Ganz oder „Ganz-Konzern“
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Ganz oder „Ganz-Konzern“
Ganz (ungarisch: Ganz vállalatok; deutsch: „Ganz-Konzern“; heutiger Name des Unternehmens: Ganz Holding Co. Ltd.) ist ein im Jahre 1844 von Ábrahám Ganz im späteren Budapest als Ganz & Cie gegründetes Unternehmen des Maschinenbaues, der Elektrotechnik und des Brückenbaus. Früher war Ganz auch in der Automobilherstellung, dem Bau von Flugmotoren sowie im Schiffbau aktiv. Nach dem Zusammenschluss der Lokomotiv- und Waggonfabrik Ganz mit der benachbarten Firma MÁVAG – einem weiteren Maschinen- und Eisenbahnhersteller – im Jahre 1959 firmiert dieser Unternehmensteil seitdem als Ganz-MÁVAG, bis er ab 1988 wieder in unabhängige Gesellschaften umgewandelt wurde und der Name MÁVAG daraufhin verschwand. Seit 1990 ist GANZ als Holding mit diversen Tochtergesellschaften konstituiert.
Dieselhydraulische Lok von Ganz-MÁVAG der Baureihe M41 „Csörgő“ der ungarischen Staatsbahn MÁV
Historische E-Lok V40 016 System Kando von Ganz von 1934 im Museum Füsti in Budapest
Triebwagen von Ganz des Typs „Hargita“ der MÁV im Ungarischen Eisenbahnmuseum Füsti in Budapest
Transformator von Zipernowsky, Déry und Bláthy 1885
Geschichte
Der Ganz-Konzern wurde im Jahre 1844 vom in der Schweiz geborenen Großindustriellen Ábrahám Ganz als Eisengießerei in Buda gegründet, der in jungen Jahren das Zimmerei- und Gießer-Handwerk erlernt hatte und 1841 als Händler nach Pest gekommen war.
Ganz & Cie wurde zu Beginn vor allem als Eisenbahnhersteller bekannt, der Eisenbahnräder, Achsen und sonstige entsprechende Komponenten fertigte. Während des Unabhängigkeitskrieges 1848 produzierten seine Werke Gußteile für Gewehre und Kanonen. Nach Kriegsende versuchte Ganz, die Erfindung des Engländers Burns für das Gießen von Wagenrädern weiterzuentwickeln und patentierte seine eigene Lösung 1855; viele seiner Erfolge basierten auf diesem Patent.
Elektrolok RA 362 für die Rete Adriatica/Italien 1905
Kleiner Kreuzer SMS Helgoland der k.u.k. Kriegsmarine von der Ganz-Werft in Fiume
Der Inhaber Ábrahám Ganz gründete später Beteiligungen an Unternehmen des Maschinenbaues („Ganz-MÁVAG“ mit Beteiligung von MÁVAG bzw. Csepel von Manfréd Weiss aus Budapest), der Elektrotechnik und der Automobilherstellung („Ganz-Büssing“ mit der deutschen Firma Büssing aus Braunschweig sowie „Ganz-Fiat“ unter Beteiligung der italienischen Firma Fiat aus Turin). Es war auch das Unternehmen Ganz, welche Ungarns erstes Automobil baute.
Das Unternehmen wurde um 1885 in Ganz & Co. umbenannt.
1885 wurde den Ganz-Mitarbeitern Károly Zipernowsky, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy das Patent auf den von ihnen entwickelten Transformator erteilt. Dieser war mechanisch nach dem umgekehrten Prinzip der heutigen Transformatoren aufgebaut; die Leiterspulen waren um einen soliden Kern aus unmagnetischem Material gewunden, darüber wurden dicke Eisendraht-Lagen gelegt, die eine ferromagnetische Schale bildeten. Dieser Transformator wurde von Ganz weltweit vertrieben, damit wurde das Unternehmen zunehmend der Pionier der ungarischen Wechselstromtechnik.
1887 wurde die Leobersdorfer Maschinenfabrik erworben, die bis 1938 in deren Besitz blieb.
