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Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele

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Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele Empty Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele

Beitrag  checker am Mi Sep 18, 2013 6:21 am

Wie viele bedeutende Transportunternehmen der Nachkriegszeit in West-Deutschland entwickelte sich auch die einst in Bocholt ansässige Spedition Klein-Wiele aus kleinen und bescheidenen Anfängen zu ihrer späteren Größe und Bedeutung.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 141BuessingVGZweiachsermitNachlaufachseVorkriegFotoArchivKleinWiele

Im Jahre 1902 startete Bernhard Klein-Wiele seine Karriere als Unternehmer mit einem Pferdefuhrwerk. Zunächst führte er Kohlentransporte durch. Später fuhr er auch Garne für die in Bocholt vertretene Textilindustrie. Textilprodukte sollten dann auch die nächsten Jahrzehnte das typische Ladegut der Klein-Wiele–Laster sein, die ab 1926 die Pferdefuhrwerke ergänzten. Über die genauen Typen der zunächst eingesetzten LKW ist nicht viel überliefert. Auf alten Fotos sind Fahrzeuge von Mercedes-Benz und Büssing zu sehen. In der eigenen Schmiede bzw. Werkstatt wurden auch umfangreiche Umbauten vorgenommen. So gab es einen 1927 gelieferten Büssing Typ VG zunächst mit Vollgummibereifung. Der gleiche Laster ist ein Jahr später mit Luftreifen auf Simplex-Felgen und mit einer einzelbereiften Nachlaufachse zu sehen.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 001DreiMercedesBenzVorkriegFotoArchivKleinWiele

1924 kam der 1902 in Osnabrück geborene Gottfried Hehemann nach Bocholt. Er heiratete Bernhard Klein-Wieles Tochter Änne und übernahm im Jahr 1928 von seinem Schwiegervater die Leitung der Spedition. Im Mittelpunkt seines unternehmerischen Wirkens stand zu dem Zeitpunkt die Befriedigung der sehr differenzierten Transportwünsche der Bocholter Textilindustrie. Noch im Jahr 1928 begann er mit der Beförderung von Gütern aus den münsterländischen, rheinischen und sächsischen Textilgebieten nach Bocholt und in die umgekehrte Richtung. Ab 1932 wurden Sammelverkehre zwischen dem Rheinland und Westfalen durchgeführt. Im Zuge der Expansion des Unternehmens wurde 1933 an der Dingdener Straße in Bocholt eine Güterumschlaganlage gebaut, die bereits einige Jahre später erweitert werden musste. 1936 konnten die Aktivitäten bis nach Sachsen ausgeweitet werden. Der Fuhrpark war mittlerweile auf 35 LKW angewachsen. Im Fernverkehr waren Klein-Wieles Laster auch auf den Straßen in Oberfranken und in Schlesien anzutreffen.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 004FuhrparkaufderAutobahn01051951FotoArchivKleinWiele

Der Zweite Weltkrieg unterbrach jäh die rasante Entwicklung des aufstrebenden Unternehmens und war auch für die Spedition Klein-Wiele mit nahezu unüberwindbaren Problemen verbunden. Fast alle Fahrzeuge wurden samt den Fahrern zum Kriegsdienst eingezogen. Der Betrieb konnte notdürftig mit Pferdefuhrwerken aufrechterhalten werden. Die Betriebsgebäude in Bocholt wurden während des Krieges jedoch komplett zerstört. Ein einziges Motorfahrzeug überlebte und kam nach Kriegsende zurück. Es war dies ein Büssing 900, der in den Kriegsjahren auf der Route Berlin – Kiew von der Wehrmacht im Linienverkehr eingesetzt worden war. Nach dem Ende der Kampfhandlungen gelang es den Fahrern Tönne Dümpelmann und Helmut Buyting, sich mit dem Dreiachser nach Bocholt in die Heimat durchzuschlagen. Das Fahrzeug wurde später überarbeitet und leistete noch bis in die frühen Fünfziger Jahre in Kombination mit einem Dreiachsanhänger als Büssing 1 treue Dienste. Doch bis die normalen Speditionsgeschäfte wieder aufgenommen werden konnten, verging noch eine lange Zeit. Das Grundstück an der Dingdener Strasse diente zunächst als Lager für Reifen und Benzin für die britischen Besatzer. Gottfried Hehemann, der sich während des Dritten Reichs nichts zu schulden hatte kommen lassen, wurde von den Briten zum Leiter des Straßenverkehrsamtes in Bocholt bestimmt. Diese Tätigkeit übte er bis 1947 aus und trug dazu bei, dass das Verkehrswesen in der Stadt Bocholt nach der Besatzung und dem Einstellen der Kampfhandlungen wieder in geordnete Verhältnisse gebracht und ein Neuanfang möglich wurde. Parallel dazu widmete er sich mit vollem Einsatz dem Wiederaufbau seines Unternehmens. Der Neuanfang begann zunächst mit Pferd und Wagen.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 102Buessing5000S15091950FotoArchivKleinWiele

