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Der Mithraismus oder Mithraskult

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Der Mithraismus oder Mithraskult

Beitrag  Andy am Sa Jan 17, 2015 12:31 am

Der Mithraismus oder Mithraskult war ein seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. im ganzen Römischen Reich verbreiteter Mysterienkult, in dessen Zentrum die Gestalt des Mithras stand. Ob diese Gestalt mit dem iranischen Gott oder Heros Mithra identifiziert oder aus ihr abgeleitet werden kann, wie bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch allgemein angenommen wurde, ist ungewiss, denn der römische Mithraskult weist in seiner Mythologie und religiösen Praxis deutliche Unterschiede zur indisch-iranischen Mithra-Verehrung auf. Somit ist heute umstritten, ob sich der römische Mithraskult aus einer Seitenströmung des Zarathustrismus oder eigenständig entwickelt hat.


Fresko mit Stiertötungsszene aus dem Mithräum in Marino, 2. oder 3. Jahrhundert

Während die Göttergestalt Mithra in Kleinasien seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. belegt ist, wird der römische Mithraismus erstmals vom römischen Dichter Statius († 96) erwähnt. Die ältesten Mithräen stammen aus der Mitte des 2. Jahrhunderts, die spätesten aus der Mitte des 5. Jahrhunderts. Seinen Höhepunkt erreichte der Kult Ende des 2. Jahrhunderts und im 3. Jahrhundert, nachdem sich Kaiser Commodus (180–192) ihm angeschlossen hatte. Die Verbindung zum Sonnengott Sol wurde dabei im Laufe der Zeit immer enger, bis Mithras und Sol schließlich oft verschmolzen. Als Sol Invictus Mithras wurde der Gott so besonders seit Aurelian von zahlreichen Kaisern verehrt, so auch noch vom jungen Konstantin I. (306–337). Mit der Durchsetzung des Christentums im Römischen Reich verschwand der Mithraismus jedoch innerhalb weniger Generationen und geriet in fast vollständige Vergessenheit, bis er in der Neuzeit durch archäologische Funde wiederentdeckt wurde.

Der Mithraskult war zu seiner Blütezeit im ganzen Römischen Reich verbreitet. Die Mithras-Heiligtümer wurden Mithräen genannt und waren oft unterirdisch angelegt oder höhlenartig in Fels gehauen. Die Zeremonien fanden allerdings nicht öffentlich statt. Wie die übrigen Mysterienkulte der griechisch-römischen Welt kreiste auch der Mithraismus um ein Geheimnis, das nur Eingeweihten enthüllt wurde. Bei Eintritt in den Kult wurde jedes neue Mitglied zum strengsten Stillschweigen verpflichtet. Deshalb gründet sich unser Wissen über den Mithraismus nur auf die Beschreibungen außenstehender Chronisten und auf die zahlreich erhaltenen Bildwerke der Mithras-Heiligtümer.

Der Mithraismus erfreute sich vor allem unter den römischen Legionären großer Popularität, umfasste jedoch auch sonstige Staatsdiener, Kaufleute und sogar Sklaven. Dagegen waren Frauen strikt ausgeschlossen. Die Organisation des Kults bestand aus sieben Weihestufen oder Initiationsebenen, die der Gläubige bei seinem Aufstieg durchlief.

Da so gut wie keine literarischen Nachrichten über den Mithraskult (sofern es solche überhaupt gegeben hat) erhalten sind, beruhen alle heutigen Überlegungen über seinen Inhalt und seine Formen auf bildlichen Darstellungen, die keine erklärende Beischrift tragen, und Inschriften, die meist lediglich aus kurzen Widmungsworten bestehen. Daher muss bei allen heutigen Deutungen und vor allem bei allen allzu stringenten Darstellungen ein hohes Maß an Spekulation in Rechnung gestellt werden.

Die Stiertötungsszene


Relief mit Stiertötungsszene aus Heidelberg-Neuenheim, 2. Jahrhundert


Statue mit Stiertötungsszene, Vatikanische Museen

Das Hauptmotiv auf Mithrasdenkmälern, Reliefs und Wandmalereien in Mithräen, die so genannte Tauroktonie oder Stiertötungsszene, zeigt Mithras beim Töten eines Stieres. Nach der mithräischen Mythologie hat Mithras diesen Stier verfolgt, eingefangen und auf seinen Schultern in eine Höhle getragen, wo er ihn zur Erneuerung der Welt opfert. Aus dem Blut und Samen des Stiers regenerieren sich die Erde und alles Leben. Möglich sind hier mythologische Querverbindungen zum Himmelsstier Mesopotamiens und des Gilgamesch-Epos.

Mithras wird als Jüngling dargestellt und ist mit einer römischen Tunika und einer phrygischen Mütze bekleidet. Er kniet in der Stiertötungsszene mit einem Bein auf dem Rücken des Stiers. Mit dem anderen Bein stemmt er sich ab, mit der linken Hand reißt er den Kopf des Stieres nach hinten und mit der rechten Hand tötet er das Tier durch einen Dolchstoß in die Schulter. Dabei wendet Mithras sein Gesicht vom Stier ab, ähnlich wie Perseus beim Töten der Medusa. Die Innenseite von Mithras' Mantel ist oft wie ein Sternenhimmel dekoriert.

Außer Mithras und dem Stier sind auf der Tauroktonie eine Reihe anderer Gestalten abgebildet: eine Schlange, ein Hund, ein Rabe, ein Skorpion sowie manchmal ein Löwe und ein Kelch. Die Deutung dieser Gestalten ist umstritten: während der belgische Mithrasforscher Franz Cumont in seinen Publikationen von 1896 und 1899 darin Gestalten aus der altiranischen Mythologie sah, deuteten andere Forscher vor allem in neuer Zeit diese als Sternbilder. Dabei entspricht der Stier dem Sternbild Stier, die Schlange dem Sternbild Wasserschlange, der Hund dem Sternbild Kleiner Hund, der Rabe dem Sternbild Rabe und der Skorpion dem Sternbild Skorpion. Der Löwe entspricht dem Sternbild Löwe und der Kelch entweder dem Sternbild Becher oder Wassermann. Am Nachthimmel zeigen die Plejaden im Sternbild Stier die Stelle an, an der der Dolch von Mithras in die Schulter des Tieres eindringt.

Ebenfalls werden in der Stiertötungsszene fast immer zwei Fackelträger namens Cautes und Caut(e/o)pates dargestellt, wobei ersterer die Fackel nach oben und letzterer die Fackel nach unten hält. Diese symbolisieren die Tagundnachtgleichen: Cautes mit der erhobenen Fackel symbolisiert die Frühlings-Tagundnachtgleiche, Caut(e/o)pates mit der gesenkten Fackel die Herbst-Tagundnachtgleiche. Die Fackelträger sind wie Mithras gekleidet und haben ihre Beine gekreuzt, was möglicherweise den Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ekliptik am Frühlings- und Herbstpunkt symbolisiert.

Die Ära der Stiertötungsszenen deutet der US-amerikanische Religionshistoriker David Ulansey mit der – damals allerdings noch unbekannten – langsamen Bewegung des Himmelsäquators. Im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. lag der Frühlingspunkt noch im Sternbild Stier (ab dem 1. Jahrhundert im Widder, heute in den Fischen). Die Tötung des Stieres symbolisiere das Ende dieses Zeitalters.
Mögliche Ursprünge

Die Römer selbst glaubten, dass der Mithraskult aus Persien stamme, und diese Annahme teilten auch die meisten Religionshistoriker bis zur Zweiten Internationalen Mithraskonferenz von 1975. Es wurde angenommen, dass die Römer den iranischen Kult um Mithra übernahmen und adaptierten (ähnlich wie im Falle der ägyptischen Isis); heute ist man vielfach deutlich vorsichtiger. Zweifelsohne ist „Mithras“ die hellenisierte Form des Namens „Mithra“, und viele Elemente des Mithraskults sind mit der iranischen Kultur verbunden. Zum Beispiel gibt es den mithräischen Weihegrad „Perser“, und Mithras selbst trägt in der Ikonografie das Gewand eines Persers. Jedoch zeichnet sich der römische Mithraskult durch Merkmale aus, die dem iranischen Kult um Mithra völlig fehlen: die Weihestufen, die Geheimhaltung der Glaubenslehre, die Betonung der Astronomie, die höhlenartigen Tempel und die Stiertötungsszene. Das Motiv der Stiertötung existiert zwar in der altiranischen Mythologie (wie auch in vielen anderen antiken Kulturen). Aber es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der iranische Licht- und Bündnisgott Mithra irgendetwas mit einer Stiertötung zu tun hatte. Laut Plutarch (um 100 n. Chr.) wurde der Mithraskult von Seeräubern aus Kilikien den Römern überliefert; nicht wenige Forscher nehmen daher an, der römische Mysterienkult um Mithras habe seine Wurzeln im hellenistischen Kleinasien, wo sich iranische und griechische Elemente vermischt hätten.