Ein Triebwagenzug der Tranz Metro bestehend aus Baureihe EM-Einheiten von Ganz-MÁVAG in Epuni im Hutt Valley (Neuseeland)
1899 ließ Ganz & Co. unter dem Chefkonstrukteur Kálmán Kandó eine 1,5 Kilometer lange Versuchs-Bahnstrecke auf der Altofener Donauinsel für den Betrieb mit 3000 Volt Drehstrom anlegen. Als das Unternehmen um 1900 für die Munitionsfabrik Wöllersdorf bei Wiener Neustadt ein Kraftwerk einrichtete, wurde das mit dem Auftrag verbunden, die dazugehörende Werksbahn zu elektrifizieren. Obwohl hierfür eine Spannung von 300 bis 500 Volt genügt hätte, stattete man sie als Versuchsträger mit 3000 Volt aus. Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden bei der späteren Elektrifizierung der italienischen Bahnstrecken verwertet.
Die Eisenbahngesellschaft Rete Adriatica (RA) eröffnete in Norditalien 1902 die Veltlinbahn, die als erste mit Hochspannung elektrifizierte Hauptbahnlinie der Welt konzipiert war. Hierfür lieferte Ganz die Versorgung mit Drehstrom von 3000 Volt und 15,6 Hz. Zunächst wurden einige vierachsige Bo'Bo'-Triebwagen und kleinere Loks eingesetzt, ab 1905 drei von Ganz gebaute 1’C’1-Drehstromlokomotiven (Type 360).
U-Bahn Ganz-MÁVAG Typ Földalatti Villamos bei der Millennium-Untergrundbahn MILLFAV (Linie M1) in Budapest
Ganz & Co. wurden damit einer der Pioniere in der Geschichte des elektrischen Antriebs von Schienenfahrzeugen und die späteren GANZ Elektrotechnischen Werke in Budapest (Ganz Villamossági Gyár) zu einem bedeutenden Hersteller elektrischer Ausrüstungen für Straßenbahnen, Oberleitungsbusse und elektrische Vollbahnen. Der Ingenieur Kálmán Kandó entwickelte dabei auch die Technik für Elektrolokomotiven wie z. B. die Baureihe V40 der Staatsbahn MÁV, welche nach ihm bzw. der Antriebstechnik System Kando als Kandó-mozdony (Kandó-Lokomotive) benannt wurde.
Ganz & Co. beteiligte sich ab 1890 auch am Schiffbau in der Danubius-Werft im Hafen von Fiume – diese Werft existiert bis heute als „Werft 3. Maj“.
Während des Ersten Weltkriegs stellte das Unternehmen auch Rüstungsgüter her, die Beteiligungsgesellschaft Ganz-Fiat baute in Budapest unter anderem den bekannten und bewährten Reihen-Sechszylinder-Flugmotor Hiero, der zahlreiche Maschinen der k.u.k. Luftfahrttruppen antrieb.
Straßenbahn Ganz UV in Budapest (rechts) – links ein neuer Combino Plus von Siemens
Nach dem Krieg wurde das Engagement im Maschinenbau und der Elektrotechnik verstärkt, wegen des Wegfalls der Rüstungsherstellung kam noch der Bereich des Brücken- und Kraftwerkbaus hinzu. Im Jahre 1924 begann die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur György Jendrassik bei der Entwicklung von Dieselmotoren für Lokomotiven und Triebwagen, welche ab 1928 in die Produktion gingen. Damit baute GANZ seine Position am Markt als Motorenhersteller weiter aus. Schon 1929 wurde der erste Motor dieses Typs ins Ausland exportiert.
Im Zweiten Weltkrieg baute Ganz wiederum vorwiegend Rüstungsgüter, außer für die ungarische Armee auch für die deutsche Wehrmacht, darunter auch Lastkraftwagen, Panzer und Teile für Flugzeuge, darunter auch die legendäre Messerschmitt Bf 109. Dennoch beschränkten sich die Aktivitäten nicht nur auf die Produktion von Kriegsmaterial. Mitten im Krieg erschien 1943/44 in nur zwei Exemplaren auch eine modern konstruierte große zugstarke E-Lok mit der Achsfolge 2’Do2’ und der Baureihen-Bezeichnung V44, wobei sie äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit zur deutschen Baureihe E 18/E 19 aufwies. Sie verfügte über eine Leistung von 2.940 kW (ca. 4.000 PS) und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h.