Doch schon bald waren wieder die ersten beiden LKW im Fernverkehr unterwegs im Dienste der Bocholter Spedition. Es waren dies vermutlich aus Wehrmachtsbeständen übernommene Fahrzeuge, ein Ford mit Holzgasantrieb und ein Opel Blitz mit Benzinmotor. Im Nahverkehr wurde eine Zettelmeyer Zugmaschine eingesetzt, die oft mit zwei Anhängern unterwegs war. Die ersten Produkte, die mit Klein-Wiele-Lastern gefahren wurden, waren Weizenmehl und Dachziegel, die u. a. von Bremen nach Bocholt geschafft werden mussten für die Ernährung der Bevölkerung und den beginnenden Wiederaufbau. Als der langjährige Mitarbeiter Bernhard Baumhaus im Februar 1948 für die Schmiede der Spedition eingestellt wurde, gab es bereits wieder acht Fahrzeuge, allerdings kaum Gebäude auf dem Grundstück. Gottfried Hehemann stellte deshalb Alfons Seller und Franz Böing als Maurer ein. Sie begannen damit, die Lagergebäude und Fahrzeughallen wieder aufzubauen. Bis die erste Umschlaghalle wieder errichtet worden war, wurden die Produkte auf dem Hof umgeladen und z. T. auch deponiert. Garnkisten, die wieder transportiert wurden, mussten unter freiem Himmel umgepackt und gelagert werden. Im Nahverkehr waren nach wie vor Pferde mit entsprechenden Wagen im Einsatz. Kutscher Johann Feldhaar erledigte mit seinem Pferdegespann den Stadtverkehr und war maximal bis in den Nachbarort Rhede unterwegs. Erst 1961 wurde das letzte Gespann abgeschafft. Den letzten Kutscher Hafterkamp, der nach dem Verkauf der Pferde einen LKW übernehmen musste, führte seine erste Fahrt mit dem neuen Gefährt nach Gronau. Dort fuhr er vor einen Baum und war tot. Aus dem ehemaligen Tanklager der Briten wurde später die erste Tankstelle Bocholts, die von Klein-Wiele betrieben wurde. Für den Transport des benötigten Treibstoffs wurde ein eigener Tankzug beschafft. Ausnahmsweise wurde für diese Aufgabe ein Krupp gekauft.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 133Buessing50006000mitSchmitzKabineWerkfotoSchmitz08101954

Nachdem zunächst gebrauchte Fahrzeuge von Mercedes, MAN und Krupp im Einsatz waren, konnten ab 1948 dann auch erste Neufahrzeuge beschafft werden. Neben Mercedes-Benz L 5000 waren dies einige Büssing 5000 S, die zunächst wegen Materialmangel noch ohne die später typische Chromspinne an der Front geliefert wurden. Danach folgten dann die schweren Büssing Typen 6000 und 8000 mit 120 PS, 150 PS und 180 PS. Sofern diese Fahrzeuge über keine Werksaufbauten verfügten, wurden die Pritschen und auch die Anhänger von den beiden Bocholter Fahrzeugbaufirmen Langfeld und Robert gebaut. Diese Verbindungen sollten noch lange bestehen bleiben. Die LKW von Klein-Wiele bestachen durch ihr Äußeres. Sie waren immer gepflegt. In den Augen von Gottfried Hehemann waren sie die Visitenkarte des Unternehmens. Alle Fahrzeuge waren nummeriert. Jeder Büssing trug dezent an der vorderen seitlichen Bracke der Pritsche den Buchstaben „B“ für Büssing und dahinter die fortlaufende Nummer. Analog dazu bekamen die Mercedes-Fahrzeuge ein „M“. Dahinter waren dann etwas kleiner die Initialen des Fahrzeuglackierers vermerkt mit dem Monat und dem Jahr der Lackierung bzw. Aufarbeitung des LKW. Stand dort z. B. „J. T. 7.50“ so bedeute das, dass der LKW von Johann Tekampe im Juli 1950 lackiert und beschriftet worden war. Die Planen der Hamburger Verdecke waren immer fest verschnürt. Lose im Wind flatternde Planen gefielen Hehemann überhaupt nicht. Sollte ein Fahrer einmal mit einer solchen Flatterplane erwischt werden, so konnte er sich warm anziehen. War Hehemann auf der einen Seite ein pingeliger Chef, der sich auch über Kleinigkeiten ereifern konnte, so tat er auf der anderen Seite alles für seine Fahrer. Er vertrat die Ansicht, dass sie die Basis und der Grundstein für seinen Erfolg und seinen Wohlstand waren. Entsprechend sollten sie auch während ihrer harten Arbeit einen komfortablen Arbeitsplatz vorfinden. So gab es bereits bei einigen Mercedes-Benz L 5000, die werkseitig eher mit kleinen, schmalen Fahrerhäusern, deren Konstruktion noch aus der Kriegszeit stammte, vergrößerte Kabinen, die vermutlich auch bei Langfeld oder Robert in Bocholt gebaut wurden. Später lieferte Schmitz aus Altenberge Luxushütten für einige Büssing-Hauber.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 130Buessing8000UFotoArchivKleinWiele

