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Die Killerbande von Brabant

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Die Killerbande von Brabant

Beitrag  checker am Do Feb 23, 2017 10:29 am

Die Killerbande von Brabant (niederländisch Bende van Nijvel, französisch Les Tueurs du Brabant) ist eine Gruppe, die gemeinhin für das Massaker von Brabant verantwortlich gemacht wird. Hierbei handelt es sich um eine Serie gewalttätiger Angriffe, die zwischen 1982 und 1985 in der belgischen Provinz Brabant stattfanden und 28 Todesopfer und über 20 Verletzte forderten. Nivelles ist eine Stadt der Provinz Wallonisch-Brabant und galt als geographisches Zentrum dieser Verbrechen. Die Verbrechen der Gruppe gelten, neben dem Fall Dutroux, als die aufsehenerregendsten der belgischen Nachkriegszeit.

Die Gruppe führte die bewaffneten Überfälle auf Restaurants, Einzelhändler, Supermärkte und ein Waffendepot mit beinahe militärischer Präzision aus. Die Täter erschossen dabei jeweils wahllos und kaltblütig mehrere unbeteiligte Menschen. Die bei den Morden verwendeten Tatwaffen waren teilweise aus einem Waffendepot der Polizei gestohlen worden.

Nach Aussagen von Augenzeugen bestand die Killerbande von Brabant aus drei Haupttätern, die in verschiedenen Konstellationen bei jeder Tat als Anführer auftraten und einer größeren Anzahl wechselnder weiterer Täter. Die drei Anführer waren der Riese (so genannt wegen seiner Körpergröße), der Killer (dieser tötete 23 von insgesamt 28 Opfern) und der wegen seines hohen Alters so genannte alte Mann. Die Identität und der Aufenthaltsort der Mörder sind unbekannt.[1]

Mögliche Motive

Die ungewöhnliche Professionalität und Brutalität bei der Ausführung der Verbrechen führte dazu, dass sich in der belgischen Öffentlichkeit mehrere Theorien über die Hintergründe der Taten verbreiteten. Diese sind zwar mittlerweile größtenteils widerlegt, tauchen jedoch regelmäßig in der öffentlichen Diskussion wieder auf.

Militante Gruppen

Die Killerbande wurde in der öffentlichen Diskussion mit der Neo-Nazi-Organisation Westland New Post in Verbindung gebracht. Diese hatte das Ziel, die belgische Gesellschaft zu destabilisieren und öffentliche Unruhen zu provozieren, um „eine Regierungsbildung durch die ultra-konservative Partei Parti Social-Chrétien zu fördern.“

Diese Theorie basierte auf Gerüchten über Neo-Nazi-Verbindungen der Gendarmerie in Brüssel und der „militärischen Präzision“ der Taten. Sämtliche Rijkswacht-Angehörigen hatten eine militärpolizeiliche Ausbildung und waren für Spezialeinsätze ausgebildet. Der umstrittene belgische Adlige Benoit de Bonvoisin, der sogenannte „Schwarze Baron“, wurde als einer der möglichen Finanziers der Killerbande genannt. Der ehemalige Leiter des Belgischen Staatssicherheitsdienstes (ndl. Veiligheid van de Staat) Albert Raes hatte diesen Begriff geprägt, nachdem de Bonvoisin wiederholt mit Kontakten zu den Cellules Communistes Combattantes und Gladio in Verbindung gebracht worden war. Der mutmaßliche Selbstmord des Anführers der Westland New Post, Paul Latinus, im April 1984 wurde mit der Gruppe ebenfalls in Verbindung gebracht.

Verschwörungstheorien

Das Massaker von Brabant wurde wiederholt mit einer Verschwörung innerhalb der belgischen Stay-behind-Organisation SDRA8 in Verbindung gebracht. Diese agierte getarnt innerhalb des militärischen Nachrichtendienstes Algemene Dienst Inlichting en Veiligheid (ADIV), der belgischen Gendarmerie SDRA6 und in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Nachrichtendienst Defense Intelligence Agency (DIA).

Eine Untersuchung des belgischen Parlaments fand keine stichhaltigen Beweise, dass Gladio involviert war oder dass kriminelle Gruppierungen das Stay-Behind-Netzwerk infiltriert hatten.[2] Die diesbezüglichen Ermittlungen der Untersuchungskommission wurden von den Leitern mehrerer belgischer Geheimdienste massiv behindert, die sich weigerten, Namenslisten der SDRA8 an die Untersuchungskommission zu übergeben, womit sie rechtswidrig ausdrückliche Anweisungen des belgischen Verteidigungsministers und des Justizministers missachteten.[3] Die Vorgänge führten zur Einrichtung eines ständigen parlamentarischen Kontrollausschusses zur Überwachung der Nachrichtendienste.[4]
Rosa Ballette

Eine weitere Theorie beruht auf den sogenannten Rosa Balletten[5] (niederl. Roze Balletten; französisch: les ballets roses; auch DOSSIER PINON).[1][6][7][8] Der Begriff umschreibt angebliche Sexpartys, bei denen es wiederholt zu Verkehr zwischen minderjährigen Jungen und Mädchen sowie mehreren bekannten Mitgliedern der belgischen High Society gekommen sein soll. Hieran sollen der Legende zufolge Adlige, hohe Beamte, Politiker, Minister, Industrielle und Polizeibeamte teilgenommen haben.