Nach dem Krieg im Jahre 1953 wurden die Dieselmotoren für Eisenbahnfahrzeuge nach dem System Ganz-Jendrassik modernisiert und weiterentwickelt. Im Jahre 1957 entstand mit der Baureihe M601 in Zusammenarbeit mit MÁVAG (vorwiegend beim mechanischen Teil) eine große dieselelektrische Lokomotive mit der Achsfolge 1Co’Co1’ als Prototyp (auch diese war zumindest an den Fronten der E 18 bzw. E 19 ähnlich), welche wiederum mit einem Dieselmotor von GANZ ausgestattet war, der 2.000 PS (1.470 kW) leistete. Der Generator, die Steuerung sowie die insgesamt sechs elektrischen Fahrmotoren stammten ebenfalls von GANZ.
Im Jahre 1959 wird die Lokomotiv- und Waggonfabrik Ganz, welche Diesellokomotiven und Luxuswaggons für den Export produzierte, mit der unmittelbar in Budapest benachbarten MÁVAG – einem weiteren bedeutenden Fahrzeug-, Maschinen- und Eisenbahnhersteller des Landes – zusammengeschlossen. MÁVAG war zuvor ein wichtiger Lieferant von Dampflokomotiven, mit dem Ganz sowohl Beteiligungen als auch eine häufige Zusammenarbeit im Lokomotivbau durchgeführt hatte, weshalb sich eine Fusion anbot. Seitdem firmierte dieser Betriebsteil unter „Ganz-MÁVAG“.
Die Produktion im originalen Ganz-Eisenwerk wurde noch bis 1964 fortgesetzt, als dieser Firmenteil geschlossen und in ein Museum umgewandelt wurde, der unter dem Namen Öntödei Múzeum bis heute in ebendiesem historischen Gebäude existiert.
In den Jahren 1982–83 lieferte Ganz-Mávag eine größere Bestellung von 1979 über insgesamt 44 Elektrische Triebwagen der Baureihe EM sowie 44 Beiwagen ohne Antrieb der Baureihe ET an die New Zealand Rail für den Vorortverkehr der Hauptstadt Wellington aus (entsprechendes Streckennetz heute selbstständig als Tranz Metro). Dies war der größte Exportauftrag aus einem Land außerhalb des Ostblocks in der Firmengeschichte seit der Verstaatlichung des Unternehmens im Jahre 1948.
Ab 1988 wurde Ganz-MÁVAG wieder in unabhängige Gesellschaften umgewandelt, woraufhin der einst bekannte Name MÁVAG verschwand. Die von Ábrahám Ganz aufgebauten Werke bestehen heute aus verschiedenen Konzerngruppen, z. B. die Ganz Transelektro und die Abteilung für Brückenbau. Seit 1990 ist Ganz als Holding mit diversen Tochtergesellschaften konstituiert.
In den letzten Jahren trat vor allen Ganz Transelektro international in Erscheinung, als dieses Unternehmen Elektrische Ausrüstungen für moderne Oberleitungsbusse des Herstellers Solaris entwickelte und auch in die Fahrzeuge in Budapest einbaute. Entsprechende Fahrzeuge gingen unter anderem nach Landskrona (Schweden) sowie Rom (Italien).
Ganz Transelektro wurde 2006 an Crompton Greaves verkauft.[1]
Bekannte Erzeugnisse
Ganz Flugmotoren (historisch)
Hiero (ab 1916 im Motorenwerk „Ganz-Fiat“ hergestellt)
Ganz Schiffbau (historisch)
SMS Helgoland der k.u.k. Kriegsmarine
SMS Szent István (1914) der k.u.k. Kriegsmarine
Ganz Diesellokomotiven (historisch)
Elektrische Kraftübertragung
MÁV-Baureihe M601
Ganz-MÁVAG Diesellokomotiven
Hydraulische Kraftübertragung
MÁV-Baureihe M31 „Zetor”
MÁV-Baureihe M32 „Gokart”
MÁV-Baureihe M38
MÁV-Baureihe M41 „Csörgő”
MÁV-Baureihe M46
Elektrische Kraftübertragung
MÁV-Baureihe M40 „Púpos”
MÁV-Baureihe M42 „Szörnyella”
MÁV-Baureihe M44 „Bobó”
MÁV-Baureihe M63 „Gyík”/„Bulldog”/„Dízel Gigant”
Ganz Elektrolokomotiven (historisch)
MÁV-Baureihe V40 „Kandó“
MÁV-Baureihe V44
MÁV-Baureihe V50
MÁV-Baureihe V51
MÁV-Baureihe V55 „Bocó“
MÁV-Baureihe V60
Ganz-MÁVAG Elektrolokomotiven
MÁV-Baureihe V41 „Leo“
MÁV-Baureihe V42 „Leo“
MÁV-Baureihe V43 „Szili”
MÁV-Baureihe V45
MÁV-Baureihe V46 „HiFi torony”/„Csöpi”/„Szöcske”
MÁV-Baureihe V63 „Gigant”
Ganz Elektrotriebwagen (historisch)
MÁV-Baureihe Cav 425
Ganz-MÁVAG Elektrotriebwagen
MÁV-Baureihe BDVmot
MÁV-Baureihe BVhmot
MÁV-Baureihe BVmot
NZR-Baureihe EM (für den Export nach Neuseeland)
Ganz Dieseltriebwagen (historisch)
MÁV-Baureihe BCmot
MÁV-Baureihe BCymot
MÁV-Triebwagen „Hargita“, geliefert wurden diese auch u.a. in die Tschechoslowakei (diese Triebzüge wurden dreiteilig ausgeführt) und in die DDR drei Züge (DR-Baureihe VT 12.14).
