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Wannsee-Konferenz: Vernichtung der Juden stand auf der Tagesordnung

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Wannsee-Konferenz: Vernichtung der Juden stand auf der Tagesordnung

Beitrag  Andy am Do Jan 19, 2012 9:03 pm

Vor 70 Jahren wurde auf der Wannsee-Konferenz in Berlin die Vernichtung der europäischen Juden geplant. 15 SS-Offiziere und Ministerialbeamte trafen sich dazu am 20. Januar 1942. Trotzdem ist unklar, welchem Zweck das Treffen wirklich diente.


Dokument des Grauens: Am 20. Januar 1942 kamen im Gästehaus der SS am Großen Wannsee in Berlin ...

Mehr als 50 Meter weit ist der Weg vom Tor zur Villa. Man geht durch einen Park auf den säulengeschmückten Hauseingang zu, umrundet noch ein ovales Grün. Dann steht man in der runden Eingangshalle mit der umlaufenden Treppe. Bürgerliche Pracht. Eine Aura von Stil und Größe, der man sich kaum entziehen möchte – wenn, ja wenn die Vergangenheit dieses Hauses „Am Großen Wannsee 56-58“ nicht wäre.



Reinhard Heydrich

Denn am 20. Januar 1942 kamen hier zehn hohe Staats- und Parteifunktionäre des Dritten Reichs sowie fünf Mitglieder des SS-Apparats zusammen, um eine Besprechung abzuhalten. Sie wussten, worum es bei dem Treffen gehen sollte. Das hatte Reinhard Heydrich, der zweite Mann der SS und Chef des Reichssicherheitshauptamts, unmissverständlich in der Einladung beschrieben: Es sollte um die „Endlösung der Judenfrage“ gehen. Alle Anwesenden hatten bereits an der Ausgrenzung, Entrechtung und Ausplünderung deutscher und ausländischer Juden mitgewirkt. Sie kannten sich aus, deshalb waren sie eingeladen. Nun ging es um die letzte Steigerung des Antisemitismus: um physische Vernichtung.

70 Jahre später ist es selten still im Erdgeschoss des 1500 Quadratmeter großen Luxushauses, das 1914 für einen bekannten Berliner Unternehmer errichtet worden war. Denn mehr als 100.000 Besucher pro Jahr zählt die Gedenkstätte „Haus der Wannseekonferenz“; das liegt an oder eigentlich über der Kapazitätsgrenze, sagt Leiter Norbert Kampe.

Vor allem im Gartensaal, in dem die nur 85 Minuten lange Besprechung stattfand, stehen während der Öffnungszeiten immer Besucher. Der Raum mit dem edlen Parkettboden und dem anschließenden, mit Stucksäulen und einem Zimmerspringbrunnen verzierten Wintergarten ist weitgehend erhalten. Nur die Möblierung ist anders: Wo 1942 ein großer Besprechungstisch mit 16 Sesseln stand, wird heute unter Glasplatten ein Faksimile des Sitzungsprotokolls gezeigt.

Nur durch reinen Zufall blieb ein einziges der 30 Exemplare erhalten; alle anderen wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs beseitigt. Die Teilnehmer der Konferenz wussten, warum. Denn obwohl sorgfältig redigiert, enthält das Ergebnisprotokoll unmissverständliche Formulierungen. Von „Mord“ oder „töten“ ist in dem Papier nicht die Rede, stattdessen finden sich aber Vokabeln wie „Evakuierung der Juden nach dem Osten“ oder „natürliche Verminderung“ der „straßenbauend“ nach Osten geführten „arbeitsfähigen Juden“.


Josef Bühler

Das Morden lief bereits

Manchen Nazi-Funktionären konnte der Mord nicht schnell genug kommen. Josef Bühler etwa, der zweite Mann der „Generalgouvernement“ genannten deutschen Verwaltung im besetzten Polen, drängte Heydrich: „Juden müssten so schnell wie möglich aus dem Gebiet des Generalgouvernements entfernt werden, weil gerade hier der Jude als Seuchenträger eine eminente Gefahr bedeutet.“

Im heutigen Bewusstsein, in unzähligen Schulbüchern, Zeitungsartikeln und TV-Dokumentationen gilt die Wannseekonferenz als Ausgangspunkt des Holocaust. Doch bemüht sich die Ausstellung der Gedenkstätte redlich, diese allzu einfache Sicht zu differenzieren. Denn als die 15 hochrangigen Funktionäre in der Wannseevilla zusammenkamen, war der unterschiedslose Massenmord an Europas Juden längst im Gang. Gerade einen Tag zuvor hatte zum Beispiel der neunte Deportationszug mit tausend Berliner Juden die Reichshauptstadt verlassen.

