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Liselotte von der Pfalz

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Liselotte von der Pfalz

Beitrag  Andy am So Jan 14, 2018 10:42 pm

Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz, genannt Liselotte von der Pfalz (* 27. Mai 1652 in Heidelberg; † 8. Dezember 1722 in Saint-Cloud bei Paris), war Herzogin von Orléans und Schwägerin von König Ludwig XIV. von Frankreich. Literarische und historische Bedeutung erlangte sie u. a. durch ihren Briefwechsel, der durch seine teils sehr unverblümten Schilderungen des französischen Hoflebens von besonderem kulturgeschichtlichen Wert ist. Sie entstammte der Linie Pfalz-Simmern des deutschen Fürstenhauses Wittelsbach.


Liselotte von der Pfalz, frühes Porträt


Liselotte von der Pfalz im Jagdkostüm. Gemälde von Louis Ferdinand Elle (1612–1689) aus dem Jahre 1673: Deutsches Historisches Museum Berlin

Leben
Deutschland

Elisabeth Charlotte wurde am 27. Mai 1652 in Heidelberg geboren. Sie wurde nur „Liselotte“ genannt. Ihre Eltern waren Kurfürst Karl I. Ludwig von der Pfalz (der Sohn des „Winterkönigs“) und Charlotte von Hessen-Kassel. Liselotte war bei ihrer Geburt ein schmächtiges Kind, das per Nottaufe die Namen seiner Großmutter Elisabeth Stuart und seiner Mutter Charlotte erhalten hatte. Sie wurde im protestantischen Glauben erzogen, trat später aber aus dynastischen Gründen vor der Heirat zum katholischen Glauben über. Gleichwohl blieb sie dem Protestantismus zeit ihres Lebens emotional, wenn auch kritisch, verbunden.

1658 trennte sich Kurfürst Karl Ludwig von seiner Ehefrau Charlotte, um deren ehemalige Hofdame Freiin Marie Luise von Degenfeld zur linken Hand zu ehelichen. Luise wurde damit Liselottes Stiefmutter. Liselotte verstand sich nicht mit Luise, liebte aber ihre Halbgeschwister, 13 Raugräfinnen und Raugrafen, dafür umso mehr. Mit zweien ihrer Geschwister, den Raugräfinnen Luise (1661–1733) und Amalie Elisabeth, genannt Amelise (1663–1709), hielt sie zeitlebens regen Briefkontakt.

Um der Mutter die Tochter zu entziehen, schickte der Kurfürst Liselotte im Alter von sieben Jahren an den Hof von Hannover, wo seine Schwester Sophie als Ehefrau des Herzogs Ernst August, des späteren ersten Kurfürsten von Hannover, lebte. Die beiden wurden für vier Jahre ihre „Pflegeeltern“. Liselotte lernte auch ihre Großmutter Elisabeth Stuart kennen, die ehemalige „Winterkönigin“ von Böhmen, die im Exil in Den Haag lebte.

1663 gewährte der Kurfürst Liselottes Mutter Charlotte eine angemessene Entschädigung, die daraufhin die Heidelberger Residenz verließ. Gleich darauf holte der Kurfürst seine Tochter zurück nach Heidelberg an den Hof. Hier erhielt sie eine damals für Fürstenhäuser übliche höfische Mädchenerziehung.[1]
Frankreich

Liselotte wurde 1671 aus politischen Gründen mit dem Bruder Ludwigs XIV., Herzog Philipp I. von Orléans, verheiratet. Am französischen Hofe war sie bald nach ihrer Hochzeit recht isoliert. Grund dafür war die Homosexualität ihres Mannes[2][3], der mit ihr – wie mit seiner ersten Frau Henrietta Anne Stuart – zwar mehrere Nachkommen zeugte, ansonsten aber ein weitgehend eigenständiges, von seinen Günstlingen beeinflusstes Leben im Palais Royal führte.

Liselotte erkannte allerdings die gesellschaftliche Stellung der Madame Maintenon, der letzten bedeutenden Mätresse und letztlich heimlichen Ehefrau Ludwig XIV., nicht an, was dazu führte, dass Maintenon die einstmals guten Kontakte Liselottes zum König unterband.

Als die Wittelsbacher Linie Pfalz-Simmern 1685 mit dem Tode von Liselottes Bruder, des Kurfürsten Karl von der Pfalz, erlosch, erhob Liselottes Schwager Ludwig XIV. entgegen dem Erbschaftsvertrag Anspruch auf die Kurpfalz und begann den Pfälzischen Erbfolgekrieg, bei dem u. a. zweimal das Heidelberger Schloss zerstört wurde. Liselotte litt sehr unter den Verwüstungen ihrer Heimat. Ihr Mann Philipp verteilte die auf ihn entfallene Kriegsbeute großzügig an seine Günstlinge.

Nach dem Tod von Ludwig XIV. wurde ihr Sohn Philipp II. von Orléans – ihr Mann starb 1701 vor Ludwig – für den noch unmündigen König Ludwig XV. Regent von Frankreich. Damit war Liselotte wieder die erste Dame des Staates. Dies war sie schon einmal seit dem Tod der Maria Anna von Bayern am 20. April 1690, der Frau des Großen Dauphin Ludwig, bis zur Hochzeit des Dauphin Ludwig (Herzog von Burgund) mit Maria Adelaide von Savoyen am 7. Dezember 1697 gewesen.

Auf die Kinder Liselottes mit Philipp geht in männlicher Linie das Haus Orléans zurück, das mit Louis Philippe, dem so genannten „Bürgerkönig“, im Jahre 1830 auf den französischen Thron kam.
Briefe und Zitate

Eine besondere Bedeutung für die deutsche Literatur haben Liselottes zahlreiche Briefe. Insgesamt soll sie geschätzte 60.000 Briefe, davon 2/3 auf Deutsch und 1/3 auf Französisch, verfasst haben, von denen etwa 5000 erhalten sind [4]. Die Briefe enthalten plastische Schilderungen des Hoflebens und faszinieren durch ihre sprachliche Frische. Die meisten der erhaltenen Schreiben sind an ihre Tante Sophie von Hannover, und ihre Halbschwester, die Raugräfin Luise, gerichtet; auch Briefe an Gottfried Wilhelm Leibniz sind erhalten, und oft erwähnt sie darin ihre Erzieherin, Maria Ursula Kolb von Wartenberg.

„… wo der teüffel nicht hinkommen kan, da schickt er ein alt weib hin.“

– Liselotte von der Pfalz: In einem Brief vom 26. Juni 1686 an ihre Tante Sophie von Hannover über Madame de Maintenon, ein altes Sprichwort zitierend.[5]

„… das macht mir das hertz blutten, undt man nimbt mir es noch hoch vor übel daß ich trawerig drüber bin, …“

– Liselotte von der Pfalz: In einem Brief vom 10. November 1688 an ihre Tante Sophie von Hannover über die Zerstörung von Mannheim durch die französische Armee.[6]


Nachkommen

Alexander Louis d'Orléans, Herzog von Valois (2. Juni 1673–16. März 1676)
Philippe II. d’Orléans (1674–1723) ∞ Françoise Marie de Bourbon (1677–1749), eine legitimierte außereheliche Tochter Ludwigs XIV.
Élisabeth Charlotte d’Orléans (1676–1744) ∞ Leopold von Lothringen, Schwiegervater der Maria Theresia von Österreich.

Quelle
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Andy
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