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Der Neoschamanismus

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Der Neoschamanismus

Beitrag  Andy am Mo Feb 16, 2015 9:36 pm

Neoschamanismus (manchmal auch Neuschamanismus) bezeichnet eine moderne spirituelle Bewegung, die Sichtweisen und Methoden des Schamanismus der indigenen Stämme bzw. Völker aufnimmt und in eine für Angehörige der westlichen Kultur rezipier- und anwendbare Form integriert. Die Teile der sehr heterogenen Bewegung reichen dabei von esoterischen Gruppen bis hin zu sogenannten „neuen religiösen Bewegungen“ auf. Der Neoschamanismus insgesamt wird häufig als Teil der New Age-Bewegung geschichtlich eingeordnet.

Geschichte

Die Entwicklung des Neoschamanismus bzw. des „modernen westlichen Schamanismus“ setzte in den 1960er Jahren ein und ist verbunden mit einem wachsenden Interesse für nicht-westliche Spiritualität, dem Aufkommen des Umweltschutz-Gedankens, der Abwendung von der Kirche und der Suche nach existenziellen Alternativen.[1] „Traditionelle“ schamanische Praktiken wurden in der Folge in einem westlichen, urbanen Kontext neu interpretiert. Beeinflusst wurde diese Entwicklung durch Mircea Eliades Interpretation des Schamanismus als globales Phänomen und seine Annahme, dass die Menschheit durch den Kontakt mit ursprünglichen Mythen zurück zur Harmonie mit dem Heiligen finde, was unter den spirituellen Suchern der New Age-Bewegung auf großes Interesse stieß.[2]

Zentral für die Entwicklung des Neoschamanismus waren die Publikationen des Anthropologen Carlos Castaneda, der im Rahmen der Beschreibung seines schamanischen Lehrers Don Juan Matus die Beschäftigung mit „außereuropäischen Deutungen der Wirklichkeit und der Suche nach vertieftem Wissen von den Zusammenhängen des Kosmos“ schildert.[3] Castanedas Werk zog tausende von Menschen auf der Suche nach Spiritualität an und löste dadurch eine neue Bewegung aus. In der akademischen Diskussion wurde jedoch die Authentizität von Castanedas Berichten und die Existenz von Don Juan angezweifelt. Daher grenzte sich ein Teil der akademischen Welt von Castanedas populärwissenschaftlicher Literatur ab, während ihn andere vor dem Hintergrund der aufkommenden „Writing Culture“-Debatte als Beispiel einer „neuen Ethnographie“, welche bewusst Fiktion und subjektive Färbung in wissenschaftliche Repräsentation aufnahm, willkommen hießen.[4]

Ein zweites wichtiges Werk für den Neoschamanismus war Michael Harners „The Way of the Shaman: A Guide of Power and Healing“ (1980). Der Anthropologe wurde bei verschiedenen Indianergruppen in die schamanische Welt eingeführt und konnte im Gegensatz zu Castaneda beweisen, dass er tatsächlich dort war. Harner machte es sich in der Folgezeit zur Aufgabe, seine schamanischen Kenntnisse einem westlichen Publikum weiterzugeben. Basierend auf eigenen Erfahrungen sowie vergleichenden Studien versuchte er, den gemeinsamen Nenner der verschiedenen schamanischen Traditionen zu finden, welchen er als Core Shamanism bezeichnet. Institutionalisiert wurde die „Harner-Methode“ durch die Gründung der Foundation for Shamanic Studies (FSS) 1979, welche zum wichtigsten Zentrum des Neo-Schamanismus wurde.

Zwar wurde die Unabhängigkeit von kulturellen Hintergründen in der Folgezeit zu einem Grundgedanken des Neoschamanismus, doch konnte unter anderem die schwedische Anthropologin Galina Lindquist nachweisen, dass dieser nicht nur für ein westliches Publikum geschaffen wurde, sondern auch tief in der westlichen Tradition verwurzelt ist.[5] Passend zum knappen Zeitbudget des westlich sozialisierten Menschen kann man sich neo-schamanistische Praktiken relativ rasch und unproblematisch aneignen. Bei traditionellen Schamanen ist die Ausbildung dagegen mit einer langen und möglicherweise gefahrvollen Lehrzeit verbunden. Die Ausübung der schamanischen Tätigkeiten soll in der Regel dem Wohl der ganzen Gesellschaft dienen, wogegen die neoschamanistischen Techniken eher zur individuellen Selbstverwirklichung und Selbsthilfe eingesetzt werden.[6]

Ebenfalls in diesem Kontext ist die Aneignung des Schamanismus bzw. der Figur des Schamanen in der Kunst des 20. Jahrhunderts zu sehen; so bezeichneten sich beispielsweise populäre Künstler wie Jim Morrison und Joseph Beuys öffentlich als Schamanen.[7].
Hauptkonzepte des Neoschamanismus

Die neoschamanistische Szene ist kein homogenes Feld mit einheitlichen Konzepten und Methoden. Der Amerikaner Harner und sein Zentrum wurden jedoch vor allem in Europa zu einer Art Zentralinstanz des modernen Schamanismus, in Amerika selbst gibt es ein etwas breiteres Spektrum.[8] Abgrenzungen sind häufig nicht nur auf inhaltliche Aspekte, sondern auch auf die zunehmende Konkurrenz der verschiedenen Gruppierungen auf einem umkämpften Markt zurückzuführen.