Ganz-MÁVAG Dieseltriebwagen
MÁV-Baureihe MDmot „Piroska”/„MD”
Ganz-MÁVAG Dieseltriebwagen Serie D1 für UdSSR
Ganz-MÁVAG U-Bahn-Wagen
Ganz földalatti villamos „Kisföldalatti”
Ganz Straßenbahnen (historisch)
Ganz UV
Ganz-MÁVAG Straßenbahnen
Ganz Csuklós „Ipari csuklós”/„Ipari“
Ganz Straßenbahnen
KCSV6 (auch KCSV-6)
Ganz-Ansaldo/Ganz-Hunslet Straßenbahnen
KCSV7 (auch KCSV-7)
Ganz Obusse
Anmerkung: GANZ stellt den elektrischen Teil her und übernimmt auch die Endmontage in Budapest
Ikarus/Ganz 280T
Ikarus/Ganz 312T
Ikarus/Ganz 412T
Ikarus/Ganz 415T
Ikarus/Ganz 435T
Solaris/Ganz Trollino
Museum
Die ursprünglichen Gebäude in der Bem Jozsef-utca in Budapest, in denen seit 1964 nicht mehr gearbeitet wird, beherbergen heute das Gießerei Museum (Ontodei Museum) in dem einerseits auf das Leben Abhraham Ganz und Andras Mechwart eingegangen wird, andererseits die Rolle der Gießereien in Ungarn zeigen.[2]
Quelle
Dieselhydraulische Lok von Ganz-MÁVAG der Baureihe M41 „Csörgő“ der ungarischen Staatsbahn MÁV
Historische E-Lok V40 016 System Kando von Ganz von 1934 im Museum Füsti in Budapest
Triebwagen von Ganz des Typs „Hargita“ der MÁV im Ungarischen Eisenbahnmuseum Füsti in Budapest
Transformator von Zipernowsky, Déry und Bláthy 1885
Geschichte
Der Ganz-Konzern wurde im Jahre 1844 vom in der Schweiz geborenen Großindustriellen Ábrahám Ganz als Eisengießerei in Buda gegründet, der in jungen Jahren das Zimmerei- und Gießer-Handwerk erlernt hatte und 1841 als Händler nach Pest gekommen war.
Ganz & Cie wurde zu Beginn vor allem als Eisenbahnhersteller bekannt, der Eisenbahnräder, Achsen und sonstige entsprechende Komponenten fertigte. Während des Unabhängigkeitskrieges 1848 produzierten seine Werke Gußteile für Gewehre und Kanonen. Nach Kriegsende versuchte Ganz, die Erfindung des Engländers Burns für das Gießen von Wagenrädern weiterzuentwickeln und patentierte seine eigene Lösung 1855; viele seiner Erfolge basierten auf diesem Patent.
