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Geier-Tour auf Mallorca: Die fliegenden Mönche von Sóller

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Geier-Tour auf Mallorca: Die fliegenden Mönche von Sóller

Beitrag  Andy am So Mai 20, 2012 8:17 pm

Aasfresser als Sehenswürdigkeit? Rund hundert Mönchsgeier ziehen am Himmel über Mallorca ihre Kreise. Um die Art zu retten, haben Naturschützer die Wege zu den Brutstätten gekappt. Auf einer geführten Tour können Urlauber den prächtigen Greifvögeln dennoch näher kommen.





In der Serra de Tramuntana pfeift häufig der Wind, die Sonne brennt und die Pfade sind holprig. Viele Wanderer sind mehr mit sich und dem Weg beschäftigt als mit den Überraschungen der Natur. So manchem mag daher entgangen sein, welche scheuen Inselbewohner über ihren Köpfen kreisen. Relativ unbemerkt vom Massentourismus lebt auf Mallorca eine Population der in Europa vielerorts ausgestorbenen Mönchs- und Gänsegeier.

Einen ersten Eindruck, um was für beeindruckende Geschöpfe es sich handelt, bekommen Geierbegeisterte in einer Aufzuchtstation in der Inselmitte. Am Rande des Städtchens Campanet ist die Black Vulture Conversation Foundation (BVCF) untergebracht, eine Stiftung zum Schutz des Mönchsgeiers.

Kranke und verletzte Tiere, aber auch verlassene Jungvögel werden in großflächigen Gehegen aufgepäppelt. Und, sofern sie nicht zu sehr gehandicapt sind, wieder fit für das Leben in der Wildnis gemacht. Die Station beheimatet einen Lehrpfad und ein kleines Observatorium. Von dort aus lassen sich die Geier per Fernrohr beim Nestbau und bei Fütterungen beäugen. "Die Geier sind ein wichtiger Faktor für die Artenvielfalt", sagt Juan José Sánchez, Projektleiter und Vizepräsident der Stiftung.

Daumen drücken für die richtige Thermik

Außerdem gibt es Ziegen auf dem Gelände, und das nicht ganz zufällig: Zusammen mit den Geiern bilden sie eine Lebensgemeinschaft, wie sie auch in der Natur vor- und vor allem den Geiern zugute kommt. Denn Unruhe in der Ziegenherde ist ein wichtiges Warnsignal für die zimperlichen Vögel. Und wenn hin und wieder eine altersschwache Ziege tot umfällt, sind die Aasfresser selbstredend sofort zur Stelle.

Das Observatorium bietet natürlich nur einen Vorgeschmack auf das, was Naturfreunde in den schroffen Bergen zwischen Sóller und Pollença erwartet: Geier in freier Wildbahn. Die Wahrscheinlichkeit, sie in deren Lebensraum zu Gesicht zu bekommen, sei bei geführten Wanderungen sehr gut, wie Juan José Sánchez versichert. Er kennt die besten Stellen. Wetterverhältnisse und Tageszeit müssten berücksichtigt werden. Denn die imposanten Vögel lassen sich erst dann am Himmel beobachten, wenn sich eine gewisse Thermik einstellt.

Mit dem Auto geht es zum Mirador de Ses Barques, einem Aussichtspunkt hoch oberhalb von Sóller. Das ist einer der Ausgangspunkte der verschiedenen Geierwanderungen. Von dort oben hat man einen überwältigenden Ausblick auf das tiefblaue Mittelmeer und das fast kreisrunde Hafenbecken von Port de Sóller.

Doch bei einer Tour mit den Vogelkennern Christin und Sebastian soll nicht die Landschaft im Fokus stehen, sondern Geier. Die Guides wissen, wo sich diese normalerweise aufhalten. Es geht eine breite, steinerne Treppe hinauf, die ins Gelände führt. Vorbei an Trockenmauern und Olivenhainen, blühenden Heidegewächsen und hüfthohem Rosmarin, einer überbauten Wasserstelle und einem ungerührt dreinglotzenden Schimmel. "Es könnten ein paar Geier in der Luft sein", sagt Christin. Die Temperaturen sind mild, ideales Geier- und Wanderwetter. "Die Thermik dürfte passen", sagt Sebastian. Ein klein wenig Glück gehört immer dazu.

"Massentourismus und Naturschutz sind vereinbar"

Die Wanderführer arbeiten für ProNature Travel, eine Tochter des BVCF. Die Organisation verfolgt ehrgeizige Ziele: Die Schutzgebiete und Artenvielfalt Mallorcas sollen mit einem nachhaltigen Tourismus in Einklang gebracht werden. Bevor die Geierschützer im großen Stil auf das Naturspektakel in Mallorcas Bergen aufmerksam machen, sollen sich die Populationen erst erholen.

"Unser Projekt soll ein Beweis dafür sein, dass eine sensible Spezies und Massentourismus durchaus vereinbar sind, selbst auf einem begrenzten Territorium wie Mallorca", sagt Juan José Sánchez. Bis es so weit war, musste viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, bei Fincabesitzern, Bauern und Touristen.

