne, Ehrenpräsident (1975-1980 Vorsitz, 1981-1992 stellv. Vorsitz, ab 1992-? Vorsitz)
Bernd Wrede, Vizepräsident seit 2002,[74] seit 1999 Mitglied[75]
Jörg Wolle, Vizepräsident 2013-2015, Mitglied seit Mai 2010 (DKSH-Gruppe)[76][77][78]
Thomas Staehelin,[79] seit 1978 Mitglied
Hans Lerch, seit 2005 Mitglied
Jürgen Fitschen, seit 2008 Mitglied
Renato Fassbind, seit 2011 Mitglied
Martin C. Wittig, seit 2014 Mitglied

(Stand: 31. März 2015)[80]
ehemalige Verwaltungsratmitglieder/Aufsichtsratsmitglieder (Auswahl)

Alfred Kühne, Aufsichtsratsvorsitz bis 1975
Ludwig Rössinger, Stellv. Aufsichtsratsvorsitz bis 1968-1975
Rudolf Lück, Stellv. Vorsitz 1975-† 30. Juli 1987
Mercedes Kühne, Mitglied 1968-1989
Roland W. Rowland, Vorsitz 1981-1992 (Lonroh)
Robert F. Dunlop, Mitglied 1981-1983 (Lonroh)
Roger Badger, Mitglied 1983-1989 (Lonroh)
Friedrich Landwehrmann, 1985-1986 (Lonroh)
Albrecht Graf Matuschka, 1985-1986
Paul George Bull Spicer, 1985-1989 (Lonroh)
Philip M Tarsh, 1985-1990 (Lonroh)
Eberhard von Brauchitsch, 1990-1999
Otto Gellert, stellv. Präsident um 1999 bis 2001,[81] 1992 - Mai 2006 Mitglied
Joachim Hausser, Mitglied 1992-2011 (Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, HKB Hypotheken- und Kommunalkredit-Bank (ab 09/2003 zur HSH Nordbank gehörig))
Georg Obermeier, Stellv. Präsident 1994-2002, Mitglied 1992-2011 (VIAG)[82][83]
Peter Schüring, ab 1. Juli 1992-1997 (Deutsche Handelsbank)
Willi Gerner, 1993 - Mai 2000 (Bayernwerk)
Albert Pfeiffer, ab 1994-1999 (VIAG), Mitglied bis Mai 2006
Maximilian Ardelt, Mai 1996-1999 (VIAG)
Bruno Salzmann, 1999-2008
Erhard Schipporeit, 1999 -Mai 2000 (VIAG)
Georg Freiherr von Waldenfels, 1999 - Mai 2001 (VIAG)
Wolfgang Peiner, Mitglied von 2000-2001 und von 2007-2012[84]
Wong Kok Siew, Mitglied Mai 2001 - Oktober 2004 (SembCorp Logistics Ltd., Singapur, kooptiert ab Dezember 2000)
Koh Soo Keong, Mitglied Mai 2001 - Oktober 2004 (SembCorp Logistics Ltd., Singapur, kooptiert ab Dezember 2000)
Willy R. Kissling, Mitglied 2003-2009[85]
Hans-Jörg Hager, 2009-Mai 2013 Mitglied[86]

Arbeitnehmerrechte und Mitbestimmung

Die Mitarbeiter von Kühne & Nagel sind in Betriebsräten lokal organisiert. Da das Unternehmen Niederlassungen in zahlreichen Ländern in Europa hat und europaweit agiert, wollten die Arbeitnehmervertreter einen europäischen Betriebsrat gründen. Dies möchte Kühne & Nagel verhindern. Seit 1996 versuchen die Betriebsräte vergeblich, eine europaweite Arbeitnehmervertretung zu gründen.

Kühne & Nagel hat in Deutschland eine Kommanditgesellschaft (KG) gegründet und eine Schweizer Kapitalgesellschaft als Komplementärin eingesetzt. Die deutsche Kommanditgesellschaft beschäftigt Tausende Arbeitnehmer.[87] Dank dieses Modells konnte Kühne & Nagel argumentieren, dass es seine zentrale Leitung in der Schweiz habe - also außerhalb der EU - und deshalb keinen Offenlegungspflichten nachkommen müsse. Seinem deutschen Betriebsrat wollte das Unternehmen die Struktur des Unternehmens im Ausland nicht offenlegen. Der EuGH billigte im März 2001 Arbeitnehmervertretern des Unternehmens Bofrost einen umfassenden Informationsanspruch zu, um die Gründung eines europäischen Betriebsrates vorbereiten zu können. Auch das Bundesarbeitsgericht schloss sich im März 2004 dieser Meinung an. Im Januar 2004 bejahte der EuGH die Pflicht Kühne & Nagels zur Unterrichtung der Arbeitnehmervertreter, auch wenn der Sitz in der Schweiz sei. Dieser Auffassung schloss sich im Juni 2004 das Bundesarbeitsgericht an.[88]

Der Welt bestätigte Kühne 2014 die Vorteile des Umzuges in die Schweiz. Neben den besseren Gehältern für Manager sieht er eine größere Machtfülle für den Verwaltungsrat als in Deutschland: "Der Verwaltungsrat ist in der Schweiz das geborene geschäftsführende Organ eines Unternehmens", sagt Kühne. Der Chef des Verwaltungsrats habe nicht nur gegenüber der Geschäftsleitung eine Machtposition. Er sei auch im Verwaltungsrat eine Autorität.[89]

Mit Hilfe der Europäischen Transportarbeiterföderation (ETF) wurde 2015 ein neuer Anlauf genommen: Durch ein von der EU-Kommission finanziertes Projekt wurde es den Arbeitnehmervertretern von Kühne & Nagel erstmals ermöglicht, europaweite Treffen und Seminare zu organisieren und abzuhalten.[90]

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