Eng verbunden mit der Harner’schen Methode ist auch das Scandinavian Centre for Shamanic Studies. Lindquist, welche mit ethnologischer teilnehmender Beobachtung die schamanischen Kurse des Zentrums analysierte, beschrieb folgende Konzepte als zentral für den neoschamanischen Diskurs:[9]

„Demokratische Natur“ des Schamanismus: Jeder Mensch hat grundsätzlich die Fähigkeit zur schamanischen Reise. Diese kann jedoch aufgrund von kulturellen Mustern verborgen sein und muss somit wiederentdeckt werden.

„Nichtalltägliche Realität”, Geist-Helfer und Krafttiere: Ziel ist eine authentische Erfahrung eines anderen Bewusstseinszustands. Es gilt, eine spirituelle Welt zu entdecken, die der physischen Welt parallel ist und eine eigene Existenz hat. Diese Welt ist mit persönlichen, energiegeladenen Geistern gefüllt, die sich z.B. in Form von Krafttieren zeigen und um Hilfe gebeten werden können. Krafttiere sind Tiere, die mit besonderen Qualitäten verbunden werden und ursprünglich „natürliche“ Symbole der eigenen Kultur darstellen. Im Gegensatz zu Beschreibungen in vielen traditionellen Kulturen, in denen Geister der ganzen Gemeinschaft bekannt sind, bestehen sie im Neoschamanismus aus persönlichen Bildern, die zum Individuum gehören.

Imagination und schamanistische Reise: In westlichen Diskursen wird der Begriff der Imagination zwar oft benutzt, um außergewöhnliche Geschehnisse zu negieren. Gerade die Einbildungskraft wird jedoch benötigt, um die spirituelle Welt sichtbar zu machen. Im Neoschamanismus wird die Imagination, die nicht nur das Sehen, sondern alle Sinne miteinbezieht, als Informationsquelle genutzt, um die nichtalltägliche Realität zu einem Teil des Lebens zu machen. Die schamanische Reise beginnt – oft begleitet von Trommeln und Rasseln – durch die Visualisierung von Orten, die schließlich zu einem konkreten Reich werden, in das der Neoschamane eintreten kann. In vielen Kursen werden diese Imaginationen später in einer Erzählung wiedergegeben, durch welche sie zu tatsächlich Erlebtem werden, in den persönlichen Erfahrungsschatz eingehen und transformative Kraft erhalten.

Heilen: Aufgabe des Schamanen ist nicht nur die Erfahrung anderer Bewusstseinszustände und dabei insbesondere die Beschaffung von Wissen und Entscheidungshilfen, sondern auch die Beratung von Individuen und das Heilen von Kranken. Die hauptsächlichen Tätigkeiten dabei sind, verloren gegangene Krafttiere oder Seelenanteile wiederzufinden und zurückzubringen sowie sogenannte spirituelle Eindringlinge zu identifizieren und zu extrahieren, um das ursprüngliche Energiegleichgewicht wiederherzustellen.

Dieses Heilen wird wissenschaftlich unter anderem durch den Placebo-Effekt erklärt, der darauf gründet, dass Gedanken den Körper beeinflussen und der Patient durch die Veränderung seines Denkens geheilt werden kann (Intellektueller Ansatz).[10] Der symbolische Ansatz von Lévi-Strauss (1958) betont dagegen, dass der Schamane dem Patienten eine neue Sprache zur Verfügung stellt, die es ihm ermöglicht, die der Krankheit zugrunde liegenden Konflikte zu verstehen, auszudrücken und zu transformieren.[11] Dieser Ansatz wird in der psychoanalytischen Betrachtungsweise des Schamanismus verdeutlicht. Aus der Sicht der neueren Psychologie wird die oft tiefgreifende Veränderung der emotionalen Befindlichkeit als wesentlich für die erlebten psychosomatischen Veränderungen angesehen (In: Günter Chetano Lau: Schamanismus im 21. Jahrhundert).
Kritik am Neoschamanismus

Die Kritiker Daniel C. Noel und Robert J. Wallis sehen die Lehren Harners als falsche Interpretation der Kulturen, die er erlebt hat und falsch eingeordnet habe.[12] Geary Hobson sieht in der Nutzung des Begriffs "Schamanismus" in der New Age Bewegung als kulturelles "Zurecht rücken" der indigenen amerikanischen Kultur durch "weisse" Personen, die sich selbst von ihrer Geschichte entfernt hätten.[13] Kritiker denken, dass insbesondere Harners Werk die Basis gelegt habe für eine massive Ausbeutung indigener Kulturen durch "Plastikschamanen"[12]

Siehe auch

Ethnomedizin
Hoʻoponopono

Quelle - Literatur & Einzelnachweise
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