David Ulansey vertritt dagegen seit 1989 die These, dass der römische Stiertötungsgott Mithras gar nicht auf dem altiranischen Mithra basiere, sondern vielmehr eine Verbindung zum Gott und Sternbild Perseus habe. Möglicherweise gehe die Entstehung des Mithraskults auf den Perseuskult in Tarsos zurück: Der griechische Astronom Hipparch hatte um 128 v. Chr. die bedeutende Entdeckung gemacht, dass das Koordinatensystem der Fixsternsphäre nicht unverrückbar fest steht, sondern insgesamt eine langsame Umwälzung, die Präzession, durchführt. Gemäß heutiger astronomischer Auffassung ist die Präzession eine langperiodische Taumelbewegung der Erdachse, deren Zyklus 25.920 Jahre dauert. Von den damaligen Astrologen wurde sie als Kippbewegung des Himmelsäquators beobachtet, dessen Schnittpunkte mit der Ekliptik (Frühlings- und Herbstpunkt) sich langsam nach Osten verschoben. Hipparchs Entdeckung zeigte, dass der Frühlingspunkt – der damals im Sternbild Widder stand und im 1. Jahrhundert in das Sternbild Fische überging – sich 2000–3000 Jahre früher im Sternbild Stier befunden haben musste.

Es war, so Ulansey, naheliegend, den Untergang des „Stierzeitalters“ durch die Tötung eines Stieres zu symbolisieren. Bei den Stoikern, die traditionell ein großes Interesse an Astrologie, Astralreligion und astronomischen Zyklen hatten, war es üblich, ein göttliches Wesen als die Quelle aller Naturkräfte anzusehen. Da die Präzession (scheinbar) die gesamte Fixsternsphäre bewegt, musste der ihr zugrunde liegende Gott mächtiger als die Götter der Sterne und Planeten sein. So ist die Entstehung eines Kultes um diesen „neu entdeckten Gott“, der offenbar die größte Macht über den gesamten Kosmos hatte, plausibel. Dabei bot sich laut Ulansey der Gott Perseus besonders an, die Stiertöterfigur darzustellen, da sich sein Sternbild genau oberhalb des Sternbilds des Stiers befindet. Da Perseus aufgrund seines Namens mit Persien assoziiert wurde, ist es denkbar, dass er durch den einer iranischen Gottheit, Mithra, ersetzt wurde. Zudem herrschte damals in Kleinasien der König Mithridates VI. Eupator, dessen Name „von Mithra gegeben“ bedeutet und der seine Abstammung (in mystischer Weise) auf Perseus zurückführte. Auch durch diesen Umstand könnte Perseus mit Mithra assoziiert worden sein. Ulanseys Hypothese wurde in der Forschung intensiv diskutiert und fand Zustimmung und Ablehnung; Kritiker merkten an, viele seiner Annahmen seien rein spekulativ. Allgemein durchgesetzt hat sich seine Hypothese daher keineswegs.

Vor allem in der deutschsprachigen Forschung hat hingegen die auf Reinhold Merkelbach zurückgehende Hypothese, der Mithraismus sei eine unter Kaiser Vespasian in Rom von einem unbekannten Stifter begründete Religion gewesen, die sich lediglich einen orientalischen Anstrich gegeben habe, um altehrwürdig zu erscheinen, zahlreiche Anhänger.

Festzuhalten bleibt daher letztlich, dass es so gut wie keine allgemein als gesichert angesehenen Erkenntnisse zu den Ursprüngen des römischen Mithraskultes gibt, obwohl in der Literatur teils anderes suggeriert wird.
Mithras als Sonnengott

Viele antike Abbildungen zeigen Mithras gleichrangig mit dem Sonnengott Helios bzw. Sol oder als Sieger über den sich ihm unterwerfenden Sol/Helios. Mithras führte später immer öfter den Beinamen Sol invictus, d. h. „unbesiegter Sonnengott“, wohl um auszudrücken, dass er die Rolle des neuen Kosmokrators (Beherrscher des Kosmos) übernommen hatte, die vorher Helios besaß. Dennoch ist Mithras nicht einfach identisch mit Sol und war ursprünglich auch keine Sonnengottheit.

Auch der iranische Gott Mithra war Jahrhunderte zuvor schon oft mit der Sonne gleichgesetzt und als Sonnengott verehrt worden.
Der löwenköpfige Gott

In der mithrischen Kunst wird häufig auch eine andere Göttergestalt dargestellt, deren Name und Bedeutung unklar ist. Sie stellt eine nackte, aufrecht stehende Menschenfigur mit Löwenkopf dar, um deren Leib sich spiralförmig eine Schlange windet. Möglicherweise stellt auch diese Figur eine von Mithras unterworfene Macht dar, ähnlich wie Perseus die Gorgo/Medusa besiegte. Es wird vermutet, dass der löwenköpfige Gott die Ordnung des Kosmos in seiner Gesamtheit symbolisiert. Eine ähnliche, ebenfalls geflügelte und schlangenumwundene Gestalt ist der aus dem Dionysoskult stammende Aion oder Phanes. Außerdem wird die zoroastrische Verkörperung des negativen Prinzips, Ahriman, der Widersacher des Schöpfergottes Ahura Mazda, löwenköpfig und von einer Schlange umwunden dargestellt.

Initiationsgrade


Mithräum von Santa Maria Capua Vetere nahe Neapel

Die sieben Initiationsstufen oder Weihegrade des Mithraismus sind:

Corax (Rabe)
Nymphus (Bräutigam)
Miles (Soldat)
Leo (Löwe)
Perses (Perser)
Heliodromus (Sonnenläufer)
Pater (Vater)

Diese Weihegrade wurden auch den sieben Wandelgestirnen Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Sonne und Mond zugeordnet und waren nach Kelsus eine Metapher für die Reise der Seele durch die Planetensphären zum Licht, zu den Fixsternen.
Riten

Da der Mithraskult keine Textquellen hinterlassen hat, sind polemische Darstellungen christlicher Autoren fast die einzige Quelle für die rituellen Handlungen der Mithrasanhänger. Einige wenige Informationen gibt auch Porphyrios in De antro nympharum. Die Reliefs aus den Mithräen sind in dieser Hinsicht nur sehr vorsichtig zu benutzen. Hinweise auf Riten gibt ferner die Archäologie, etwa durch Funde von Tierknochen oder Kultgeräten.