Elektrolok RA 362 für die Rete Adriatica/Italien 1905
Kleiner Kreuzer SMS Helgoland der k.u.k. Kriegsmarine von der Ganz-Werft in Fiume
Der Inhaber Ábrahám Ganz gründete später Beteiligungen an Unternehmen des Maschinenbaues („Ganz-MÁVAG“ mit Beteiligung von MÁVAG bzw. Csepel von Manfréd Weiss aus Budapest), der Elektrotechnik und der Automobilherstellung („Ganz-Büssing“ mit der deutschen Firma Büssing aus Braunschweig sowie „Ganz-Fiat“ unter Beteiligung der italienischen Firma Fiat aus Turin). Es war auch das Unternehmen Ganz, welche Ungarns erstes Automobil baute.
Das Unternehmen wurde um 1885 in Ganz & Co. umbenannt.
1885 wurde den Ganz-Mitarbeitern Károly Zipernowsky, Miksa Déri und Ottó Titusz Bláthy das Patent auf den von ihnen entwickelten Transformator erteilt. Dieser war mechanisch nach dem umgekehrten Prinzip der heutigen Transformatoren aufgebaut; die Leiterspulen waren um einen soliden Kern aus unmagnetischem Material gewunden, darüber wurden dicke Eisendraht-Lagen gelegt, die eine ferromagnetische Schale bildeten. Dieser Transformator wurde von Ganz weltweit vertrieben, damit wurde das Unternehmen zunehmend der Pionier der ungarischen Wechselstromtechnik.
1887 wurde die Leobersdorfer Maschinenfabrik erworben, die bis 1938 in deren Besitz blieb.
Ein Triebwagenzug der Tranz Metro bestehend aus Baureihe EM-Einheiten von Ganz-MÁVAG in Epuni im Hutt Valley (Neuseeland)
1899 ließ Ganz & Co. unter dem Chefkonstrukteur Kálmán Kandó eine 1,5 Kilometer lange Versuchs-Bahnstrecke auf der Altofener Donauinsel für den Betrieb mit 3000 Volt Drehstrom anlegen. Als das Unternehmen um 1900 für die Munitionsfabrik Wöllersdorf bei Wiener Neustadt ein Kraftwerk einrichtete, wurde das mit dem Auftrag verbunden, die dazugehörende Werksbahn zu elektrifizieren. Obwohl hierfür eine Spannung von 300 bis 500 Volt genügt hätte, stattete man sie als Versuchsträger mit 3000 Volt aus. Die dabei gewonnenen Erfahrungen wurden bei der späteren Elektrifizierung der italienischen Bahnstrecken verwertet.
Die Eisenbahngesellschaft Rete Adriatica (RA) eröffnete in Norditalien 1902 die Veltlinbahn, die als erste mit Hochspannung elektrifizierte Hauptbahnlinie der Welt konzipiert war. Hierfür lieferte Ganz die Versorgung mit Drehstrom von 3000 Volt und 15,6 Hz. Zunächst wurden einige vierachsige Bo'Bo'-Triebwagen und kleinere Loks eingesetzt, ab 1905 drei von Ganz gebaute 1’C’1-Drehstromlokomotiven (Type 360).
U-Bahn Ganz-MÁVAG Typ Földalatti Villamos bei der Millennium-Untergrundbahn MILLFAV (Linie M1) in Budapest
Ganz & Co. wurden damit einer der Pioniere in der Geschichte des elektrischen Antriebs von Schienenfahrzeugen und die späteren GANZ Elektrotechnischen Werke in Budapest (Ganz Villamossági Gyár) zu einem bedeutenden Hersteller elektrischer Ausrüstungen für Straßenbahnen, Oberleitungsbusse und elektrische Vollbahnen. Der Ingenieur Kálmán Kandó entwickelte dabei auch die Technik für Elektrolokomotiven wie z. B. die Baureihe V40 der Staatsbahn MÁV, welche nach ihm bzw. der Antriebstechnik System Kando als Kandó-mozdony (Kandó-Lokomotive) benannt wurde.
Ganz & Co. beteiligte sich ab 1890 auch am Schiffbau in der Danubius-Werft im Hafen von Fiume – diese Werft existiert bis heute als „Werft 3. Maj“.
Während des Ersten Weltkriegs stellte das Unternehmen auch Rüstungsgüter her, die Beteiligungsgesellschaft Ganz-Fiat baute in Budapest unter anderem den bekannten und bewährten Reihen-Sechszylinder-Flugmotor Hiero, der zahlreiche Maschinen der k.u.k. Luftfahrttruppen antrieb.