Bevor man Touristen gewissermaßen auf die Geier loslassen konnte, haben die Naturschützer eine eigentümliche Vorsichtsmaßnahme getroffen - sie haben manch drolliges Steinmännchen in der Serra de Tramuntana abgetragen. Die im Spanischen hitos genannten Steintürmchen dienen im Gelände oftmals als Selfmade-Orientierungshilfen, etwa dort, wo Markierungen fehlen.

Manche führten ungünstigerweise geradewegs zu den Brutplätzen der Geier. Eine echte Gefahr für die Bestände, denn wenn Geier eines nicht abkönnen, dann sind das aufdringliche Zweibeiner. Bei zu viel Rummel verlassen sie ihr Nest für eine Weile. Mit fatalen Folgen: Eier und Jungtiere sind Nesträubern und der brütenden Sonne schutzlos ausgeliefert.

Wühltischmentalität in freier Wildbahn

"Wir alle profitieren von einer funktionierenden Natur", so Sánchez. Noch in den achtziger Jahren standen die Geier kurz vor dem Aussterben. Dank der Anstrengungen der Geierschützer konnten 2011 zehn Jungtiere auf der Insel schlüpfen. Nun leben wieder weit über hundert Mönchsgeier auf Mallorca, sogar ein Football-Club hat sich nach ihnen benannt: die Mallorca Voltors (Katalanisch für Geier).

Im Moment scheint der Bestand vorerst gesichert. "Leider denken immer noch viele Wanderer nicht an die Konsequenzen für die Natur", sagt Sebastian. Deshalb sei es um so wichtiger, zu informieren - und bestimmte Reviere aus dem Blickfeld der Touristen zu entfernen.

In Absprache mit einem Verlag für Wanderkarten wurden mehrere Routen aus den Plänen genommen, damit das Herumtrampeln in nächster Nähe zu den Geiern abnimmt. Ein unlängst erfolgtes großzügiges Landgeschenk an die Geier-Stiftung, mitten im Geier-Epizentrum gelegen, dürfte die Bemühungen um deren Schutz erleichtern.

Leider werden von Jägern gegen alle Vernunft und Gesetze noch immer Giftköder ausgelegt. Diese zielen zwar auf Füchse und Marder, machen aber auch den Geiern den Garaus. Denn Tierkadaver sind für die Aasfresser unwiderstehlich. "Die Geier beobachten genau, wo ihre Artgenossen hinfliegen", sagt Sebastian, "sobald einer ein totes Tier entdeckt hat, fliegen die anderen hinterher." Wühltischmentalität in freier Wildbahn.

Kaliber à zwölf Kilogramm

Bis zu zwölf Kilogramm schwer kann ein Mönchsgeier werden, bei einer Flügelspannweite von zweieinhalb bis zu knapp drei Metern. "Ich habe früher selbst auch nicht auf die Geier geachtet", gesteht Naturfreund Sebastian, "erst durch die Zusammenarbeit mit der Stiftung ist mir klar geworden, was für Kaliber das am Himmel sind." Seitdem hat er immer einen Feldstecher im Rucksack. Die Riesenvögel sieht man schließlich nicht alle Tage.

Nach etwa 30 Marschminuten erscheinen zwei am Himmel: Ein Mönchsgeierpaar kreist majestätisch über der Wandergruppe. Es ist später Vormittag, die Sonne lacht, die Thermik stimmt. Ganz offenbar, denn die Vögel sind relativ träge Flieger, Flügelschläge eher die Ausnahme. Sie warten auf laue Lüftchen und lassen sich von den warmen Strömen tragen. Sie segeln und gleiten, fast stoisch. Daher auch die Redewendung von den kreisenden Geiern. Das Bild, das in den alten Westernfilmen vermittelt wurde, es stimmt.

Beglückt über den Anblick der dunklen Segler geht es weiter in Richtung Mittagessen. Es soll Zicklein geben, ganz Geier-like. Ziel ist Bàlitx d'Avall, eine abgelegene historische Finca, die heute als Agrotourismus-Betrieb funktioniert.

Doch die beiden Mönchsgeier waren nur ein Vorgeplänkel auf das, was keine 15 Minuten später passiert: Über einem karstigen Bergrücken hängt der Himmel plötzlich voller Geier. 15, 20 Exemplare ziehen gleichzeitig ihre Kreise. "Wahrscheinlich wurde gerade ein totes Tier in der Nähe abgelegt", vermutet Sebastian. Die kontrollierten Fütterungen sollen sicherstellen, dass die Geier von Giftködern ablassen. Ein Glücksfall für die Tieregucker.

Im Bàlitx d'Avall erwartet Miguel auf die Wandergruppe. Seine Familie trotzt seit Generationen den widrigen Lebensbedingungen und der Einsamkeit. Das Anwesen ist ein mallorquinisches Schmuckstück mit eigener Ölmühle. Weniger Glück hatte sein Nachbar: Der verließ seine Finca, das Haus verfällt. An manchen Orten kreist auf Mallorca eben auch der Pleitegeier.

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