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Das Deutsche Wörterbuch (DWB)

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Das Deutsche Wörterbuch (DWB) Empty Das Deutsche Wörterbuch (DWB)

Beitrag  checker Sa Jul 22, 2017 10:17 pm

Das Deutsche Wörterbuch (DWB) ist das größte und umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache seit dem 16. Jahrhundert mit Wortbedeutungen und Belegstellen. Es wird auch Der Grimm genannt, weil es die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm waren, die 1838 mit dem DWB begonnen haben. Erst 1961, nach 123 Jahren, wurde es beendet. Insgesamt entstanden 32 Bände. Die Neubearbeitung hat jedoch gleichzeitig mit dem Abschluss der Arbeit begonnen. Ein zusätzlicher Quellenband erschien 1971.[1]

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Titelblatt zum ersten Band des Deutschen Wörterbuches

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Manuskript Jacob Grimms (Universitätsbibliothek Gießen, Nachlass Karl Weigand)

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Das Deutsche Wörterbuch als Hauptmotiv auf der Rückseite des 1000-DM-Scheins (ab 1992)

Aufgabe und Entstehungsgeschichte

Die Herausgabe des Deutschen Wörterbuchs (DWB) war ein ehrgeiziges sprachwissenschaftliches Arbeitsvorhaben des Philologen-Bruderpaares Jacob (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859). Es sollte als Belegwörterbuch in aller Gründlichkeit Herkunft und Gebrauch jedes deutschen Wortes erläutern.

Mithilfe des DWB sollten sich tendenziell alle Angehörigen der deutschen Sprachgemeinsamkeit ihrer Sprache vergewissern können, was zu einer Zeit, als es noch viele deutsche Kleinstaaten und noch kein politisch vereinigtes Deutschland gab, auch ein nationales Anliegen war. Der ältere wie damals gegenwärtige deutsche Wortgebrauch sollte auf allen Stilniveaus dokumentiert werden.

„Das wörterbuch ist kein sittenbuch, sondern ein wissenschaftliches, allen zwecken gerechtes unternehmen. selbst in der bibel gebricht es nicht an wörtern, die bei der feinen gesellschaft verpönt sind. wer an nackten bildseulen ein ärgernis nimmt oder an den nichts auslassenden wachspraeparaten der anatomie, gehe auch in diesem sal den misfälligen wörtern vorüber und betrachte die weit überwiegende mehrzahl der andern.“

– Jacob Grimm: Vorwort 1. Band, S. XXXIV, Leipzig 1854

Damit wurde das DWB das erste Wörterbuch der Geschichte, in dem auch Schimpfwörter und unfeine Wörter aufgenommen wurden.

Die Brüder hatten die gewaltige Aufgabe, die vor ihnen lag, unterschätzt; das Werk war ursprünglich auf sechs bis sieben Bände und bis zu 10 Jahren Arbeit veranschlagt. Sie nahmen die Arbeit 1838 in Angriff. Mehr als 80 Mitarbeiter beschafften über 600.000 Belege. Der erste Band erschien 1854, doch sie konnten zu ihren Lebzeiten nur einen kleinen Teil bearbeiten: Wilhelm Grimm, der die Beiträge zum Buchstaben D verfasste, starb 1859; Jacob, der die Buchstaben A, B, C und E abschließen konnte, starb am 20. September 1863 über der Bearbeitung des Artikels »Frucht«.

Ende 2005 tauchten Handexemplare – insgesamt neun Bände – des DWB (darunter sieben Bände Handexemplare Jacob Grimms) mit Marginalien in der sogenannten Berlinka, einem früheren Teilbestand der Preußischen Staatsbibliothek, auf, der sich heute in der Biblioteka Jagiellońska (der Bibliothek der Krakauer Jagiellonen-Universität) befindet. Das in diesen Bänden notierte Material beläuft sich (bezogen auf das erste Lieferungsheft von ¹DWB mit 2805 Einträgen von A bis Allverein) auf 330 Verweise und Stichwortansätze, wovon sich etwa 130 als wichtig erweisen und bereits Bestandteil der Neubearbeitung (²DWB, s. u.) sind.