Die in der älteren Forschung oft beobachtete Gleichartigkeit mithräischer und christlicher Riten (besonders auf das „Kultmahl“ bezogen) hat zur Annahme eines historischen Zusammenhangs geführt. Die Beobachtungen beruhen hauptsächlich auf den Schilderungen christlicher Schriftsteller, die solche Zusammenhänge sehr bewusst in eigenem Interesse herstellen. Sowohl Justin als auch (hier wohl auf Justin beruhend) Tertullian behaupten, bei den Mithrasmysterien handele es sich um vom Teufel initiierte Imitationen christlicher Sakramente. Entsprechend dürfte eine Angleichung der paganen Riten an diese These stattgefunden haben; sie ist etwa auch nachzuweisen bei Firmicus Maternus.
Initiation

Entgegen älteren Ansichten ist über die Initiationsriten des Mithraskultes so gut wie nichts bekannt. Ein Relief aus Capua belegt möglicherweise einen Brotritus; Tertullian spricht von einer „Darbringung von Brot“. Porphyrios nennt Honigriten bei der Einweihung in den Grad des Löwen. Justin vergleicht Eucharistie und die Initiationszeremonien des Mithraskultes; in diesem Kontext berichtet er, Brot und Wasser würden unter Ausspruch bestimmter Formeln gereicht. Tertullian berichtet, dem Mithrasanhänger werde ein Kranz angeboten, den dieser abzulehnen habe mit den Worten „Mithras ist mein Kranz“. Die Initiationsreliefs aus Capua können die Ansicht teilweise bestätigen, dass mit der Initiation gewisse Torturen verbunden waren.
Stieropfer

Die in der älteren Forschung weit verbreitete Ansicht, im Mithraskult sei ein Stier geopfert (oder das Taurobolium vollzogen) worden, konnte durch die Archäologie nicht bestätigt werden: Die Knochenfunde, die bisher analysiert wurden, enthalten keine Stierknochen.
Mahl

Das nach der Stiertötung häufigste Motiv der mithräischen Reliefs zeigt Sol und Mithras beim gemeinsamen Mahl. Gelegentlich wird deutlich, dass dabei das Fleisch des Stieres gegessen wird. Die Mithrasanhänger haben anscheinend ihr Gemeinschaftsmahl vor diesem Hintergrund verstanden. Reliefs aus S. Prisca legen den Eindruck nahe, dass die Träger der höchsten Grade (Pater und Heliodromus) auf einer besonderen Bank (die auch in Capua archäologisch bezeugt ist) die Rollen von Mithras und Sol einnahmen. Unklar ist aber, ob die anderen Mitglieder der Gemeinde zum gleichen Zeitpunkt aßen, ob also jedes Gemeinschaftsmahl diese Form hatte oder dies nur ein einmaliger Ritus war. Die Vermutung, dass Brot und Wein beim Mahl Fleisch und Blut des Stieres symbolisierten, ist naheliegend. Reliefs zeigen auch Trauben und Fische als Gegenstand des Mahls. In Tienen (Belgien) sind Überreste eines großen Festmahls gefunden worden, das nicht im begrenzten Kreis der Besucher der Mithrasgrotte stattgefunden haben kann. Offenbar war zumindest hier die Teilnahme auch Nichtmitgliedern möglich. Es ist unklar, ob dem Mahl eine kultische Bedeutung zukam.
Dramatisierung des Mythos

Wenn das Mahl der Mithrasanhänger so gehalten wurde, wie es Mithras und Sol getan haben, lässt es sich als ein „Nachspielen“ bzw. eine „Reaktualisierung“ des Mythos im Ritual begreifen. Weitere Beispiele dafür finden sich auf dem Mainzer Mithrasgefäß (in der Deutung von Roger Beck): Der Pater wiederholt den Pfeilschuss, mit dem Mithras Wasser aus einem Fels quellen ließ. Der Heliodromus imitiert – nach Beck – den Lauf der Sonne (des Sonnengottes Sol). Es habe sich also nicht um einen Mythos, sondern um eine Doktrin gehandelt. In der engen Beziehung von Mythos und Ritual kann man eine Gemeinsamkeit von Mithrasmysterien und Christentum sehen.
Das Ende des Mithraismus

Anders als das Christentum wurde der Mithraskult im Römischen Reich zunächst nicht verfolgt. Kaiser Aurelian (römischer Kaiser von 270 bis 275) machte den Kult des Sol Invictus, welcher im Einklang mit dem Mithraismus stand, sogar kurzzeitig zur Staatsreligion. Der Mithraismus war allerdings nie ein öffentlicher Kult des Römischen Reiches und erlebte trotz seiner starken Verbreitung keine staatliche Unterstützung. Erst 391, als das Christentum durch Kaiser Theodosius I. zur Staatsreligion wurde, wurde die Ausübung anderer Religionen bei Todesstrafe verboten. Als Folge davon ging der Mithraismus offenbar innerhalb kürzester Zeit unter. Ansprechend ist die These von Reinhold Merkelbach, dass der Mithraismus als Religion der Loyalität zum Kaiser mit dessen Hinwendung zum Christentum einfach seinen Gegenstand verloren habe. Die Mehrzahl der ergrabenen Mithräen wurde einfach aufgelassen, die gefundenen Kultbilder weisen meist keine Anzeichen willkürlicher Zerstörung auf. Wo über Mithräen christliche Kirchen gebaut wurden (z. B. Rom, Sa. Prisca und S. Clemente), ist dies am ehesten auf die Eigentumsverhältnisse zurückzuführen und die aufgelassenen Mithräen sind lediglich durch die Baumaßnahmen beschädigt worden.

Mithraismus und Christentum

Von manchen Religionswissenschaftlern werden Parallelen zwischen dem Mithraismus und dem Christentum, und insbesondere zwischen der Figur des Mithras und Jesus Christus aufgeführt.

Quelle - literatur & Einzelnachweise
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Re

Beitrag  checker am Sa Jan 17, 2015 9:33 am

Dazu findet sich noch folgendes aus Basiswissen Christentum:

Der Mithraskult



1.Einleitung[/size]
Der Mithraskult und das Christentum stammen aus etwa demselben Gebiet, sind auf demselben kulturhistorischen Hintergrund erwachsen. Sie verbreiteten sich zur selben Zeit und waren schnell in allen Teilen des Römischen Reiches zu finden. Neben diesen rein äußerlichen Parallelen sind auch vielerlei inhaltliche Ähnlichkeiten in Kultgestaltung und Lehre vorhanden. Sowohl Mithraskult als auch Christentum haben die altheidnischen Vorstellungen überwunden und bieten dem antiken Menschen eine neue Form persönlicher Religiosität, sie versprechen das individuelle Heil. Diese Parallelen gaben und geben immer wieder Anlass zu den verschiedensten Spekulationen über das (Abhängigkeits-)Verhältnis der beiden Religionen.
„Hätte ein tödliches Missgeschick den Siegeszug des Christentums aufgehalten, dann hätte die Welt dem Mithras gehört.“[anchor="T1"][/anchor][link anchor="Anm1" dest="51"]1[/link] Dieser vielzitierte und freilich ein wenig übertriebene Satz von E. Renan, einem französischen Erforscher der Spätantike, zeigt die immense Bedeutung des Mithraskultes.
Man könnte die Situation, in der alle Erforschung dieses Phänomens sich befindet, wie folgt ausdrücken: Der Quellenlage, mit der wir vom heutigen Standpunkt aus den Mithraskult rekonstruieren wollen, entspräche ein Blick auf das Christentum nur durch das Alte Testament und die baulichen Zeugnisse gotischer Kirchen. Die entscheidenden Glaubensinhalte des Mithraskultes sind verloren oder sie sind niemals festgehalten worden. Alle Forschung beinhaltet also immer ein Stück weit Spekulation.


2.Ursprünge und Grundlagen des Mithraskultes

2.1.Raum und Zeit
Die Ursprünge eines Kultes für den Gott Mitra liegen im iranisch-persischen Kulturraum vor der Zeit, da zwischen Persern und Hindus unterschieden wurde, d.h. in dem Raum, der sich von Kleinasien im Westen über den Iran/Irak bis nach Indien im Osten erstreckte.[anchor="T2"][/anchor][link anchor="Anm2" dest="51"]2[/link] Die Verehrung des Gottes Mitra gibt es wahrscheinlich schon seit Urzeiten, nachweislich aber findet sich eine Erwähnung des Mithra[anchor="T3"][/anchor][link anchor="Anm3" dest="51"]3[/link] zuerst in einem Vertragstext der Hethiter, einem Volk, das in Zentralkleinasien siedelte, um ca. 1380 v.Chr.[source]<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/578d76de5513409abd9ffb2f79d0ed30" width="1" height="1" alt="">
[/source]