Das Verhältnis des „Chefs“ Hehemann zu seinen Mitarbeitern wird durch einige Geschichten verdeutlicht, die alte, wohlverdiente Mitarbeiter überliefert haben. Darüber berichtete z. B. Josef Maibom, der bereits vor dem Zweiten Weltkrieg als Lehrling zur Spedition kam, später bis zum Speditionsleiter aufstieg und 1986 in den Ruhestand ging. Er erlebte in den Anfangsjahren manche Fahrzeugtaufe mit. Kam ein neuer LKW nach Bocholt, so war dies ein großes Ereignis für die gesamte Belegschaft. Der Laster wurde auf das Betriebsgelände gefahren. Alle Mitarbeiter kamen zusammen und besichtigten den Neuling. Anschließend fuhr der Fahrer mit der Neubeschaffung zum Privathaus des Chefs und erhielt dort von Frau Hehemann einen Cognac. Wem er den Erfolg seines Unternehmens verdankte, dokumentierte Hehemann auch an der Standuhr in seinem Büro. Dort waren die Namen der ersten zwölf Fahrer eingraviert, die für ihn unterwegs waren. Etwas respektlos wurden diese Fahrer auch „die zwölf Apostel“ genannt. Weil Hehemann seine Fahrer gut behandelte, hielten ihm viele lange Jahre die Treue. Bei der Spedition Klein-Wiele zu fahren, bedeute für sie allerdings auch einen hohen Status. Sie waren angesehen in Bocholt. Dabei war es gar nicht so einfach, einen der begehrten Plätze als Fahrer zu bekommen. Nicht jeder Bewerber wurde auf den Bock gelassen. Zunächst musste er einmal als Schlosser in der speditionseigenen Werkstatt seine Fähigkeiten unter Beweis stellen bzw. dort seine Lehre absolvieren. Ernst Feldhaar kann davon erzählen. Bevor er einen der Klein-Wiele-Laster steuern durfte, hatte er sein Können in der Schmiede unter Beweis zu stellen. 1957 bekam er seinen Führerschein, der ihn zum Fahren von schweren LKW berechtigte. Doch zunächst erhielt er betriebsintern erst einmal nur die Erlaubnis, auf dem Hof LKW zu bewegen. Später durfte er dann den Chef mit dessen Volkswagen zur Jagd fahren. Hehemann wollte erst einmal sehen, ob der Mann wirklich reif war für einen seiner Lastzüge. Als Feldhaar beim Fahren mit dem Käfer eine Bordsteinkante etwas unsanft mitnahm, bekam er einen langen, ausführlichen Vortrag über die möglichen Schäden eines Reifens zu hören, sollte er mit einem LKW ähnlich unvorsichtig fahren. Feldhaar nahm die Lektion an und durfte bald als zweiter Fahrer auf einem der Klein-Wiele-Laster fahren. Anfang der Sechziger Jahre bedeutete dies für ihn, dass er einen Groschen weniger Stundenlohn bekam als der „Chef auf dem Bock“, dafür aber die eher unbeliebten Arbeiten erledigen durfte. Später stieg auch er zum ersten Fahrer auf und war  verantwortlich für den eigenen Laster. Zu seinen Aufgaben gehörte dann auch das Akquirieren von Aufträgen. Bei jeder Abladestelle hatte er sich vor Ort nach möglichen Rückfrachten zu erkundigen und dies dann telefonisch dem Disponenten in Bocholt mitzuteilen. Durch das oft jahrelang bestehende persönliche Verhältnis des Fahrpersonals zu den Empfängern kam so mancher Auftrag zustande.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 104BuessingCommodoreU13051965FotoArchivKleinWiele