Nachfolgende Generationen von Sprachwissenschaftlern setzten die Arbeit fort. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm die Preußische Akademie der Wissenschaften die Weiterentwicklung des Wörterbuches, in Göttingen wurde eine Zentralsammelstelle zum Systematisieren der Belegstellen eingerichtet; 1930 wurde eine feste Arbeitsstelle bei der Berliner Akademie eingerichtet. Am 10. Januar 1961 erteilte der Germanistik-Professor Bernhard Beckmann in Ost-Berlin das Imprimatur für den Abschlussband, wie er seinem westdeutschen Kollegen Theodor Kochs in Göttingen telegrafierte.[2][3] 123 Jahre nach Beginn der Arbeit erschien im Januar 1961 mit der 380. Lieferung der 32. und letzte Band dieses Wörterbuches (Gesamtumfang: 67.744 Textspalten, ca. 320.000 Stichwörter,[4] Gesamtgewicht 84 kg). Die ursprüngliche Auflage beträgt nur wenige hundert Exemplare. Der 33. Band ist ein 1971 erschienener Quellenband.
Neudrucke und -auflagen

Ein Neudruck der gebundenen Ausgabe ist im „Haus-Verlag“ der Brüder Grimm, dem S. Hirzel Verlag, erschienen. Dort erschien auch zwischen dem 1. Mai 1852 und 1971 die Erstausgabe des Gesamtwerks. Es besteht aus 33 Bänden mit 34.824 Seiten.

1984 erschien das DWB erstmals in einer Taschenbuchauflage; seit 1999 ist wieder eine Taschenbuch-Ausgabe in 33 Bänden bei dtv erhältlich.[5]

1957 wurde eine Neubearbeitung dieses gewaltigen Wörterbuches beschlossen, um den ältesten Teil, die Buchstaben A–F, auf den neuesten Stand zu bringen. Geplant war eine deutsch-deutsche Kooperation: In Ost-Berlin sollten die Buchstaben A–C, in Göttingen D–F neu bearbeitet werden. Die erste Lieferung konnte schon 1965 erscheinen, jedoch ist diese Neubearbeitung noch nicht beendet. In Göttingen wurden 2006 die Arbeiten an D-F abgeschlossen. Der Berliner Anteil ist gegenüber dem Göttingens umfangreicher. Zudem wurde der Fortschritt der Arbeiten in der DDR aus politischen Gründen massiv behindert, weil das DWB als Projekt einer „bürgerlichen“ Lexikographie angesehen wurde; so wurden im Laufe der 1960er Jahre die meisten Mitarbeiter ab- und für andere Aufgaben herangezogen. Die verbleibende Berliner Strecke wurde 2006 zwischen den beiden Arbeitsstellen neu aufgeteilt. Die Neubearbeitung wurde 2016 abgeschlossen. Damit endet nach 178 Jahren durchgehender Bearbeitung die Arbeit am Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm.[6][7] Auch die Neubearbeitung ist im S. Hirzel Verlag erschienen.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften schließt die spätere Neubearbeitung der Buchstaben G bis Z aus. Die Berliner Arbeitsstelle schloss ihre Arbeiten im Jahre 2012 ab. Als Grund des Beschlusses zur Einstellung der Arbeiten wird mangelnde Bereitschaft zur Finanzierung genannt, so der Wissenschaftsdirektor der Akademie, Wolf-Hagen Krauth.

Das Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier digitalisierte unter Leitung des Germanisten Kurt Gärtner und gefördert durch die DFG die gesamten 300 Millionen gedruckten Zeichen nach der Methode der doppelten Eingabe: In China wurde der gesamte Textkörper manuell zweimal eingegeben, um durch die Redundanz Fehler zu reduzieren; ein Scannen war aufgrund der Schriftgröße von nur 7 Punkt bzw. 6 Punkt für die Zitate nicht möglich. Eine CD-ROM-Version dieser Digitalisierung für die Betriebssysteme Windows, OS X und Linux erschien im Juli 2004 beim Verlag Zweitausendeins. Bei dieser Fassung wurden Rechtschreibfehler des Originals korrigiert. Eine Onlineausgabe[8] stellt die Universität Trier zur Verfügung.
Kleinschreibung

Auffällig am Deutschen Wörterbuch ist, dass darin konsequent die in der deutschen Schriftsprache unübliche Kleinschreibung der Substantive (wenn sie nicht Eigennamen sind oder am Satzanfang stehen) verwendet wird. Jacob Grimm selbst lehnte die im Deutschen übliche Großschreibung (die sich nach seiner Einschätzung aber damals auch in der deutschen Sprache noch nicht völlig durchgesetzt hatte) ab[9][10] und sah das Wörterbuch wohl auch als Beitrag in seinem Bestreben gegen diese Praxis.

Siehe auch

Wörterbuch von Adelung
Deutsches Fremdwörterbuch
Schweizerisches Idiotikon
Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich

Quelle
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