2.2.Die ursprüngliche Bedeutung der Gottheit Mitra
2.2.1.urzeitliche Wurzeln
Das Wort mitra (altiranisch/altindisch) bedeutet Vertrag, Bund, Treue. Daraus schließt man, dass Mitra ein Gott des Vertrags, der Ehre, der Tugend war. Diese Bedeutung stammt aus der frühesten Zeit der Verehrung des Mitra. Als Beschützer der Wahrheit und der Bündnisse unterstützt er die oberste Gottheit Varuna[anchor="T4"][/anchor][link anchor="Anm4" dest="51"]4[/link] bzw. Ahura-Mazda[anchor="T5"][/anchor][link anchor="Anm5" dest="51"]5[/link], im Kampf gegen das Böse, das im iranischen Raum durch die Gottheit Ahriman verkörpert wird. So wurde es möglich, dass Mitra zu einer allwissenden, alles sehenden Gottheit ausgestaltet und als solcher mit dem himmlischen Licht gleichgesetzt werden konnte; Mitra wird zu einer Lichtgottheit, die auf einem von vier Schimmeln gezogenen Wagen über den Himmel fährt.
Trotzdem war Mitra nur der Helfer der obersten Gottheit und hatte in dieser Frühzeit noch eine relativ untergeordnete Stellung innerhalb des Pantheons. Als sich aber um 1000 v.Chr. die Trennung von indischem und iranischem Kulturraum vollzog, behielt Mitra im sich gerade herausbildenden Hinduismus seine bisherige Stellung, im iranischen Raum hingegen rückte er an die Spitze des Götterkreises[anchor="T6"][/anchor][link anchor="Anm6" dest="51"]6[/link]. Mithra hatte also an Bedeutung gewonnen.
Nun begann ein weiterer Wesenszug des Mithra sich auszuprägen: Man legte mehr Wert auf das martialische Element des Kämpfers gegen das Böse und so nahmen ihn die Soldaten für sich in Anspruch, ebenso taten es auch die Herrscher. Mithra, der vor Schlachten angerufen wurde, wurde zu deren Beschützer im Kampf.
[source]<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/63fdd9877b8733b9e191a9ef25c86a" width="1" height="1" alt="">[/source]

2.2.2.Zoroastrische, chaldäische und persische Einflüsse
Im System des Zarathustra[anchor="T7"][/anchor][link anchor="Anm7" dest="51"]7[/link], dem Zoroastrismus oder Parsismus, wurde die Bedeutung des Mithra stark abgeschwächt. Er wurde als niederer Genius[anchor="T8"][/anchor][link anchor="Anm8" dest="51"]8[/link] wieder zum Helfer des Ahura-Mazda, der nun wieder zur obersten Gottheit wurde. Trotz dieser Bedeutungsminderung finden sich in den heiligen Texten[anchor="T9"][/anchor][link anchor="Anm9" dest="51"]9[/link] des Zoroastrismus noch Spuren der früheren Bedeutung des Mithra; trotz der theologischen Bemühungen Mithra dem Ahura-Mazda zu unterstellen scheint im Volksglauben eine Erinnerung an die frühere Bedeutung des Mithra bewahrt worden zu sein. Sogar im Awesta werden Mithra und Ahura-Mazda in engem Zusammenhang genannt und mit gleichen Formeln angebetet.[anchor="T10"][/anchor][link anchor="Anm10" dest="51"]10[/link] Gleichzeitig mit der Übernahme und Umformung durch das zoroastrische Glaubenssystem wurde der Kultus des Mithra nach strengen Vorschriften reglementiert.[anchor="T11"][/anchor][link anchor="Anm11" dest="51"]11[/link]
Die Chaldäer, die seit dem 7./6. Jh. v.Chr. im Kerngebiet der Verbreitung des Glaubens an Mithra ihr Großreich regierten, besaßen bereits ein geschlossenes theologisches System, das sie innerhalb ihres Reiches verbreiteten. Außerdem waren die Chaldäer berühmt für ihre Kenntnisse in der Astrologie und Astronomie[anchor="T12"][/anchor][link anchor="Anm12" dest="51"]12[/link]. Diese beiden wichtigen kosmologischen Elemente drangen bald nach der Entstehung des Zoroastrismus in denselben ein und trugen zu dessen weiterer Festigung bei.[source]<img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/42372c0c73bf4fd7bee82e52b78b45dd" width="1" height="1" alt="">
[/source]
Es lässt sich feststellen, dass die Religion des Mithra im Perserreich (ca. 5. Jh. v.Chr.) gesellschaftliche Strukturen prägte; Soldaten nahmen Mithra für sich als Schutzgott in Anspruch, ebenso taten es die Herrscher. Dies ist inschriftlich z.B. für Artaxerxes I.-III., Xerxes und Darius II. belegt. Spätere Könige leiteten sogar ihre Namen von Mithra ab.[anchor="T13"][/anchor][link anchor="Anm13" dest="51"]13[/link] Mithra wurde als Verkörperung der Gerechtigkeit, der Tapferkeit und des Edelmutes zum Leitbild des Königtums und der Soldaten und in dieser Funktion auch zum Mittler zwischen König und Heer, er erhielt also eine staatstragende Funktion. In dieser Zeit nahm der Kultus des Mithra schärfere Konturen an. Ihm wurde der siebente Monat des Jahres geheiligt, ebenso auch der sechzehnte Tag jedes Monats, es wurden prunkvolle Zeremonien und Feste zu Ehren Mithras gefeiert, und der Kultus des Mithra wurde klerikalisiert. Aus der chaldäischen Prägung erwachsend bildete sich eine religiöse Oberschicht von μάγοι (auch μαγουσαĩοι[anchor="T14"][/anchor][link anchor="Anm14" dest="51"]14[/link] genannt), herumziehenden Sterndeutern und Priestern[anchor="T15"][/anchor][link anchor="Anm15" dest="51"]15[/link]. Bei diesen μάγοι ist durchaus an diejenigen der Weihnachtsgeschichte zu denken.[anchor="T16"][/anchor][link anchor="Anm16" dest="51"]16[/link] Die Götter des zoroastrischen Glaubenssystems verschmolzen mit denen des chaldäischen[anchor="T17"][/anchor][link anchor="Anm17" dest="51"]17[/link]; aus dem noch recht primitiven, naturgebundenen und relativ formlosen Kultus des Mithra im Zoroastrismus war durch die Institutionalisierung im Perserreich und durch die Synthese mit der chaldäischen Theologie, insbesondere durch den Einfluss der μάγοι mit ihren astrologischen und astronomischen Kenntnissen eine streng reglementierte, nahezu wissenschaftliche Mithrareligion geworden.
Und es waren eben diese μάγοι, die zur weiteren Verbreitung der Bekanntheit des Mithra beitrugen; sie zogen im gesamten vorderasiatischen Raum herum und ließen sich vielerorts nieder, verkündeten dort ihren Glauben und bewahrten ihn auf diese Weise für einen langen Zeitraum, so dass die mithrische Religion auch nach dem Sturz des Perserreichs vielerorts fortbestehen konnte. Dies gilt in besonderer Weise für Kleinasien.




3.Eintritt in die griechisch-römische Welt und Etablierung des Kultes im gesamten Imperium Romanum[/size]
3.1.Kleinasien
Kleinasien wird zum Ausgangspunkt der weiteren Verbreitung der Mithrareligion und zum neuen Zentrum der Verehrung für Mithra. Kleinasien ist ein Raum, der als Grenzbereich zwischen Europa und Asien sowohl von der vorderasiatischen Kultur (also dem Parsismus) als auch vom Gedankengut der hellenistischen Welt geprägt war. In diesem Schmelztiegel der Kulturen kam es zu einer entscheidenden Umformung der Mithrareligion. Diese neue Form der Verehrung und die damit verbundene neue Ausprägung der Gottheit bildeten die Grundlagen für die späteren Mysterien des Mithras[anchor="T18"][/anchor][link anchor="Anm18" dest="51"]18[/link]. Heute lässt sich nur noch schemenhaft erahnen, welcherart diese Umgestaltung gewesen sein mochte. Genau nachzeichnen lassen sich allerdings nur einzelne Punkte.
Ab dem 4. Jh. v.Chr. lassen sich erste Ansätze einer Hellenisierung der Mithrasreligion in Kleinasien feststellen. Wie schon zuvor[anchor="T19"][/anchor][link anchor="Anm19" dest="51"]19[/link] wird Mithras dem dort verehrten Sonnengott Apoll, bzw. Helios angenähert. Die μάγοι bemühten sich, ihre Traditionen mit der griechischen Philosophie zu begründen und zu verknüpfen. Dies geschah vor allem auf die Weise, dass man die im Vergleich zu den philosophischen Systemen des Hellenismus recht schlicht anmutenden Inhalte der mithrischen Mythologie als Allegorie der stoischen Kosmologie zu deuten versuchte. Auf diese Weise wurde Mithra wahrscheinlich mehr und mehr zu einer kosmischen Gottheit, die gemeinsam mit dem Sonnengott Helios, oder als mit ihm identische Gottheit, im Kreise der damals bekannten sieben Planeten herrscht.
In dieser Zeit der mehr oder minder ausgeprägten Anpassung müssen sich in Kleinasien die Mysterien[anchor="T20"][/anchor][link anchor="Anm20" dest="51"]20[/link] herausgebildet haben, in deren Mittelpunkt Mithras als kosmische Schöpfer- und Heilsgottheit steht. Neben diesen Eigenschaften bleibt er jedoch wahrscheinlich weiterhin der Wahrer der Verträge und der Schutzgott der Soldaten. Eine solche Anpassung an westliche Vorstellungen war die Grundsteinlegung für die Übernahme der mithrischen Religion durch die griechisch-römische Welt.[anchor="T21"][/anchor][link anchor="Anm21" dest="51"]21[/link]

