Braunschweig-aktuell
Würden Sie gerne auf diese Nachricht reagieren? Erstellen Sie einen Account in wenigen Klicks oder loggen Sie sich ein, um fortzufahren.

Peer Gynt,ist das Kunst oder kann das weg?

Nach unten

Peer Gynt,ist das Kunst oder kann das weg? Empty Peer Gynt,ist das Kunst oder kann das weg?

Beitrag  Andy Sa Dez 16, 2017 12:32 am

Peer Gynt ist ein 1867 von Henrik Ibsen geschriebenes dramatisches Gedicht.

Entstehungsgeschichte

Peer Gynt entstand auf der Vorlage norwegischer Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen. Sie waren zwischen 1845 und 1848 unter dem Titel Norske Huldre-Eventyr og Folkesagn erschienen. In seinem Werk setzte sich Ibsen kritisch mit dem romantischen Nationalismus im Norwegen seiner Zeit auseinander. Er schuf es während seines freiwilligen Exils in Italien, vor allem auf Ischia und in Sorrent.

Peer Gynt war ursprünglich nicht für die Bühne geschrieben worden. Einige Jahre nach der Fertigstellung änderte Ibsen jedoch seine Meinung und begann, das bis dahin in der Lesefassung sehr erfolgreiche Gedicht zu einer Bühnenfassung umzuarbeiten, was einige Kürzungen mit sich brachte. Für dieses Vorhaben schuf Edvard Grieg die 26-teilige Schauspielmusik Peer Gynt. Die Uraufführung der Bühnenfassung zusammen mit Griegs Musik fand am 24. Februar 1876 im Christiania Theater in Christiania statt. Aus der Schauspielmusik stellte Grieg 1888 und 1891 seine beiden Peer-Gynt-Suiten zusammen.

Heute besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass die nationalromantische Musik Griegs denkbar schlecht zu Ibsens modernem Drama passt.[1] Grieg hat in Briefen denn auch mehrfach geäußert, dass Ibsens Peer Gynt nie seine Sympathie gewinnen werde. Der dänische Märchendichter Hans Christian Andersen hielt das Werk gar für das Schrecklichste, das er je gelesen hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Harald Sæverud mit der Komposition einer neuen, moderneren Bühnenmusik beauftragt, die 1948 erstmals in Verbindung mit dem Stück erklang. In zeitgenössischen Theaterproduktionen wird Griegs Musik entweder gar nicht mehr oder nur ironisch verwendet. Die Verfilmung von 2006 benutzt ungeachtet dieser Einigkeit in der Abwertung der Griegschen Komposition diese ganz ohne Ironie und beweist, dass sie sogar zu einer modernen Lesart des Dramas passt.

Übersetzungen ins Deutsche existieren unter anderem von Ludwig Passarge, Christian Morgenstern und Hermann Stock.
Handlung

Die Hauptfigur ist der junge Bauernsohn Peer Gynt, der mit Lügengeschichten versucht, der Realität zu entfliehen. So verdrängt er, dass sein Vater, der einst sehr angesehene Jon Gynt, Hof und Habe durch Misswirtschaft und zahlreiche Alkoholeskapaden verloren hat. In Peers Fantasiewelt ist die heruntergekommene Behausung jedoch nach wie vor ein strahlender Palast. Auch seine eigene Nichtsnutzigkeit verklärt er zu Heldenhaftigkeit. So schildert er seiner Mutter Aase einen halsbrecherischen Ritt auf einem „Bock“ über einen Grat, möglicherweise der Besseggen oberhalb des Gjendesees im norwegischen Gebirge Jotunheimen.

Von seiner Mutter wird Peer überbehütet und glorifiziert, doch soll er immer ihre Version des Lebens teilen. Auf der Suche nach Liebe und Abenteuer findet er sich bald in einer Welt von Trollen und Dämonen wieder. Er entführt Ingrid, die Braut eines anderen. Gleichzeitig verliebt er sich in die aus pietistischem Elternhaus stammende Solvejg, die ihn anfangs nicht erhört, sich ihm später jedoch anschließt.