Straßenbahn Ganz UV in Budapest (rechts) – links ein neuer Combino Plus von Siemens
Nach dem Krieg wurde das Engagement im Maschinenbau und der Elektrotechnik verstärkt, wegen des Wegfalls der Rüstungsherstellung kam noch der Bereich des Brücken- und Kraftwerkbaus hinzu. Im Jahre 1924 begann die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur György Jendrassik bei der Entwicklung von Dieselmotoren für Lokomotiven und Triebwagen, welche ab 1928 in die Produktion gingen. Damit baute GANZ seine Position am Markt als Motorenhersteller weiter aus. Schon 1929 wurde der erste Motor dieses Typs ins Ausland exportiert.
Im Zweiten Weltkrieg baute Ganz wiederum vorwiegend Rüstungsgüter, außer für die ungarische Armee auch für die deutsche Wehrmacht, darunter auch Lastkraftwagen, Panzer und Teile für Flugzeuge, darunter auch die legendäre Messerschmitt Bf 109. Dennoch beschränkten sich die Aktivitäten nicht nur auf die Produktion von Kriegsmaterial. Mitten im Krieg erschien 1943/44 in nur zwei Exemplaren auch eine modern konstruierte große zugstarke E-Lok mit der Achsfolge 2’Do2’ und der Baureihen-Bezeichnung V44, wobei sie äußerlich eine gewisse Ähnlichkeit zur deutschen Baureihe E 18/E 19 aufwies. Sie verfügte über eine Leistung von 2.940 kW (ca. 4.000 PS) und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h.
Nach dem Krieg im Jahre 1953 wurden die Dieselmotoren für Eisenbahnfahrzeuge nach dem System Ganz-Jendrassik modernisiert und weiterentwickelt. Im Jahre 1957 entstand mit der Baureihe M601 in Zusammenarbeit mit MÁVAG (vorwiegend beim mechanischen Teil) eine große dieselelektrische Lokomotive mit der Achsfolge 1Co’Co1’ als Prototyp (auch diese war zumindest an den Fronten der E 18 bzw. E 19 ähnlich), welche wiederum mit einem Dieselmotor von GANZ ausgestattet war, der 2.000 PS (1.470 kW) leistete. Der Generator, die Steuerung sowie die insgesamt sechs elektrischen Fahrmotoren stammten ebenfalls von GANZ.
Im Jahre 1959 wird die Lokomotiv- und Waggonfabrik Ganz, welche Diesellokomotiven und Luxuswaggons für den Export produzierte, mit der unmittelbar in Budapest benachbarten MÁVAG – einem weiteren bedeutenden Fahrzeug-, Maschinen- und Eisenbahnhersteller des Landes – zusammengeschlossen. MÁVAG war zuvor ein wichtiger Lieferant von Dampflokomotiven, mit dem Ganz sowohl Beteiligungen als auch eine häufige Zusammenarbeit im Lokomotivbau durchgeführt hatte, weshalb sich eine Fusion anbot. Seitdem firmierte dieser Betriebsteil unter „Ganz-MÁVAG“.
Die Produktion im originalen Ganz-Eisenwerk wurde noch bis 1964 fortgesetzt, als dieser Firmenteil geschlossen und in ein Museum umgewandelt wurde, der unter dem Namen Öntödei Múzeum bis heute in ebendiesem historischen Gebäude existiert.
In den Jahren 1982–83 lieferte Ganz-Mávag eine größere Bestellung von 1979 über insgesamt 44 Elektrische Triebwagen der Baureihe EM sowie 44 Beiwagen ohne Antrieb der Baureihe ET an die New Zealand Rail für den Vorortverkehr der Hauptstadt Wellington aus (entsprechendes Streckennetz heute selbstständig als Tranz Metro). Dies war der größte Exportauftrag aus einem Land außerhalb des Ostblocks in der Firmengeschichte seit der Verstaatlichung des Unternehmens im Jahre 1948.
Ab 1988 wurde Ganz-MÁVAG wieder in unabhängige Gesellschaften umgewandelt, woraufhin der einst bekannte Name MÁVAG verschwand. Die von Ábrahám Ganz aufgebauten Werke bestehen heute aus verschiedenen Konzerngruppen, z. B. die Ganz Transelektro und die Abteilung für Brückenbau. Seit 1990 ist Ganz als Holding mit diversen Tochtergesellschaften konstituiert.