3.2.Einführung, Ausbreitung und Etablierung im Imperium Romanum
Nach Plutarch[anchor="T22"][/anchor][link anchor="Anm22" dest="51"]22[/link] sind die Mithrasmysterien im 1. Jh. v.Chr. durch die kilikischen Seeräuber nach Rom gebracht worden. Cumont hält dies für unbestreitbar, in neuerer Zeit aber nimmt man an, dass sie erst im 1. Jh. n.Chr. durch Sklaven, Händler und v.a. Soldaten Eingang in das Römische Reich, d.h. zunächst in das italische Kerngebiet gefunden haben. Die Soldaten spielen bei der Verbreitung der Mithrasmysterien eine wichtige Rolle. Sie verehren, wie schon in der Frühzeit des Kultus, Mithras als unbesiegbare Gottheit, die Tapferkeit und Edelmut verkörpert. Die Tatsache, dass Soldaten in allen Teilen des Römischen Reiches stationiert waren und die einzelnen Legionen oder Teile der Legionen häufig den Standort wechselten, machte eine schnelle Ausbreitung in allen Teilen des Römischen Reiches möglich. Mithräen, die unterirdischen Heiligtümer des Mithraskultes, hat man besonders in Germanien, entlang der Donau und Gallien gefunden, also vorwiegend in den Grenzregionen des Imperium Romanum.
Ebenso wie die Soldaten, so waren auch Sklaven und Händler in allen Teilen des Reiches zu finden, wobei gerade in der Zeit vom 1. Jh. v.Chr. bis zum 1. Jh. n.Chr. zahlreiche Sklaven aus den gerade unterworfenen vorderasiatischen Gebieten, also aus denjenigen, die das Kerngebiet der Mithrasverehrung darstellen, nach Westen transportiert wurden. Die schnelle Ausbreitung und das damit verbundene schnelle Anwachsen brachten dem Mithraskult eine zunächst nur erzwungene Akzeptanz seitens des römischen Staates ein. Bis zum Ende des 2. Jh.s n.Chr. gab es keine offizielle Verlautbarung des Staates zum Mithraskult. Erst Kaiser Commodus[anchor="T23"][/anchor][link anchor="Anm23" dest="51"]23[/link] unterstützte den Mithraskult. Er war der erste römische Kaiser, der sich in die Mysterien des Mithras einweihen ließ. Offenbar verstand er sich als Inkarnation des Mithras. Die Tatsache, dass Mithras nun Zugang zu den höchsten Kreisen des Staates gewonnen hatte, zog einen ungeheuren Popularitätsgewinn für den Mithraskult nach sich und verhalf ihm zu noch mehr Einfluss. Die folgenden Kaiser arrangierten sich mehr und mehr mit dem Mithraskult und nutzten ihn für ihre Zwecke. Die Blütezeit des Mithraskultes liegt im 2. und 3. Jh. n.Chr. In dieser Zeit kann man mit Recht den Mithraskult als „Weltreligion“ bezeichnen. Er zählte zu seinen Anhängern mindestens eben so viele Menschen wie das Christentum zu dieser Zeit.

3.3.Der Mithraskult und die römischen Kaiser
Wie in allen Zeiten der Verehrung des Mithra hatte dieser Gott auch in Form des Mysterienkults im Römischen Reich ein enges Verhältnis zu den Herrschern.
Da Mithras vor allem von Soldaten verehrt wurde, die einen erheblichen Machtfaktor innerhalb des Römischen Reiches darstellten, mussten die Kaiser sich mit der neuen Gottheit arrangieren. Aus dieser zunächst nur erzwungenen [source]<img src="http://vg00.met.vgwort.de/na/f0cdfe31b2c4492c717f" width="1" height="1" alt=""> [/source]Akzeptanz wurde seitens der Kaiser schnell ein reges Interesse und Zuneigung. Sie sahen in den monotheistischen Ansätzen dieses Kultes ein Abbild der Herrschaftsverhältnisse auf Erden und benutzten dies zur Legitimation ihrer Alleinherrschaft. Außerdem muss dieser Mysterienkult einen besonderen Reiz auf die Imperatoren ausgeübt haben. In diesem Gott, der strahlend wie die Sonne allen Menschen Wohlergehen bringt und dazu Unbesiegbarkeit verspricht, sahen sie sich selbst.
So kam es dazu, dass der exzentrische Kaiser Commodus[anchor="T24"][/anchor][link anchor="Anm24" dest="51"]24[/link] sich in der Zeit zwischen 189 n.Chr. und 192 n.Chr. als erster römischer Imperator in die Mysterien des Mithras einweihen ließ.
Nachdem der Sonnengott El-Agabal zum Staatsgott erhoben worden war, war es nur noch ein kleiner Schritt zu dessen Gleichsetzung mit dem ihm so ähnlichen Mithras, zumal der Mithraskult für Außenstehende ohnehin nur eine Sonderform des Kultes des Sonnengottes El-Agabal zu sein schien. Ebenso wurde die Erhebung des Sonnengottes über alle anderen Gottheiten von den Mithrasanhängern begrüßt, da sie in dem Sonnengott, der über allen anderen Göttern stand, ihren Mithras sahen.
Seit dem 3. Jh. n.Chr. dem Zeitpunkt also, zu dem der Mithraskult offizieller Kult der Kaiser geworden war, finden sich zahlreiche Inschriften, die belegen, wie wichtig Mithras für die Kaiser geworden war. Seit dieser Zeit lebte im kaiserlichen Palast ein sacerdos invicti Mithrae domus Augustanae, ein „Hofgeistlicher“ für den Kaiser.
Besonders interessant ist eine Inschrift aus dem Jahre 308[anchor="T25"][/anchor][link anchor="Anm25" dest="51"]25[/link], in dem sich die Kaiser Galerius, Maximian und Diocletian in Carnuntum[anchor="T26"][/anchor][link anchor="Anm26" dest="51"]26[/link] trafen, um die Tetrarchie wiederherzustellen. Aus diesem Anlass erneuerten sie das dort befindliche Mithräum und stifteten folgende Inschrift:
D∙S∙I∙M
FAVTORI∙IMPERII∙SVI
IOVII∙ET∙HERCVLII
RELIGIOSISSIMI
AVGVSTI∙ET∙CAESARES
SACRARIVM
RESTITVERVNT
D(eo) S(oli) I(nvicti) M(ithrae) | fautori imperii sui | Iovii et Herculii | Religiosissimi | Augusti et Caesares | Sacrarium | restituerunt[anchor="T27"][/anchor][link anchor="Anm27" dest="51"]27[/link]
Hier wird deutlich, dass Mithras als Beschützer der kaiserlichen Herrschaft[anchor="T28"][/anchor][link anchor="Anm28" dest="51"]28[/link] eine staatstragende Funktion erlangt hat. Damit ist der Höhepunkt der Mithrasverehrung erreicht.


