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Das Graßmannsche Gesetz oder Aspiratendissimilationsgesetz

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Das Graßmannsche Gesetz oder Aspiratendissimilationsgesetz

Beitrag  checker am Sa Sep 19, 2015 10:23 am

Das Graßmannsche Gesetz (auch: Aspiratendissimilationsgesetz) ist eine von dem Mathematiker und Sprachwissenschaftler Hermann Graßmann (1809–1877) für die indogermanische Sprachwissenschaft 1863[1] nachgewiesene phonetische Dissimilationsregel.

Aussagen

Das Gesetz gilt für das Altindoarische sowie für das Altgriechische und besagt: Bei einer mittelbaren Aufeinanderfolge zweier aspirierter Verschlusslaute verliert der erste die Behauchung.

Die Regel zeigt sich vor allem bei der Reduplikation von Verbalwurzeln. Von ved. dhā- (3. Klasse) z. B. lautet der Präsensstamm nicht *dhá-dhā-mi (1. Person Singular), sondern dádhāmi.[2] Im Altgriechischen betrifft die Regel die Tenues (tonlosen) aspiratae θ th, φ ph, χ kh sowie h (spiritus asper). Die bis auf den Reduplikationsvokal dem vedischen Beispiel entsprechende Form lautet τί-θη-μι, tí-thē-mi "ich setze" entstanden aus *θί-θη-μι, thí-thē-mi. Auch das Präsens ἔχω, ékhō "ich habe" hat so sein älteres anlautendes h verloren, *ἕχω, hékhō. Erhalten geblieben ist h jedoch im Futur ἕξω, héxō "ich werde haben" aus *hékhsō, weil das aus *khs entstandene ξ, x unbehaucht und somit die Graßmannsche Bedingung nicht erfüllt ist. Die indische und die griechische Aspiratendissimilation haben unabhängig voneinander stattgefunden, im Griechischen erst nach dem Übergang von *dh, *bh, *gh > th, ph, kh.
Beispiele aus dem Altgriechischen

θάπτω(Stamm: θαφτ-) (ich begrabe; Präs.) vs. ἐτάφην (ich wurde begraben, Aorist)
φεύγω (ich fliehe; Präs.) vs. πέφευγα (ich bin geflohen, Perfekt)

Siehe auch

Lautverschiebung
Zweite Lautverschiebung
Vernersches Gesetz
Erste Lautverschiebung (Grimmsches Gesetz)

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