In den Fünfziger und Sechziger Jahren wuchs das Bocholter Speditionsunternehmen weiter. Neue Fahrzeuge konnten beschafft werden. Waren zunächst hauptsächlich Haubenfahrzeuge von Mercedes und Büssing im Fernverkehr im Einsatz, so setzten sich schon bald Frontlenker durch. Diese wurden dann von Hehemann fast ausschließlich persönlich in Braunschweig geordert. Einen der ersten Frontlenker mit der Spinne auf der Front war Anfang der Fünfziger Jahre ein 8000 U, der neue Maßstäbe im Fernverkehr in Deutschland setzte. Ihm folgten weitere Unterflurfahrzeuge wie z. B. LU 11 und LU 77. Mitte bis Ende der Sechziger Jahre waren mehr als ein Dutzend Büssing Commodore zunächst mit 192 PS, später mit 210 PS im Einsatz. Selbst in den Werbefilmen der Firma Büssing waren Klein-Wiele-Commodore zu sehen. Fahrer Kurt Meyermann und Beifahrer Walter Fillies standen mit Ihrem Lastzug einen Tag lang den Kameraleuten zur Verfügung. Hauptdarsteller im Film war jedoch der Commodore. Der Text der Komparsen im Fahrerhaus hielt sich bekanntermaßen in Grenzen. Die Büssing-LKW wurden im Fernverkehr eingesetzt. Im Nahbereich standen zunächst Mercedes-Benz L 311/312 zur Verfügung, die später durch schwerere Rundhauber der Typen L 338 bzw. L 1418 ersetzt wurden. In Bocholt und Umgebung setzte Klein-Wiele Hanomag-Enser-Zugmaschinen ein, die Anhänger zum Vorladen oder zum Heranschaffen von Sammelgut zogen. Als Einzelstück gab es im Fuhrpark Klein-Wieles einen Henschel HS 14 mit Kofferaufbau und Koffer-Anhänger von Eylert aus Wuppertal. Die zu transportierenden Garne mussten bei einer bestimmten Temperatur befördert werden. Aus dem Grund wurde der Kofferzug angeschafft. Später wurden für diese Aufgaben jedoch wieder Planenzüge beschafft, mit denen der temperierte Transport auch durchgeführt werden konnte. 

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 011Fuhrparkca1965FotoArchivKleinWiele

Bei Klein-Wiele wurden hauptsächlich zweiachsige Anhänger eingesetzt. Auffällig viele Anhänger mit 8,30 Meter Länge waren vorhanden. Dieses Maß resultierte aus dem Haupteinsatzgebiet im Teppichtransport. Die Teppichrollen waren in der Regel 4 Meter breit. Somit konnten zwei Rollen hintereinander auf dem Anhänger verstaut werden. Oft wurden Spinnerei-Produkte aus Bocholt z. B. nach Belgien gefahren. Als Rückfracht gab es dann die fertigen Teppiche, die in Deutschland verteilt werden mussten. Im Linienverkehr fuhren Klein-Wiele-Laster aber auch Textilien nach Lörrach und Augsburg. Die Anfang der Fünfziger Jahre vorhandenen 25 roten und 12 blauen Konzessionen wurden später noch aufgestockt. Die hohe Anzahl an Konzessionen und die damit verbundenen vielen Standorte, die über ganz Deutschland verteilt waren, führten zu dem nicht wirklich ernst gemeinten internen Spruch „Von den Alpen bis ans Meer – Klein-Wiele macht´s im Nahverkehr“.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 037FuhrparkWinter196869FotoArchivKleinWiele