4.Der Niedergang der Mithraskultes

In der Folgezeit wurde mit dem Verlust einiger Provinzen auch der Glaube an die Unbesiegbarkeit des Mithras gemindert. Ein besonders gravierender Rückschlag aber war der Sieg Constantins über das Heer des Licinius, das unter dem mithrischen Sonnenkreuz kämpfte. Währenddessen konnte sich das Christentum fast ungehindert weiter ausbreiten. Ein letztes Aufflammen der heidnischen Religion und besonders des Mithraskultes gab es dann unter dem Heidenkaiser Julian Apostata, der sich offen zum Mithraizismus bekannte. Vielleicht ist es Ironie des Schicksals, dass er ausgerechnet bei einem Feldzug gegen die Perser ums Leben kam. Mit der Herrschaft des Kaisers Theodosius war der Mithraskult endgültig dem Untergang geweiht. Das Christentum wurde zur Staatsreligion erhoben und alle anderen Kulte verboten. Durch dieses Verbot und die Tatsache, dass sich die Mithras„gemeinden“ nun gewaltsamen, zum Teil grausamen Verfolgungen durch die Christen ausgesetzt sahen, konnten die Zeremonien des Mithraskultes von nun an nur noch versteckt und im Geheimen praktiziert werden. Auf diese Weise hielten sich vereinzelt noch Kultgemeinden in allen Teilen des Reiches bis ins 6. Jh. n.Chr. hinein.

4.1.Gründe für das Scheitern des Mithraskultes
Es ist deutlich geworden, dass der Mithraskult die Mängel der kollektiven, allenfalls auf das Staatswohl hin angelegten altheidnischen Religion überwunden hat und dem wachsenden Bedürfnis nach individuellem Heil gerecht wurde. Außerdem wurde Mithras seit Commodus, also seit dem Ende des 2. Jh.s. n.Chr., von den Kaisern des Römischen Reiches verehrt und sein Kult gefördert. Angesichts dieser Tatsache, sowie den vielen auffälligen Parallelen zum Christentum drängt sich nun die Frage auf, warum der Mithraskult im Dunkel der Geschichte versunken ist.
Ein wesentlicher Grund dafür, dass sich der Mithraskult nicht durchgesetzt hat, ist die Tatsache, dass er nicht überregional organisiert war; es gab unter den einzelnen Kultgemeinden kaum Austausch und keine übergeordnete Instanz, so dass die Mithras„gemeinden“ – so weit sie auch verbreitet waren – doch isolierte Phänomene darstellten.
Ein erheblicher Nachteil im Vergleich zum Christentum war ebenfalls, dass der Mithraskult nur Männern zugänglich war, Frauen jedoch versperrt blieb. Der Mithraizismus hätte sich also in seiner relativ starren Form niemals zu einer umfassenden und beständigen Religion ausweiten können.
Wichtig ist auch die Tatsache, dass die Gottheit Mithras ihren Anhängern Unbesiegbarkeit versprach. Mit dem Zerfall des Römischen Reiches, dem Verlust von Provinzen und durch die Einfälle von fremden Völkern in das Reich aber wurde die Glaubwürdigkeit der Unbesiegbarkeit zunehmend in Frage gestellt. Ein wesentlicher Aspekt der anfänglichen Attraktivität des Mithraskultes ging verloren.
Der wesentliche Gesichtspunkt aber ist die Tatsache, dass seit Konstantin das Christentum die bevorzugte Religion im römischen Staate war. Dadurch wurde den anderen Kulten die Existenz wesentlich erschwert. Vielleicht hat das Christentum auch die Ansätze, die im Mithraskult bereits angelegt waren, kompromissloser umgesetzt. So ist der Mithraskult zwar vorwiegend monotheistisch angelegt, es gibt aber neben Mithras auch noch andere Gottheiten, die verehrt werden. Außerdem lehnt der Mithraskult die Zugehörigkeit zu anderen Kulten und Verehrung anderer Gottheiten nicht ab. Das Christentum hingegen ist in seinem Monotheismus wesentlich radikaler. Es verbietet die Verehrung anderer Götter. Das bedeutet, dass der Mithraskult trotz aller neuen Impulse, die er in Abgrenzung zur heidnischen Religiosität bot, dennoch mit dieser verwoben blieb und ohne sie nicht denkbar wäre. Diese Form der Religiosität bot den Menschen auf Dauer jedoch nicht die Befriedigung ihrer neuen religiösen Bedürfnisse, die mit dem in der Spätantike zunehmenden Ich-Bewusstsein wuchsen. Hier war das Christentum mit seiner allein auf die einzelne Person angelegten Natur deutlich im Vorteil.


Schaubild: Strömungen, die zur Entstehung der Mithrasmysterien geführt haben

Hier können Sie dieses Schaubild als PDF-Datei herunterladen:
[filelink="2385"]Entstehung der Mithrasmysterien[/filelink]

5.Die Mithrasmysterien / Inhalte des Kultes

Über die genauen Zeremonien der Kultfeiern und die eigentlichen Inhalte des Mithraskultes ist nur wenig bekannt, da die Glaubensinhalte geheim waren[anchor="T29"][/anchor][link anchor="Anm29" dest="51"]29[/link] und aus diesem Grunde vielleicht niemals schriftlich festgehalten worden sind.[anchor="T30"][/anchor][link anchor="Anm30" dest="51"]30[/link] Die einzigen gesicherten Zeugnisse für den Mithraskult sind wüste Beschimpfungen in apologetischen Schriften, aus denen wir nur ein sehr bruchstückhaftes und negativ gefärbtes Bild erhalten, archäologische Relikte, Weihinschriften auf Kultgegenständen und besonders die sogenannten Mithräen, unterirdische höhlenartige Tempel, in denen die Anhänger des Mithraskultes sich trafen und ihre Kultzeremonien feierten. Viele dieser Mithräen sind gerade deswegen, weil sie unterirdisch angelegt worden sind, gut erhalten.[anchor="T31"][/anchor][link anchor="Anm31" dest="51"]31[/link]
Diese Mithräen waren wie die gesamte mithrische Kunst im großen und ganzen in Form und Ausgestaltung stereotyp. Ein Mithräum ist ein länglicher Raum mit gewölbter Decke. Vermutlich handelt es sich bei dieser Wölbung um ein Symbol des Himmels. An zentraler Stelle im Mithräum war ein Kultbild[anchor="T32"][/anchor][link anchor="Anm32" dest="51"]32[/link] aufgestellt, das hauptsächlich zeigt, wie Mithras einen Stier tötet


Mithraskultbild Paris, Louvre (Rückseite)

5.1.Der Mythos von Mithras[/size]
5.1.1.Die Theorie des Franz Cumont[anchor="T34"][/anchor][link anchor="Anm34" dest="51"]34[/link]