Nach einem Zeitsprung von etwa 30 Jahren findet sich der inzwischen unter anderem durch Sklavenhandel reich gewordene Peer im vierten Akt in Marokko wieder. Dort wird ihm von Geschäftspartnern sein Schiff mit allen Reichtümern gestohlen. Nach einem Gebet versinkt das Schiff. Peer findet sich mit seiner Armut ab und wendet sich Gott zu. Durch einen Affenangriff wird er in die Wüste getrieben, wo er sich in eine Oase rettet. Von den dort lebenden Jungfrauen erwählt er Anitra, die ihm allerdings die letzten Habseligkeiten stiehlt. Den Tiefpunkt seines Lebens erlebt Peer im Irrenhaus zu Kairo, dem der deutsche Arzt Doktor Begriffenfeldt vorsteht.

Alt und verarmt kehrt Peer Gynt heim, wo er um seine Seele kämpfen muss. In einer berühmten Szene vergleicht sich Peer mit einer Zwiebel, die viele Hüllen, jedoch keinen Kern aufzuweisen hat. In der an einem Pfingstmorgen spielenden Schluss-Szene stellt sich jedoch Solvejg, die ein Leben lang auf die Rückkehr ihres Geliebten gewartet hat, schützend vor ihn und rettet ihn.
Vinstra und das Peer Gynt Festival

Das Leben von Peder Olsen Hågå, der 1732 bis 1785 auf dem Hof Nordgardhågå[2] in dem Dorf Sødorp bei Vinstra lebte,[3] bildete die Erzählgrundlage für Ibsens Drama. Auf dem alten Kirchenfriedhof in Sødorp steht ein Gedenkstein für Peer Gynt. Der Peer-Gynt-Bauernhof, Hågå, besteht aus 15 alten Häusern und ist heute für das Publikum zugänglich. Außerdem beginnen in Vinstra der Peer-Gynt-Weg („Peer Gyntveien“) über Gålå nach Gausdal und der Peer-Gynt-Almweg über den Rondablick (Rondaneblikk) nach Kvam.

Das Peer Gynt-Festival ist ein 10-tägiges Kulturfestival, welches jährlich im August in Sør-Fron im Gudbrandsdalen-Tal startet. Die Veranstaltung umfasst unter anderem die Theateraufführung „Peer Gynt“ auf der Freilichtbühne am See Gålåvatnet und das Bergkonzert im Kvamsfjellet.

Das erste Festival fand 1928 statt. Seit 1967 wird dabei jährlich das Drama von Ibsen aufgeführt, als eine Huldigung an den lokalen Peer Gynt. Seit 1989 finden die Aufführungen im Freilufttheater am See Gålåvatnet statt. Von 1993 bis 2013 wurde das Theaterstück von Edvard Griegs Musik begleitet. Die Theatervorstellung wird jährlich von über 12.000 Zuschauern besucht. Auf der Konzertarena im Kvamsfjellet findet das jährliche Konzert „Am Rondane“ statt. Von 2006 bis 2012 gab es während des Veranstaltungszeitraumes zusätzlich eine Tanzvorstellung in Fryajuvet. Die Auszeichnung „Årets Peer Gynt“ (Peer Gynt Ehrenpreis) wird während des Festivals vergeben. Das Festival wird von der Peer Gynt AS aus Vinstra organisiert und veranstaltet. Das Festival wird als zentraler Knotenpunkt betrachtet und zusätzlich zu den bereits genannten drei großen Veranstaltungen werden während der Festivaldauer auch größere und kleinere Kultur- und Naturarrangements angeboten.
Peer Gynt in Gålå

Von 1988 bis 2013 wurde das Theaterstück unter der Regie von Svein Sturla Hungnes, der von 1995 bis 2007 selbst die Hauptrolle als Peer Gynt übernahm, aufgeführt. Von 1989 bis 2004 spielte Per Tofte die Hauptrolle, bis 2008 dann Dennis Storhøi die Hauptrolle als Peer übernahm. Edvard Griegs Musik wurde bis 2013 von einem Orchester in Begleitung eines Chores gespielt. Die Theatervorstellung hat international Aufmerksamkeit erhalten, so dass unter anderem im Oktober 2006 eine Konzertversion im New Yorker Central Park organisiert wurde.

