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Noel Field, Opfer der Stallinistischen säuberung

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Noel Field, Opfer der Stallinistischen säuberung

Beitrag  checker am Do Mai 11, 2017 7:42 pm

Noel Haviland Field, Noël Field (* 23. Januar 1904 in London; † 12. September 1970 in Budapest) war ein US-amerikanischer Diplomat, marxistischer Aktivist und Informant des sowjetischen GPU. Während des Zweiten Weltkrieges leitete er das Unitarian Service Committee und rettete so zahlreiche Flüchtlinge vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Nach Kriegsende wurde er als angeblicher US-Agent Opfer der stalinschen „Säuberungen“ im Ostblock.

Leben
Herkunft und Zeit bis 1949

Noel Field entstammte einer angesehenen amerikanischen Quäkerfamilie, wurde jedoch in Europa geboren und wuchs in Zürich auf. Dieser Umstand begünstigte seine vielseitige Sprachbegabung. Er machte diplomatisch in der Zwischenkriegszeit Karriere beim US-Außenministerium. Als überzeugter Kommunist ließ er sich in dieser Zeit als Informant für die sowjetische GPU werben. Dass der Militärnachrichtendienst GRU durch Fields eigene Indiskretion von dieser Tätigkeit erfuhr, sollte später gegen ihn verwendet werden. Möglicherweise um dem resultierenden Loyalitätskonflikt zwischen Vaterland und Politik zu entgehen, nahm er 1935 in Genf eine Stelle beim Völkerbund an. U.a. gehörte er zu dem Völkerbund-Ausschuss, der den Abzug der Internationalen Brigaden aus dem republikanischen Spanien überwachte. Nach dem Münchener Abkommen half er zusammen mit seinem Bruder Henry politischen Flüchtlingen aus Deutschland, die in der Tschechoslowakei Asyl gefunden hatten, nach Großbritannien zu übersiedeln.[1]

1940 wurde Field vom Völkerbund entlassen und dann im Frühjahr 1941 zusammen mit seiner Frau Herta Leiter einer Hilfsorganisation in Marseille, dem Unitarian Service Committee (USC). Das USC war in dieser Zeit – ähnlich wie das Emergency Rescue Committee (ERC) unter Varian Fry – mit der Unterstützung von Flüchtlingen beschäftigt, die entweder in Internierungslagern oder in der Illegalität lebend, die Auslieferung an Gestapo und SS zu fürchten hatten. Field nutzte seine Position, um diesem Personenkreis Lebensmittel, Geld, Papiere und persönliche Informationen zukommen zu lassen. Er engagierte sich auch für die medizinische Versorgung der Flüchtlinge, u.a. durch den Aufbau einer Klinik in Marseille. Insbesondere für die Kommunisten unter den Flüchtlingen waren diese Aktivitäten existenziell, da für sie aufgrund der Einwanderungsbestimmungen die Einreise in die USA versperrt war. Gleichwohl kam der größte Teil des Geldes, das Field benötigte, aus den USA. Denn er war Vertrauensmann des Joint Antifascist Refugee Committee, das unter Beteiligung vieler namhafter Schriftsteller wie John Dos Passos, John Steinbeck, Ernest Hemingway und Howard Fast Mittel zur Unterstützung der Flüchtlinge sammelte. Diese Mittel wurden von Field aus der Schweiz nach Südfrankreich gebracht. In dieser Funktion hatte er mit einer Vielzahl Kommunisten, zumeist im Untergrund oder in Gefangenschaft, Kontakt, denen er in vielen Fällen helfen konnte und denen er bei Reisen insbesondere nach Vichyfrankreich als Kurier des kommunistischen Widerstandes diente.

Field war aber auch zusammen mit dem protestantischen Pfarrer Manen im Sommer 1942 Augenzeuge der ersten Deportationen aus dem Lager Les Milles in die Vernichtungslager mitsamt den verzweifelten, aber in der Regel vergeblichen Versuchen, die Deportation noch abzuwenden.

Ab Ende 1942 setzte Field nach dramatischer Flucht seine Tätigkeit für das USC von der Schweiz aus fort.
1949–1955: „Paria“ in der späten Stalinära


Sashegy, Budapest

1949 geriet er ins Visier kommunistischer Geheimdienste. Zwar gilt der Vorwurf der Spionage für die USA als plump konstruiert. Der Erwartungsdruck an Mátyás Rákosi, Säuberungserfolge vorzuweisen, und das durch Titos Abfall von der Sowjetunion verstärkte Bedürfnis Stalins, ausländische, antistalinistische Kommunisten auszuschalten, schienen jedoch soweit zusammenzuspielen, dass eine todesträchtige Säuberungswelle an ihm aufgehängt wurde. Für diese Rolle schien er besonders geeignet, da er einerseits eine Karriere in den USA hinter sich hatte, andererseits durch sein Hilfswerk mit zahlreichen führenden Personen des kommunistischen Untergrundes zu tun gehabt hatte, von denen nun manche in hohe Stellen gerückt waren, als Westemigranten jedoch unter Generalverdacht standen.

Field wurde in Prag verhaftet und nach Ungarn verbracht. Als sein Bruder Hermann, seine Gattin Herta und seine Adoptiv-Tochter Erika Wallach geb. Glaser nach ihm suchten, wurden auch sie in unterschiedlichen osteuropäischen Ländern verhaftet und gefoltert. Unter Folter sagten sowohl Noel als auch Hermann Field aus, sie hätten in Osteuropa eine umfangreiche Spionageorganisation aufgebaut.

Im Zuge der Säuberung wurden alle, die mit ihm Kontakt hatten, mit dem Vorwurf US-amerikanischer Spionage konfrontiert und in vielen Fällen nach Schauprozessen hingerichtet. Hierbei fanden erpresste Aussagen Fields Verwendung. Unter den Opfern der Kampagne waren Ludwig Freund, László Rajk, Otto Katz und Rudolf Slánský (Slánský-Prozesse). Unter den zum Tode Verurteilten waren viele Juden.

Mehr oder weniger glimpflich überlebt haben die Kampagne Leo Bauer, Paula Acker, Paul Merker, Robert Rompe, Franz Dahlem, Philipp Daub, Kurt Müller und Hans Schrecker. Ein Sonderfall war Erich Mielke, der, als Lügner über seine Biographie enttarnt, beinahe vom Ankläger zum Angeklagten geworden wäre. Reichsbahngeneraldirektor Willi Kreikemeyer, im Hilfswerk ein enger Mitarbeiter Fields, hatte eher zufällig Mielkes Aufenthalt im westlichen Exil und dessen Kontakte zum Hilfswerk enthüllt.

1955–1970

Auch Noel Field gehörte zu den Überlebenden der Affäre. Er wurde 1955, von Einzelhaft und Folter schwer gezeichnet, aus der Haft entlassen, teilweise rehabilitiert und finanziell entschädigt. Auch seine verhafteten Familienmitglieder wurden entlassen und durften ausreisen. Nach wie vor überzeugter Kommunist, schien er seine Verhaftung als notwendiges Übel zu betrachten und lebte bis zu seinem Tod in Ungarn.
Film

Noel Field – Der erfundene Spion Dokumentarfilm, 1996, 104 Min., 35 mm, Drehbuch Werner Schweizer, Thomas Grimm, René Zumbühl, Regie Werner Schweizer, Produktion Dschoint Ventschr, Zürich
Thomas Grimm und Werner Schweizer (Interviewer): Erica Glaser-Wallach[2], Deutschland 1991, 153 Minuten


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