Anhand dieser Kultsteine lässt sich der Inhalt des Mithras-Mythos rekonstruieren. Allerdings gehen gerade in bezug auf die Dinge, die man aus den Kultsteinen ablesen kann, die Meinungen weit auseinander. Wesentlich und ernstzunehmen sind zwei Theorien: Die ältere und lange Zeit unumstrittene des Franz Cumont[anchor="T35"][/anchor][link anchor="Anm35" dest="51"]35[/link] und die in jüngerer Zeit von David Ulansey aufgestellte[anchor="T36"][/anchor][link anchor="Anm36" dest="51"]36[/link]. Im Folgenden werde ich zunächst Cumonts Theorie darlegen:
Mithras wird als Verkörperung des Lichts aus einem Felsen in die Dunkelheit hinein geboren.[anchor="T37"][/anchor][link anchor="Anm37" dest="51"]37[/link] Sein Kopf ist bedeckt mit einer phrygischen Mütze[anchor="T38"][/anchor][link anchor="Anm38" dest="51"]38[/link], er hält Messer und Fackel in den Händen. Dies sind Zeichen seiner Vorherbestimmung zur Stiertötung und seiner Funktion als Lichtgottheit. Da Mithras nackt geboren wurde und Winde heftig stürmen, klettert er in eine Baumkrone. Dort schneidet er sich Früchte ab und isst sie. Hierdurch gewinnt Mithras an Kraft. Auf diese Weise erstarkt irrt er durch die Welt, um ein Wesen zu suchen, mit dem er seine Kraft messen kann. Schließlich findet er den Urstier, der eine Verkörperung des Bösen ist. Mithras packt den Stier bei den Hörnern und setzt sich auf dessen Rücken. Der Stier versucht ihn abzuwerfen und verausgabt seine Kräfte. Als der Stier erschöpft ist, nimmt Mithras dessen Hinterhufe und schleift ihn auf dem Rücken in eine Höhle, wo er den Stier einsperrt. Nachdem er den Stier auf diese Weise besiegt hat, sucht Mithras erneut nach jemandem, mit dem er seine Kraft messen kann und stößt auf den Sonnengott Helios oder Sol, mit dem er ebenfalls zu kämpfen beginnt. Mithras besiegt ihn, und Helios/Sol wird daraufhin von Mithras mit der Strahlenkrone bekränzt. Mithras befiehlt Helios/Sol, auf einer Bahn über den Himmel zu fahren, sie reichen sich die Hände als Zeichen der Freundschaft und gegenseitiger Unterstützung. Währenddessen entwischt der Stier aus der Höhle. Dies bemerkt Helios/Sol, der Wächter über die Welt, und schickt seinen Boten, den Raben, um Mithras zu verkünden, dass er den Stier töten soll. Mithras befolgt den Befehl widerwillig und jagt den Stier mit seinem Hund durch die gesamte Welt. Schließlich fängt er den Stier, als dieser wieder in die Höhle zurückgekehrt ist, um sich dort zu verbergen. Mithras packt den Stier bei den Nüstern, reißt dessen Kopf zurück, springt auf den Rücken des Stieres und stößt ihm das Messer in die Flanke. Er wendet sich dabei ab, woraus Cumont schließt, dass er die Tötung nur widerwillig vollzieht. Nun ereignet sich etwas, das Cumont als „außerordentliches Wunder“[anchor="T39"][/anchor][link anchor="Anm39" dest="51"]39[/link] bezeichnet: aus dem Körper des sterbenden Stieres gehen alle nützlichen Pflanzen hervor. Dies wird nach Cumont im Kultbild dadurch angedeutet, dass aus dem Schwanz des Stieres Ähren und aus seinem Blut Wein hervorgehen. Der Samen des Stieres bringt die verschiedenen Nutztiere hervor. Allerdings versuchen einige chthonische Kreaturen (Skorpion und Schlange) etwas von dem Samen des Stieres und vom Blut aufzufangen.[anchor="T40"][/anchor][link anchor="Anm40" dest="51"]40[/link] Diese Lebewesen stellen das in der Welt verbliebene Böse dar. Im Tod steigt die Seele des Stieres in himmlische Sphären auf. Durch dieses Ereignis also wird Mithras indirekt zum Schöpfer aller Guten Dinge auf der Erde.
Inzwischen ist das erste Menschenpaar entstanden, die bösen Mächte jedoch versuchen sie zu töten. Deshalb muss Mithras weiterhin gegen sie ankämpfen. Es kommt allerdings zu einer Trockenheitsperiode, welche die Menschen dazu veranlasst, Mithras um Hilfe anzuflehen. Mithras erbarmt sich und schlägt mit einem Pfeil Wasser aus einem Stein. Damit geben die bösen Mächte sich geschlagen, und Mithras gewährt den Menschen ein friedvolles Leben.
Dies ist das Ende des irdischen Wirkens des Mithras. Aus diesem Anlass findet die Feier eines Abschiedsmahles mit Helios/Sol und den Helfern des Mithras, Cautes und Cautopates, statt. Danach steigt Mithras mit Helios/Sol auf den Sonnenwagen und fährt mit ihm über den Himmel. Von dort aus wacht er über das Wohl derjenigen Menschen, die ihn verehren.
Soweit der Mythos von Mithras nach Franz Cumont. Diese Auffassung der Kultbilder des Mithraskultes birgt allerdings einige Ungereimtheiten und wirkt konstruiert und willkürlich.

5.1.2.Die Theorie des David Ulansey
Eine andere mögliche Auffassung der Kultbilder bietet David Ulansey[anchor="T41"][/anchor][link anchor="Anm41" dest="51"]41[/link]. Er betrachtet die bildlichen Darstellungen auf den Kultsteinen als Sternenkarte und begründet dies damit, dass sämtlichen Figuren, die abgebildet sind, ein Gegenstück am Sternenhimmel besäßen.[anchor="T42"][/anchor][link anchor="Anm42" dest="51"]42[/link] Für ihn belegen die Kultbilder das geheime Wissen um die Bedeutung der sogenannten Präzession der Äquinoktien. Hierbei handelt es sich um das Phänomen, dass sich die Punkte der Frühlings- und Herbsttagundnachtgleiche im Laufe der Jahrtausende am Himmel verschieben, das der griechische Astronom Hipparch um 130 v.Chr. entdeckt hatte.[anchor="T43"][/anchor][link anchor="Anm43" dest="51"]43[/link] Die Äquinoktien wandern rückwärts durch den Tierkreis und verschieben sich in je 2160 Jahren von einem Sternbild ins nächste, so dass der gesamte Tierkreis in 25920 Jahren durchlaufen wird. Die auf den Kultsteinen des Mithraskultes dargestellte Tauroktonieszene bringt demnach zum Ausdruck, dass dasjenige Sternbild, in dem die Frühlingstagundnachtgleiche zuletzt lag, das des Stieres ist. Ulansey meint, dass eine Gruppe stoischer Intellektueller, die der Stoa gemäß mit der Astrologie vertraut war, – vermutlich aus der kilikischen Hauptstadt Tarsos – im 2./1. Jh. v.Chr. von der Präzession erfuhr und dieses Phänomen, bzw. die Macht, diese kosmische Bewegung zu vollführen, einer Gottheit zuschrieb, nämlich Perseus. Der nämlich war eine Art Schutzpatron von Tarsos und außerdem als Sternbild mit kosmischer Macht leicht in Verbindung zu bringen. Auf den Kultbildern des Mithraskultes sieht man Mithras, eine Figur mit phrygischer Mütze, mit der auch Perseus dargestellt wird, oberhalb des Stieres, den er tötet. Einerseits weist dies auf die tatsächliche Position des Sternbildes Perseus oberhalb des Sternbildes Taurus hin, im übertragenen Sinne jedoch zeigen die Kultbilder durch die Tatsache, dass Mithras den Stier tötet, dass das Zeitalter, in dem das Frühlingsäquinoktium im Sternbild Taurus lag, vorbei ist.


Mithraskultbild in Form einer freistehenden Plastik, London, British Museum

5.2.Die Ausgestaltung der Mysterien [/size]