Selbst zum ursprünglich angesetzten Termin der Konferenz, dem 9. Dezember 1941, hatte das Morden bereits begonnen – am 8. Dezember nahm die erste stationäre Mordfabrik der SS auf polnischem Boden in Chelmno (Kulmhof) ihre mörderische Arbeit auf. Wenn also das Töten bereits lief – wozu eine Besprechung auf so hoher Ebene über Fragen, die angeblich „keinen längeren Aufschub zulassen“?

Nicht einmal die besten Kenner der Materie sind sich darüber einig – das wird sich an diesem Freitag und am Sonnabend auf einer internationalen Historikerkonferenz zeigen. Im Wesentlichen gibt es fünf unterschiedliche Deutungen.

Eberhard Jäckel zufolge diente die Besprechung Heydrich lediglich dazu, seine Zuständigkeit für die Judenpolitik den Spitzenbeamten der Ministerien vorzuführen. Doch diese Interpretation beruht auf der Annahme, es habe einen zentralen Hitler-Befehl gegeben, mit dem Judenmord zu beginnen. Ein solcher Befehl ist jedoch nie gefunden worden und passt auch nicht in die schrittweise Eskalation der antisemitischen NS-Politik.

Für Hans Mommsen dagegen hatte die Besprechung „in erster Linie die Funktion, die beteiligten Ressorts für die von Heydrich geforderte Ausweitung des Judenbegriffs zu gewinnen“ – was ihm durch Widerspruch des zuständigen Staatssekretärs im Reichsinnenministerium, Wilhelm Stuckart, jedoch misslang. In der Tat spricht viel für diese Deutung – doch nicht zu erklären ist damit, warum Heydrich dennoch mit dem Verlauf der Besprechung sehr zufrieden war, wie Adolf Eichmann rückblickend aussagte.



Adolf Eichmann

Bürokraten als Komplizen

Die „Momentaufnahme eines Übergangsprozesses“ sieht Peter Longerich in der Konferenz. Seiner Ansicht nach hatten Himmler, Heydrich und die SS eigentlich vorgehabt, den Judenmord nach dem Sieg über die Sowjetunion durchzuführen. Angesichts der Rückschläge der Wehrmacht an der Ostfront entschieden sie jedoch, das vorzuziehen. Das Problem an dieser Deutung ist, dass die ursprüngliche Einladung für die Besprechung am 29.November 1941 abgeschickt wurde – also bevor die deutsche Offensive vor Moskau zusammenbrach.



Rudolf Lange

Irgendwelche Beschlüsse fällten die Teilnehmer der Wannseekonferenz dem Protokoll zufolge nicht. Ging es also vielleicht darum, die Vertreter der Ministerien zu Komplizen zu machen? Dafür würde sprechen, dass mit Rudolf Lange ein „Praktiker des Massenmordes“ am Tisch saß, unter dessen Befehl SS und Polizei bis zum 20.Januar 1942 mehrere Zehntausend Menschen im Baltikum ermordet hatten. Sollte seine Anwesenheit den Schreibtischtätern aus der Bürokratie vor Augen führen, dass es sich bei der Endlösung um ein archaisches, ein im Wortsinne blutiges Geschäft handelte?

Oder gingen Heydrich und Eichmann vielleicht sogar ohne festes Konzept in die Sitzung und griffen deshalb „begierig“ Bühlers Drängen auf eine schnelle Umorganisation der Judenvernichtung von vielen kleinen Mordeinheiten vor Ort zu wenigen zentralen Tötungslagern auf? So interpretiert der Heydrich-Biograf Robert Gerwarth die Konferenz.


Video

All diese unterschiedlichen Deutungen werden in der Ausstellung der Gedenkstätte angesprochen. Doch die typischen Besucher, darunter besonders viele Schüler und Nicht-Deutsche, sind mit solchen Differenzierungen überfordert. Sie wollen sich über den Holocaust als Menschheitsverbrechen informieren. Eine Rolle spielt dabei sicher der Grusel, am authentischen Ort zu sein. In genau dem Saal, in dem Heydrich und Eichmann ihr Ziel vorstellten: mehr als elf Millionen Juden in ganz Europa umzubringen.

An diesem Freitag erinnern die Bundesrepublik und der Staat Israel mit einem Festakt im Gartensaal an den 70. Jahrestag der Wannseekonferenz und ihre mörderischen, wenngleich indirekten Folgen. Als Repräsentant der israelischen Regierung kommt Minister Jossi Peled, der als Kleinkind im besetzten Belgien versteckt wurde und so den Holocaust überlebte. Seine Familie wurde zum größten Teil umgebracht. Auch mehr als zwei Generationen nach 1945 ist der millionenfache Mord an Europas Juden noch immer präsent – nicht nur, aber auch Am Großen Wannsee 56–58.

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Andy
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