Der Grundstücksmagnat Jacques Fourez und seine Sekretärin Elise Dewit, beide wurden am 17. September 1983 durch die Killerbande ermordet, sollen zentrale Figuren dieser Pink Ballets gewesen sein[9] und sollen dieser Ansicht nach geheime Videoaufnahmen dieser Partys besessen haben. Die Brabant-Morde an Jacques van Camp (2. Oktober 1983) und Léon Finné (27. September 1985), sowie die Ermordung von Constantin Angelou wurden ebenfalls wiederholt mit derartigen Veranstaltungen in Verbindung gebracht.
Organisierte Kriminalität

Diese Theorie stand in Verbindung zum illegalen Waffenhandel, der in den achtziger Jahren ein Betätigungsfeld der Mafia war. Hierbei war der von der Killerbande in Overijse ermordete Bankier Léon Finné aufgrund seiner Verwicklungen in derartige Geschäfte eine Schlüsselfigur für solche Spekulationen.
Straftaten
Chronologie der mit der Gruppe in Verbindung gebrachten Straftaten[10] Datum Ort Ziel Opfer
14.8.1982 Maubeuge Angriff auf Lebensmittelgeschäft 1 Verwundeter
30.9.1982 Wavre Angriff auf Waffengeschäft 1 Toter, 3 Verwundete
Hoeilaart Schüsse auf Mitglieder der Brigade de Surveillance & de Recherche der belgischen Rijkswacht 2 Verwundete
23.12.1982 Brüssel Angriff auf das Hotel Chevaliers 1 Toter
9.1.1983 Mons Angriff auf einen Taxifahrer 1 Toter
25.2.1983 Uccle Angriff auf einen Supermarkt (Delhaize) 1 Verwundeter
3.3.1983 Hal Angriff auf Lebensmittelgeschäft (Colruyt) 1 Toter, 1 Verwundeter
10.9.1983 Temse Angriff auf Textilgeschäft 1 Toter, 1 Verwundeter
17.9.1983 Nivelles Angriff auf Lebensmittelgeschäft (Colruyt) 3 Tote, 1 Verwundeter
Braine-l’Alleud Feuergefecht mit der Polizei 1 Verwundeter
2.10.1983 Ohain Angriff auf ein Restaurant 1 Toter
7.10.1983 Beersel Angriff auf einen Supermarkt (Delhaize) 1 Toter, 3 Verwundete
1.12.1983 Anderlues Angriff auf ein Juweliergeschäft 2 Tote
27.9.1985 Braine-l’Alleud Angriff auf einen Supermarkt (Delhaize) 3 Tote, 2 Verwundete
Overijse Angriff auf einen Supermarkt (Delhaize) 5 Tote, 1 Verwundeter
9.11.1985 Aalst Angriff auf einen Supermarkt (Delhaize) 8 Tote, 9 Verwundete

Die Ermittler vermuten, dass die Überfälle deshalb plötzlich aufhörten, da möglicherweise einer der Täter, nach einem Überfall in Aalst am 9. November 1985, von der Polizei getroffen worden sein könnte und dies nicht überlebte. Wegen dieser These machte die Polizei noch zwanzig Jahre nach den Geschehnissen Ausgrabungen im Wald von Braine-le-Comte.

Eine Kommission, die bereits 1983 Nachforschungen über die Vorfälle aufnahm und diese nach drei Monaten einstellte, wurde 1985 erneut beauftragt, die Fälle aufzuklären.[11]

Das mutmaßliche Bandenmitglied Bruno Vandeuren wurde kurz vor seiner Vernehmung erschossen.[9]
Entwicklungen seit 2004

Die Polizei nahm die Ermittlungen 2004 erneut auf, nachdem in dem Wald Bois de la Houssière einige verlassene Waffen, Edelsteine und Kleidungsstücke gefunden worden waren. Es handelte sich um denselben Wald, in dem 1985 die drei Hauptverdächtigen zum letzten Mal erkannt worden waren.

Nach einem anonymen Hinweis durchsuchten im Jahr 2005 die Ermittler erfolglos dasselbe Waldstück in der Annahme, dort den verscharrten Leichnam eines der drei Anführer zu finden.

Im Januar 2012 beantragte Eddy Vos, der wichtigste Ermittler, einen Wechsel zu einem anderen Dienst.[12] Kurz darauf organisierte die Polizei 21 Hausdurchsuchungen; es wurde niemand verhaftet.[13]

Im Mai 2013 erstattete Eddy Vos eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Todesdrohungen; die Polizei nahm die Anzeige ernst.[14][15][16]

Im Juli 2013 diskutierte die Justizkommission der Abgeordnetenkammer die Ermittlungen, die negative Berichterstattungen über dieselben in den Medien und die Verjährung der Verbrechen am 10. November 2015. Nach dem belgischen Recht wäre eine weitere Strafverfolgung nach diesem Datum nicht mehr möglich.[17]

In den Jahren 2014 und 2015 sprachen sich u.a. Justizministerin Annemie Turtelboom und die Partei CdH für eine Verlängerung der Verjährungsfrist aus.[18][19][20] Im August 2015 brachte Justizminister Koen Geens einen Gesetzentwurf ein, der beabsichtigt, die Verjährungsfrist um zehn Jahre zu verlängern. Diese Verlängerung bezieht sich auf alle Delikte, für die das Strafrecht eine lebenslange Haftstrafe vorsieht.[21]

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