Welchen Inhalts auch immer das mysterion des Mithraskultes gewesen sein mag, wissen wir doch um die Ausgestaltung des Kultgeschehens umso mehr.
Um an dem Wohl teilhaben zu können, das die mächtige Gottheit, die (nach Cumont) den Stier tötet oder aber (nach Ulansey) für die Präzession der Äquinoktien verantwortlich ist, muss man in den engeren Kreis des Mithraskultes aufgenommen werden. Die Aufnahmezeremonie wird Initiation genannt. Bevor sie jedoch stattfindet, muss der Initiand einen längeren Unterricht in der mithrischen Lehre absolvieren. Erst danach kann die Initiation vollzogen werden. Dies geschah einerseits durch eine Taufe, die nach einiger Zeit durch eine Art Konfirmation bekräftigt werden muss und andererseits durch körperliche Proben und Selbstzüchtigungen, die sehr hart gewesen sind, über die aber nichts genaues bekannt ist.[anchor="T45"][/anchor][link anchor="Anm45" dest="51"]45[/link] Nach dieser Initiation konnte man sieben Weihestufen durchlaufen, wobei jeder Stufe eine Figur auf dem Kultbild entspricht:
Die unterste Stufe hieß Corax (Rabe) und symbolisierte den Raben auf dem Umhang des Mithras. Die nächste Stufe hieß Nymphus (Verlobter) und wurde mit der Schlange assoziiert. Danach kam der Miles (Soldat), der den Skorpion verkörperte. Die nächsthöhere Weihestufe war Leo (Löwe), der sich auf dem Kultbild als Hund wiederfand. Die fünfte Weihestufe war Perses (Perser), der dem Cautopates auf dem Kultbild entspricht. Die zweithöchste Stufe war der Heliodromus (Sonnenläufer), dargestellt durch Cautes. Und die höchste Weihestufe schließlich war der Pater (Vater), der den Mithras verkörperte. Der Großteil der Gläubigen jedoch nahm die unteren Stufen ein. Der Pater als oberster Priester einer jeweiligen Gemeinschaft und gleichzeitig Stellvertreter des Mithras hatte die Leitung einer jeweiligen Mithras„gemeinde“ inne. Die verschiedenen Weihestufen entsprechen dem Aufstieg der Seele zum Göttlichen.
Bei der Aufnahme eines Kultanhängers in eine neue Stufe war der Initiand gemäß der neuen Stufe, das heißt als Rabe, als Soldat usw., verkleidet. Außerdem waren jeder Weihestufe verschiedene Symbole zugeordnet.[anchor="T46"][/anchor][link anchor="Anm46" dest="51"]46[/link] Dies machte das Kultgeschehen und das komplizierte System, das dahinter stand anschaulich und eröffnet einen Zugang auch für einfache Menschen. Als weitere Veranschaulichung des Heilsgeschehens diente das rituelle Gemeinschaftsmahl aus Brot und Wein, das bei den Zusammenkünften im Andenken an das Abschiedsmahl des Mithras gefeiert wurde. Mit diesem Mahl nahm der einzelne Anhänger des Mithraskultes das Heil des Mithras in sich auf. Dies ist ein typisches Merkmal der Mysterienkulte. Der Eingeweihte sollte etwas erleben; das Kultgeschehen war nicht nur auf das rationelle Verstehen hin angelegt.
Innerhalb des Kultes wurde von den Anhängern eine streng ethische Lebensführung erwartet, die den Einzelnen dazu bewegen sollten, in der Nachfolge des Mithras das Gute zu tun. Durch die gemeinsame Aufgabe des guten Handelns und der Hingabe innerhalb des Kultes entstand unter den Anhängern des Mithraskultes ein enges Gemeinschaftsgefühl, das durch die Enge des Kultraumes noch unterstützt wurde. Der Kult war also auf den Einzelnen hin angelegt; das durch Initiation und Gemeinschaftsmahl erlangte Heil führte dazu, dass der einzelne Gläubige sich Hoffnungen auf ein Weiterleben nach dem Tod im Himmel machen konnte.

6.Zusammenfassung der Gemeinsamkeiten von Mithraskult und Christentum

Wie schon angedeutet gibt es einige mehr oder minder augenscheinliche Parallelen zwischen Mithraskult und Christentum. Beide sind Erlösungsreligionen, die dem Einzelnen dadurch, dass dieser dem Gott in seinem Tun nachfolgt, Heil versprechen. Beide Kulte kennen das Motiv der leidenden Gottheit. So entspricht dem christlichen „Das-Kreuz-auf-sich-Nehmen“ Jesu Mithras´ mühsames Tragen des Stieres durch die ganze Welt.
Jesus wie Mithras sind Götter, die das Licht verkörpern. Dies schlägt sich in der Lichtsymbolik beider Kulte nieder, z.B. an der Tatsache, dass der Geburtstag Jesu wie auch der Geburtstag des Mithras am Tag der Wintersonnenwende, dem 25. Dezember gefeiert wird.
Neben diesen Gemeinsamkeiten in der Lehre stehen die Parallelen in der Ausgestaltung der Kultpraxis. Vor allem ist dies natürlich die Taufe zur Aufnahme in die religiöse Gemeinschaft, der ein Katechumenat vorausgeht und der eine Konfirmation folgt. Des weiteren gibt es in beiden Gemeinschaften ein Abendmahl mit Brot und Wein, das dem Erlangen persönlichen Heils dient. Beide Kulte verlangen vom Gläubigen eine streng ethische Lebensführung, in der Nachfolge der Gottheit (Jesus, bzw. Mithras) gesehen wird.
Parallelen gibt es aber auch in der Symbolik. So hat das Sonnenkreuz[anchor="T47"][/anchor][link anchor="Anm47" dest="51"]47[/link] des Mithraskultes starke Ähnlichkeit mit dem Christusmonogramm.

7.Ist Mithra identisch mit Mithras? – Eine Zusammenfassung

Die Theorie des Franz Cumont behauptet eben dies. Jedoch kam es in neuerer Zeit zu mannigfaltiger Kritik an dieser These.[anchor="T48"][/anchor][link anchor="Anm48" dest="51"]48[/link] Ich will nur einige Punkte herausgreifen, die mir selbst äußerst kritikwürdig erscheinen.
Zunächst leuchtet die Kritik ein, dass in Cumonts These viele Dinge konstruiert und weit hergeholt wirken. Cumont muss behaupten, dass sämtliche Elemente, die uns im Mithraskult begegnen, bereits im persischen Glauben an Mithra angelegt sind, damit er seine These von der Gleichheit von Mithra und Mithras aufrecht erhalten kann. Besonders gilt dies natürlich für das zentrale Motiv der Mysterien, den Stier. Doch zieht er hier weit weniger bedeutende Quellen heran[anchor="T49"][/anchor][link anchor="Anm49" dest="51"]49[/link], als er es tut, um andere weit weniger wichtige Elemente der Mysterien auf altorientalische Vorstellungen zurückzuführen; in bezug auf den Stier scheint die Quellenlage bei weitem nicht so gut zu sein, wie bei anderen, unbedeutenderen Elementen. Im von Cumont in diesem Zusammenhang zitierten Bundahishn wird tatsächlich die Schaffung eines „Urstieres“ durch Ahura-Mazda beschrieben, doch wird dieser Stier nicht etwa von Mithra, oder Ahura-Mazda selbst getötet oder von einer Gottheit, die in sonstiger Weise mit Mithra assoziiert werden kann, sondern ausgerechnet von Ahriman, der Verkörperung des Bösen, der Gottheit, die der Stärkste Widersacher des Mithra ist.
Ein weiterer Kritikpunkt an Cumonts Theorie ist der, dass sich aus der Verehrung des Mithra im iranisch-indischen Kulturraum noch nicht die Entstehung der Mysterien und die letztendliche Ausprägung des Kultes erklären lassen. [anchor="T50"][/anchor][link anchor="Anm50" dest="62"]50[/link] Dies sind im Wesentlichen Elemente, die auf die Einflüsse zurückzuführen sind, die in Kleinasien in den Kultus des Mithra eingedrungen sind.[anchor="T51"][/anchor][link anchor="Anm51" dest="51"]51[/link] Zu behaupten, dass diese Ausprägungen dem iranisch-indischen Glauben an Mithra völlig fehlen, ist allerdings unangebracht. Im Parsismus nämlich gibt es eine dem Mithraskult sehr ähnliche Initiationszeremonie, die sich explizit auf Yäšt X, die Hymne an Mithra, beruft[anchor="T52"][/anchor][link anchor="Anm52" dest="51"]52[/link] und in der dort beschriebenen Weise begangen wird.[anchor="T53"][/anchor][link anchor="Anm53" dest="51"]53[/link]

8.Resümee
Mithraskult und Christentum verbreiteten sich unter sehr ähnlichen Bedingungen und zur selben Zeit. Beide Religionen stammen aus dem Orient und haben seit dem 2. Jh. n.Chr. Anhänger in allen Teilen des römischen Reiches. Beide Religionen nehmen das Heil des Einzelnen in den Blick und sind in diesem Punkt völlig verschieden von der herkömmlichen heidnischen Religion. Außerdem und haben beide Kulte ähnliche Ausformungen des Kultes und in der Symbolik.
Diese Ähnlichkeiten gaben Anlass zu den abstrusesten Theorien, die aber wenig ernstzunehmen sind.[anchor="T54"][/anchor][link anchor="Anm54" dest="51"]54[/link] Bis in die 1980er Jahre hinein war die Theorie von der rein orientalischen Herkunft des Mithraskultes, die Franz Cumont am Ende des 19. Jh. aufstellte, unumstritten[anchor="T55"][/anchor][link anchor="Anm55" dest="51"]55[/link]. 1989 erschien David Ulanseys Abhandlung „The Origins of Mithraic Mysteries“, in der er seine Theorie darlegt, die besagt, dass die Kultbilder in erster Linie als Sternenkarten zu lesen seien.
Viele Fragen bleiben offen, aber das Wissen um den Mithraskult ist wichtig, um die Entstehung und Ausbreitung des Christentums besser verstehen zu können.

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