Die Spedition Klein-Wiele war unter der Leitung von Gottfried Hehemann in jeder Beziehung eine Ausnahmeerscheinung. So war es für ihn selbstverständlich, dass die Fahrzeuge am Wochenende ausgerichtet auf dem Hof standen. Zwei Stunden vor Abfahrt der Lastzüge wurden die Motoren gestartet, die dann warm laufen mussten. Hehemann war auf der einen Seite ein guter und solider Kaufmann. Er war aber auch absolut technikbegeistert. Traf er am Morgen auf dem Speditionsgelände ein, so führte ihn sein erster Weg in die Werkstatt. Bei der  Ausstattung der Fahrzeuge entwickelte er immer wieder neue Ideen. So waren die Pritschenaufbauten der Klein-Wiele-Fahrzeuge besonders stabil ausgeführt. Fast immer waren die Bordwände dreigeteilt. Die Aufbauten waren so hoch gebaut, dass drei der in der Textilindustrie üblichen Garnkisten auf die Pritsche passten. Hehemann war aber auch vorsichtig bzw. kritisch. Da es das Tauschsystem mit Europaletten noch nicht gab, wurden zunächst Einwegpaletten eingesetzt. Alle Paletten trugen auf der Seite den Namenszug „Bernhard Klein-Wiele“. Ähnlich verhielt es sich bei den Reifen seiner Fahrzeuge. Auch sie bekamen ein BKW-Brandzeichen aufgedrückt, damit es zu keiner absichtlichen oder unbeabsichtigten Verwechslung kommen konnte. Selbst beim später eingeführten Wackenhut-Wechselsystem für die Pritschenaufbauten ließ sich Hehemann etwas einfallen. Die Führungsprofile auf den Fahrzeugrahmen und die an den Pritschen hatten ein eigenes Klein-Wiele–Breitenmaß. Fremde Spediteure konnten somit mit seinen Brücken nichts anfangen und kamen nicht in die Versuchung, die ein oder andere für sich zu vereinnahmen. Einen Klein-Wiele-Anhänger konnte auch kein anderer Spediteur fahren, da auch die Stecker für das Licht nur an Klein-Wiele-Fahrzeugen zu finden waren.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 110BuessingBS15RotterdamMai1970FotoArchivKleinWiele

1958 dehnte die Spedition Klein-Wiele ihre Aktivitäten auch auf die Nachbarländer aus und nannte sich fortan Internationale Spedition. Ab 1962 gab es auch die Möglichkeit, Fracht nach Übersee konventionell oder als Luftfracht mit Klein-Wiele zu spedieren. 1968 wurde die Klein-Wiele Eurexpediet in Antwerpen gegründet. Seit 1975 bestand eine eigene Niederlassung in Leeds in England, über die Sammelgut-Schnellverkehre mit Großbritannien und Irland abgewickelt wurden. Inzwischen leitete der Schwiegersohn von Hehemann Gert Tovar die Spedition und führte sie im Sinne seines Schwiegervaters auch nach dessen Tod im Jahre 1979 weiter. 1979 und 1981 wurden weitere Niederlassungen in Frankreich gegründet. Nachdem 1982 auch Finnland in die Leistungspalette aufgenommen worden war, führte Klein-Wiele Sammelladungsverkehre nach 16 Ländern regelmäßig durch. Tovar trieb diesen Ausbau voran und sorgte auch für die nötige Erweiterung der Organisation. Klein-Wiele gehörte unter seiner Regie zu einer der ersten Firmen in Deutschland, die über einen Großrechner verfügte, mit deren Hilfe jeder Sachbearbeiter Zugriff auf Informationen hatte, mit deren Hilfe dann wieder die Arbeiten im Versand der Kunden rationalisiert werden konnten und mit denen der Lauf der Sendungen beschleunigt werden konnte.

Historische Geschichte: Spedition Klein Wiele 163inderWerkstattMai1970FotoArchivKleinWiele

Zu Beginn der Achtziger Jahre waren etwa 150 eigene Lastkraftwagen und 300 Anhänger für Klein-Wiele im Einsatz. Dreißig Mitarbeiter sorgten in der Werkstatt bei Tag und Nacht dafür, dass die Fahrzeuge einsatzbereit waren. Sollte ein Laster trotzdem einmal unterwegs liegen bleiben, so fuhr der eigene Werkstattwagen raus und half vor Ort. In Bocholt stand im Keller unter der Werkstatt ein sehr umfangreiches Ersatzteillager für alle vorhandenen Mercedes- und Büssing- und später MAN-Fahrzeuge zur Verfügung. In der Werkstatt konnten auch komplette Motorenüberholungen vorgenommen werden. 1984 wurde das gesunde Unternehmen an den Konkurrenten Fiege verkauft. Heinz und Hugo Fiege passten den Klein-Wiele Fuhrpark umgehend dem eigenen System an. Innerhalb kürzester Zeit wurden 30 Mercedes-Benz LP 1633 NG kombiniert mit Krone-Anhängern beschafft. Einige Jahre lang waren die Fahrzeuge nach wie vor mit dem Schriftzug „Klein-Wiele“, allerdings in der Fiege-Optik versehen, bis der traditionsreiche Name dann für immer von der Bildfläche verschwand. Unter Kennern der Speditionsszene hat der Name Klein-Wiele allerdings auch im neuen Jahrtausend noch einen guten Klang. Dafür sorgen die unvergessenen Büssing Unterflur-Fahrzeuge.
Fotos: Archiv Spedition Fiege
Text: Manfred Koch

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