In den letzten Jahren trat vor allen Ganz Transelektro international in Erscheinung, als dieses Unternehmen Elektrische Ausrüstungen für moderne Oberleitungsbusse des Herstellers Solaris entwickelte und auch in die Fahrzeuge in Budapest einbaute. Entsprechende Fahrzeuge gingen unter anderem nach Landskrona (Schweden) sowie Rom (Italien).
Ganz Transelektro wurde 2006 an Crompton Greaves verkauft.[1]
Bekannte Erzeugnisse
Ganz Flugmotoren (historisch)
Hiero (ab 1916 im Motorenwerk „Ganz-Fiat“ hergestellt)
Ganz Schiffbau (historisch)
SMS Helgoland der k.u.k. Kriegsmarine
SMS Szent István (1914) der k.u.k. Kriegsmarine
Ganz Diesellokomotiven (historisch)
Elektrische Kraftübertragung
MÁV-Baureihe M601
Ganz-MÁVAG Diesellokomotiven
Hydraulische Kraftübertragung
MÁV-Baureihe M31 „Zetor”
MÁV-Baureihe M32 „Gokart”
MÁV-Baureihe M38
MÁV-Baureihe M41 „Csörgő”
MÁV-Baureihe M46
Elektrische Kraftübertragung
MÁV-Baureihe M40 „Púpos”
MÁV-Baureihe M42 „Szörnyella”
MÁV-Baureihe M44 „Bobó”
MÁV-Baureihe M63 „Gyík”/„Bulldog”/„Dízel Gigant”
Ganz Elektrolokomotiven (historisch)
MÁV-Baureihe V40 „Kandó“
MÁV-Baureihe V44
MÁV-Baureihe V50
MÁV-Baureihe V51
MÁV-Baureihe V55 „Bocó“
MÁV-Baureihe V60
Ganz-MÁVAG Elektrolokomotiven
MÁV-Baureihe V41 „Leo“
MÁV-Baureihe V42 „Leo“
MÁV-Baureihe V43 „Szili”
MÁV-Baureihe V45
MÁV-Baureihe V46 „HiFi torony”/„Csöpi”/„Szöcske”
MÁV-Baureihe V63 „Gigant”
Ganz Elektrotriebwagen (historisch)
MÁV-Baureihe Cav 425
Ganz-MÁVAG Elektrotriebwagen
MÁV-Baureihe BDVmot
MÁV-Baureihe BVhmot
MÁV-Baureihe BVmot
NZR-Baureihe EM (für den Export nach Neuseeland)
Ganz Dieseltriebwagen (historisch)
MÁV-Baureihe BCmot
MÁV-Baureihe BCymot
MÁV-Triebwagen „Hargita“, geliefert wurden diese auch u.a. in die Tschechoslowakei (diese Triebzüge wurden dreiteilig ausgeführt) und in die DDR drei Züge (DR-Baureihe VT 12.14).
Ganz-MÁVAG Dieseltriebwagen
MÁV-Baureihe MDmot „Piroska”/„MD”
Ganz-MÁVAG Dieseltriebwagen Serie D1 für UdSSR
Ganz-MÁVAG U-Bahn-Wagen
Ganz földalatti villamos „Kisföldalatti”
Ganz Straßenbahnen (historisch)
Ganz UV
Ganz-MÁVAG Straßenbahnen
Ganz Csuklós „Ipari csuklós”/„Ipari“
Ganz Straßenbahnen
KCSV6 (auch KCSV-6)
Ganz-Ansaldo/Ganz-Hunslet Straßenbahnen
KCSV7 (auch KCSV-7)
Ganz Obusse
Anmerkung: GANZ stellt den elektrischen Teil her und übernimmt auch die Endmontage in Budapest
Ikarus/Ganz 280T
Ikarus/Ganz 312T
Ikarus/Ganz 412T
Ikarus/Ganz 415T
Ikarus/Ganz 435T
Solaris/Ganz Trollino
Museum
Die ursprünglichen Gebäude in der Bem Jozsef-utca in Budapest, in denen seit 1964 nicht mehr gearbeitet wird, beherbergen heute das Gießerei Museum (Ontodei Museum) in dem einerseits auf das Leben Abhraham Ganz und Andras Mechwart eingegangen wird, andererseits die Rolle der Gießereien in Ungarn zeigen.[2]
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