2014 wurde unter der Regie von Erik Ulfsby eine ganz neue Theateraufführung präsentiert. In Zusammenarbeit mit Berufsschauspielern und 80 Laiendarstellern wird diese Version aufgeführt. Kjetil Bjerkestrand hat die Musik zu dieser neuen Theaterstückversion geschrieben. Die Musik, inspiriert von Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite, hat eine modernere Richtung und wird von sieben Berufsmusikern gespielt.
Literaturseminar und Debatten

Zusätzlich zum Festivalprogramm werden auch Literaturseminare und Debatten veranstaltet. Kleinere internationale Theatergruppen zeigten in Auszügen ihre Interpretation des Peer-Gynt-Theaterstückes, Vorträge über Peer Gynt bildende Kunst, Peer Gynt als Volksdichtung, Ibsen und Gudbrandsdalen Tal und vieles mehr. Es gab auch Plenumsdebatten. In den späteren Jahren wurden auf dem Peer Gynt Bauernhof Hågå in Vinstra Seminare abgehalten.
Konzerte

Bergkonzert im Kvamsfjellet mit Aussicht auf den Rondane-Nationalpark: Während des Peer Gynt-Festivals finden eine Reihe von Konzerten statt. Das Konzert „Morgenstimung“ („Morgenstemning“) findet vor den Türen der Freiluftbühne am See Gålåvatnet statt. 2014 sorgte das Konzert von Ingrid Olava und Frida Ånnevik für Morgenstimmung und Gänsehaut. Das Kirchenkonzert während des Festivals findet in der Kirche von Sør–Fron statt. 2014 spielten Arve Tellefsen, Knut Buen und Håvard Gimse mit dem Thema „Leben und Musik von Ole Bull“. 2012 gastierte Alexander Rybak in der Sør–Froner Kirche.
Kunstausstellung

Seit 1971 findet während des Festivals eine Kunstausstellung statt. 2014 wurden die Werke des Künstlers Arve Nøst ausgestellt, der auch Bühnenbildner für die neue Theateraufführung am See Gålåvatnet ist. Basierend auf der Geschichte des Peer Gynt präsentierte Ståle Blæsterdalen seine Ausstellung 2013.
Jahresehrenpreis Peer Gynt

Der Ehrenpreis „Jahresehrenpreis Peer Gynt“ (Årets Peer Gynt) wurde 1971 vom Peer Gynt-Festival, mit Einar Gerhardsen als erstem Gewinner, gestiftet. Seit 1973 wählen die Repräsentanten des norwegischen Parlamentes („Stortinget“) den jährlichen Gewinner. Gewählt werden Personen oder Institutionen, die sich positiv für das gemeinschaftliche Leben in Norwegen eingesetzt haben oder Norwegen als Nation im Ausland bekannt gemacht haben.

Preisträger

1971: Einar Gerhardsen, ehemaliger Staatsminister
1972: Per Aabel, Schauspieler
1973: Liv Ullmann, Schauspielerin
1974: Erik Bye, Künstler und Entertainer
1975: Erling Stordahl, Musiker und Vertreter für Behinderte
1976: Øivind Bergh, Dirigent
1977: Birgit og Rolf Sunnaas
1978: Arve Tellefsen, Violinist
1979: Grete Waitz, Langstreckenläufer
1980: Anne Cath. Vestly, Schriftstellerin
1981: Cato Zahl Pedersen, Paralympicsportler
1982: Jens Evensen, Diplomat, Jurist und Politiker
1983: Thorbjørn Egner, Schriftsteller und Zeichner
1984: Kronprinsesse Sonja
1985: Bobbysocks, Popduo
1986: Annie Skau Berntsen, Krankenschwester und Missionarin
1987: a-ha, Popgruppe
1988: Oslo Filharmoniske orkester
1989: Olympische Winterspiele-Organisationskomitee mit Ole Sjetne
1990: Thorvald Stoltenberg, Politiker und Organisator
1991: Hans-Wilhelm Steinfeld, Journalist
1992: Bjørn Dæhlie und Vegard Ulvang, Skiläufer
1993: Kjetil André Aamodt, Alpin-Skiläufer
1994: Mona Juul und Terje Rød-Larsen, Politiker und Diplomat
1995: Johann Olav Koss, Eisschnellläufer
1996: Jostein Gaarder, Schriftsteller
1997: Gro Harlem Brundtland, frühere Staatsministerin und UN-Leiterin
1998: Handballfrauenmannschaft mit Marit Breivik
1999: Thor Heyerdahl, Ethnograph, Zoologe und Schriftsteller
2000: Umweltstiftung „Miljøstiftelsen Bellona“
2001: Knut Vollebæk, Politiker, Diplomat und Zivilökonom
2002: Eva Joly, Juristin und Korrupsionsverfolgerin
2003: Åsne Seierstad, Journalistin und Schriftstellerin
2004: Arne Næss, Philosoph, Bergkletterer und Schriftsteller
2005: Jan Egeland
2006: Kjell Inge Røkke, Unternehmer und Wirtschaftsentwickler
2007: Leif Ove Andsnes, Pianist
2008: Snøhetta AS, Architektenfirma
2009: Ole Gunnar Solskjær, Fußballspieler
2010: Dissimilis
2011: Magnus Carlsen, Schachspieler
2012: Marit Bjørgen, Skiläuferin und Jens Stoltenberg, Staatsminister
2013: Jo Nesbø
2014: Norway Cup
2015: May-Britt Moser und Edvard Moser, Hirnforscher
2016: Deeyah Khan, Filmregisseurin, Musikproduzentin und Menschenrechtlerin

Wichtige Inszenierungen

1944 Old Vic London, mit Ralph Richardson (Peer Gynt), Sybil Thorndike (Aase), Laurence Olivier (Knopfmacher)
1957 Stadttheater Malmö, Regie: Ingmar Bergman, mit Max von Sydow (Peer Gynt)
1971 Schaubühne am Halleschen Ufer, Regie: Peter Stein, mit Michael König (Peer Gynt Nr. 1 und 2), Bruno Ganz (Peer Gynt Nr. 3 und Nr. Cool, Wolf Redl (Peer Gynt Nr. 4 und 6), Edith Clever (Aase), Jutta Lampe (Solvejg), Angela Winkler (Anitra)
1981 Théâtre National Populaire de Villeurbanne, Regie: Patrice Chéreau
1989 Premiere von Peer Gynt am See Gålåvatnet, Regie: Svein Sturla Hungnes - Aufführung bis 2013
1994 Burgtheater Wien. Regie: Claus Peymann, mit Ulrich Mühe (Peer Gynt)
2004 Berliner Ensemble, Regie: Peter Zadek, mit Uwe Bohm (Peer Gynt), Annett Renneberg (Solveig)
2005 Nationaltheater Bergen (Norwegen) und Norwegisches Theater Oslo, Regie: Robert Wilson
2014 Residenztheater (München), Regie: David Bösch, mit Shenja Lacher (Peer Gynt), Sibylle Canonica (Aase), Andrea Wenzl (Solveig)
2014 Neuinszenierung von Peer Gynt am See Gålåvatnet, Regie: Erik Ulfsby
2015 Staatstheater Stuttgart, Regie: Christopher Rüping, mit Julischka Eichel, Caroline Junghanns, Svenja Liesau, Edgar Selge, Nathalie Thiede, Birgit Unterweger

Verfilmungen

1915 von Oscar Apfel (USA, Stummfilm, schwarzweiß)
1919 von Richard Oswald (Deutschland, Stummfilm, schwarzweiß)
1934 von Fritz Wendhausen, Peer: Hans Albers (Deutschland, schwarzweiß)
1941 von David Bradley, Peer: Charlton Heston (USA, schwarzweiß)
1971 von Peter Stein, Peer: Bruno Ganz (Deutschland, Fernsehaufzeichnung der Inszenierung der Schaubühne am Halleschen Ufer)
1972 von Colin Blakely (Großbritannien, TV)
1976 von John Selwyn Gilbert (Großbritannien)
1981 von Bernard Sobel (Frankreich, Fernsehaufzeichnung der Inszenierung von Patrice Chéreau)
1986 von Edith Roger (Norwegen, TV)
1988 von István Gaál (Ungarn, TV)
1993 von Bentein Baardson (Norwegen)
2006 von Uwe Janson, Peer: Robert Stadlober (Deutschland, TV)

Quelle

Lassen wir es mal als Kunst stehen!
Andy
Andy
Admin

Anzahl der Beiträge : 35970
Anmeldedatum : 03.04.11

Nach oben Nach unten

Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten